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Abi-Panne

Kultusministerium gibt Lehrerinnen und Lehrern die Schuld

Die Landesregierung macht seine Lehrkräfte zu Sündenböcken, anstatt die eigene Verantwortung zuzugeben: Die Abi-Aufgabe in Gemeinschaftskunde war falsch formuliert. Jetzt setzt das Land auch noch die Schülerinnen und Schüler unter Druck.

Schülerinnen und Schüler bei der schriftlichen Abiturprüfung
Foto: © imago

Offenbar versucht das Kultusministerium wieder einmal, die Schuld für eigene Fehler den Lehrkräften zuzuschieben. Bei der GEW haben sich zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer gemeldet, die übereinstimmend berichten: Die Abi-Aufgabe im Fach Gemeinschaftskunde war falsch formuliert und die Schulverwaltung war darüber schon vor Beginn der Prüfung am 6. Mai informiert worden.

Konkret geht es um die Teilaufgabe II/2 beim Thema Friedenssicherung: „Erklären Sie die Bedeutung der NATO für die Friedenssicherung anhand eines Kategorienmodells.“ Der Lösungshinweis des Kultusministeriums zielt auf eine Theorie der Internationalen Beziehungen ab.

Die Aufgabenstellung ist jedoch irreführend. Gefragt wird nach einem Kategorienmodell. Der Begriff, der im Bildungsplan 2004 unklar verwendet wird, ist keine gängige wissenschaftliche Bezeichnung für das, was im Abitur gefordert wurde. Er findet weder in der einschlägigen, wissenschaftlichen Fachliteratur noch in den daran angelehnten, vom Kultusministerium zugelassenen Schulbüchern Verwendung.

Land setzt Schülerinnen und Schüler unter Druck

Das Ministerium versucht jetzt die selbst verursachte Abitur-Panne auf die Lehrerinnen und Lehrer abzuwälzen. Wie eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch erklärte, sei es „nicht nachvollziehbar“, warum der Begriff landesweit an den Gymnasien nicht vermittelt worden sei.

Aus Sicht der GEW ist es jedoch nicht die Aufgabe der Lehrkräfte, den Bildungsplan spiegelstrichartig abzuhaken und den Abiturientinnen und Abiturienten zum Auswendiglernen aufzugeben – schon gar nicht nach der 2004 im Bildungsplan verankerten Kompetenzorientierung. „Wir unterrichten ja schließlich auch keinen ‚Stoff‘ oder ungebräuchliche Metabegriffe, sondern Kompetenzen. Das dachte ich zumindest bisher“, gab ein Gymnasiallehrer gegenüber der GEW zu bedenken. Vielmehr sind die Inhalte auf wissenschaftlicher Basis in Unterrichtsthemen umzusetzen.

Das Kultusministerium will jetzt, dass sich die Abiturientinnen und Abiturienten binnen 24 Stunden entscheiden, ob sie die Prüfung am Freitag wiederholen oder gegebenenfalls einen Nachteil in Kauf nehmen wollen. Eine derartige Entscheidung braucht aufgrund ihrer Tragweite jedoch mehr Spielraum und kann von jungen Erwachsenen kaum binnen dieser kurzen Zeit getroffen werden. „Es ist unverschämt, wie das Kultusministerium die eigenen Fehler auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler ausbügeln will, die gerade erst die Strapazen des Abiturs hinter sich haben“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. Der eigentliche Sündenbock sei die vom Ministerium eingesetzte Abiturkommission, die die Aufgabe unpräzise formuliert habe. „Die Schuldzuweisungen an die Lehrerinnen und Lehrer und die 24-Stunden-Frist für die Schülerinnen und Schüler sind eine Frechheit“, sagte sie.

Kontakt
Ute Kratzmeier
Referentin für allgemeinbildende Schulen
Telefon:  0711 21030-25
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