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Allein die Aussicht auf A 13 reicht nicht aus

Martin Knapp, Lehrer aus Heilbronn, berichtet im Interview, dass der Aufstiegslehrgang für Technische Lehrer gewaltigen Aufwand mit sich bringt. Seiner Meinung nach, braucht man eine hohe Motivation sich weiterzubilden.

04.04.2016

Jörg Sattur, GEW-Bezirkspersonalrat am RP in Stuttgart: In welchem Fachbereich hast du bisher als TL gearbeitet?
Martin Knapp: Ich bin seit 1986 als TL im Schuldienst. Als Bäckermeister war ich dabei im Bereich Nahrung tätig, habe auch das damalige BVJ und BEJ unterrichtet.

Welche Motive hattest du die Aufstiegsqualifikation durchzuführen?
Ausschlaggebend für meine Bewerbung war, dass die Schülerzahlen in meinem Bereich stark zurückgegangen sind, ich keine „eigene“ Schulbackstube mehr hatte und mit vollem Deputat an eine andere Schule abgeordnet war. Mit der Bewerbung zum Aufstiegslehrgang erhoffte ich mir eine flexiblere Einsatzmöglichkeit als Lehrer – auch unabhängig von einer Schulbackstube.

Beschreibe kurz deine Erfahrung (Zeitaufwand, Schwierigkeitsgrad..) bei der Aufstiegsqualifikation.
Für mich immer noch unverständlich ist, warum TL aus dem gewerblichen Bereich Mathe und TL aus dem hauswirtschaftlichen Bereich Deutsch als Zweitfach machen müssen. Obwohl ich mich intensiv um Deutsch als Zweitfach bemühte hatte und in meinem Kurs eine Kollegin aus der Hauswirtschaft entgegen den Richtlinien Mathe gemacht hat, musste ich Mathe als Zweitfach nehmen. Dies war für mich ein enormer Aufwand, weil ich fachlich teilweise extrem gefordert war. Im Seminar saß ich neben studierten Mathematikern und Informatikern.
Der Aufwand war gewaltig: Unterrichtsbesuche, Schreiben der Dokumentation, Seminar und nebenher noch „normaler“ Unterricht, haben mich bis an die Grenze meiner Belastungsfähigkeit gebracht. Zum Glück hatte ich sehr hilfsbereite und wertschätzende Fachleiter. Ich war aber öfters an dem Punkt, warum ich mir diesen Aufstiegslehrgang überhaut noch antue.

Wie erlebst du den Wechsel vom Werkstattunterricht zum „Theorieunterricht“?
Die Umstellung ist gewaltiger, als ich mir dies im Vorfeld vorgestellt habe. Den Rhythmus und die Routine, die ich als TL hatte, sind weg, es ist faktisch ein Neuanfang. Das Unterrichten macht mir sehr viel Spaß. Selbst Mathe unterrichte ich inzwischen sehr gern. Ich bin froh, dass ich über den Umweg des Aufstiegslehrgangs auch eine Schule gefunden habe, in der ich mich wohl fühle und in der ich nette Kollegen habe und die Schulleitung wertschätzend mit mir umgeht.

Welche Ratschläge gibst du TL die sich überlegen, ob sie sich für die Aufstiegsqualifikation bewerben wollen?
Wenn du dir als TL überlegst, dich für den Aufstiegslehrgang zu bewerben, überlege dir deine Motivation. Allein die Aussicht auf A 13 reicht meiner Meinung nach nicht. Wenn du dich in deiner Schule wohlfühlst, du eine Werkstatt hast, die „deine“ Werkstatt ist und an einer Schule unterrichtest, an der deine Arbeit und dein Einsatz gesehen und geschätzt wird, würde ich mir sehr genau überlegen, ob ich mich dem Stress aussetzen will.
Wenn du aber bereit bist, fast nochmal bei Null zu beginnen, dich wieder als Schüler und Prüfling zu fühlen, du gerne etwas dazu lernen willst, wie anstrengend es auch sein mag, dann ist der Aufstiegslehrgang für jeden TL eine gute Möglichkeit.

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