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Ausbildungsreport deckt Mängel auf

Die DGB Jugend hat ihren Ausbildungsreport veröffentlicht. Ein Drittel der Befragten beklagt gravierende Mängel in der Ausbildung. An den Beruflichen Schulen wird vor allem die personelle und materielle Ausstattung schlecht bewertet.

21.11.2017 - Michael Futterer, Fachgruppe Berufliche Schulen

Über einen Zeitraum von knapp 2 Jahren haben sich 1.318 Auszubildende aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung 23 häufigsten Berufe an der Umfrage des DGB beteiligt.

Im Ausbildungsreport Baden-Württemberg 2017 wird deutlich, dass etwa ein Drittel der Befragten mit ihrer Ausbildungssituation unzufrieden sind. Im Schnitt brechen in Baden-Württemberg gut 20 Prozent der Auszubildenden ihre Ausbildung vorzeitig ab.

Im Ausbildungsreport zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Branchen. Angehende Industriemechaniker/innen, Fachinformatiker/innen sowie Elektroniker/innen für Betriebstechnik sind überdurchschnittlich zufrieden, wohingegen insbesondere angehende Friseur/innen, Köch/innen sowie Verkäufer/innen im Lebensmittelhandwerk mit sehr schlechten Bedingungen in ihren Ausbildungsbetrieben zu kämpfen haben. Dies schlägt sich auch in der Vertragsauflösungsquote nieder: Sie liegt bei Köchen/innen oder Friseur/innen bei über 45 Prozent, bei Mechatroniker/innen lediglich bei 4,7 Prozent.

Diese weit verbreiteten Defizite zeigt der Report auf:

  • Mehr als 43 Prozent der Auszubildenden leisten regelmäßig Überstunden. Damit liegt Baden-Württemberg deutlich über dem Wert, den der bundesweite Ausbildungsreport der DGB-Jugend aufweist (gut ein Drittel). Auch von Verstößen gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz berichten die Auszubildenden. Über zehn Prozent der minderjährigen Auszubildenden arbeiten mehr als 40 Stunden pro Woche.
  • 33,7 Prozent der Auszubildenden liegt kein betrieblicher Ausbildungsplan vor. Sie können ihre Ausbildungsinhalte daher nur schwer überprüfen.
  • Mehr als jeder zehnte Azubi (11,1 Prozent) übt regelmäßig ausbildungsfremde Tätigkeiten aus.

Die DGB Jugend fordert deshalb, dass das Berufsbildungsgesetzes im Sinne der Auszubildenden reformiert wird und dass die zuständigen Behörden, wie die Kammern, ihrer Aufsichtspflicht nachkommen und Verstöße in den Betrieben konsequent ahnden.

Der Schwerpunkt des diesjährigen Ausbildungsreports ist die Situation an den Berufsschulen. Hier bestehen insbesondere bei der materiellen und personellen Ausstattung sowie bei der Abstimmung zwischen Schule und Betrieb erhebliche Mängel. Dies beeinflusst den Lernerfolg der Schüler/innen. Zwar bewerten rund 60 Prozent die fachliche Qualität der Berufsschule als „sehr gut“ oder „gut“. In den Fällen, in denen aber die Ausstattung oder die Abstimmung zwischen Betrieb und Schule zu wünschen übrig lassen, sinkt dieser Wert auf lediglich 17 Prozent.

Die DGB Jugend fordert deshalb, dass die Rahmenbedingungen an den beruflichen Schulen deutlich verbessert werden. Die Schulen benötigen mehr finanzielle Unterstützung durch das Land für ihre materielle und personelle Ausstattung. Die Lehrkräfte an Berufsschulen leisten laut DGB wichtige Arbeit, auch weil sie Defizite in der betrieblichen Ausbildung ausgleichen. Deshalb müsse die Attraktivität des Berufsschullehramts durch bessere Arbeitsbedingungen und einer gegenüber der Wirtschaft konkurrenzfähigen Besoldung gesteigert werden.

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