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Anteil hochbetagter Menschen nimmt zu

Der Anteil an über 85-jährigen an der baden-württembergischen Bevölkerung liegt bei 2,6 Prozent. Diese Gruppe gilt als „hochbetagt“. Aber viele wollen am sozialen Leben teilhaben. Ein interessantes Projekt wurde bei den Eugen-Rombach-Tagen vorgestellt.

29.11.2016 - Barbara Haas, Vorstandsbereich Seniorenpolitik

Das Statistische Landesamt hat 2015 zum Jahresende 280.300 Menschen mit 85 und mehr Jahren gezählt. In einer Bevölkerungsvorausrechnung bedeutet das für das Jahr 2020 schon 315.000, für das Jahr 2030 sogar 410.300 hochbetagte Einwohnerinnen und Einwohner. Damit hat sich der Anteil seit 1970 nahezu versechsfacht. Gut zwei Drittel sind Frauen. Das Amt führt die Gründe dafür zum einen auf die Altersstruktur der Bevölkerung und zum anderen auf die gestiegene Lebenserwartung zurück. Durchschnittlich hat diese Bevölkerungsgruppe einen Anteil von 2,6 Prozent. Den höchsten Anteil an hochbetagten Menschen hat die Stadt Baden-Baden, den geringsten Tübingen. Das liegt natürlich auch daran, dass in Tübingen viele Studierende leben, während die Bevölkerung in Baden-Baden insgesamt älter ist.

Die Klassifizierung in Menschen zwischen 60 und 85 und solchen, die über 85 Jahre alt sind, ist ein Durchschnittswert und orientiert sich daran, dass ältere Menschen verletzlicher oder anfälliger für Alterskrankheiten sind. Krankheiten können allerdings auch früher auftreten und die Lebensqualität beeinträchtigen. Eine strikte Trennung der Altersgruppen ist fehl am Platz, denn Menschen wollen bis zu ihrem Tod teilhaben am sozialen Leben, etwas zurückgeben, ihre Geschichte erzählen und aktiv bleiben.

Ein gutes Beispiel ist eine Studie des gerontologischen Instituts an der Uni Heidelberg, durchgeführt von Sonja Ehret und vorgetragen anlässlich der Eugen-Rombach-Tage 2016: Hochaltrige Menschen wurden mit Schülerinnen und Schülern in Zwiegespräche zusammengeführt, zu denen sich diese Fragen überlegt hatten. Dem Dialog folgte ein Festhalten des Erlebten in Tagebuchform und ein Interview mit den Beteiligten am Ende der Studie. Feststellbar war, dass für beide Seiten interessante neue Erkenntnisse zustande kamen. Die jungen Menschen erfuhren über das Leben im und nach dem Krieg und von den Lebensthemen der älteren Menschen, diese wiederum erfuhren von den Sorgethemen der jungen Menschen. So kamen die beiden weit auseinanderliegenden Generationen in einen interessanten Austausch, von dem sie alle profitierten.

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