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Think Tanks kommt man nicht mit Argumenten bei!

Mehr und mehr Fachgesellschaften boykottieren mittlerweile das CHE-Hochschulranking der Bertelsmann-Stitung. Mit gutem Grund, denn die Rankings sind nicht nur methodisch fragwürdig, sondern politisch höchst folgenreich: Sie fungieren als neues Steuerungsinstrument, mit dem die Politik einer gezielten Ungleichverteilung von Geldern legitimiert werden kann und auch wird.

 

15.02.2015 - GEW-Landesausschuss der Student/innen (LASS)

Von der Reaktion des CHE auf die gegenwärtigen Entwicklungen weiß Oliver Iost Interessantes zu berichten. In einem neuen Artikel bei Studis Online ist nachzulesen: „In diesem Jahr sah sich das CHE einer großen Zahl von Rankingverweigerern gegenüber […] Das war allerdings kein Grund, auf die Veröffentlichung online und im ZEIT Studienführer zu verzichten: Indem “einfach” vermehrt auf öffentlich verfügbare Daten zurückgegriffen wurde, werden nun sogar die Verweigerer gerankt.“ [1]
Die rege Diskussion in der Öffentlichkeit und den Fachgesellschaften [2] hat bei Bertelsmann also nicht etwa zum Nachdenken oder Überdenken geführt. Im Gegenteil demonstriert die Stiftung mit ihrer Reaktion einmal mehr, dass es ihr geradezu gleichgültig ist, ob ihre Rankings statistisch sauber gearbeitet oder ein methodisches Geschluder sind. Auf die Methodik kam es dem CHE bei seinem Ranking auch nie an. Die Rankings, die Ungleiches nach gleichem Maßstab unter ungleichen Voraussetzungen messen, stellen nicht etwa die Vielfalt unterschiedlicher Studienorte dar. Sie liefern die konkreten Daumenschrauben zur Ungleichverteilung von Geldern und die ideologische Munitionierungsbasis zur weiteren Verschärfung der Ungleichverteilung zugunsten einiger weniger Eliteprojekte. Kurzum: sie unterstützen jene neoliberale Agenda, an deren Durchsetzung die Bertelsmann-Stiftung insgesamt arbeitet. [3]
In einem Beschluss des Gewerkschaftstages 2009 hat die GEW die politische Strategie der Bertelsmann-Stiftung erkannt und beschlossen: „Leitlinie der GEW-Bildungspolitik sind Öffentlichkeit, Staatlichkeit, Steuerfinanzierung und Demokratisierung; dem stehen die Leitlinien der Bertelsmann-Stiftung-Wettbewerb, Markt, Führung, Effizienz und Effektivität – diametral entgegen. […] Dabei arbeitet die Bertelsmann-Stiftung mit der Strategie, die Legitimation ihres Handelns über breite Bündnisse zu erreichen. Sie bemüht sich daher um einen konzilianten Umgang gerade auch mit anders denkenden politischen Akteuren. […]
Die GEW lehnt es ab, durch passive oder aktive Mitarbeit ihrer Organe und FunktionsträgerInnen zum Gelingen dieser Strategie beizutragen. […] Eine über Kontaktpflege und Positionsaustausch hinausgehende Zusammenarbeit zwischen GEW und Bertelsmann-Stiftung findet nicht statt.“ [4]

[1] www.studis-online.de/Studieren/art-1539-zeit-che-uniranking-2013.php
[2] Die Beschlüsse verschiedener Fachgesellschaften sind im Artikel auf Studis Online einsehbar.
[3] Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema Rankings findet sich auch auf S. 6/7 der aktuellen Ausgabe der GEW-Studierendenzeitung read.me:
www.gew.de/Binaries/Binary97473/GEW_read_me_04_2013_Online.pdf
[4] www.gew.de/Binaries/Binary55995/Beschl%C3%BCsse%20GT%202009.pdf S.10-11

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