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Ausbildungsplätze für Hauptschüler/innen

Das Wirtschaftsministerium und das Bündniss für Ausbildung wollen die Chancen von Hauptschüler/innen auf dem Ausbildungsmarkt verbessern. Das ist aus Sicht der GEW dringend notwendig, jedoch sind die vorgestellten Maßnahmen nicht erfolgsversprechend.

05.12.2017 - Michael Futterer, stellvertretender Vorsitzender

Die Situation für Hauptschulabsolvent/innen auf dem Ausbildungsmarkt ist nach wie vor nicht einfach. Der Anteil der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss an den Neuabschlüssen von Berufsausbildungsverträgennach dem Berufsbildungsgesetz ist in Baden- Württemberg von 33 Prozent in 2005 auf 23 Prozent in 2016 gesunken (absolut: von 24.407 auf 17.136). 2016 befanden sich immer noch 8.293 Jugendliche mit Hauptschulabschluss in schulischen Maßnahmen des Übergangsbereichs (Anteil 17 Prozent).

Im Rahmen des Modellversuchs „Neugestaltung Übergang Schule – Beruf“ konnte 2016/17 erstmals eine direkte Übergangsquotefür die rund 200 Haupt-/Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen in den 12 beteiligten Stadt- und Landkreisen erhoben werden. Hiernach beträgt die Quote für den direkten Übergang in Ausbildung von Schulabgänger/innen mit Hauptschulabschluss ganze 17 Prozent. Jugendlichen mit einem mittleren Abschluss gehen zu 32 Prozent direkt in die Ausbildung.

Die Situation dürfte sich in den vergangenen 10 Jahren jedoch durch die veränderte Situation auf dem Ausbildungsmarkt eher entspannt haben. So standen 2007 den ca. 84.000 Bewerber/innen nur ca. 67.000 gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber. 2017 kamen auf die 65.606 Bewerber/innen 78.553 gemeldete Plätze.

Die Wirtschaft hat mittlerweile in bestimmten Regionen und Berufen Probleme, Jugendliche zu gewinnen. Deswegen rückt jetzt für das Bündnis für Ausbildung das Reservoir an leistungsschwächeren Jugendlichen ins Blickfeld. Das Bündnis schlägt nun 7 Maßnahmen vor, darunter u.a.:

  • Verbesserung der Berufsorientierung in den allgemein bildenden Schulen -„Leuchtturm“- Haupt- /Werkrealschulen sollen als Best Practice noch bekannter gemacht werden.
  • Haupt- und Werkrealschulen sollen im Rahmen ihres umfassenden Bildungsauftrags sicherstellen, dass alle Schulabgänger/innen für eine Ausbildung gut vorbereitet sind.
  • Werbung bei Ausbildungsbetrieben aller Größenklassen, ihre Personalentwicklung auch mit Blick auf anspruchsvollere Ausbildungsberufe für Absolvent/innen mit Hauptschulabschluss neu zu justieren.
  • Steigerung der Qualität und der Attraktivität der Ausbildung in Branchen mit unbesetzten Plätzen

Diese Maßnahmen bleiben aber mehr als unverbindlich und ob sie die Chancen von Hauptschulabsolvent/ innen bei Bewerbungen um Ausbildungsplätze verbessert dürfte mehr als fraglich sein.

Aus Sicht der GEW ist das eigentliche Problem die Haltung der Arbeitsgeber. So erklärt Karl Schäuble, Vizepräsident der Arbeitgeber Baden-Württemberg: „Damit der Übergang von der Schule in die Ausbildung für Absolventen mit Hauptschulabschluss bestmöglich gelingen kann, brauchen wir eine hervorragende Berufsorientierung an unseren Schulen und verbindliche Kompetenzmindeststandards, auf die sich Schülerinnen und Schüler, Eltern und Ausbildungsbetriebe sicher verlassen können.“ Das heißt, die Verantwortung für bessere Einstellungschance wird auf die Schulen und damit die Lehrkräfte abgewälzt, sie erwarten die „Zulieferung“ des rundum „ausbildungsreifen“ Jugendlichen. Eine Eigenverantwortung der Unternehmen scheint es nicht zu geben.

Wenn die offensichtliche Benachteiligung von Hauptschulabsolvent/innen beseitigt werden soll, dann müssen die Ausbildungsbetriebe ihre bisherige Rosinenpickerei beenden und auch Absolvent/innen der Hauptschule Chancen auf eine Ausbildung eröffnen.

Die duale Ausbildung ist primär eine betriebliche Ausbildung, für die vor allem die Unternehmen und Kammern die Verantwortung tragen. Leistungsschwächere Jugendliche brauchen deshalb ausbildungsbegleitend zusätzliche Förderung und Unterstützung. Die Unternehmen verweisen hier auf die assistiere Ausbildung und ausbildungsbegleitende Hilfen. Diese Maßnahmen sind sicher sinnvoll, sie kranken aber an zwei Problemen: Sie laufen einerseits parallel zur Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, gerade leistungsschwächere Jugendliche werden hier zusätzlich belastet. Darüber hinaus entsteht ein hoher Koordinierungsaufwand, weil neben Betrieb und Berufsschule weitere Träger beteiligt sind.

GEW fordert seit langem einen vollständigen zweiten Berufsschultag, um diese Jugendlichen gezielt fördern zu können. Sinnvoll wären auch multiprofessionelle Team an den Beruflichen Schulen, bestehend aus Lehrkräften und Sozialpädagogen, um dieser Aufgabe gerecht werden zu können.

Darüber hinaus wird man bei der Integration von Geflüchteten in die duale Ausbildung auch über eine zeitliche Streckung der Ausbildungszeit nachdenken müssen.

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