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Schule und CoronaGEW kritisiert Weihnachtsferienregelung als nicht hinnehmbar

Das Land ist vom Beschluss der Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung zurückgetreten und hat den vorgezogenen Beginn der Weihnachtsferien in einem beispiellosen Chaos-Kurs zurückgenommen. Die GEW kritisiert das Vorgehen aufs Schärfste.

03.12.2020

Kultusministerin Susanne Eisenmann hat entschieden, dass es keinen vorgezogenen Start in die Weihnachtsferien geben wird, sondern nur Fernunterricht ab Klasse 8 am 21. und 22. Dezember sowie eine Ansammlung an möglichen Ausnahmeregelungen für die beiden Tage, die aber im Entscheidungsbereich der Schulen und/oder Eltern liegen:

  • Klasse 1 bis 7: Präsenzunterricht an den Schulen; Präsenzpflicht für die Schüler*innen besteht aber nicht, die Eltern können auch entscheiden, dass sie ihre Kinder zu Hause lassen.
  • Ab Klasse 8: Fernunterricht an den Schulen
  • Es bleibt allen Schulen freigestellt, für den 21. und 22. Dezember zwei bewegliche Ferientage zu nutzen, um früher in die Ferien zu starten.

Die GEW kritisiert das Verhalten der Kultusministerin aufs Schärfste! Zum wiederholten Mal in der Corona-Krise streitet die grün-schwarze Landesregierung tagelang und vereinbart einen schlechten Kompromiss, der den Schulen nicht wirklich hilft. Die Wahlfreiheit für die Eltern schafft neues Organisationschaos für die Schulleitungen und Eltern. Was die Schulen wirklich in den Klassenzimmern brauchen, sind wirksame Schutzmaßnahmen, endlich mehr Personal und FFP2-Schutzmasken auch an den Grundschulen und auch an den Kitas im Land.

„Dass nun unsere Landesregierung vom Beschluss der Ministerpräsident*innen mit der Bundesregierung zurückgetreten ist und den vorgezogenen Beginn der Weihnachtsferien in einem beispiellosen Chaos-Kurs zurückgenommen hat, schlägt dem Fass nun noch den Boden aus. Der Streit der Landesregierung und der Wahlkampf wird auf dem Rücken der Schulen und der Kitas ausgetragen. Diejenigen Familien, die es sich leisten und organisieren können, werden ihre Kinder an den letzten beiden Schultagen zu Hause behalten können und dadurch entspannter in die Weihnachtspause oder die Pause zwischen den Jahren starten können. Alle anderen und auch besonders die Kolleg*innen der Grundschulen, der unteren Klassen und der Kitas, sollen durchhalten und sich dann erst in den letzten beiden Tagen vor Weihnachten so weit wie möglich schützen können. Durch die erneut sehr kurzfristige Kommunikation wurden viele Pläne von ihnen über den Haufen geschmissen“, kritisiert GEW-Landesvorsitzende Monika Stein die neue Regelung der Kultusministerin für die Weihnachtsferien.

Schule und Corona: Das Land ist vom Beschluss der Ministerpräsidenten mit der Bundesregierung zurückgetreten und hat den...

Gepostet von GEW Baden-Württemberg am Donnerstag, 3. Dezember 2020

Die GEW hat klare Forderungen, die sich an den Erkenntnissen der Wissenschaft orientieren und den Empfehlungen von Robert Koch-Institut und Helmholtz-Zentrum folgen. Es muss vom Land klar vorgegeben werden, ab welchen Inzidenz-Werten welche Maßnahmen für Schulen und Kitas vorgeschrieben sind, um einen völligen Lockdown verhindern zu können. Dazu gehört auch, ab welchen Inzidenzen welche Schularten und welche Klassenstufen in Wechselunterricht gehen müssen.

„Die Forderung nach FFP2-Masken für Beschäftigte, die meine Vorgängerin Doro Moritz schon vor den Sommerferien beim Kultusministerium eingebracht hatte, werden für weiterführende Schulen vor Weihnachten umgesetzt sein. Aber auch die Möglichkeit nach CO2-Ampeln und geeigneten Luftreinigungsgeräten werden von uns immer wieder klar kommuniziert, weil es eben nicht sein darf, dass mit alle 20 Minuten Querlüften und Maskenpflicht ab Klasse 5 das Kultusministerium seinen Auftrag auf Fürsorge gegenüber den Beschäftigten in Schulen und Kitas abgegolten hat“, betont Stein.

Wechselunterricht: Modelle, die die Bedürfnisse (fast) aller befriedigen

Die GEW fordert bereits seit Beginn der zweiten Welle Wechselunterricht ab Klasse 7 – zum Schutz aller vor Corona. Wechselunterricht ist aktuell die beste Maßnahme, um in der Corona-Pandemie Unterricht zu ermöglichen und gleichzeitig dem Arbeits- und Gesundheitsschutz gerecht zu werden.

Erfahrungsgemäß funktionieren die hybriden und digitalen Lernmodelle nur sehr begrenzt und werden als Stress wahrgenommen, wenn die Technik instabil ist. Praktikabel erscheint deshalb Wechselunterricht, der mit tageweisem Wechsel und halben Klassen stattfindet (ohne Digital- und Hybridunterricht):

  • Abstand kann eingehalten werden und vielleicht sogar ohne Maske gelernt werden.
  • Überfüllte Busse und Bahnen werden verhindert.
  • Für den häuslichen Lerntag erhalten Schüler*innen Aufgaben – ohne digitale Kommunikation.
  • Wechselunterricht ist bei älteren Schüler*innen (ab Klasse 7 oder 8) machbar und sinnvoll. Sie tragen durch ihr Freizeitverhalten höhere Infektionsrisiken in die Schule. Aufgrund ihrer Selbständigkeit bestehen keine großen Betreuungsprobleme.
  • Es muss kein neuer Stundenplan erstellt werden, wenn wie folgt organisiert wird:
    Präsenz in Woche 1: Klassenhälfte 1 am Montag, Mittwoch und Freitag
    Präsenz in Woche 2: Klassenhälfte 1 am Dienstag und Donnerstag
    Präsenz in Woche 1: Hälfte 2 am Dienstag und Donnerstag
    Präsenz in Woche 2: Hälfte 2 am Montag, Mittwoch und Freitag
  • Das Erstellen von Aufgaben für den Zwischentag ist für die Lehrkräfte in der Regel keine Mehrarbeit – selbst wenn sie aufwändigere Aufgaben vorbereiten, damit die Schüler*innen beim häuslichen Lerntag angemessen beschäftigt sind. Denn die Lehrkräfte müssen nur jede zweite Woche vorbereiten.
  • Mit einem Tag ohne Präsenzunterricht ist nicht zu befürchten, dass Schüler*innen abhängen.
  • Der Unterricht mit halben Klassen ist ausgesprochen effektiv, sodass mehr als die halbe Lernzeit wirksam wird.

Falls Wechselunterricht für jüngere Schüler*innen angeboten wird, müssten Betreuungsangebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen werden.