GEW Baden-Württemberg
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Zwei Wochen bis UnterrichtsbeginnSchulbetrieb unter Corona-Pandemiebedingungen jetzt sichern

Das Land hat für seine Lehrkräfte fast 24 Millionen Mund-Nasen-Bedeckungen besorgt. Für die GEW-Fachgruppe Gymnasien ist das jedoch nicht ausreichend, um einen gesicherten Schulbetrieb zu garantieren. Sie fordert zwei bessere Schutzvorrichtungen.

27.08.2020 - Von Barbara Becker, Vorsitzende Fachgruppe Gymnasien

Das Land Baden-Württemberg stattet seine Lehrkräfte zum Ende der Sommerferien mit 23,7 Millionen Mund-Nasen-Bedeckungen aus, die nun an die rund 2.800 weiterführenden Einrichtungen geliefert werden. Diese zunächst beeindruckende Maßnahme hat aus Sicht der GEW-Fachgruppe Gymnasien allerdings einen entscheidenden Fehler: Sie reicht bei weitem nicht aus, um einen gesicherten Schulbetrieb unter Corona-Pandemiebedingungen zu garantieren.

Die GEW-Fachgruppe Gymnasien fordert weiterhin als (Mindest-)Schutzvorrichtungen für alle weiterführenden Schulen:

  • FFP2-Masken in ausreichender Anzahl (für alle Lehrkräfte, die sie zu tragen wünschen) sowie
  • einen Plexiglasschutz in jedem Klassenzimmer und Fachraum.

An den weiterführenden Schulen im Land besteht vor allem aufgrund ihrer besonderen Situation ein erhöhter Schutzbedarf: Es können keine epidemiologischen Kohorten gebildet werden. Solche festen Gruppen mit einer Lehrkraft und einer festen Gruppe von Schüler*innen, die sich möglichst auch immer im selben Raum befinden, ist in den weiterführenden Schulen extrem schwierig, im Gymnasium ist sie unmöglich. Das Fachlehrerprinzip, der Unterricht in Fachräumen, vor allem aber die Sprachengruppen und das Kurssystem der Oberstufe erzwingen ein ständiges Aufbrechen dieses Prinzips.

Auch das Alter der Schüler*innen muss bei der Bewertung der Situation eine Rolle spielen. In den weiterführenden Schulen werden Kinder ab zehn Jahren und Jugendliche, in den Gymnasien zusätzlich junge Erwachsene unterrichtet. Eine etwaige geringere Bedeutung von kleinen Kindern für das Infektionsgeschehen, die im Übrigen umstritten ist, greift bei den weiterführenden Schulen demnach nicht. Es gibt in der Praxis daher keinen nennenswerten Unterschied zu einer Gruppe von Menschen, die sich etwa im öffentlichen Nahverkehr gemeinsam auf engstem Raum befindet.

Wenn auf eine Maskenpflicht für die Schüler*innen verzichtet werden soll, bieten nach jetzigem Stand der Wissenschaft einzig FFP2- und FFP3-Masken und nicht eine einfache Mund-Nasen-Bedeckung einen wirklichen Schutz. Nach jetziger Rechtslage werden die Lehrkräfte ab Mitte September gezwungen sein, ihre Arbeit ohne das Einhalten von Abständen in einem geschlossenen Raum mit circa 30 Personen zu verrichten. Dies ist nicht hinnehmbar.

Allerdings ist es äußerst anstrengend, mit derartigen Masken sechs oder mehr Stunden am Tag zu unterrichten: Das Sprechen ist deutlich behindert und durchaus anstrengend. Nicht zuletzt im Bereich des Fremdsprachenunterrichtes wird es hier echte Probleme geben. Nicht alle Kolleg*innen werden das wollen und können – aber für die, die es wollen, müssen aus Sicht der GEW-Fachgruppe Gymnasien ausreichend FFP2-Masken seitens des Dienstherrn zur Verfügung gestellt werden.

Lehrkräfte und Schüler*innen effektiv schützen

Mobile Plexiglaswände bieten einen gewissen zusätzlichen Schutz: Auch die Schüler*innen sind so zumindest etwas vor einer etwaigen Ansteckung durch die Lehrkraft geschützt. Dies wäre selbst beim Tragen einer FFP2-Maske nicht der Fall. Ein knapper Quadratmeter Plexiglas – wie er an jedem Arbeitsplatz mit Publikumsverkehr inzwischen Standard ist – ermöglicht eine relativ normale Unterrichtssituation für Klasse und Lehrkraft. Das Sprechen und der soziale Kontakt sind kaum beeinträchtigt und eine zwar nicht vollständige, aber doch gewisse Trennung der Sphären von Lehrkraft und Schüler*innen ist möglich. Die Installation ist einfach und jederzeit reversibel. Falls die Platten nicht mehr benötigt werden sollten, können sie anderweitig verwendet werden.

Neben den persönlichen Gefahren und möglichen Folgen einer schweren Covid-19-Erkrankung und dem Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung ist ein möglichst sicherer Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen im Hinblick auf ein funktionierendes Wirtschaftsleben unerlässlich. Es muss aus all diesen Gründen sichergestellt sein, dass so wenig Unterricht ausfällt, so wenig Klassen in Quarantäne geschickt werden und so wenige Schließungen ganzer Schulen wie nur irgend möglich notwendig sind.

Es ist daher im Interesse des gesamten Landes, dass die Landesregierung an dieser Stelle verantwortlich und prophylaktisch handelt. Die Sache ist wirklich dringlich: Ab jetzt sind noch zwei Wochen Sommerferien und insgesamt noch maximal sechs Wochen Zeit, bis die Wetterlage das Schließen der Fenster im Klassenzimmer endgültig erzwingt und die erste Erkältungswelle beginnt.