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GEW startet Diskussion über Digitalisierung in der Bildung

Die GEW will Position beziehen. Wie geht es weiter mit der Digitalisierung in den Schulen und anderen Bildungseinrichtungen? Wir laden alle ein, sich an der Diskussion zu beteiligen. Das geht online oder auch persönlich.

24.11.2016

Mit folgenden Fragen wird sich die GEW in den nächsten Monaten intensiv beschäftigen. Wir freuen uns über jeden, der sich in die Diskussion einbringen will. Von einem einmaligen Statement bis zu einer regelmäßigen Mitarbeit, ist alles herzlich willkommen (Ansprechpartnerin: Ute Kratzmeier). Am Ende sollen konkrete Forderungen stehen, mit denen die GEW bei Entscheidungsträgern Druck machen wird.

  • Die Gesellschaft und Wirtschaft sind digital. Wir erleben dies im Alltags- und Berufsleben jeden Tag. Soll die Schule die Digitalisierung eher blockieren oder doch stärker vorantreiben?
  • Muss der Bildungsauftrag der Schulen um die Aspekte von Digitalisierung erweitert werden? Braucht es ein weiteres Fach z.B. Informatik? Was muss aus schulischer Sicht getan werden, damit Kinder und Jugendliche nicht nur instrumentelle Nutzer digitaler Medien sind, sondern diese verstehen und kompetent und kritisch damit umgehen können?
  • Wie verändern sich Lehr- und Lern-Prozesse? Ist der Einsatz digitaler Medien überhaupt sinnvoll – und wenn ja: Wann, wo und wie? Wie steht die Schule zu neuen Lernformen (z.B. „Flipped Classroom“) oder zu Formen des kollaborativen, zeit- und ortsunabhängigen Lernens?
  • Welche IT-Ausstattung brauchen Schulen? Und wie bekommen sie die? Sollen Sponsoren einspringen, wenn der Schulträger die Mittel dafür nicht bereitstellen kann oder will? Wie kann eine soziale digitale Spaltung verhindert werden?
  • Welche Aus- und Fortbildung brauchen die Lehrkräfte? Welche Veränderungen bringt die Digitalisierung im Arbeitsplatz „Schule“? Wie kann einer Arbeitsverdichtung durch die Möglichkeiten einer intensiveren Kommunikation von Lehrer/innen, Schüler/innen, Eltern und anderen Akteuren verhindert werden? Wie können Lehrkräfte in die Lage versetzt werden, ihre eigenen Daten und die Daten ihrer Schüler/innen zu schützen?
  • Wie ist die Digitalisierung in Kitas und Hochschulen zu bewerten?
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Kommentare
Name: B. Ruff
Digitalisierung
Obwohl ich mich selbst noch zur Jüngeren Generation zähle, frage ich mich immer mehr, ob ich nicht sehr konservativ bin. Ich wundere mich, warum wir nach mehr und mehr Digitalisierung schreien, wo wir doch immer wieder feststellen, dass die Kinder und Jugendlichen viel zu viel im Internet unterwegs sind, uns mit der Bedienung der elektronischen Geräte weit überlegen sind, auf der anderen Seite aber mehr und mehr Schwierigkeiten mit ihrer feinmotorischen Entwicklung, ihrer Merkfähigkeit und ihrer Konzentrationsfähigkeit haben. Grundsätzlich habe ich nix gegen sinnvollen Einsatz digitaler Medien, aber ich halte Tafeln mit Kreide und Schüler, die händisch in ihre Hefte schreiben ein unabdingbares Mittel, um sich gewisse Fähigkeiten und Problemlösestrategien anzueigenen. Allein eine Maus und zwei Tasten bedienen zu können, wird den Schüler auch in einer digitalisierten Welt nicht weiter helfen.
25.11.2016 - 13:35
Name: Stefan Besthorn
IT-Ausstattung
Sehr geehrte Frau Kratzmeier, ich bin eben auf die GEW-Seite gegangen, um genau nach diesem Thema zu suchen. Ich bin Diplom-Wirtschaftsinformatiker und habe anschließend Realschullehramt studiert. Ich unterrichte jetzt das fünfte Jahr und bin jetzt im zweiten Jahr an der Kerschensteiner GMS in Mannheim. Ich bringe viel Know How mit und würde mich sehr gerne in meiner Schule engagieren. Aber ich soll für 2 Lehrerwochenstunden unser Netzwerk mit 200 Computern betreuen? Das ist ein Witz. Meine Schulleitung hat mich gebeten, dass ich mich über die Möglichkeit einer Installation einer Lernplattform (Moodle) für unsere Schule informiere. Das Land hat hier wirklich eine vernünftige Lösung bereitgestellt. JAAA, die brauchen wir unbedingt! Aber für evtl. 1 Stunde, die mir meine Schulleitung in Aussicht stellt??? Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ich sage Ihnen, Deutschland geht den Bach runter. In der Arbeitswelt werden die jungen Menschen einen Großteil vor dem Computer sitzen, vernetzt arbeiten. Und in der Schule arbeiten wir mit (immerhin) 10 Laptops pro Klassenzimmer in einem langsamen, dauernd kollabierenden Netzwerk, das von einem heillos überforderten Admin betreut wird. Die Lehrer sind nicht ausgebildet, die IT Infrastruktur fehlt (schnelle Internetanbindung, leistungsstarkes WLAN, Laptops + Tablets für jeden Schüler) und eine vernünftige Betreuung. Ich bin sehr frustriert. Ich würde sehr gerne, aber nicht als Freizeitbeschäftigung... Viele Grüße Stefan Besthorn
27.11.2016 - 23:29
Name: David Warneck
Voraussetzungen schaffen
@ B. Ruff: Ich bezweifel, dass die Schüler/innen uns in der Bedienung elektronischer Geräte weit überlegen sind. Zu wissen, wie ein App bedient wird, macht noch nicht medienkompetent. Die sinnvolle Anwendung von digitalen Medien umfasst m.E. nach mehr: welche Rechte will z.B. eine App auf meinem Smartphone und welche Risiken sind damit verbunden. Einen reflektierten Umgang mit Medien lernen Schüler/innen nicht - wie die Bedienung der App - intuitiv/ autodidaktisch. Die Thematisierung im Unterricht ist daher wichtig. Gleichwohl heißt das für mich nicht, dass nur noch mit Smartboards und Tablets unterrichtet werden muss. Auch der Einsatz digitaler Medien im Unterricht muss reflektiert erfolgen. (Ein interessanter Input dazu findet sich in der aktuellen Ausgabe der b&w - 11/2016, S. 7 - zum Fachgespräch Digitalisierung mit Christian Spannagel). Ich würde zudem gerne auf eine Kolumne von Christian Stöcker auf SpOn vereweisen (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/digitalisierung-3-dinge-die-schueler-lernen-muessen-kolumne-a-1123115.html): Darin wird m.E. gut beschrieben, warum der Unterricht zum einen auf die Digitalisierung reagiern muss. Zum anderen, warum in eine zeitgemäße Qualifizierung/ Fortbildung von Lehrkräften investiert werden muss. Darüber hinaus hatt der Kollege Besthorn natürlich recht: Schulen brauchen mehr Ressourcen. Der DigitalPakt#D des Bundes ist ein erstes gutes Zeichen. Aber auch Anrechnungen für Lehrkräfte gehören selbstverständlich dazu. Und noch ein Buchtipp zum Abschluss: "Die smarte Diktatur - Der Angriff auf unsere Freiheit". Meiner Meinung ein weiterer wichtiger Grund warum das Thema in die Schule gehört. (Das Buch gibt's übrigens digital und analog...)
28.11.2016 - 13:00
Name: Rolf Stökler
Logisch denken?!
Zunächst einmal stimmt die Aussage, Jugendliche seien uns im Umgang mit Medien überlegen, nicht. In der Regel sind Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse mit der Handhabung eines PCs komplett überfordert. Sich in Windows einloggen, Ordner anlegen, Daten speichern, Daten auf einen USB-Stick kopieren, Datenübertragung via USA, Umgang mit einem Browser... ist für die meisten neu. Das "Wissen" beschränkt sich hier auf die Installation und Anwendung von Apps. So viel mal dazu. Eine Digitalisierung ist dringend notwendig! Warum sollen SuS ihre Termine irgendwo (meistens auf die Hand) schreiben, wenn sie doch in der Tasche ein Handy haben und wir ihnen zeigen können, wie sie ihren Terminkalender mit dem ihrer Eltern synchronisieren können? Klassenarbeit, Abgabetermin, Wandertag... die Eltern sehen es auch sofort! Wenn SuS beginnen, ihre Daten in einer dropbox zu hinterlegen und bei Projekten GoogleDocs zu nutzen, wird vieles plötzlich effektiver! Warum wird im Kunstunterricht nicht am PC gestaltet? Das ist doch weltfremd! In der Kreativbranche muss ich mit "Ebenen" umgehen können, nicht mit Wasserfarben! Die Fähigkeit, Texte zu schreiben, verbessert sich nachweislich durch Reflexion, Feedback und Revision. Das ist irgendwann ohne Überarbeitung am PC nicht mehr machbar. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit einfacher visueller Programmiersprache einfache Algorithmen zu programmieren, was das logische Denken unheimlich schult. Es kann doch nicht sein, dass ein Schüler der Klasse 10 (Realschule) nicht mit Excel umgehen kann. Genau das ist aber der Normalfall! Da werden binomische Formeln (wofür?) von Hand berechnet, aber Excel ist Neuland. Datenschutz und die Gefahren sozialer Netzwerke gehören in den Unterricht und werden sich abstrakt und mit nur konstruierten weltfremden Fallbeispielen nicht erlernen lassen.
29.12.2016 - 15:24
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