GEW Baden-Württemberg
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Dringend gesucht – jährlich entlassen

Die Situation der befristet Beschäftigten an den Schulen wiederholt sich jedes Jahr aufs Neue. Zunächst werden die jungen Kolleg/innen an den Schulen als Krankheitsvertretungen dringend gebraucht. Zum Ende des Schuljahres werden sie entlassen und in den Sommerferien nicht bezahlt. Die GEW setzt sich dafür ein, dass die Befristungspraxis aufhört.

15.07.2015 - Stefan Bauer, Vorsitzender GEW Nordbaden

Je nach Schulart erhielten in den letzten Jahren nur die Hälfte oder noch weniger Bewerber/innen eine Stelle als verbeamtete Lehrkraft. Somit konnten im zu Ende gehenden Schuljahr zahlreiche junge, gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte nur in ihrem Beruf arbeiten, wenn sie eine befristete Beschäftigung als KV-Lehrkraft ergatterten. Für diese befristeten Stellen gab es zu Beginn des Schuljahres noch viele Bewerber/innen in den einzelnen Regierungspräsidien. Doch im Lauf des Schuljahrs standen immer weniger Personen zur Verfügung – der Bedarf an Vertretungslehrkräften an den Schulen blieb aber hoch. Der Markt für Vertretungslehrkräfte war leer. Zahlreiche Unterrichtsausfälle waren die Folge. Das Problem war im ländlichen Raum noch größer als in den Regionen, die bei den Einstellungen attraktiver sind.
Bezahlt werden die KV-Lehrkräfte als Tarifbeschäftigte des Landes Baden-Württemberg. Sie arbeiten für deutlich weniger Geld das Gleiche und mit gleicher Qualifikation wie die verbeamteten Lehrer/innen. Ihr Arbeitsvertrag ist immer befristet, längstens bis zum letzten Schultag im laufenden Schuljahr. Dann werden die Kolleg/innen ohne Bezahlung in die Sommerferien und in die Arbeitslosigkeit entlassen. Bei vielen wiederholt sich der Wechsel aus befristeter Beschäftigung und Arbeitslosigkeit über mehrere Jahre hinweg, teilweise mit mehreren Verträgen pro Schuljahr.

AufGEW8 – Schluss mit der Befristungspraxis
Warum ist das so? Es gibt immer noch zu wenig fest eingestellte Vertretungslehrkräfte. Die GEW fordert seit Jahren, die ständige Vertretungsreserve auf 5 Prozent zu erhöhen. Die grün-rote Landesregierung hat diese Reserve zwar auf 2,5 Prozent angehoben. Die meisten dieser Stellen sind aber schon zum Schuljahresbeginn für ausfallende Lehrkräfte fest eingeplant. So bleibt für krankheitsbedingte Unterrichtsausfälle oder Schwangerschaftsvertretungen im Lauf des Schuljahrs keine Reserve. Spielraum für Vertretungen wird mit befristet beschäftigten Lehrkräften geschaffen. Es besteht also weiterhin großer Handlungsbedarf, die feste Lehrerreserve dauerhaft zu erhöhen. Dann könnten kurzfristige Ausfälle mit unbefristet beschäftigten Lehrkräften kompensiert werden.
Die Erwartungen an die jungen KV-Kolleg/innen von Schulverwaltung, Schulleitung, Kollegium, Eltern und natürlich Schüler/innen sind hoch und vielschichtig. Sie müssen den Unterricht am Laufen halten, sollen sich an der Entwicklung der Schule beteiligen, zuverlässige/r Ansprechpartner/in sein und Kinder in ihrer geistigen und persönlichen Entwicklung begleiten – alles in dem Wissen, diese Aufgaben nur für einen befristeten Zeitraum und für eine deutlich geringere Bezahlung leisten zu müssen.
Im letzten Schuljahr wurden viele der befristetet Beschäftigten für den Unterricht in Vorbereitungsklassen (VKL) an allgemeinbildenden Schulen oder im Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf (VAB-O) an beruflichen Schulen eingesetzt. Der Umgang mit häufig traumatisierten Flüchtlingskindern, Sprachproblemen oder mit den Hindernissen der deutschen Bürokratie kamen erschwerend zu den Aufgaben der KVs dazu.
Die Praxis muss endlich ein Ende haben. Die Schulen brauchen eine wesentlich größere feste Vertretungsreserve. Dann hätten gut ausgebildete Lehrkräfte eine dauerhafte Perspektive und die Schulen könnten bei Ausfällen qualifizierten Unterricht für die Schülerinnen und Schüler anbieten. Nicht zuletzt wäre es nur recht und billig, den befristet Beschäftigten auch die Sommerferien zu bezahlen. Wer arbeitet, hat das Recht auf einen bezahlten Jahresurlaub.

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