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Mutlose Reform mit vielen offenen Fragen

Die Landesregierung hat die Eckpunkte zur Reform der Lehrerausbildung vorgestellt. Als Grundlage sollten die Ergebnisse der Expertenkommission dienen, die die Landesregierung selbst beauftragte. Die Empfehlungen werden aber nur zu einem kleinen Teil umgesetzt. Eine grundlegende Reform bleibt aus.

13.12.2013

Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und Kultusminister Andreas Stoch präsentierten am 3. Dezember die Eckpunkte der Lehrerbildungsreform. Das Studium für Grundschullehrer/innen bleibt bei 8 Semestern und es wird kein gemeinsames Sekundarstufenlehramt für alle weiterführenden Schulen geben. Die Lehrer/innen für Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sollen 10 Semester studieren. Am separaten Studiengang für Gymnasiallehrkräfte ändert sich nichts. „Kein Einheitslehrer“, jubelt die Opposition, die GEW kritisiert die Entscheidung. Doro Moritz sagte: „Mit dieser Entscheidung zementiert die Landesregierung das dreigliedrige Schulsystem.“ Wie Lehrer/innen an Gemeinschaftsschulen so gymnasiale Standards unterrichten sollen, wurde weder thematisiert noch gelöst.


Die Expertenkommission hatte für alle Lehramtsstudiengänge 10 Semester und ein gemeinsames Sekundarstufenlehramt vorgeschlagen. „Die Reform der Lehrerbildung hätte die angestrebten Schulreformen nachhaltig unterstützen und für den Erfolg einer grün-roten Landesregierung stehen können. Ich bin enttäuscht, dass die Landesregierung nicht den Mut hat, die Empfehlungen der Expertenkommission umfassend umzusetzen“, bedauerte Doro Moritz.


Warum Grundschullehrer/innen nicht 10 Semester studieren sollen, erklärte Kultusminister Stoch so: „Unsere Grundschulen sind schon gut und sie haben mit individueller Förderung viel zu bieten.“ Doro Moritz lässt das nicht gelten: „Ein geringer qualifizierendes Studium der Grundschullehrer/innen ist sachlich nicht gerechtfertigt und für die GEW inakzeptabel.“ Bauer räumte ein: „Wir haben für diesen Vorschlag der Expertenkommission viel Sympathie gehabt und uns Angesichts begrenzter Ressourcen dagegen entschieden“.


Das Lehramtsstudium wird in Zukunft in ein Bachelor- und Masterstudium umgewandelt. Ungeklärt ist der Übergang vom Bachelor zum Master. Ministerin Bauer erklärte, es werde Eignungstests vor dem Master geben, die besonders die Motivation als Lehrperson prüfe. Noten seien nicht der alleinige Maßstab. Nähere Details über diese Eignungsfeststellung würden erst entwickelt. Nicht geklärt ist auch, welche Bedeutung dem Bachelorabschluss zugemessen wird. Auch ohne Master gebe es Berufsperspektiven. Arbeitsfelder in der frühkindlichen Bildung, der Erziehungsberatung und der Ganztagsbetreuung kann sich Bauer vorstellen. Kultusminister Stoch stellte klar: „Ohne Master wird man kein Lehrer, keine Lehrerin“.


Die Landesregierung will, dass das Studium eine „auf Schule bezogene Ausbildung“ wird. Gleichzeitig soll im Bachelor der Fokus auf die Fachwissenschaften gerichtet sein, um den Studierenden mit dem Bachelorabschluss viele Möglichkeiten offen zu lassen. Das Schulpraxissemester soll erst im Master stattfinden, im Bachelor sind „erste Begegnungen mit der Schulpraxis“ angedacht. Entschieden ist nichts.


Die GEW begrüßt, dass die Landesregierung sonderpädagogische Elemente und Diagnosefähigkeit als Grundmodul in allen Lehrämtern verankern will. Die Sonderpädagogik bleibt als eigenständiges Studium bestehen.


„Wir werden neue Orte schaffen, die ein besonders gutes Angebot für die Lehreraus- und Fortbildung haben werden“, schwärmte Bauer von den geplanten Schools of Education. Sie sollen auf freiwilliger Basis und durch Anreize entstehen. Wer sich mit wem, wie und wann zusammenschließt, entscheiden die Hochschulen; auch ob die Staatlichen Seminare für Lehrerbildung einbezogen werden. Die Frage, ob alle Standorte erhalten blieben oder eventuell Pädagogische Hochschulen schließen müssten, wehrte Ministerpräsident Winfried Kretschmann ab: „Wir sagen nichts zu Standortfragen, das sind stressreiche Debatten“.


Die Reform ist an vielen Stellen unausgegoren. „Wir sind vielfach kritisiert worden, dass wir zu viel auf einmal anpacken. Jetzt machen wir es nacheinander“, begründete der Ministerpräsident die offenen Punkte. Bis zum Sommer 2014 sollen sie geklärt sein. Ab dem Wintersemester 2015/16 sollen die ersten Studierenden nach den neuen Regelungen starten. Die ersten Lehrkräfte kommen ab 2022 an die Schulen.

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