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Mittlere Reife an GemeinschaftsschuleÜber solche Schülerinnen und Schüler darf man sich freuen

Die ersten Schülerinnen und Schüler haben erfolgreich ihre Realschulprüfungen an der Gemeinschaftsschule gemeistert. Lehrerin Antje Kopp berichtet von sechs Jahren intensiver Arbeit, die nicht nur mit guten Leistungen belohnt wurde.

03.10.2018 - b&w-Artikel, Antje Kopp

In den Gemeinschaftsschulen, die 2012 als Starterschulen die neue Schulart auf den Weg brachten, haben zum Schuljahresende die ersten Jahrgänge mit der Mittleren Reife die Schule abgeschlossen. Antje Kopp, Lehrerin an der Döffinger Gemeinschaftsschule, berichtet von sechs Jahren intensiver Arbeit, die nicht nur mit guten Leistungen belohnt wurde.

Mitte Juli 2018 hieß es für 44 Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule in Döffingen Abschied nehmen. Als bei der Abschlussfeier Schulleiter Bruno Metzger allen ihr Abschlusszeugnis überreichte, war die Freude groß. Mit einer Durchschnittsnote von 2,2 hatten alle 44 Schüler/innen des Abschlussjahrgangs ihre Mittlere Reife geschafft. Darunter waren auch einige Schüler/innen, die vor sechs Jahren mit einer Hauptschulempfehlung in die Klasse kamen und jetzt mit einem Preis oder einer Belobigung ihr Abschlusszeugnis in Empfang nahmen.

Den 24 Schüler/innen meiner Klasse und mir selbst fiel der Abschied nicht leicht. Hatten wir doch die letzten sechs Jahre einiges zusammen erlebt. Als ich 2012 die Klasse übernahm, war aus der ehemaligen Döffinger Grund-, Haupt- und Werkrealschule eine der 42 Gemeinschaftsschul-Starterschulen geworden. Als innovative Schule waren wir bereits bekannt. So waren offene Lernformen, Projektarbeit und selbstverantwortliches Lernen festes Programm im Schulalltag.

Es folgten arbeitsintensive und anstrengende Jahre. So mussten wir das Unterrichtsmaterial für drei Niveaustufen selbstständig entwickeln. Auch unser Lerntagebuch, unsere Lernentwicklungsberichte, die Lernzielkontrollen und die Kompetenznachweise entwickelten wir beständig weiter. Maßnahmen zur Motivation der Schüler/innen während der Lernzeiten und Rituale, die dem Ablauf dienten, wurden ausprobiert, verändert und angepasst.

Heute weiß ich, der enorme Arbeitsaufwand hat sich gelohnt. Schüler/innen, die im Laufe der Jahre neu in die Klasse kamen, wurden herzlich aufgenommen und sehr schnell in die Klassengemeinschaft integriert. Ein Musical, das wir im Laufe der 7. Klasse einübten und im Juli während drei öffentlicher Vorstellungen vorführten, schweißte die Schüler/innen noch stärker zusammen. Auch die Eltern haben dieses Highlight intensiv mitbegleitet.

2017 verabschiedeten sich die ersten Schüler/innen mit dem Hauptschulabschluss

Während der 9. Klasse galt es für einige der Jugendlichen, sich auf den Hauptschulabschluss vorzubereiten. Diejenigen, die nach diesem Jahr noch die Mittlere Reife draufsatteln wollten, mussten parallel arbeiten. Das hieß, sich so gut wie möglich auf die Prüfung vorzubereiten, aber dennoch den Stoff des M-Niveaus nicht zu vernachlässigen.

Am Ende der 9. Klasse haben alle 13 Schüler/innen, die den Hauptschulabschluss anstrebten, ihren Abschluss erfolgreich absolviert. Einige wechselten in eine Ausbildung und einige auf eine zweijährige Berufsfachschule. Zwei Jungen und ein Mädchen entschieden sich, die Mittlere Reife im kommenden Jahr draufzusetzen. Die Schüler/innen, die die Klasse letztes Jahr verließen, wurden gebührend verabschiedet.

Das 10. Schuljahr war sehr arbeitsintensiv. Die Themen für die Fächerübergreifende Kompetenzprüfung mussten gleich zu Beginn des Schuljahres festgelegt werden und im November fand schon die erste mündliche Prüfung im Fach Englisch statt.

Jetzt zeigten sich die über die Jahre in einer Gemeinschaftsschule erworbenen Kompetenzen. Alle Schüler/innen arbeiteten engagiert an ihren Aufgaben, Lerngruppen wurden gebildet. Die Schüler/innen arbeiteten Hand in Hand mit ihren Lehrer/innen, Lernbegleiter/innen und Mitschüler/innen. Es herrschte eine unbeschreibliche Arbeitsstimmung.

Der Erfolg zeigte sich bereits in den Halbjahreszeugnissen. Die Noten übertrafen unsere Erwartungen. Viele der Schüler/innen konnten sich an einem beruflichen Gymnasium anmelden. In die schriftlichen Prüfungen gingen die meisten daher sehr entspannt. Sie waren gut vorbereitet.

Die Prüfungsergebnisse wichen daher auch kaum von den Anmeldenoten ab. Wer sich verschlechterte, meldete sich zur mündlichen Prüfung an und nutze die neue Chance. Auch auf die Themen der Fächerübergreifenden Kompetenzprüfungen haben sich die Schüler/innen sorgfältig vorbereitet. Die Inhalte wurden fantasievoll und sachkundig vorgetragen.

Grund zum Feiern

Als die Prüfungszeit hinter uns lag, begannen die Vorbereitungen für unsere Abschlussfeier. Es sollte ein ganz besonderes Fest werden. Den ersten Realschulabschluss unserer Gemeinschaftsschule galt es zu feiern.

Zum Abschied sagte ich: „Ich weiß, ich brauche mir über keinen von euch Sorgen zu machen. Eure Eltern und unsere Gemeinschaftsschule haben ein stabiles Fundament gelegt. Die heutzutage so wichtigen sozialen Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen, Kommunikationsfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Konflikt- und Kritikfähigkeit habt ihr gelernt und verinnerlicht. Die Schule, die ihr ab September besucht oder der Arbeitgeber, bei dem ihr eure Ausbildung beginnt, darf sich über solche Schülerinnen und Schüler und Auszubildenden freuen.“

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