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Einstellungen an beruflichen SchulenRückgang der Schülerzahlen führt zu Stellenabbau

Die Einstellungssituation an den beruflichen Schulen im Land stellt sich angespannt dar. Doch der Rückgang der Schülerzahlen fällt deutlich geringer aus als prognostiziert – und es kommt weniger schlimm als zunächst befürchtet.

14.08.2019 - Michael Futterer

Die Einstellungssituation stellt sich angespannt dar. Angesichts der Tatsache, dass der Rückgang der Schülerzahlen deutlich geringer ausfallen wird als prognostiziert, wurde die Auseinandersetzung um die Zahl der Einstellungsstellen wieder zum Kraftakt. Auf den letzten Metern wurde erkennbar: Es kommt weniger schlimm als zunächst befürchtet.

Zum Sommer 2019 werden an den Beruflichen Schulen in Baden-Württemberg insgesamt 1.121 Deputate frei. Darunter befinden sich allerdings auch circa 300 Stellen, die derzeit befristet besetzt sind. Aufgrund des zu erwarteten Schülerrückgangs werden an den Beruflichen Schulen zunächst 212 Deputate abgebaut.

Im Gegenzug erhalten die Beruflichen Schulen 79,8 Deputate für Sprachförderung und 8,5 Deputate für den Ausbau der Erzieher/innenausbildung, so dass sich der tatsächliche Stellenabbau – Stand Auswahlsitzung – auf knapp 140 Stellen beläuft. Erneut werden auch 50 Stellen für Technische Lehrkräfte in 34,2 Stellen für Wissenschaftliche Lehrkräfte umgewandelt.

Fachlehrkräfte/Technische LehrkräfteS*K*F*T*Land
Summe besetzbare Stellen6,824,031,022,784,5
*Regierungsbezirke Stuttgart (S), Karlsruhe (K), Freiburg (F) und Tübingen (T)

Ende Juni teilte das Kultusministerium (KM) schließlich mit, dass den Beruflichen Schulen zusätzlich weitere 100 Stellen für die Flüchtlingsbeschulung zugewiesen wurden. Dabei handelt sich aber um sogenannte KW-Stellen (künftig wegfallend), die bis zum 1. August 2020 befristet sind, das heißt dass mit diesen Stellen befristete Arbeitsverträge abgeschlossen werden sollen.

Der Grund für dieses Nachschieben von Stellen dürfte wohl vor allem darin liegen, dass der Rückgang der Schülerzahlen im kommenden Schuljahr deutlich geringer ausfallen wird als vom Statistischen Landesamt prognostiziert.

Kurz vor der dem Ende der Einstellungsrunde wurde damit der Stellenabbau auf knapp 40 Deputate reduziert.

Wissenschaftliche LehrkräfteS*K*F*T*Land
Summe besetzbare Stellen309,8228,5162,4196,0896,6
Mitteltopf für Lehrkräfte zur Beschulung Geflüchteter35,025,022,018,0100,0
Summe (Stellen und Mittel)341,8250,5182,4212,0986,6
*Regierungsbezirke Stuttgart (S), Karlsruhe (K), Freiburg (F) und Tübingen (T)

Einstellungssituation weiterhin gut

Insgesamt können damit 2019 1.081 Stellen besetzt werden, davon werden zehn Stellen vorläufig zurückbehalten. Die Einstellungssituation bleibt damit für die Bewerber/innen weiterhin gut. Von den 337 Referendar/innen, die im Sommer ihren Vorbereitungsdienst beenden, haben bereits 289 entweder in den vorgezogenen Verfahren oder im Listenverfahren ein Einstellungsangebot erhalten.

Die Einstellungsquote für Neubewerber/innen liegt damit bereits jetzt bei knapp 86 Prozent. Dazu kommen 65 sogenannte Altbewerber/innen. Weitere 86 Laufbewerber/innen (darunter 46 Neubewerber/innen) haben einen Zwischenbescheid erhalten und können sich im Rahmen des Nachrückverfahrens bewerben.

Eine Einstellungszusage haben außerdem 71 Lehrkräfte mit gymnasialem Lehramt, eine Realschullehrkraft und zwei Sonderschullehrkräfte bekommen. Außerdem wurden 90 Direkteinsteiger/innen gewonnen sowie 48 Technische Lehrkräfte (42 TL-Gewerbe, 4 TL-Kaufmännisch und 2 TL-Hauswirtschaft).

Von den 1.081 Deputaten sind damit bis Mitte Juni 480 bereits besetzt worden. Das KM geht weiterhin davon aus, dass erneut circa 300 Stellen für befristete Verträge verwendet werden, hier können
auch bereits bestehende Verträge verlängert werden. Dazu kommen jetzt noch die nachgeschobenen 100 Stellen, die wohl ebenfalls mit befristeten Verträgen besetzt werden. Insgesamt gibt es (Stand Juni) noch circa 200 freie Stellen, die im Rahmen der Nachrückverfahren besetzt werden sollen.

Strukturelle Probleme bleiben

Die rechnerisch gute Einstellungssituation kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nach wie vor erhebliche strukturelle Probleme gibt. Der Stellenabbau wird die Unterrichtsversorgung verschärfen. Er wird weiterhin dazu führen, dass an den Schulen Bugwellenstunden zur Sicherung der Unterrichtsversorgung geleistet und Klassen abgebaut werden müssen. Tendenziell führt dies zu größeren Klassen.

Erneut können nur circa 35 Prozent der freiwerdenden Stellen mit Bewerber/innen aus der eigenen Ausbildung besetzt werden, während es zum Beispiel im Lehramt für Gymnasien einen massiven Überhang an Bewerber/innen gibt. Offenkundig gelingt es dem KM nicht, das Lehramt für Berufliche Schulen so zu gestalten, dass junge Menschen dieses Lehramt und diese Fächer studieren.

Problematisch ist nach wie vor insbesondere die Bewerberlage bei den berufsbezogenen Fächern „Gewerbe“. Hier konnten bislang 70 Laufbewerber/innen und 62 Direkteinsteiger/innen gewonnen werden. Insgesamt ist das aber viel zu wenig, um den Bedarf abzudecken. Die GEW fordert deshalb seit Langem Maßnahmen, das Lehramt für Berufliche Schulen attraktiver zu gestalten. Dazu gehören zum Beispiel übertarifliche Zulagen für Direkteinsteiger/innen, eine Bezahlung der neueingestellten Laufbahnbewerber/innen über die Sommerferien und einen Teilzeitdirekteinstieg analog um Teilzeitreferendariat.

Kultusministerin Eisenmann hat mit ihrer Modellrechnung zusätzlich Stellen gefordert. Das Konzept umfasst auch Hinweise zur Verbesserung der Bewerbersituation. Das ist begrüßenswert. Schöne Ankündigungen helfen aber nicht weiter. Diese müssen jetzt auch umgesetzt werden.

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