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Referendar/innen: Jung und damit besonders belastbar?

Junge Lehrer/innen starten oft hochmotiviert in den Schuldienst. Gleichzeitig erleben viele angehende Lehrer/innen den Vorbereitungsdienst als große Belastung. Die GEW fordert Entlastung und bietet Unterstützung.

26.01.2017

An nahezu allen Schulen haben im Januar und Februar Kolleg/innen ihr Referendariat begonnen. In den ersten Jahren an der Schule gelingt es oft nicht, Berufs- und Privatleben zufriedenstellend zu vereinbaren. Hohe psychosoziale Belastungen prägen diese Phase: Keine Zeit für Familie, Freundschaften und Freizeit. Rund 20 Prozent der jungen Kolleg/innen denken sogar daran, ihren Beruf wieder aufzugeben! Eine besondere Herausforderung stellt sich hier bei den Berufsanfänger/innen, die bereits Familie oder zu pflegende Angehörige haben.

Welche Belastungen gibt es?
In der Zeit des Vorbereitungsdienstes und Berufsanfangs kommen viele Herausforderungen auf uns zu: Unterrichtsorganisation, weitere Wissensaneignung für den eigenen Unterricht, Vernetzung, pädagogische Aufgaben und Schwierigkeiten, Klassenpflege, Termin- und Selbstorganisation. Oft werden junge Kolleg/innen auch für Sonderaufgaben wie Verbindungslehrkraft, Schüleraustausch, Ausflüge oder Präventions- oder Sicherheitsbeauftragte/r herangezogen. Die Begründung, jung und damit besonders belastbar zu sein, steht dabei oft im Mittelpunkt. Eine erst kurze Anwesenheitszeit an der Schule sowie die Angst vor schlechten Schulleitungsbeurteilungen machen ein „Nein“ der Berufsanfänger/innen zu den angetragenen Aufgaben oft unmöglich.

Was kann angehende Lehrkräfte entlasten?
Die GEW fordert, Referendare/innen nicht wie fertig ausgebildete Lehrer/innen einzusetzen. Der Vorbereitungsdienst ist eine Lernphase: Die Gestaltung des eigenen Unterrichts, die Wahl von Methoden, Zeitmanagement und Arbeitsorganisation – alle diese Kompetenzen müssen erlernt und ausprobiert werden – und wir müssen auch mal scheitern dürfen! Insbesondere die persönliche Entwicklung als Lehrer/in ist wichtig und braucht Zeit. Fachleiter/innen und Mentor/innen mit hohen Kompetenzen in der Erwachsenenbildung sollten uns dabei wohlwollend begleiten und Orientierung bieten. Es muss eine faire Beurteilung aufgrund von transparenten Kriterien geben. Auch nach dem Vorbereitungsdienst müssen junge Kolleg/innen weiter professionell begleitet werden: Die Unterrichtsqualität muss kontinuierlich weiterentwickelt werden, pädagogische Herausforderungen reflektiert und evaluiert werden können – nach Möglichkeit mit der Hilfe erfahrener Kolleg/innen. Die Kooperation mit Kollegium und Schulleiter/in muss aufgebaut oder vertieft werden, die Beziehungsgestaltung mit den einzelnen Schüler/innen und Klassen erlernt und durchgeführt werden. Für all das braucht es Zeit und Menschen, die Berufsanfänger/innen unterstützen.

Junge GEW fordert Entlastung
Junge Lehrer/innen starten oft hochmotiviert in den Schuldienst. Leider sind viele nach kurzer Zeit stark belastet und gehen auf dem Zahnfleisch: Zu viele Sonderaufgaben, zu wenig Zeit, den eigenen Unterricht zu reflektieren und die eigene Berufsrolle zu finden. Das darf nicht sein! Eine lebendige Schule lebt von engagierten Lehrer/innen, die dabei unterstützt werden, selbst weiter zu lernen und Veränderungen zuzulassen. Die junge GEW fordert die Rücknahme der Absenkung der Eingangsbesoldung und die Möglichkeit des Referendariats in Teilzeit. Als Schwerpunkt für 2017 haben wir uns das Thema „Entlastung am Berufsanfang“ vorgenommen und freuen uns über Rückmeldungen dazu von euch! Wer etwas bewegen und mit der jungen GEW an diesem Thema weiterarbeiten möchte - bitte bei der zuständigen Referentin melden: Johanna Schreiber (johanna.schreiber(at)gew-bw(dot)de)

GEW unterstützt
Die GEW-Mitgliedschaft im Referendariat kostet monatlich nur 4 Euro und bietet viel: Seminare zur Prüfungsvorbereitung, z. B. zu Schul- und Beamtenrecht, Hotlines und Veranstaltungen zur Lehrereinstellung und zu „Keine Stelle, was nun?“ Bei Problemen können sie sich die angehenden Lehrkräfte in den Geschäftsstellen der Bezirke beraten lassen. Selbstverständlich genießen die jungen Kolleg/innen alle anderen Vorteile der Solidargemeinschaft GEW.



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