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Baustelle Bildung

30.06.2017

Nach einem Jahr ist die baden-württembergische Landesregierung zum ersten Mal mit größeren Protesten gegen ihre Bildungspolitik konfrontiert. Die GEW hat deutlich gemacht, dass mehr Geld gebraucht wird, damit die Bildung keine Dauerbaustelle bleibt.

 „Grüne und CDU haben viel versprochen. Doch unsere Kitas, Schulen und Hochschulen sind zu Baustellen geworden. Während die Steuereinnahmen sprudeln, will Ministerpräsident Kretschmann und seine Kultusministerin Eisenmann bei der Bildung sparen. Wo bleiben endlich die fehlenden Studienplätze für das Lehramt, warum verdient eine Grundschullehrerin mehrere hundert Euro weniger als ihre Kolleg/innen an den weiterführenden Schulen, warum ist die Inklusion in Kitas und Schulen oder der Ethikunterricht den Grünen und der CDU so wenig wert? Die Liste unserer Baustellen in der Bildung ist lang. Wir brauchen mehr Investitionen und eine sofortige Rücknahme der geplanten Streichung von Lehrerstellen“, sagte am Freitag (30.06.) auf dem Stuttgarter Schillerplatz Doro Moritz, Landesvorsitzende der GEW, vor mehreren hundert Demonstranten aus ganz Baden-Württemberg.

Der Protest richtet sich gegen die aktuellen Sparmaßnahmen

Delegationen aus Kitas und Schulen errichteten bei der landesweiten GEW-Demonstration unter dem Motto „Baustelle Bildung“ auf dem Stuttgarter Schillerplatz symbolisch eine große „Bildungsbaustelle“ und machten auf die Situation in den Kitas, in Klassenzimmern und anderen Bildungseinrichtungen aufmerksam. Der Protest richtet sich gegen die aktuellen Sparmaßnahmen der Landesregierung und gegen den wachsenden Lehrer- und Fachkräftemangel in Kitas und Schulen, den die GEW-Chefin als „hausgemacht“ bezeichnet. 

Mit Unterrichtsausfall ist zu rechnen

Die Bildungsgewerkschaft geht davon aus, dass sich Schüler/innen und Eltern vor allem an Grundschulen ab Herbst auf mehr Unterrichtsausfall einstellen müssen. „Wir wissen, dass wir alleine für die Grundschulen bis 2030 zusätzlich 8.000 Lehrkräfte brauchen und überall Sonderpädagog/innen fehlen. Warum erhöht die Landesregierung nicht endlich die Studienplätze für Grundschul- und Sonderpädagogik? Wer die Note 2 im Abitur hat, wird es auch in diesem Jahr schwierig haben, einen Studienplatz zu bekommen. Junge Leute meiden die pädagogischen Berufe. Die Grünen und die CDU tun derzeit leider alles dafür, dass dies so bleibt“, sagte Moritz. 

Es fehlen Lehrkräfte und eine Vertretungsreserve

Auf der symbolischen „Baustelle Bildung“ heute in Stuttgart waren gut 50 Beispiele für Baustellen in Bildungseinrichtungen zu finden. Dazu gehörten die fehlenden Lehrkräfte, die fehlende Vertretungsreserve insbesondere für die vielen Pädagoginnen in Mutterschutz und Elternzeit und die Situation der befristeten Lehrer/innen, die auch in diesem Jahr wieder zu Beginn der Sommerferien von der Landesregierung entlassen werden. In den Kitas steigen die Gruppenzahlen, es fehlen Fachkräfte und die Zeit für Fortbildungen und Leitungszeit. In den Hochschulen bekommen die meisten Wissenschaftler/innen nur befristete Verträge und Studierende im Zweitstudium und ausländische Studierende müssen ausgerechnet im reichen Baden-Württemberg ab Herbst wieder Gebühren zahlen.

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