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KommentarLandesregierung hat keinen Plan für bessere Unterrichtsversorgung

Die Kultusministerin fordere bessere Leistungen an den Schulen – die notwendigen Voraussetzungen schaffe sie aber nicht, findet die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. Es gebe keine gleichwertigen Bildungschancen im Land.

16.07.2019 - Doro Moritz, GEW-Landesvorsitzende

Die Zahlen der Einstellungsmöglichkeiten zum Schuljahr 2019/20 stehen fest. Nur für ein Drittel der Bewerberinnen und Bewerber für das gymnasiale Lehramt stehen Stellen zur Verfügung. Die Landesregierung nutzt diesen Bewerberüberhang nicht für den Ausbau der Vertretungsreserve.

In allen anderen Lehrämtern gibt es zu wenige Bewerberinnen und Bewerber. Ihre Interessen entsprechen sehr oft nicht dem Bedarf der Schulen. Viele Schulen hoffen noch, die Lücken in der Unterrichtsversorgung stopfen zu ­können. Zahlreiche Sonderpädagogische ­Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) werden mit einem Versorgungsgrad von 80 Prozent und weniger ins neue Schuljahr starten.

Die Unterrichtsversorgung und die Lehrer­einstellung offenbaren die mangelhafte Planung der Landesregierung und das Sparen zu Lasten der Bildung. Nach dem Motto „Wenn wir keine Lehrkräfte haben, können wir die Stellen auch abziehen“ verlieren die Grundschulen rund 700 Stellen, darunter auch 42 Deputate für Sprachförderung. Viele Grundschulen können den Pflichtunterricht nicht abdecken. Stunden, in denen Sprache und andere Lernbereiche gefördert werden können, muss man an den Schulen mit der Lupe suchen. Das schränkt die Bildungschancen dieser Kinder massiv ein. Denn: Auf den Anfang kommt es an! Eine weitere Folge ist: In den Schularten der Sekundarstufe I kommen immer mehr Schülerinnen und Schüler an, die in der Grundschule weniger gelernt haben als bei guten Bedingungen möglich wäre. Das verschärft die Herausforderungen für die Lehrkräfte deutlich. Die Kultusministerin fordert bessere Leistungen an den Schulen – die notwendigen Voraussetzungen schafft sie aber nicht!

Die Regionen sind völlig unterschiedlich versorgt. Während das Regierungspräsidium Karlsruhe in den Schulen der Sekundarstufe 1 rechnerisch voll versorgt ist, sind in den anderen Regierungspräsidien bei Redaktionsschluss noch 500 Stellen unbesetzt. So gibt es keine gleichwertigen Bildungschancen im Land.

Schlechte Aussichten für Inklusion

Mehr als 50 Stellen der Fachlehrkräfte für Geistige Entwicklung werden gestrichen, um die auf drei Jahre verlängerte Ausbildung zu finanzieren. Für die Inklusion ist – wie im vergangenen Jahr – ein Zuwachs von 159 Stellen angekündigt. Bei genauer Betrachtung ist auch diese Zahl sehr ernüchternd. Es sind wie 2018 keine Neustellen, sondern sie kommen aus dem Bestand. So verschlechtern sich die Unterrichtsversorgung und die Situation in der Inklusion. Außerdem geht ungefähr die Hälfte der Stellen in Privatschulen, den ­sonderpädagogischen Dienst an beruflichen Schulen und in Klassenteilungen, die durch die Schülerinnen und Schüler in inklusiven Bildungsangeboten an allgemeinen Schulen notwendig werden. Gleichzeitig steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler in inklusiven Bildungsangeboten weiter an.

Die Situation entlarvt die Aktivitäten und Erklärungen von Kultusministerin Susanne Eisenmann einmal mehr als Aktionismus: Es reicht nicht aus, dreimal im Jahr an allen Schulen die ausgefallenen Unterrichtsstunden zählen zu lassen und noch häufiger Handreichungen und Leitfäden für neue Aufgaben an die Schulen zu schicken. Verbesserung der Unterrichtsversorgung? Qualitätsentwicklung? Ausreichende Zahl von Studienplätzen? Konzepte für die Absicherung von befristet Beschäftigten? Qualifizierungsangebote für Lehr­kräfte ohne abgeschlossene Lehramtsausbildung? Aufbaustudiengänge? Entlastung und Unterstützung für die Lehrkräfte? Überall Fehlanzeige!

Im neuen Schuljahr werden mehr Schülerinnen und Schüler, aber weniger Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen sein. Die Unterrichtsversorgung verschlechtert sich weiter. Kultusministerin und Landesregierung müssen schnell wirksame Schritte ergreifen, wenn sie die Schulqualität stärken, die Bildungschancen der Schüler/innen verbessern und für den Lehrerberuf motivieren wollen.

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