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111 Deputate sind wirklich ein Wort...

Gymnasien werden 111 Deputate zusätzlich zugewiesen, um eine effektive Binnendifferenzierung in Klasse 10 zu ermöglichen. Das bedeutet zunächst viel Arbeit, aber die Gymnasien können jede zusätzliche Stunde dringend gebrauchen.

01.03.2016 - Jürgen Stahl, Vorsitzender Fachgruppe Gymnasien und Barbara Becker, stellvertretende Vorsitzende Fachgruppe Gymnasien

Mit der aktuellen Maßnahme werden sich die gymnasialen Poolstunden auf 13,7 Wochenstunden aufsummieren (davon insgesamt 8,7 Wochenstunden für Förderung und Differenzierung).
Jede 10. Klasse erhält damit eine dauerhafte zusätzliche Ausstattung mit 2 Poolstunden zur Differenzierung im Bereich Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen: So bekommt z.B. ein vierzügiges Gymnasium 8 Deputatsstunden in den Kernfächern zusätzlich zugewiesen. Die Stundentafel und damit der Unterrichtsumfang ändert sich aber für die Schüler/innen der 10. Klassenstufe nicht.
Das bedeutet für Referendare eine echte Erhöhung der Chancen auf eine Einstellung: Denn 8 Stunden entsprechen einer Drittellehrkraft - pro Schule!
Zunächst fällt viel Organisationsarbeit und zeitintensive Absprachen an - es muss für die jeweilige Schule ein Konzept entwickelt werden, die konkrete Umsetzung muss angegangen werden, der eigene Unterricht braucht in seiner Struktur eine Überarbeitung...
Aber es handelt sich um die erste substantielle Ressourcenerhöhung an Gymnasien seit vielen Jahren, wir können jede einzelne Stunde dringend brauchen und sollten die Zuweisung sinnvoll nutzen!

Daher empfiehlt die GEW

  • Zeit gewinnen - zunächst vorläufiges Konzept für das nächste Schuljahr entwickeln und dann im Laufe des nächsten Jahres ein tragfähiges Konstrukt für die kommenden Jahre diskutieren und erstellen.
  • Kompetenz der Lehrkräfte nutzen - kein Konzept ohne aktive Beteiligung des Kollegiums: Die Entscheidung über das Konzept der Schule kann sinnvollerweise nur auf der Basis von entsprechenden Konferenzen getroffen worden. Im Rahmen der Konferenzen zu den Halbjahresinformationen in Klasse 9 könnte so z.B. entschieden werden, in welchen Fächern und wie bei der jeweiligen Klasse die Poolstunden zur Differenzierung eingesetzt werden sollen
  • Flexibilität des Rahmens nutzen - viele sehr verschiedene Wege sind möglich: Das Kultusministerium hat deutlich betont, dass von einer absolut individuellen Lösung für z.B. die Klasse 10a bis hin zu einem Stundenpool aus allen Differenzierungsstunden zusammen für alle 10. Klassen alle möglichen Konstrukte denkbar sind - sie müssen nur der individuellen Förderung dienen.
  • Freiräume gewinnen durch Verankerung der Binnendifferenzierung im Schulprofil: Eine Verortung des Differenzierungsangebotes der einzelnen Fächern in Klasse 10 im Schulprofil entspricht der vom Kultusministerium erwarteten Dokumentationspflicht und erlaubt der Lehrkraft im praktischen laufenden Unterricht die notwendigen Freiräume.
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