GEW Baden-Württemberg
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Reform der Oberstufe am Beruflichen Gymnasium

Das Kultusministerium arbeitet derzeit an einer Neugestaltung des Beruflichen Gymnasiums, um dem neuen Bildungsplan gerecht werden zu können, der zum Schuljahr 2021/22 umgesetzt werden soll. Auch will man damit den aktuellen Vorgaben der Kultusministerkonferenz nachkommen.

20.06.2017 - Ingrid Letzgus

Im Jahr 2002 hat Baden-Württemberg die gymnasiale Oberstufe an Beruflichen und allgemeinbildenden Gymnasien reformiert und die Grund- und Leistungskurse abgeschafft. Mit dieser Abschaffung wurde der denkbar schlechteste Weg gewählt. Seit damals müssen alle Schüler/innen diese Fächer auf erhöhtem Niveau, also dem früheren Leistungskursniveau belegen, allerdings mit einer niedrigeren Stundenzahl (früher fünf, heute vier). So finden an den Beruflichen Gymnasien aktuell mindestens vier Fächer auf erhöhtem Niveau (eN) statt: Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache (jeweils vierstündig) und das Profilfach (sechsstündig). Mit einer vierstündigen Naturwissenschaft haben die Schüler/innen bereits fünf Fächer auf eN. Laut KMK sind zwei bis maximal fünf Fächer auf eN möglich.

Die GEW fordert schon seit geraumer Zeit eine Neuausrichtung der gymnasialen Oberstufe. Es ist an der Zeit, den Veränderungen, die sich vor allem bei den Schüler/innen ergeben haben, gerecht zu werden. Ziel sollte es sein, zukünftig in der Jahrgangsstufe mehr Differenzierung zu ermöglichen und zu einem System mit verschiedenen Niveaustufen, vergleichbar den Grund- und Leistungskursen, zu kommen

Wie sollte differenziert werden?
Für die GEW wäre es vorstellbar, dass zwei Fächer auf eN unterrichtet werden. Denkbar wären evtl. auch drei Fächer: Für das Profilfach, im Beruflichen Gymnasium automatisch auf eN, sollten weiterhin sechs Wochenstunden verpflichtend sein. Dieses Fach ist schon heute von hoher Heterogenität geprägt. Dort treffen Schüler/ innen aus verschiedenen Realschulen, Werkrealschulen zusammen. Das zweite Fach auf eN sollte aus den Fächern Deutsch, Mathematik und den ersten Fremdsprachen (Englisch, Französisch) gewählt werden; evtl. ein weiteres Fach auf eN sollte je nach den Gegebenheiten an der Schule frei aus dem Fächerkanon wählbar sein, z.B. Biologie, Physik, Geschichte etc. Diese Fächer sollten mit fünf Wochenstunden unterrichtet werden.

Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen sollten auf grundlegendem Niveau (gN) vierstündig geplant werden, für alle weiteren Fächer können nach KMK-Vorgaben auf gN nur maximal drei Wochenstunden in Betracht kommen.

Poolstunden für die Eingangsklasse
Es ist eine große Herausforderung für die Lehrkräfte, die Schüler/innen auf die Jahrgangsstufe vorzubereiten und ihnen die bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Dafür braucht es aber Zeit, die bisher nur in geringem Umfang zur Verfügung steht. Daher fordert die GEW für jede Eingangsklasse zwei Poolstunden, die für Teilung, individuelle Förderung und Differenzierung eingesetzt werden kann.

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