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Landesdelegiertenversammlung (LDV)Großer Wechsel an der Spitze der Bildungsgewerkschaft

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie findet die LDV dieses Jahr digital statt – und die Delegierten können bis zum 10. November 2020 per Briefwahl wählen. Die Antragsberatungen werden weitgehend auf 2021 verschoben.

21.10.2020 - Von Matthias Schneider, GEW-Landesgeschäftsführer

Bei der Landesdelegiertenversammlung (LDV) am 23. Oktober 2020, die dieses Jahr zum ersten Mal digital stattfindet, wählen rund 350 Delegierte die GEW-Spitze für die nächsten vier Jahre. Das Format musste aufgrund der Coronavirus-Pandemie angepasst werden. Das hat zur Folge, dass eine Briefwahl stattfindet und die Delegierten bis zum 10. November 2020 wählen können. Die Antragsberatungen werden weitgehend auf 2021 verschoben. Nach zwölf Jahren wird Doro Moritz als Landesvorsitzende verabschiedet. Einzige Kandidatin für ihre Nachfolge ist Monika Stein. Acht von 14 Sitzen im Geschäftsführenden Vorstand (GV) sind neu zu besetzen.

Die LDV ist das wichtigste Gremium der GEW Baden-Württemberg mit Delegierten aus dem ganzen Land und aus allen Bildungsbereichen. Die GEW hat sich mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen dafür entschieden, die Landesdelegiertenversammlung eintägig und als Livestream zu veranstalten. Ursprünglich sollte die LDV vom 18. bis 20. Juni 2020 in der Stadthalle in Sindelfingen stattfinden. Der GEW-Landesvorstand hatte jedoch mit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie beschlossen, die LDV 2020 auf den 22. bis 24. Oktober in den Glaspalast in Sindelfingen zu verschieben – inklusive geprüftem Hygienekonzept zum Schutz der Anwesenden. Doch auch der erste Notfallplan ist jetzt kurzfristig einer Live-Übertragung am 23. Oktober gewichen. Unter dem Motto „Zeit für gute Bildung“ stehen neben den Wahlen Antragsberatungen im Mittelpunkt. Mit 93 Anträgen zu gewerkschafts- und bildungspolitischen Fragen werden die Grundlagen für die Arbeit der GEW in den nächsten Jahren gelegt.

Noch nie hatte die GEW in Baden-Württemberg so viele Mitglieder wie jetzt. Mit 50.000 Mitgliedern ist die GEW die mit Abstand größte bildungspolitische Interessenvertretung im Südwesten. Monika Stein, bekannt als Oberbürgermeister-Kandidatin aus Freiburg, kandidiert als Landesvorsitzende. Für die Bezirksvorsitze bewerben sich erneut Stefan Bauer (Nordbaden), Sandrina Vogt (Südbaden), Martin Hettler (Nordwürttemberg) sowie Heidi Drews und Martina Jenter-Zimmermann (Teamvorsitz Südwürttemberg).

Als stellvertretende Landesvorsitzende kandidieren zum ersten Mal Ricarda Kaiser und Michael Hirn als Team, Farina Semler sowie David Warneck. Als Landesschatzmeister stellt sich erneut Hans Maziol zur Wahl. Alle Wahlvorschläge gibt es hier.

Für Grußworte und Reden werden Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe und der baden-württembergische DGB-Vorsitzende Martin Kunzmann erwartet.

Die GEW hat viele Ehrenamtliche in ihren Reihen, die Bildungspolitik mitgestalten wollen. Die Delegierten für die LDV und die Bezirksversammlungen werden von den 31 GEW-Kreisen gewählt. Zusätzlich erhalten die vier Bezirksvorstände, die 31 Kreisvorsitzenden und alle weiteren Mitglieder des 70-köpfigen Landesvorstands Mandate für den Gewerkschafstag. Damit ist sichergestellt, dass alle 23 Fach- und Personengruppen und alle Organisationsbereiche der Bildungsgewerkschaft vertreten sind. Pro 250 erhält jeder GEW-Kreis ein Mandat, deshalb nehmen aus kleineren Kreisen wie Sigmaringen drei Delegierte an der LDV teil, große Kreise wie Karlsruhe oder Freiburg haben 17 beziehungsweise 21 Stimmen.

Monika Stein
Monika Stein (Foto: © Carsten Böhnke)

Monika Stein kandidiert als GEW-Landesvorsitzende

„Ich bin 50 Jahre alt, lebe in Freiburg und bin verheiratet mit dem Vater einer erwachsenen Tochter.

An der Pädagogischen Hochschule (PH) Freiburg habe ich Grund- und Hauptschullehramt studiert. Seit Beginn des Vorbereitungsdienstes bin ich GEW-Mitglied, seit 1996 im Schuldienst. Die ersten 14 Jahre in Lörrach, seit 2010 in Freiburg, immer als Haupt- und Werkrealschullehrerin. Ich war Mitglied in Schulentwicklungsteams, habe an einer Schule die Schulsozialarbeit mit aufgebaut und als Mitglied des Schulleitungsteams den Stunden- und Vertretungsplan mitgestaltet. Neben der Tätigkeit als Lehrerin habe ich sechs Semester lang ein Seminar Unterrichtsplanung an der PH Freiburg gegeben. Seit Beginn meiner Dienstzeit habe ich dreimal ein Sabbatjahr genutzt, um neue Eindrücke zu gewinnen und meinen Horizont zu erweitern.

Seit 2004 bin ich – mit kleiner Unterbrechung – Stadträtin in Freiburg, war von 2016 bis 2019 stellvertretende Fraktionsvorsitzende einer Fraktionsgemeinschaft und bin seit 2019 Vorsitzende der zweitgrößten Fraktionsgemeinschaft, die aus drei Listen besteht. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit war und ist immer die Bildungspolitik, auch wenn kommunalpolitisch der Einfluss nicht so groß ist, wie ich es mir oft gewünscht hätte. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Kinder- und Jugendhilfebereich und die Sozial-, Migrations- und Mobilitätspolitik. 2018 habe ich mit der Unterstützung eines breiten Bündnisses für die Oberbürgermeister*innen-Wahl in Freiburg kandidiert und ein starkes Wahlergebnis erzielt.

„Die GEW ist für mich eine Solidaritätsgemeinschaft aller, die in den Bereichen Bildung, Erziehung und Wissenschaft tätig sind. Mit einer starken GEW werde ich unermüdlich für gute Arbeitsbedingungen in all diesen Bereichen und für alle dort Beschäftigten kämpfen.“ (Monika Stein)

Seit 2019 bin ich Mitglied des örtlichen Personalrats (ÖPR) Freiburg und Mitglied des Kreisvorstands (Co-Pressesprecherin).

Als Kandidatin, die von außen kommt, auch wenn ich seit 26 Jahren GEW-Mitglied bin, schaue ich mit unverstelltem Blick auf den GEW-Landesverband. Das birgt die Chance, Althergebrachtes und bestehende Strukturen zu hinterfragen und den Landesverband als Organisation modernisiert aufzustellen. Ganz besonders freue ich mich, dass mit Michael Hirn, Ricarda Kaiser, Farina Semler und David Warneck vier sehr erfahrene Menschen aus verschiedenen Gremien und Bereichen der GEW als stellvertretende Landesvorsitzende kandidieren. Sie sorgen für Kontinuität und können mir die Einarbeitung erleichtern.

Gute Erziehung, Bildung und Wissenschaft kostet Geld, was der Landesregierung abgerungen werden muss. Daneben lege ich aber einen besonderen Schwerpunkt auf Fragen der Bildungsgerechtigkeit und mehr Chancengleichheit. Das ist mir als langjähriger Haupt- und Werkrealschullehrerin, die ständig mit ungleichen Startvoraussetzungen ihrer Schüler*innen konfrontiert ist, ein Herzensanliegen. Dafür werde ich mich mit all meiner Energie einsetzen, wenn ich gewählt werde.“

Michael Hirn und Ricarda Kaiser
Michael Hirn und Ricarda Kaiser

Michael Hirn kandidiert als stellvertretender Landesvorsitzender im Team

„Ich bin 52 Jahre alt, Sonderschullehrer und Schulleiter an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) in Stuttgart. Seit 1993 bin ich Mitglied der GEW und habe mich unter anderem für die Verbesserung der Lehreraus- und -fortbildung engagiert. Seit 2006 bin ich der verantwortliche ehrenamtliche Redakteur der Mitgliederzeitschrift b&w und seit 2014 Mitglied im Hauptpersonalrat (HPR) Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (GHWRGS).

Ich möchte gern mit euch zusammen die Arbeit der GEW in den kommenden Jahren gestalten. Mein Motiv dafür ist seit fast 30 Jahren unverändert: Mich motiviert, dass ich zusammen mit vielen anderen in der GEW etwas verändern und verbessern kann. Besonders wichtig sind mir die Kinder und Jugendlichen, die sich im Bildungssystem schwerer tun.

„Ich setze mich für ein sozial gerechtes Bildungssystem ein. Es ist immer noch ein weiter Weg bis dahin. Und mir wird immer klarer: Gute Bildung kann es nur geben, wenn die Beschäftigten dort gute Arbeitsbedingungen vorfinden. Beides verbindet die GEW: Die Gewissheit, dass wir uns für gute Bildung einsetzen müssen und die Kraft, für gute Arbeitsbedingungen zu streiten.“ (Michael Hirn)

Dass die GEW die Interessen der Beschäftigten in allen Bildungsbereichen vertritt, ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Nirgendwo sonst treffen sich die Kolleg*innen aus der Kinder- und Jugendhilfe, den Schulen, den Hochschulen und der Weiterbildung. Diese Vielfalt erweitert unseren Blickwinkel und macht unsere politische Arbeit wirkungsvoller.

Ich will mich in den kommenden Jahren für gute Bildung einsetzen und kandidiere deshalb bei der LDV als stellvertretender Vorsitzender im Team mit Ricarda Kaiser. Redakteur der b&w möchte ich bleiben.“

Ricarda Kaiser kandidiert als stellvertretende Landesvorsitzende im Team

„Ich liebe, außer meiner Arbeit, Radtouren, den Ausblick von einem Berggipfel und Meeresrauschen. Das teile ich vermutlich mit den meisten von euch. Eine eher seltene Leidenschaft ist meine Begeisterung für Zitate. Es gibt zu fast jedem Anlass DAS passende Zitat: ‚Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, wer findet Gründe.‘ (Götz Werner)

Es gibt sicher Gründe, nicht zu kandidieren. ‚Wie soll das gehen, mit drei Kindern?‘ ‚Mannheim ist weit weg von Stuttgart!‘ ‚Bleibt da noch Zeit für Freizeit und Freunde?‘

Ich möchte gerne zeigen, und mich dafür einsetzen, dass es Wege gibt, Familie und Beruf zu vereinbaren und mit 44 Jahren neue Herausforderungen anzugehen: ‚Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.‘ (Voltaire)

Für meine Kandidatur habe ich mich entschlossen, weil ich die Zukunft der GEW mitgestalten möchte. Ich will etwas tun, damit sich unsere Mitglieder gut von uns vertreten fühlen und die politisch Verantwortlichen uns als Expert*innen im Bildungsbereich ansehen.

In den vergangenen zwanzig Jahren habe ich durch meine GEW-Funktionen außergewöhnliche Kolleg*innen kennen gelernt. Die Zusammenarbeit mit ihnen und das gemeinsame Engagement motivieren mich, mich ehrenamtlich einzubringen.

In unserem Alltag sollten Gewerkschaften wieder mehr Bedeutung einnehmen. Es lohnt sich für uns alle, gemeinsam für Bildungsgerechtigkeit, Chancengleichheit und gute Arbeitsbedingungen zu kämpfen.“

David Warneck und Farina Semler
David Warneck und Farina Semler

Farina Semler kandidiert als stellvertretende Landesvorsitzende

„Ich bin 43 Jahre, tarifbeschäftigte Gymnasiallehrerin und lebe in Herrenberg. Als Mitglied der Bundestarifkommission und Teamvorsitzende der GEW-Landespersonengruppe Arbeitnehmer*innen bin ich seit Jahren im tarifpolitischen Bereich aktiv und werde das auch weiterhin sein.

Seit 2012 bin ich Teamkreisvorsitzende der GEW Böblingen. Insgesamt sieben Jahre war ich Mitglied oder Vorsitzende eines ÖPR am Gymnasium. Seit sechs Jahren sitze ich im HPR Gymnasien, seit drei Jahren bin ich stellvertretende Vorsitzende. Ab dem Schuljahr 2020/2021 bin ich auch Mitglied im Bezirkspersonalrat (BPR) Gymnasien des Regierungsbezirks Stuttgart.

„Die Gehaltsunterschiede zwischen verbeamteten und tarifbeschäftigten Lehrkräften, der Umgang mit befristet Beschäftigten im Schul- und Hochschulbereich ärgern mich, und die Ungerechtigkeit trägt zu meinem großen Engagement in der GEW und für die GEW bei.“ (Farina Semler)

Neben meiner Tätigkeit am Gymnasium unterrichtete ich seit vier Jahren auch an einer Gemeinschaftsschule und lerne damit mit Begeisterung eine andere Schulart kennen. Durch meine Wahl in den ÖPR am Staatlichen Schulamt Böblingen erhielt ich einen gewinnbringenden Einblick in die Personalratsarbeit anderer Schularten. Als Ortschaftsrätin in Mönchberg (Herrenberg) kenne ich die kommunalpolitischen Auseinandersetzungen zum Thema Bildung.

Ich bin bereit und freue mich darauf, meine vielfältigen Erfahrungen und Kenntnisse weiterhin für die GEW einzusetzen und kandidiere deshalb als stellvertretende Landesvorsitzende.“

David Warneck kandidiert als stellvertretender Landesvorsitzender

„Mit 34 Jahren gehöre ich noch zur jungen GEW. Daher möchte ich dazu beitragen, dass wir als Gewerkschaft den jungen Kolleginnen und Kollegen weiterhin ein attraktives Angebot machen, um sich einzubringen und Bildungspolitik mitzugestalten.

In Freiburg habe ich Lehramt für Grund- und Hauptschulen studiert und mich in dieser Zeit für ein gebührenfreies Studium eingesetzt. Bildungsgerechtigkeit spielt auch in der Arbeit der GEW eine zentrale Rolle. Auch aus diesem Grund bin ich damals Mitglied geworden.

Mittlerweile lebe ich mit meiner Frau und unseren beiden Kindern in Denkendorf. Meine Stammschule ist die Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule in Ostfildern.

„Besonders am Herzen liegt mir die Leitung des Arbeitskreises ‚Digitalisierung im Bildungswesen‘. Daher will ich mich auch in Zukunft stark dafür machen, dass die Voraussetzungen geschaffen werden, damit Bildung in der digitalen Welt gelingen kann.“ (David Warneck)

Seit 2017 bin ich Kreisvorsitzender der GEW Esslingen-Nürtingen. Zwischen 2014 und 2020 war ich zudem Mitglied im Personalrat beim Staatlichen Schulamt in Nürtingen und in den letzten drei Jahren auch Vorsitzender des Gremiums. Ebenfalls seit 2014 bin ich Mitglied im Hauptpersonalrat GHWRGS.

Ich kandidiere nun als stellvertretender Landesvorsitzender, um meinen Teil beizusteuern, dass die GEW weiterhin erfolgreich die Interessen ihrer Mitglieder vertritt.“