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Ganztagsschule: Verbindliche Form findet noch wenig Zuspruch

172 Grundschulen starteten 2014/15 mit der Ganztagsschule nach neuem Konzept. Im nächsten Schuljahr kommen nach Informationen des Kultusministeriums 112 weitere dazu. Erste Erfahrungen und Einschätzungen mit dem Ganztag hat das Ministerium im Rahmen einer Schulleiterbefragung gesammelt.

09.04.2015 - Ute Kratzmeier

Zu den 172 ersten Ganztagsschulen nach neuem Konzept gehören 158 Grundschulen und 14 Förderschulen. Nur 17 Schulen bieten die verbindliche Form an, 155 die Wahlform. 32 der 172 Schulen sind mit einer Gemeinschaftsschule verbunden. Das Zeitmodell 4 Tage mit 8 Stunden wurde am häufigsten gewählt. Von den rund 29.000 Schüler/innen dieser Schulen nehmen rund 11.500 am Ganztag teil, was einer Quote von etwa 40 Prozent entspricht.

Umsetzung und Kooperationen
In 146 der Ganztagsgrundschulen ist eine eigene Mensa vorhanden. Knapp 11.000 Schüleressen werden insgesamt jeden Tag ausgegeben. Dabei variiert die Länge der Mittagspausen sehr stark. 61 Schulen haben ein Mittagspause bis zu einer Stunde, 75 Schulen zwischen 60 und 90 Minuten und 36 Schulen zwischen 90 und 120 Minuten.
Die Schwerpunkte der Ganztagschulen liegen bei Kreativ- und Sportangeboten sowie der Hausaufgabenunterstützung. Bedeutend sind nach Angaben der Schulen Freizeitaktivitäten und Angebote zum „Selbständigen Lernen“. Die Schulleitungen bewerten die pädagogischen, sozialen und fachlichen Potenziale der Ganztagsschule überaus positiv. Vor allem die persönliche Entwicklung der Schüler/innen wird nach Auffassung der Schulleitungen durch den Ganztag gefördert.
Der überwiegende Anteil der befragten Schulen bietet Betreuung auch außerhalb des Ganztagsbetriebs an. Am häufigsten ist die Betreuung vor Unterrichtsbeginn (81 Prozent), gefolgt von Betreuung an Schultagen, die nicht im Ganztag sind, auf freiwilliger Basis (76 Prozent). Zwei Drittel der Schulen halten ein Betreuungsangebot nach Unterrichtsende bereit. All diese Betreuungsangebote sind Leistungen der Kommunen, die in der Regel auch mit Elternbeiträgen verbunden sind.
Zur Finanzierung von Ganztagsangeboten können die Schulen jetzt zugewiesene Lehrerstunden monetarisieren. Der Geldwert dieser Stunden wird dann nicht für Lehrerdeputate verwendet, sondern für die Finanzierung von Angeboten außerschulischer Partner. Von dieser neuen Option machen 104 der 172 Schulen Gebrauch, allerdings in unterschiedlichem Umfang: „Im laufenden Schuljahr 2014/2015 sind es 20 Schulen, die davon in vollem Umfang Gebrauch machen und die Hälfte ihrer zugewiesenen Lehrer-wochenstunden monetarisieren. 19 Schulen wandeln die zusätzlichen Lehrerwochenstunden bis zu 30 Prozent des maximal Möglichen in Geldmittel um. 38 Schulen nutzen zwischen 30 bis 60 Prozent an möglicher Monetarisierung und 47 Schulen zwischen 60 bis 100 Prozent.“ (Pressemeldung des KM vom 6. März 2015)
Die Mittel werden überwiegend für Kooperationspartner aus Sport, Musik und Kunst verwendet (251 Kooperationen). Eine geringere Rolle spielen naturwissenschaftlich-technische Angebote (4) und Kooperationen mit der Wirtschaft (2). Die Kooperationen werden zum größten Teil „sehr positiv“ bzw. „positiv“ gewertet. Von größeren Schwierigkeiten bei deren Einbindung in die Schule berichten 32 Schulleitungen, bei 72 gibt es keine Probleme. Schwierigkeiten können sein, dass keine geeigneten Partner gefunden werden. Der Verwaltungsaufwand ist recht groß und die Vertretungsregelung schwierig. In sehr geringem Maße wird auch die Verlässlichkeit als Problem benannt.

Bewertung der Evaluation und weitere Schritte
Das Kultusministerium sieht sich durch die Umfrage bestätigt, eine zeitliche Flexibilität bei der Gestaltung des Ganztags zu ermöglichen. Auch die Option der Monetarisierung wird von den Schulen angenommen.
Wann allerdings das Ziel erreicht sein wird, 40 Prozent der Grundschulen zu Ganztagsschulen auszubauen, ist noch nicht absehbar. Hierzu müsste sich die Dynamik der Antragstellung sicher noch beschleunigen.
Aus Sicht der GEW ist der Ausbau der Ganztagsgrundschulen ein wichtiger Schritt, dem weitere folgen müssen. Lobenswert war deshalb die Ankündigung von Kultusminister Andreas Stoch auf der GEW-Schulleitungs-Tagung im März 2015, dass auch Realschulen und Gymnasien in Zukunft Ganztagsschulen werden können.
Und: Auch wenn der Zuspruch der Schulen zur verbindlichen Form des Ganztags verhalten ist, bleibt die GEW bei ihrer Auffassung, dass aus pädagogischen Gründen nur verbindliche Ganztagschulen ihr Potenzial voll ausschöpfen können. „So ist die wichtige Rhythmisierung und eine Qualitätssteigerung möglich“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz bei der Schulleitungstagung
Gute und von den Eltern akzeptierte Ganztagsschulen entstehen nur, wenn sie gut ausgestattet werden und sich in einem rhythmisierten Schulalltag Unterricht, individuelle Förderung und Zeit zur freien Gestaltung sinnvoll abwechseln. Dazu sind weitere zusätzliche Mittel für die wichtige Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern nötig.

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