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Drei Fragen an GEW-Mitglieder zur Tarifrunde„Das Land sollte unsere Arbeit grundsätzlich besser wertschätzen“

In jeder Tarifrunde gibt es unterschiedliche Bedürfnisse. Wie die GEW-Mitglieder das Ergebnis am Ende bewerten, hängt vor allem von ihrer persönlichen Lage ab. Unser Kurzinterview zeigt vier Betrachtungsweisen auf.

21.10.2021

Wann ist die Tarifrunde für dich ein Erfolg?

Andrea Skillicorn (tarifbeschäftigte Lehrerin, Mitglied im HPR GHWRGS): Es gibt noch viele Unterschiede zwischen Beamt*innen und Arbeitnehmer*innen und die sollten verringert werden. Bei einer Höhergruppierung sollten auch die Angestellten die bereits erreichte Stufe mitnehmen dürfen. Nach meiner Hola-Ausbildung hatte ich deswegen persönliche Nachteile.

Günther Thum-Störk (tarifbeschäftigter Lehrer in einer katholischen Privatschule, Mitglied im HPR GHWRGS): Die Lohnsteigerung sollte über der Inflationsrate liegen, damit etwas von der Lohnerhöhung übrig bleibt.

Es gibt auch viele Fehler, die neu geregelt werden müssten. Beispielsweise bei den Fachlehrkräften gibt es viele Ungereimtheiten. Wann eine Angleichungszulage ansteht und wann nicht, ist auch oft nicht logisch. Innerhalb der Lehrerschaft ist einiges nicht fair geregelt.

Marco Unger (Verwaltungsangestellter an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd): Wenn das Engagement im öffentlichen Dienst gewürdigt wird. Dazu braucht es entweder ein sehr großes prozentuales Gehaltsplus oder andere Verbesserungen. Beispielsweise sollten die Homeoffice-Möglichkeiten bestehen bleiben oder man sollte seine Gehaltsstufe behalten können, wenn man das Bundesland wechselt. Die Arbeitsverdichtung ist an den Hochschulen sehr groß. Eine bessere Work-Life-Balance wäre bei uns auch ein großer Erfolg.

Wenn man die Tarifrunde beurteilt, muss man das Paket angucken. Und jeder hat andere Bedürfnisse. Jemand, der gerade ein Haus abzahlt, findet 5 Prozent mehr Gehalt super. Wenn jemand aber gerade eine Familie gegründet hat oder Zeit für die Enkel haben möchte, den Menschen würde weniger Arbeitszeit mehr helfen.

Gunter Krieger (Vorsitzender der GEW-Mitglieder im Ruhestand): Wenn die Tarifbeschäftigten ihre Forderungen durchsetzen. Mir ist wichtig, dass Mitglieder im Ruhestand wissen, dass die Tarifabschlüsse auch für sie monetär von Interesse sind.

Welches Anliegen liegt dir grundsätzlich am Herzen?

Andrea: In vielen Regelungen sind Beamt*innen bessergestellt als Angestellte. Das gilt beispielsweise für die Lohnfortzahlung oder für die Rekonvaleszenzzeit nach einer Krankheit. Solche Ungleichheiten stoßen immer wieder auf und müssten angegangen werden.

Günther: Eine Altersteilzeit wäre gut. Das bestehende kommunale Konzept sollte auch bei den Ländern möglich werden. Dort gibt es im Mittelwert 70 Prozent Gehalt bei 50 Prozent Arbeit.

Marco: Ich präferiere mehr Zeit. Die Arbeit an den Hochschulen sollte auf mehr Schultern verteilt werden. Wenn die Arbeitszeit um 5 Prozent reduziert würde, dann müsste man rechnerisch pro 20 Personen eine zusätzliche Stelle schaffen.

Stufengleiche Höhergruppierung und die Anerkennung von Erfahrungszeiten aus anderen Bundesländern sind mir auch wichtig. Das Land tut so, als wären Erfahrungen in einem anderen Bundesland überhaupt nichts wert.

Das Land sollte unsere Arbeit grundsätzlich besser wertschätzen und uns nicht als Kostenfaktor begreifen.

Gunter: Soziale Absicherung und kürzere Arbeitszeiten finde ich wichtig.

Was muss passieren, damit du dich bei der Tarifrunde beteiligst?

Andrea: Ich profitiere direkt und will solidarisch sein. Man muss für seine Rechte und Anerkennung kämpfen.

Günther: Von nichts kommt nichts. Ich mache auf jeden Fall mit. Als kirchlicher Angestellter darf ich wie Beamte nicht streiken, kann jedoch an Kundgebungen teilnehmen oder im Hintergrund für die Streiks mitarbeiten und politisch aktiv werden. All das, was wir auch von den Beamt*innen als Unterstützung erwarten. Vom Tarifergebnis profitiere ich als Kirchlicher nur indirekt, weil es später wie bei den Beamten übertragen wird.

Marco: Der Frust an den Hochschulen ist derzeit sehr groß. Die Arbeitsüberlastung aufgrund von Corona war und ist enorm. Das muss gewürdigt werden. Wenn die Länder den Forderungen der Gewerkschaften nicht entgegenkommen, muss auch gestreikt werden.

Gunter: Ich muss nur die Termine wissen. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich dabei bin. Seit rund 30 Jahren bin ich bei allen Tarifauseinandersetzungen dabei. Die Tarifbeschäftigten zu unterstützen, ist ein Akt der Solidarität und gewerkschaftliche Pflicht.

Wir Mitglieder im Ruhestand haben Zeit und sollten die Zeit auch einsetzen. Und ein schöner Nebeneffekt ist, dass man auf Demos und Kundgebungen viele andere trifft.