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Gymnasium 2020: Sachliche Diskussion notwendig

Die GEW-Fachgruppe Gymnasien plädiert für eine sachorientierte und unaufgeregte Diskussion des Papiers "Gymnasium 2020" – letztlich ist es eine Sammlung von Vorschlägen und verdient es, als solche gelesen zu werden.

13.05.2015 - Jürgen Stahl

Das Papier „Gymnasium 2020“ wurde von der Gymnasialabteilung im Kultusministerium unter Beteiligung von Schulleitungen und Elternvertreten entwickelt. Anders als es oft dargestellt wird, geht es den Autoren des Papiers im Wesentlichen um eine Stärkung des Gymnasiums in einer sich wandelnden Schulstruktur mit dem Ziel, ein „Zwei-Säulen-Modell“ zu verankern. Pädagogisch sollen Elemente des Unterrichtens aus der Gemeinschaftsschule (z.B. Lernateliers, Kompetenzraster, Lerntagebücher usw.) auch im Gymnasium Berücksichtigung finden. Schüler/innen sollen durch Lerncoaches während der gesamten Schullaufbahn begleitet werden. Das Papier „Gymnasium 2020“ befasst sich außerdem damit, wie an der Schnittstelle zwischen Sekundarstufe I und Sekundarstufe II auch Schüler/innen aus Gemeinschaftsschulen und Realschulen der Übertritt zum allgemeinbildenden Gymnasium ermöglicht werden kann. Schüler/innen, die keine zweite Fremdsprache gelernt haben, können eine späteinsetzende Fremdsprache auf B-Niveau erlernen. Außerdem sind weitere Fördermaßnahmen geplant. Wichtige Änderungen in der Oberstufe wären neben den Vertiefungsangeboten in Kernkompetenzfächern die verpflichtende Belegung des Seminarkurses sowie die Abschaffung der gleichwertigen Feststellung von Schülerleistungen (GFS). Im Abitur sollte es nach Ansicht der Autoren zwei mündliche Prüfungen geben und statt bislang vier nur noch drei schriftliche Prüfungsfächer. Das dritte schriftliche Prüfungsfach soll frei gewählt werden können. Die Prüfungsform der Präsentationsprüfung soll abgeschafft werden.
Die Fachgruppe Gymnasien begrüßt es grundsätzlich, dass eine Debatte über die Zukunft des Gymnasiums angeregt wird. Das vorliegende Papier enthält durchaus begrüßenswerte Anregungen, ist aber in Teilen auch unausgereift. So ist z.B. die Beziehung zwischen Lerncoaches und Klassenlehrer/innen nicht ausdiskutiert: Eine Schwächung der Klassenlehrertätigkeit besonderes in der Unter- und Mittelstufe, lehnen wir strikt ab. Hingegen begrüßen wir die Ideen zum Übergang von Schüler/innen aus Gemeinschafts- und Realschulen. Eine rasche und nicht wie vorgeschlagen mittelfristige Rückkehr zu Grund- und Leistungskursen erachten wir als notwendig. Die Änderungen bei der Abiturprüfung gehen aus unserer Sicht im Sinne der Gleichwertigkeit der Fächer in die richtige Richtung, allerdings nicht weit genug.

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