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Technische Lehrkräfte Darum beträgt das Deputat bei manchen 27 und bei anderen 28 Wochenstunden

Kolleg*innen fragen sich immer wieder, wie es zu der unterschiedlichen Höhe des Wochendeputates kommt. Ein Blick in die Lehrkräfte-Arbeitszeitverordnung liefert die Antwort. Warum das nicht mehr zeitgemäß ist und was wir fordern, erfahren Sie hier.

08.12.2021 - Von Jörg Sattur, Vorsitzender des Arbeitskreises der Technischen Lehrkräfte an Beruflichen Schulen

Immer wieder herrscht bei Technischen Lehrer*innen (TL) Verwirrung über die unterschiedliche Höhe des Wochendeputates. Bei den meisten liegt dieses bei 27 Wochenstunden, doch bei manchen Kolleg*innen beträgt dieses 28 Wochenstunden. Wie kommt das?

Die Arbeitszeit der Technischen Lehrkräfte ist in der Lehrkräfte-Arbeitszeitverordnung geregelt. Dort heißt es, dass das Deputat bei TL*innen in der kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Richtung 27 Wochenstunden beträgt. Bei den TL*innen der gewerblichen und landwirtschaftlichen Richtung beträgt das Deputat zwar auch 27 Stunden, aber nur dann, wenn mehr als vier Stunden in den dualen Ausbildungsbereichen – Technologiepraktikum (TP), Praktische Fachkunde (FP) beziehungsweise im Lernfeld BTW-Unterricht – erteilt werden. Sind es weniger als vier Stunden TP-, FP- oder BTW-Unterricht, also fachpraktische Unterweisung (zum Beispiel im Übergangsbereich der Berufsfachschulen), so beträgt das Deputat allerdings 28 Wochenstunden!

Der Anteil der Technischen Lehrkräfte mit dem höheren Wochendeputat ist in den vergangenen Jahren angestiegen und betrifft inzwischen rund 25 Prozent der TL*innen.

Das hält die GEW weder für zeitgemäß noch angemessen. Die Anforderungen des Unterrichts sind gerade auch in den Übergangsbereichen enorm angestiegen. Der Unterricht in diesen Schularten geht weit über ein „fachpraktisches Unterrichten“ hinaus. Die scharfe Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr aufgelöst. So bedeutet zum Beispiel die Einführung der „Ausbildungsvorbereitung dual“ auch für die TL*innen einen erhöhten Arbeits- und Unterrichtsaufwand. Zudem übernehmen TL*innen mehr und mehr Aufgaben in den administrativen Bereichen der Schulen.

Die gestiegenen Anforderungen an die TL*innen spiegeln sich auch darin wider, dass die Ausbildung der TL*innen an die Seminare angegliedert wurde und auch inhaltlich angepasst und reformiert wurde.

GEW-Standpunkt

Wir fordern, dass zeitnah die Arbeitszeitverordnung dahingehend angepasst wird, dass das Deputat aller TL*innen unabhängig von der Schulart, in welcher sie unterrichten, 27 Wochenstunden beträgt.

Darüber hinaus fordert die GEW seit Jahrzehnten, dass das Deputat aller TL*innen (wie inzwischen in anderen Bundesländern auch geschehen) an das Deputat der wissenschaftlichen Lehrkräfte angepasst und auf 25 Wochenstunden abgesenkt wird.