GEW Baden-Württemberg
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Streiktag Nr. 9: Bei den Kleinsten die besten Köpfe!

Am neunten Streiktag in Baden-Württemberg hat die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz in Freiburg angekündigt, dass die Streiks im Juni fortgesetzt werden, wenn sich die Arbeitgeber nicht endlich bewegen.

21.05.2015

Arbeitgeber müssen sich bewegen – sonst gehen die Streiks weiter

Freiburg – Am neunten Streiktag in Baden-Württemberg hat die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz in Freiburg angekündigt, dass die Streiks im Juni fortgesetzt werden, wenn sich die Arbeitgeber nicht endlich bewegen. „Bei den Kleinsten brauchen wir die besten Köpfe. Beschäftigte in Kitas haben große Verantwortung für die Kinder, für die Zukunft unserer Gesellschaft. Alle wissen, dass gute Bildung und Betreuung gute Arbeitsbedingungen und gute Bezahlung voraussetzen. Alle wissen das, außer den Arbeitgebern“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Donnerstag (21.05.) vor Streikenden in Freiburg.

Die Bildungsgewerkschaft kündigte an, dass ab morgen vorübergehend nicht mehr landesweit und dauerhaft zum Streik aufgerufen wird. Sollte aber in den nächsten beiden Wochen keine Einigung mit den Arbeitgebern zustande kommen, ist ab 8. Juni wieder landesweit mit geschlossenen Kitas zu rechnen. Die Vertreter der kommunalen Arbeitgeber haben sich in fünf Verhandlungsrunden nicht bewegt. Deshalb haben die Bildungsgewerkschaft GEW und verdi Erzieher/innen und andere Beschäftigte im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst zum unbefristeten Streik aufgerufen. Zentrale Forderung der Gewerkschaften ist eine Neuregelung der Eingruppierungs- und Tätigkeitsmerkmale für die bundesweit rund 240.000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst.

Absurde Eingruppierungsrichtlinien

„Wie absurd die Regelungen zur Eingruppierung für Erzieherinnen und Erzieher sind, erleben wir zum Beispiel immer wieder, wenn Kitas mehr Kinder unter drei Jahren aufnehmen. In der Regel wird dann die Zahl der Plätze in der Einrichtung verringert, um weiter gute Betreuungsqualität zu garantieren. Dies kann aber dazu führen, dass die KiTa-Leitung trotz der gewachsenen Anforderungen weniger verdient, da ein Kriterium für das Gehalt die Platzzahl in der Einrichtung ist“, sagte Moritz.

76.400 pädagogische Fachkräfte in BW

In Baden-Württemberg gibt es (Stat. Landesamt, Stand 2014) 8.600 Kindertageseinrichtungen, in denen 87.200 Personen beschäftigt sind, davon knapp 76.400 als pädagogische Fachkräfte, die 404.000 Kinder betreuen und fördern. 41 Prozent der Kitas haben öffentliche Träger. Laut einer Bertelsmann-Studie werden im Südwesten gut 5.000 weitere Erzieher/innen gebraucht.

800.000 Mitarbeiter/innen bei freien Trägern profitieren

Bundesweit stellen die 350.000 Erzieher/innen mit 67 Prozent die größte Beschäftigtengruppe in den Kitas, gefolgt von rund 60.000 Kinderpfleger/innen (12 Prozent) und weiteren Beschäftigten mit einschlägiger Berufsqualifikation. GEW und verdi verhandeln für rund 300.000 Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen. Etwa 800.000 Mitarbeiter/innen freier Träger profitieren in der Regel von de Tarifabschlüssen, da ihre Gehälter häufig an die Entgelttabelle des öffentlichen Dienstes angelehnt sind.

Erzieher/innen 640 Euro unter dem Durchschnittsgehalt

Das Durchschnittsgehalt aller Arbeitnehmer/innen in Deutschland lag laut Stat. Bundesamt 2013 bei 3.449 Euro im Monat. Das Gehalt von Erzieher/innen liegt im Schnitt knapp 640 Euro darunter, Erzieher/innen mit schwieriger Tätigkeit erhalten 412 Euro weniger. Auch verglichen mit Berufen, die eine ähnliche Ausbildung wie die vierjährige Fachschul-Ausbildung der Erzieher/innen haben, ist der Verdienst unterdurchschnittlich.

40 Prozent geben ihren Beruf auf

Die Bildungsgewerkschaft GEW macht vor allem die schlechte Bezahlung dafür verantwortlich, dass 40 Prozent der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen ihren Beruf wieder aufgeben. Bei Männern liegt die Quote sogar bei 53 Prozent. Die hohe gesundheitliche Belastung führt dazu, dass Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen ein Jahr früher in Rente gehen als der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland. Ein Viertel geht bereits mit 52 Jahren aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand.

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