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Abiturprüfung 2019Schulleiter sollen Abi-Aufgaben selbst ausdrucken

Das Kultusministerium hat mit einem Schreiben den Gymnasien im Land mitgeteilt, dass die Verteilung der Aufgaben für das Abitur neu geregelt wird. Das sorgt für Unmut. Jetzt hat die GEW die neuen Schwachstellen offengelegt.

30.01.2019

Das Kultusministerium hat mit einem neuen Verfahren für die Abiturprüfung Unmut an den Gymnasien im Land ausgelöst. In dem Schreiben, das Mitte Januar die Schulleitungen erreichte, geht es um das Verfahren der Distribution der Abituraufgaben.

Künftig sollen die Gymnasien die Abituraufgaben in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch aus dem Aufgabenpool des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) nicht mehr in Papierform erhalten. Sie sollen verpflichtet werden, die Abituraufgaben selbst vor Ort am Tag des jeweiligen Abiturs zu kopieren. Die Schulen sollen in den Osterferien einen USB-Stick mit den verschlüsselten Prüfungsaufgaben erhalten.

Der Grund für die Änderung sind Einbrüche in Gymnasien 2017 in Stuttgart und 2018 im niedersächsischen Goslar, bei denen die Abituraufgaben vorab bekannt wurden.

Kurz nach der Mitteilung des Landes haben sich zahlreiche Oberstudiendirektorinnen und -direktoren allgemein bildender Gymnasien an die GEW gewandt. Die Bildungsgewerkschaft teilt den Unmut der Schulleiterinnen und Schulleiter. In einem Brief der Landesvorsitzenden Doro Moritz an Kultusministerin Susanne Eisenmann fordert die GEW, von dem im Schreiben mitgeteilten Verfahren der Distribution der Abituraufgaben Abstand zu nehmen. Es sei nicht praktikabel.

Die GEW Baden-Württemberg findet, dass viele Gründen dagegen sprechen.

GEW benennt Fehlerquellen

Die Tatsache, dass es im vergangenen Jahr an einer Schule zu einem Einbruch kam und deshalb die Aufgaben nicht verwendet werden konnten, sei kein Grund, das bisherige Verfahren nicht mehr zu praktizieren. Damit werde gegenüber den Schulen ein Grundmisstrauen ausgesprochen, dass sie die gedruckten Aufgaben nicht sicher verwahren könnten.

Außerdem werde die Gefahr von Pannen um ein Vielfaches größer, wenn jede Schule ganze Sätze von Abituraufgaben kopieren und sortieren muss. Fehlerquellen sind laut GEW vor allem die Funktionsfähigkeit des Kopierers, das Fehlen der vorgeschriebenen Papierfarben, Fehldrucke, falsche Zusammenstellungen der Aufgaben und vieles mehr. Die Bildungsgewerkschaft geht davon aus, dass das Kultusministerium prüft, ob an allen Gymnasien die entsprechenden Kopierkapazitäten vorhanden sind.

In der Mitteilung des Landes steht, dass die Schulen frühestens ab 6 Uhr morgens Kopien erstellen sollen. An großen Gymnasien mit über 250 Abiturient/innen müssten insbesondere in Mathematik und Deutsch in kürzester Zeit Tausende Seiten gedruckt werden. Das Kopieren bedeute eine deutliche Mehrarbeit und Stress in der Vorbereitungsphase. Außerdem würden die Kosten auf die Schulträger übertragen.

Zum Beispiel müssen im Fach Mathematik die Lehrkräfte am Morgen des Abiturs Aufgaben auswählen. Sie würden deshalb vermutlich zunächst alle Aufgaben ausdrucken und parallel die Auswahl vornehmen. Das habe zur Folge, dass in großem Umfang Papier umsonst bedruckt werde.

Die angekündigte „rechtzeitige“ Information über die Auslieferung des USB-Sticks erschwere die Planungen der zeitlichen Verfügbarkeit in den Osterferien. Die wegen der Kopierzeit erfolgende Verlegung der Prüfungszeiten um eine Stunde und der dafür notwendige Vertretungsbedarf würden dazu führen, dass auch Nachmittagsunterricht ausfallen werde.

Die GEW Baden-Württemberg hält das vom Kultusministerium mitgeteitle Verfahren nicht für akzeptabel. Die Verantwortung für die Durchführung des Abiturs mit den Aufgaben des IQB werde vom Land auf die Schulleitungen abgewälzt. Die Risiken der Abiturprüfungen, zum Beispiel technische Probleme, trügen die Gymnasien. Das sichere Aufbewahren der Aufgaben werde ihnen dagegen nicht zugetraut.

„Wir bedauern ausdrücklich, dass eine Beteiligung des Hauptpersonalrats für Gymnasien an dieser beteiligungspflichtigen Maßnahme wie mehrfach in dieser Wahlperiode erneut nicht erfolgte“, rügte GEW-Chefin Moritz das Kultusministerium.

Im Februar wird an 40 Gymnasien ein Testlauf durchgeführt, der mögliche Schwachstellen offenlegen soll.

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