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Tierschutz: Umgang mit Tieren reflektieren

Tierschutz ist im Grundgesetz und in der Landesverfassung verankert. Deshalb muss es Kindern und Jugendlichen in Kita und Schule ermöglicht werden, den Umgang mit Tieren kritisch zu reflektieren.

19.10.2015 - Renate Rastätter, b&w-Artikel

Kinder und Jugendliche sollen Tiere als fühlende, leidensfähige und schutzbedürftige Lebewesen begreifen. Dazu brauchen sie Informationen über das Leben der Tiere in Freiheit und ihre artgerechte Haltung in menschlicher Obhut. Genauso wichtig ist es, dass sie etwas über die leidvolle Nutzung von Tieren erfahren. Eine Sensibilisierung für die negativen Auswirkungen der industriellen Tierhaltung auf die Tiere selbst, das Klima, die Natur und die globale Ernährungssicherung trägt auch zur Lösung dieser Probleme bei. Das Gerechtigkeitsverständnis von Kindern und Jugendlichen wird geweckt und sie verstehen, dass ihr Handeln Konsequenzen hat, auch wenn man sie nicht auf den ersten Blick erkennt. Insofern ist Tierschutz auch Menschen- und Umweltschutz.


Bereits in der Kita kann Tierschutz ein Thema sein. Kinder haben von Natur aus ein Interesse und ein empathisches Empfinden für Tiere. Im Orientierungsplan für Kitas steht: „Kinder entwickeln Einfühlungsvermögen und Mitgefühl gegenüber Tieren und der Natur“. Dazu gehören folgende Fragen: Wie leben Tiere; welche Bedürfnisse haben sie; was empfinden Tiere; wie können wir Tiere schützen und Tierleiden vermeiden; wie werden Nutztiere gehalten; sollen wir Tiere essen? Für eine gute Umsetzung des Orientierungsplans sind neben ausgearbeiteten Materialien für Erzieher/innen auch reale Begegnungen mit Tieren wichtig. Dazu gehören Heimtiere, Vororttermine bei artgerecht gehaltenen Nutztieren, Spaziergänge mit ausgebildeten Hunden und Besuche im Tierheim oder auf dem Gnadenhof.


Tierschutz-Themen in der Schule können sein: Heimtierhaltung, Tierheime, Tieranschaffung, Reitsport, Zoo und Zirkus, Aquarien, Stierkampf, Fischerei, Jagd, landwirtschaftliche Tierhaltung, Zuchtziele und Qualzucht, Schlachtung, gentechnische Veränderungen, Tierversuche. Da nicht alle Themen behandelt werden können, sollten einzelne Themen und die ethische Auseinandersetzung exemplarischen Charakter haben und – wo immer möglich – fächerübergreifend sein.
Sowohl in den bisherigen Bildungsplänen als auch in den Entwürfen der neuen sind Kompetenzziele enthalten, die ethische Reflexion über den Umgang mit Tieren ermöglichen. Tierschutz im Unterricht gehört daher stärker in den Focus der Lehrer/innenausbildung. In die Lehrer/innenfortbildung müssen dazu zentrale, regionale und auf Wunsch auch schulbezogene Fortbildungen angeboten werden. Die PH Karlsruhe praktiziert dies bereits sehr vorbildlich. In jedem Semester gibt es Seminare „Ethik der Mensch-Tierbeziehung“ sowohl im Fachstudium Ethik/Philosopie als auch in den Bildungswissenschaften.


Eine wertvolle Unterstützung für Schulen und Kitas können gut ausgebildete Tierschutzlehrer/innen sein. Sie können im Unterricht für Tierschutzthemen, für Projekte und Projekttage, für AGs und Exkursionen angefragt werden. Derzeit setzt sich eine Gruppe von Lehrer/innen, Agrarwissenschaftler/innen, Biolog/innen und Tierärzt/innen für die Einrichtung eines akademischen Weiterbildungszertifikats „Tierschutzlehrer/in“ an einer Hochschule in Baden-Württemberg ein.

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