GEW Baden-Württemberg
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Stellensituation an Beruflichen Schulen

Die Situation der Unterrichtsversorgung an den Beruflichen Schulen hat sich durch die Rekordeinstellung im letzten Jahr zwar etwas entspannt, die Zahlen zum Unterrichtsdefizit und der Bugwelle sowie neue Herausforderungen wie z. B. die Flüchtlingsklassen zeigen jedoch, dass die Baustellen nicht kleiner geworden sind. Die GEW fordert daher auch in diesem Jahr ein entsprechend großes Einstellungskontingent.

13.03.2015 - Ingrid Letzgus

Die Lage an den Beruflichen Schulen bleibt weiterhin angespannt. Das Unterrichtsdefizit liegt landesweit bei 2,3 Prozent (2014: 2,2 Prozent), die Kolleg/innen schieben immer noch eine Bugwelle von über 1750 Deputaten vor sich her und der große, der Demographie geschuldete Rückgang der Schülerzahlen, der in allen Medien gepredigt wurde, ist in den Beruflichen Schulen nicht wirklich angekommen. Er wird auch in den nächsten Jahren deutlich geringer ausfallen als bislang vorhergesagt. Das KM täte also gut daran, sich nicht zurückzulehnen und auf die letzte Rekordeinstellung zu verweisen, sondern sich die neuen Zahlen genau anzusehen und die Ressourcen, die zur Verfügung stehen, gerecht auf die Schularten zu verteilen.

 

Wie viele Stellen brauchen die Beruflichen Schulen?

Das KM geht davon aus, dass im Sommer ca. 700 Stellen frei werden. So war es auch in den letzten Jahren. Davon wurden den Schulen mittlerweile ca. 430 Stellen für die Einstellung zugewiesen. Mehr steht noch nicht auf der Haben-Seite und das wird mit Sicherheit nicht ausreichen.

Des Weiteren gibt es aber auch noch Hypotheken aus den Vorjahren. 2014 hat das KM den BS zusätzlich 200 mittelfinanzierte, für ein Schuljahr befristete Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Diese Stellen entfallen im Sommer 2015 und die eingestellten Lehrkräfte müssen
auf Planstellen übernommen werden, was zu Lasten des Einstellungskontingentes geht. Wenn die 200 befristeten Stellen nicht durch zusätzliche Stellen ersetzt werden, dann bedeutet dies faktisch eine
Streichung von 200 Stellen im Sommer.

Ähnlich verhält es sich mit den 100 Abordnungen, die vor drei Jahren von den Gymnasien an die BS ausgeliehen wurden und die 2015 zurückgeführt werden sollen. Auch dies bedeutet einen Verlust an Stellen. Die Stellen müssen an den BS bleiben, ganz egal wie sich die jeweilige Lehrkraft entscheidet, die nach diesen drei Jahren an ihre Stammschule zurückgehen oder an den BS bleiben kann.

 

Neue Baustelle: Flüchtlingsklassen

Das Thema der Beschulung von Flüchtlingen in VABO-Klassen wird die Beruflichen Schulen auch weiterhin beschäftigen und Stellen erforderlich machen. Für die Beschulung der Flüchtlingskinder wurden 2014 für alle Schularten 200 zusätzliche befristete Stellen zur Verfügung gestellt, für die VABO-Klassen an den BS waren dies 58 Deputate, von denen allerdings nur ca. 30 besetzt werden konnten. Der Rest musste aus dem Bestand der Stellen an den Schulen organisiert werden.

In der Zwischenzeit hat sich die Klassenzahl drastisch erhöht und liegt aktuell bei 155 Klassen landesweit. Auch diese Erhöhung wurde von den Kolleg/innen vor Ort mitgetragen. Ein Ende der Zuwanderung ist derzeit nicht in Sicht, die Zahl der VABO-Klassen wird weiter wachsen. Mittlerweile ist im Nachtragshaushalt die Weiterfinanzierung der 200 Stellen sichergestellt worden. Weitere 272 Stellen sollen geschaffen werden. Hier fordert die GEW allerdings die Schaffung unbefristeter A13-Stellen, so dass mittel- und langfristig Lehrkräfte eingestellt werden können.

Darüber hinaus muss die Politik reagieren und Ressourcen zusätzlich zur Verfügung stellen, damit diese teils traumatisierten Jugendlichen auch an den Schulen auf eine Willkommenskultur treffen, die unterstützend ist und auf ihre Bedarfe eingehen kann. Hierfür braucht es zusätzliche Stellen und Unterstützungsmaßnahmen für die Kolleg/innen, die dort unterrichten.

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