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Personalratsarbeit – Arbeitsbedingungen im Fokus

Mut ist gefragt

In den Schulen Baden-Württembergs finden Personalratswahlen statt. Die GEW ist die stärkste Interessenvertretung im Bildungsbereich und in fast allen Personalräten vertreten. Jede Stimme bei den Wahlen stärkt sie zusätzlich. Alle profitieren davon.

GEW-Landesvorsitzende Monika Stein
GEW-Landesvorsitzende Monika Stein

Wer Mitglied eines Personalrats ist, hat den Satz „Ich bin so froh, dass es den Personalrat gibt!“ schon oft gehört – häufig verbunden mit dem Eingeständnis, dass die betroffene Person nicht damit gerechnet hätte, dass sie den Personalrat mal brauchen würde. Kolleg*innen suchen mit vielfältigen Anliegen Rat und Unterstützung bei Personalratsmitgliedern. Sabbatjahr, Teilzeitbeschäftigung, Elternzeit, Bewerbung um eine Funktionsstelle, Versetzung, Konflikte, Vereinbarkeit Familie oder Pflege und Beruf, Stundenplan, Beratung bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Pensionierung oder Renteneintritt – das sind die häufigsten Themen für diese Kontaktaufnahmen. Persönliche und kompetente Hilfe und Begleitung tut in solchen Fällen allen betroffenen Kolleg*innen außerordentlich gut. Aber nicht nur in persönlich belastenden Situationen wirkt sich die Arbeit der Personalratsmitglieder aus: Sie verhandeln regelmäßig mit den Beteiligten und treffen Vereinbarungen auch mit der Schule, dem Staatlichen Schulamt, dem Ausbildungsseminar, dem Regierungspräsidium oder dem Kultusministerium.

Ab April stehen die Personalratswahlen für den schulischen Bereich in allen drei Ebenen an. Jede Stimme ist wertvoll, keine sollte verschenkt werden. Auch für die künftigen Personalratsmitglieder gibt es sehr viel zu tun: Die Belastung in den Schulen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Spätestens durch die Corona-Pandemie und ihre Folgen, aber auch durch die vielen Kinder und Jugendlichen, die aus der Ukraine zu uns vor dem Angriffskrieg Russlands geflohen sind, und ­andere Kinder und Jugendliche, denen eine Flucht gelingen konnte. Sie müssen unsere Sprache lernen und Sicherheit zurückgewinnen.

Das stellt die Schulen und die Lehrkräfte in den heterogeneren Klassen aller Schularten vor große Herausforderungen. Die Kolleg*innen leisten viel, passen ihren Unterricht den veränderten Bedingungen und ihren Schüler*innen ständig an und wollen allen gerecht werden. Auch die Aufgaben außerhalb des Unterrichts haben deutlich zugenommen: Viel Verwaltungsarbeit, Vernetzungstreffen, Runde Tische, Elterngespräche, Vergleichs- und Lernstandserhebungen und anderes sind deutlich mehr geworden. Und nicht nur die Schüler*innen werden heterogener, auch die Kollegien werden deutlich vielfältiger. Kolleg*innen ohne Lehramtsausbildung kommen vermehrt an die Schulen.

Das ergibt neue Chancen und auch Herausforderungen, die gemeistert werden wollen. Gleichzeitig könnten Lehrer*innen immer mehr tun, als sie getan haben, die Arbeit endet nie und irgendwas bleibt immer übrig, während sorgsam Geplantes wegen der Herausforderungen des Schulalltags allzu oft über den Haufen geworfen werden muss. All dies macht Kolleg*innen unzufrieden, manche leider auch krank. Die Herausforderungen und Veränderungen der Schulen haben auch die Personalratsarbeit verändert. Dabei ist klar, was politisch zu tun wäre. Kultusministerium, Regierungspräsidien und Staatliche Schulämter kennen die Herausforderungen und wissen, was helfen würde. Allerdings fehlt den politisch Verantwortlichen der Mut, das Notwendige so energisch umzusetzen, dass den Schulen vor Ort ausreichend geholfen wird.

Mehr Stunden für Differenzierung, Verwaltungsassistenzen für Aufgaben, die nicht von Lehrkräften und Schulleitungen erledigt werden müssen, digitale Hausmeister*innen, Ausbau der Schulsekretariate, mehr Studienplätze für die Mangelbereiche, gute Fort- und Weiterbildungsangebote für nicht oder nicht voll ausgebildete Lehrkräfte, bessere Bezahlung für Grund- und Hauptschullehrkräfte, multiprofessionelle Teams mit Koordinierungsstunden: Die Liste der Möglichkeiten ist lang und bekannt. Bisher fehlt der Landesregierung und dem Landtag die Einsicht in die Notwendigkeit von Verbesserungen und der Mut und der Wille, sie schnell umzusetzen.

Die Hauptpersonalratsmitglieder aller Schularten setzen sich für Entlastung bei aufwändigen Maßnahmen wie der datengestützten Qualitätsentwicklung ein. Und sie versuchen, unnötige Aufgaben zu verhindern. Auseinandersetzungen mit dem Kultusministerium gibt es immer wieder wegen Fortbildungen. Die Dienststelle will den Unterrichtsausfall verhindern, der Personalrat die Mehrarbeit. Manchmal müssen Lehrkräfte vor Selbstausbeutung geschützt werden. Sie ist im schulischen Umfeld sowieso schon sehr weit verbreitet. Außerdem gibt es für viele Fortbildungen zu wenige Plätze. Die Personalratsmitglieder achten darauf, dass es bei der Auswahl der Teilnehmer*innen gerecht zugeht.

Immer wieder müssen die Personalräte die rechtlichen Möglichkeiten im Interesse der Kolleg*innen ausschöpfen. Wenn sich Personalrat und Dienststelle nicht einigen können, wird eine Einigungsstelle gebildet. Unter dem Vorsitz von Richter*innen verhandeln dann jeweils drei Vertreter*innen von Kultusministerium und Hauptpersonalrat. Oder es kommt zu einem sogenannten Beschlussverfahren vor dem Verwaltungsgericht, bei dem Rechtsanwält*innen das Personalratsgremium vertreten. Jeder Erfolg für Kolleg*innen ist für die GEW ein Grund zur Freude.

So war es für uns ein willkommener Anlass zum Feiern, dass die vergangenen Sommerferien für viele befristet beschäftigte Lehrkräfte die ersten bezahlten Sommerferien waren. Den Kolleg*innen war die Erleichterung deutlich anzumerken, dass die Finanzierung des Lebensunterhaltes für die Sommerferien endlich gesichert war. Wir arbeiten nun daran, dass auch die Referendar*innen in den Sommerferien bezahlt werden.

Auf allen Ebenen sorgen die Mitglieder der Personalräte dafür, dass Einzelne nicht benachteiligt werden. Sie setzen sich für Verbesserungen und Entlastungen ein. Die GEW schult jedes Jahr die Personalratsmitglieder der verschiedenen Schularten und Ebenen, damit sie immer auf der Höhe der Zeit sind.



Verbesserungen und Entlastungen können nur im Rahmen vorhandener Stellen, das heißt der Haushaltsmittel des Landes gelingen. Dieser Haushalt wird vom Landtag verabschiedet, dafür gibt es keine personalrätlichen Mitbestimmungsmöglichkeiten. Deshalb ist eine starke GEW so notwendig. Sie kann den politischen Druck für zusätzliche Lehrkräftestellen und zusätzliche Studienplätze aufbauen. Die GEW gibt deshalb regelmäßig wissenschaftliche Gutachten zum Lehrkräftebedarf in Auftrag. Aber auch Umfragen, wie unsere letzte zum Stand der Digitalisierung in den Schulen, geben uns Argumente und die Möglichkeit, Druck auf die Landesregierung auszuüben, damit die Arbeitsbedingungen in den Schulen verbessert werden. Die GEW macht eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit und wird im Kultusministerium, im Landtag und bei den Parteien gehört. Diese Erfahrung und Kompetenz über alle Schularten und Bildungsbereiche hinweg hat nur die GEW.

Auf den Listen der GEW kandidieren Kolleg*innen, die für die Arbeit der GEW stehen und im Personalrat für sie eintreten. Personalratsmitglieder und die GEW sind untrennbar miteinander verbunden.

Die Veränderungen unserer Arbeit, Wertschätzung für Lehrer*innen, Schulleitungen, Pädagogische Assistent*innen, gerechte Besoldung und Vergütung: Dafür brauchen wir eine starke GEW und möglichst viele GEW-Mitglieder in den Personalräten. Wir wissen, was notwendig ist. Gehen wir es gemeinsam an. Bildung. Mutig. Los!

Kontakt
Monika Stein
Landesvorsitzende
Telefon:  0711 21030-10