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Marode Schulgebäude: Es riecht nach MUM

28.06.2018 - b&w-Artikel, Marco Stritzinger

Zehn Jahre lang findet der Unterricht auf einer Baustelle statt. Die GEW hat bei einem Schulbesuch an der Dammschule in Heilbronn herausgefunden, was der Grund dafür ist – und wie die Lehrer/innen und Schüler/innen damit fertigwerden.

Bereits der 15-minütige Fußmarsch vom Heilbronner Hauptbahnhof zur Dammrealschule bietet einen guten Eindruck von dem, was die GEW erwarten sollte. Die Stadt gleicht einer einzigen Baustelle. Bei mehr als 30 Grad Celsius sind die Vorbereitungen für die Bundesgartenschau 2019 in vollem Gange.

Im Rahmen der GEW-Aktion „lerntRÄUME gestalten“ innerhalb der Initiative „Bildung. Weiter denken!“ besucht die GEW-Landeschefin Doro Moritz Schulen, die marode oder baufällig sind und das Lernen und das Schulklima beeinträchtigen. Anfang Juni steht die Dammrealschule auf dem Programm.

In der dreizügigen Realschule werden 480 Schülerinnen und Schüler in zwei großen Gebäuden auf dem Gelände unterrichtet. Zurzeit wird der Grundschulabschnitt des mehr als 100 Jahre alten Hauptgebäudes saniert. Danach sollen die Realschüler/innen die Container beziehen und der andere Teil des Gebäudes wird auf Vordermann gebracht. In dem Gebäude ist es noch wärmer als draußen. Die Bauarbeiten würden den Schulalltag erheblich beeinträchtigen, berichtet der Schulleiter Sven Hertner. Durch die Sanierungsarbeiten müssen Klassen immer wieder umziehen. Die Lehrerinnen und Lehrer zwängen sich in ein viel zu kleines, provisorisches Lehrerzimmer. Unzählige Materialien stapeln sich auf den Tischen. Platz zum Arbeiten bleibt kaum übrig.

Vor sechs Jahren starteten die Baumaßnahmen, weil am Hauptgebäude Kriegsschäden vermutet wurden. Schnell trat jedoch die mangelhafte Bausubstanz zu Tage. Somit waren die zuvor geplanten Baumaßnahmen hinfällig und ein neuer, komplizierter Ausschreibungsprozess musste gestartet werden. Die baulichen Mängel sind so gravierend, dass sich die Sanierung voraussichtlich bis 2021/2022 hinzieht. Die erwarteten Kosten betragen etwa 25 Millionen Euro.

Zehn Jahre müssen Schüler/innen und Lehrer/innen folglich mit einer Baustelle leben. Manche Kinder werden ihre komplette Schulzeit auf einer Baustelle verbringen. Hertner erzählt, die Berichterstattung über die Container habe inzwischen zu einem Einbruch der Schülerzahlen geführt. Moritz zeigt sich erschüttert von der nicht enden wollenden Baustelle. „Es ist erschreckend zu sehen, wie Land und Kommunen die Schulen im Stich lassen“, sagte sie.

Umgang mit verschiedenen Kulturen erlernen

Unbeeindruckt von den baulichen Mängeln leisten die Lehrkräfte und die Lernenden vor Ort gute Arbeit. Die Schülerschaft ist ebenso heterogen und multikulturell wie die Einwohner/innen Heilbronns. Derzeit werden Kinder und Jugendliche aus über 40 verschiedenen Nationen unterrichtet. Toleranz und eine starke Gemeinschaft spielen aus diesem Grund für die Schule eine sehr wichtige Rolle. Die Neuntklässlerin Janina Dragidella, die Schülersprecherin, erzählt stolz von ihrer Schule. Die Dammrealschule ermögliche zahlreiche außerunterrichtliche Aktivitäten wie beispielsweise den Drachenboot-Sport, bei dem die Paddler in sogenannten Drachencups ihre Boote zu Wasser lassen.

Selbst wenn die Sanierung eines Tages abgeschlossen ist, werden an der Schule keine traumhaften Zustände herrschen. Die baulichen Mängel im Hauptgebäude werden zwar behoben, doch das 35 Jahre alte Nebengebäude verfällt bereits zunehmend. Stahlwolle dringt aus Wänden und Decken hervor und auch die Turnhalle hat ihre besten Tage hinter sich. Bei den aktuellen Baumaßnahmen wird der zweite Bau nicht renoviert. Vor allem die Unterrichts-Küche sei eine einzige Katastrophe, klagt eine Lehrerin, die das Fach Mensch und Umwelt (MUM) unterrichtet. Der Vorratsraum stehe seit einem Jahr leer, weil Wasser durch die Decke trete und die Reparatur auf sich warten lasse. In der Küche selbst habe sich ein modriger Geruch festgesetzt. Bei den Schüler/innen heißt es nur noch: „Es riecht nach MUM!“

Im Leitbild der Schule steht: „Die Schulzeit an der Dammrealschule ist ein Lebensabschnitt, der Chancen bietet, den Umgang mit verschiedenen Kulturen zu erlernen und die Integration zu fördern.“ Die Erschwernisse mit der baden-württembergischen Baukultur an Schulen hätte man den Kindern und Jugendlichen gerne erspart.

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