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Bildungsplattform und Dienst-E-Mails

„Digitalisierung“ ist das Zauberwort im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung. Jetzt wird deutlich, welche ersten Handlungsfelder das Kultusministerium konkret angehen will, um das im Schulbereich noch eher analoge Bundesland voranzubringen.

20.06.2017 - Wolfram Speck

Das erste große Projekt dabei ist die Schaffung einer „Digitalen Bildungsplattform“. Auf ihr soll kurzfristig eine Cloud für die bereits bestehenden Tablet-Projekte an den Schulen geboten werden. Dann soll eine Reihe von grundlegenden Diensten installiert werden. Basis dafür ist eine einheitliche und sichere dienstliche E-Mail-Adresse für alle Lehrkräfte des Landes.

Anstelle der bisherigen unbefriedigenden Situation – private Mailadressen, Schulmail über BELWUE usw. – soll künftig die Kommunikation zwischen Lehrkräften, der Schulverwaltung und den Institutionen der Lehrerfortbildung über diese dienstliche Adresse geführt werden. Dabei stellt sich die Frage, auf welchen Geräten und zu welchen Zeiten dies geschehen soll. Diese soll im Rahmen einer Dienstvereinbarung zu Informations- und Kommunikationsplattformen zwischen dem KM und den Hauptpersonalräten beantwortet werden.

Die Digitale Bildungsplattform soll auch dazu dienen, Materialien zugänglich zu machen, z.B.  Unterrichtsentwürfe, OER (Open Educational Resources), Präsentationen oder Unterrichtsmedien. Zu klären ist hierbei unter anderem, wie das Urheberrecht gestaltet ist und wer berechtigt ist, Material einzustellen und zu nutzen. Ein Problem wird sein zu gewährleisten, dass die auf der Bildungsplattform zugänglichen Unterrichtsmaterialien von guter Qualität sind, die Betreuung der Plattform zu klären und die finanzielle Ausstattung sicherzustellen.

Im Zusammenhang mit der Digitalisierung muss auch die Weiterentwicklung der heftig diskutierten Lehrerfortbildung gesehen werden. Neben der „analogen“ Fortbildung (Seminare an der Landesakademie, regionale Fortbildungen, „Schilfs“ etc.), die eine physische Anwesenheit erfordern, können künftig vermehrt digitale Formate wie z.B. Webinare oder MOOCs (Massive Open Online Courses) angeboten werden.

Durchaus können solche Fortbildungsformen die Qualität bisheriger Fortbildungen verbessern, sie dürfen aber nicht als Sparmodell dienen oder etwa dazu, dass weniger Unterricht wegen Fortbildungen ausfällt, weil Weiterqualifizierung quasi in die Privatsphäre hinein verlagert stattfindet, am besten zu Hause am eigenen Tablet nach dem Motto „Bring Your Own Device“ (BYOD).

Denn die Digitalisierung wird viel Geld kosten. Das Land stellt zwar Mittel zur Verfügung, z.B. für die Bildungsplattform und die Mail-Adressen. Die Kreise und Kommunen aber werden die Sachkosten tragen müssen, auch wenn der Bund Unterstützung für schnelle Datenverbindungen in Aussicht gestellt hat.

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