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Gute Einstellungschancen und überwiegend erfreuliche Zahlen

Die beruflichen Schulen können 2015 erneut Rekordeinstellungen melden. Auch die Gymnasien beurteilen die aktuelle Lehrereinstellung positiv. Für die Bewerber/innen für Grund-, Real- oder Sonderschulen sehen die Zahlen auch gut aus. Während bei den Sonderschulen nicht alle Stellen besetzt werden können, erhalten angehende Hauptschullehrkräfte wenig Angebote in ihrer Schulart.

15.07.2015 - Ruth Schütz-Zacher Mitglied HPR GHWRGS, Jürgen Stahl Mitglied HPR Gymnasien, Michael Futterer Mitglied HPR berufliche Schulen

Das Kultusministerium hat Mitte Juni die Einstellungszahlen für 2015 veröffentlich. Von fast 5.200 Bewerber/innen für die Lehrämter für Grund-, Haupt-, Real- oder Sonderschule erhielten in diesem Jahr rund 3.100 Bewerber/innen ein Einstellungsangebot. Das entspricht einer Einstellungsquote von rund 55 Prozent. 2014 waren es nur 38 Prozent.

Grund- und Haupt-/Werkrealschulen
Gut 51 Prozent der rund 3.000 Grund- und Hauptschul-Bewerber/innen (2014: 32 Prozent) erhielten ein Angebot. Zum ersten Mal erhielten die Grundschulen 180 Stellen zu ihrer Stärkung, 7 Stellen für Medienbildung und 15 Stellen für Sprachförderung (Vorbereitungsklassen). Für die Einrichtung der neuen Ganztagesgrundschulen können mit der sogenannten Monetarisierung Deputatsstunden in Geld umgewandelt werden. Durch diese Umwandlung sind für das kommende Schuljahr insgesamt 23 Lehrerstellen (2014: 39 Stellen) nicht besetzt bzw. zurückbehalten worden.
Auch in diesem Jahr gab es für Bewerber/innen mit dem Stufenschwerpunkt Hauptschule aufgrund der stark gesunkenen Schülerzahlen ein sehr niedriges Kontingent. Im Gegenzug wurde etwas stärker über Engpassfächer eingestellt. Trotz der guten Einstellungsquote hatten Anwärter/innen mit sehr guten Examina geringe Chancen ein Stellenangebot zu erhalten, wenn sie räumlich nicht flexibel waren.

Gemeinschaftsschulen

Die Einstellung für die Gemeinschaftsschulen erfolgte in diesem Jahr nicht ausschließlich über die schulbezogene Ausschreibung, sondern auch über das Listenverfahren Grund-/Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien. Für die schulbezogene Ausschreibung wurden 23 Stellen aus Grund- und Hauptschulen, 62 Stellen aus Realschulen und 28 aus Gymnasien zurückbehalten. Die weiteren Stellen für Gemeinschaftsschulen wurden über das Listenverfahren vergeben. Hier konnten die Bewerber/innen im Vorfeld angeben, ob sie an einer Gemeinschaftsschule arbeiten möchten. Bei Bewerber/innen mit einem Abschluss für Grund- und Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien wurde jeweils geprüft, ob ihnen ein Angebot in ihrer Schulart gemacht werden kann. War dies nicht der Fall, wurde ein Einstellungsangebot für Gemeinschaftsschulen geprüft. Dies führte dazu, dass in der Regel Personen mit schlechterer Gesamtqualifikation ein Einstellungsangebot an einer Gemeinschaftsschule erhalten haben. Die Gemeinschaftsschulen werden also im Listenverfahren gegenüber den anderen Schularten nur nachrangig berücksichtigt. Das muss sich aus Sicht der GEW, des Hauptpersonalrates GHWRGS sowie der GEW-Mitglieder im HPR Gymnasien in der nächsten Einstellungsrunde unbedingt ändern.
An den Gemeinschaftsschulen wurden weitere Lehrkräfte aus Gymnasien eingestellt. 50 gymnasiale Bewerber/innen erhielten eine Stelle, davon 22 im Listenverfahren. 70 Stellen stehen mit Sonderausschreibungen zur Verfügung. Rund 36 wurden bisher besetzt.

Realschulen
Für Realschullehrkräfte waren die Einstellungschancen dieses Jahr gut. Rund 51 Prozent der Bewerber/innen erhielten ein Angebot. 2014 waren es nur 35 Prozent. Die Realschulen erhielten 241 zusätzliche Stellen, da die Stunden für individuelle Förderung und Differenzierung im kommenden Schuljahr um 3,8 Stunden auf 6 Stunden je Zug erhöht werden. Für die rund 1.700 Bewerber/innen gab es ca. 860 meist fachspezifische Angebote. Bei geringer räumlicher Mobilität oder einer unglücklichen Fächerkombination führte allerdings auch ein sehr gutes Examen nicht zu einem Stellenangebot.

Sonderschulen
Die Chancen für wissenschaftliche Sonderschullehrkräfte ein Einstellungsangebot zu erhalten, waren noch höher als im Vorjahr: Rund 90 Prozent in diesem Jahr stehen den 71 Prozent des Jahres 2014 gegenüber. 77 Stellen von insgesamt 445 Stellen kamen aus dem Kontingent Inklusion. Da die Sonderschulangebote immer von der studierten Fachrichtung abhängen und ein Großteil der Stellenangebote an die Förderschulen geht, sind die Bewerber/innen anderer Fachrichtungen häufig auf Angebote aus Privatschulen angewiesen. Daraus ergibt sich das Problem, dass durch die häufige räumliche Inflexibilität der Bewerber/innen und die geringe Bewerberanzahl viele Stellen an Sonderschulen nicht besetzt werden können. Es wird nun im Nachrückverfahren versucht, einen Teil der noch offenen Stellen zu besetzen.
Die Sonderschulen haben seit Jahren ein strukturelles Defizit. Durch die fehlenden Bewerber/innen wird der Bereich Sonderschulen/Inklusion mit dem höchsten strukturellen Unterrichtsdefizit aller Schularten in das neue Schuljahr starten.

Fachlehrer/innen und technische Lehrer/innen an Sonderschulen
Sowohl die Ausbildung der Fachlehrer/innen für Geistig-/Körperbehinderte (G/K) an Sonderschulen als auch die der musisch-technischen Fachlehrer/innen ist eine spezielle baden-württembergische Ausbildungsvariante. Sie wird außerhalb Baden-Württembergs kaum anerkannt und Fachlehrer/innen haben somit nahezu keine Ausweichmöglichkeit.
Die Einstellungsquote bei den Fachlehrer/innen G/K an Sonderschulen lag in diesem Jahr bei rund 55 Prozent. 2014 war sie noch deutlich niedriger (34 Prozent). Bei den musisch-technischen Fachlehrer/innen gab es keine Veränderungen (Einstellungsquote 2014 und 2015: 56 Prozent). Da zudem in diesem Bereich ausschließlich nach ausgebildetem Fach ausgewählt wird, erhielten selbst Bewerber/innen mit Bestnoten nicht immer eine Stelle.
Bei den technischen Lehrer/innen an Sonderschulen gab es nur wenige Angebote. Es erhielten gerade einmal drei Bewerber/innen ein Einstellungsangebot.

Gymnasien
2.639 gymnasial ausgebildete Lehrkräfte bewarben sich zum Schuljahr 2015/16 um eine Einstellung. Die Zahl umfasst auch Bewerber/innen, die in den letzten Jahren nicht zum Zug gekommen sind. Vorab wurden 340 Stellen in verschiedenen Ausschreibungsverfahren vergeben, darunter 22 im Rahmen der Zusatzqualifikation.
915 Stellen werden zum kommenden Schuljahr frei, weil Lehrkräfte ausscheiden; das sind vorwiegend Pensionierungen. Diese Stellen führen laut Kultusministerium zu 1.080 Einstellungen. 575 Stellen können im Listenverfahren vergeben werden. Dabei wurden erstmalig im Listenverfahren auch Stellen an Gemeinschaftsschulen vergeben. So wurden 369 Stellen an 402 angehende Lehrkräfte vergeben. Hinzu kommen 106 Stellen auf TV-L-Basis mit Übernahmegarantie ins Beamtenverhältnis zum Schuljahr 2016/17, sowie 100 Stellen, die an berufliche Schulen befristet für drei Jahre abgeordnet werden. Die Erfahrungen aus vergangenen Abordnungsverfahren zeigen, dass etwa die Hälfte dieser Lehrkräfte im beruflichen Schulwesen bleiben möchte.
Zusätzlich werden zu den 915 Stellen 15 Stellen für Sonderverfahren (Schwerbehinderteneinstellung und Härtefallregelung) vorgehalten. Darüber hinaus bieten sich weitere Einstellungsmöglichkeiten an beruflichen Schulen und in den Nachrückverfahren.
Die Einstellungssituation in den vier Regierungspräsidien (RP) ist sehr unterschiedlich. Sie war im RP Stuttgart mit 224 Stellen im Listenverfahren deutlich am besten, im RP Tübingen mit 10 Stellen klar am schlechtesten. Auch fachspezifisch gibt es große Unterschiede. So ist es nicht gelungen, alle Stellen für Mathematik zu besetzen. Schwierig ist die Situation für Lehrkräfte mit ungewöhnlichen Fächerkombinationen. Die Junglehrer/innen haben im Listenverfahren oft nur eine Chance, wenn sie von der Ausbildungsschule angefordert werden.
Die Einstellungssituation für Gymnasiallehrkräfte ist erfreulich. Dies liegt aber auch daran, dass es gute Chancen an Gemeinschaftsschulen und beruflichen Schulen gibt. Neben einer guten Leistungsziffer ist die räumliche Flexibilität der Bewerber/innen und die Bereitschaft, auch an eine andere Schulart zu gehen, die beste Voraussetzung, um ein Einstellungsangebot zu erhalten.

Berufliche Schulen

Für die beruflichen Schulen wird es auch 2015 eine Rekordeinstellung in ähnlicher Höhe wie 2013 geben. Insgesamt stehen 1.187,3 Stellen zur Verfügung.
Die GEW hat sich dafür eingesetzt, dass die beruflichen Schulen zusätzliche Stellen erhalten. Dies hat auch dieses Jahr Früchte getragen:
•    Mit dem Haushalt 2015 hat das Land auf die Streichung von 240 Stellen an den beruflichen Schulen verzichtet.
•    Das 2012 beschlossene Programm zu Abordnung von 100 Gymnasiallehrer/innen an die beruflichen Schulen wird um drei Jahre verlängert. Weiterfinanziert werden auch 58 befristete Stellen für die Vorqualifizierung Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (VABO). Diese 158 Deputate konnten ebenfalls für die beruflichen Schulen erhalten werden.
•    Im Nachtragshaushalt sind im Frühjahr 161 zusätzliche Stellen geschaffen worden, weitere knapp 30 werden über Enquete-Mittel finanziert, so dass es insgesamt 191 zusätzliche Stellen gibt.
• 2015 werden darüber hinaus weitere 100 Lehrkräfte aus den allgemein bildenden Gymnasien an die beruflichen Schulen abgeordnet.
124,5 befristete Stellen laufen allerdings 2015 aus.
Es ist folglich einerseits gelungen, den Abbau von knapp 400 Stellen zu verhindern, andererseits haben die beruflichen Schulen zusätzlich 290,7 Deputate erhalten.
Aber auch in den vergangenen Jahren gab es in der Stellenentwicklung Erfolge im Bereich der beruflichen Schulen. Insgesamt haben sie seit 2011 mehr als 1.000 Stellen zusätzlich erhalten. Berücksichtigt man, dass das Land spätestens 2012 in eine Politik der Stellenstreichung eingestiegen ist, ist dies ein großer Erfolg auch der GEW.
Allerdings werden diese Stellen an den beruflichen Schulen dringend gebraucht. So ist z.B. die Zahl der VABO-Klassen von 33 (2013/14) auf derzeit rund 180 angewachsen. Auch die Zahl der Schüler/innen im beruflichen Gymnasium und in den Berufskollegs wächst nach wie vor. Das strukturelle Defizit wurde zwar halbiert, liegt aber immer noch bei 2,3 Prozent. Die Bugwelle, die bis zum Schuljahr 2011/12 jährlich um rund 200 Deputate auf 1.806 Deputate angewachsen ist, ist mittlerweile leicht auf 1.688 Deputate zurückgegangen.
Das KM hat in diesem Jahr das Einstellungsverfahren etwas modifiziert. Mit 640 Stellen wurden deutlich mehr Stellen in den vorgezogenen Verfahren ausgeschrieben als in den vergangenen Jahren, um frühzeitig vor allem Direkteinsteiger/innen zu gewinnen.
Die Einstellungssituation der Referendar/innen ist damit wieder außerordentlich gut. Von den 380 Neubewerber/innen haben bis Mitte Juni bereits 95 Prozent ein Einstellungsangebot erhalten, von den 134 Altbewerber/innen knapp 68 Prozent. 89 Direkteinsteiger/innen konnten gewonnen werden. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt noch rund 600 Stellen unbesetzt. Das soll sich bis zum Sommer ändern

Einstellungen und Bewerbungen
Einstellungen
2015                2014
Bewerbungen
2015         2014  
Grund- und Hauptschullehrkräfte1.5509803.0043.060
Realschullehrkräfte8525051.6821.460
Sonderschullehrkräfte445415498580
musisch-technische
Fachlehrer/innen
118140215250
Fachlehrer/innen
Sonderschule G/K,
techn. Lehrkräfte
10765190190
Lehrkräfte für Gymnasien9309992.6392.838
Lehrkräfte
berufliche Schulen
1.1871.026
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