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Lehrereinstellung 2021Viele Lehrkräfte werden noch gesucht

Auch 2021 sind Lehramtsbewerber*innen sehr gefragt. Doch neben der Schulart ist vor allem die Wunschregion immer entscheidender, wie die Chancen für die Einzelnen tatsächlich aussehen. Für viele Schulen ist die Lage dagegen nicht so rosig.

02.08.2021 - Von Thomas Reck, Michael Hirn, Farina Semler und Michael Futterer

Die Einstellungssituation im Land ist seit einigen Jahren stark abhängig von der studierten Schulart und der gewünschten Region der Bewerber*innen. Letzteres scheint sich in der Einstellungsrunde 2021 noch stärker auszuwirken.

Neben dem allgemeinen Lehrkräftemangel ist daher die Unterrichtsversorgung vor allem in den Regionen Baden-Württembergs besonders problematisch, die für Lehramtsanwärter*innen nicht so attraktiv sind. Auch Lehrkräfte mit guter Gesamtqualifikation erhielten kein Einstellungsangebot, weil sie ausschließlich beliebte Einstellungsbezirke angegeben hatten.

Grundschulen: Lehrer*innenmangel weiter akut

Auch in diesem Jahr erhielten in den Grundschulen viele Lehrkräfte in den sogenannten vorgezogenen Verfahren (zum Beispiel schulbezogene Stellenausschreibungen) frühzeitig ein Einstellungsangebot. Dies ändert jedoch nichts daran, dass es zu wenige Bewerber*innen auf zu viele freie Stellen gab.

Für die Rheinschiene (Großräume Freiburg und Karlsruhe sowie die Rhein-Neckar-Region) gibt es nach wie vor eine starke Konzentration an Bewerber*innen. Dagegen sind in Teilen von Südbaden (zum Beispiel Kreise Rottweil, Waldshut und Tuttlingen) und Nordwürttemberg (Großraum Stuttgart, aber auch Schwäbisch Hall und Heidenheim) viele Angebote im Listenverfahren noch offen geblieben. Dort wird die Unterrichtsversorgung weiterhin so angespannt sein, dass wohl der Klassenteiler oder der Pflichtunterricht nicht überall aufrechterhalten werden können.

Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen: Erschreckender Mangel im Großraum Stuttgart

Vor allem rund um Stuttgart können in den Schularten der Sekundarstufe I kaum alle freien Stellen besetzt werden. Dort blieben zum Beispiel nach dem Listenverfahren (fachspezifische Einstellung und Einstellung nach Gesamtqualifikation) von 341 Stellen 264 ohne Bewerber*innen.

Rückmeldungen der Bewerber*innen zeigen deutlich, dass die früher sehr attraktiven Regionen heute nicht mehr auf der Wunschliste der Bewerber*innen stehen. Vielen ist das Wohnen und Leben dort schlicht zu teuer oder es besteht die Sorge, von dort über viele Jahre nicht mehr wegversetzt zu werden. Wiederholt fordert die GEW ein Konzept der Landesregierung. Es müssen dringend Anreize geschaffen werden, um auch die Region rund um die Landeshauptstadt und die unbeliebten Regionen in Südbaden ausreichend mit Lehrkräften zu versorgen.

Wie in den letzten Jahren gab es auch für die musisch-technischen Fachlehrkräfte ein großes Angebot an Stellen. Allerdings standen im Regierungsbezirk Freiburg für das Listenverfahren nur noch wenige Stellen zur Verfügung. Die Zahl der Bewerber*innen war 2021 weiter zurückgegangen. Insgesamt waren deutlich über 100 nicht vergeben worden.

Sonderpädagogik: Viele staatliche SBBZ gehen leer aus

Auch in diesem Jahr ist die Situation erschütternd. Fast im ganzen Land fehlen Sonderpädagog*innen. Ausnahmen sind, wie in den vergangenen Jahren, nur die Regionen an der Rheinschiene. Dort könnten die wenigen freien Stellen oft mehrfach besetzt werden. In den anderen Regionen des Landes sieht es schlecht oder verheerend aus. Es konnten zahlreiche Stellen an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) nicht besetzt werden. Für insgesamt rund 520 wissenschaftliche Stellen gab es nur 340 Bewerbungen, bei den Fachlehrkräften war die Relation mit 180 freien Stellen und rund 100 Bewerbungen nur etwas besser.

Viele Bewerber*innen haben bereits vor den offiziellen Terminen des Kultusministeriums eine Stelle an einem privaten SBBZ angenommen. Das ist im sonderpädagogischen Bereich üblich, da es in vielen Regionen nur private SBBZ gibt. Die meisten Lehrkräfte an den privaten SBBZ werden verbeamtet und an die Privatschule beurlaubt. Da aber viele Bewerber*innen bereits eine Stelle haben, konnten bei der Einstellung über die Bewerberliste für über 270 freie Stellen nur 22 Angebote für eine Stelle an einem staatlichen SBBZ verteilt werden. An den SBBZ konnte auch nur ein Teil der Stellen für Fachlehrkräfte und Technische Lehrkräfte besetzt werden.

Einstellung von Lehrkräften 2021

 

Einstellungen

Bewerbungen

 

2021

2020

2021

2020

LehrkräfteStellen insgesamtAngebote über Einstellunglistevorab eingestellte PersonenStellen 
Grundschulen1.128,4474641,41.247ca. 1.240ca. 1.020
Haupt- und Werkrealschulen sowie Realschulen1.132,4577555,41.343ca. 1.210ca. 1.400
Sonderpädagogik521,822 (für 267 Stellen)221,5434,5339 (davon 72 an Privatschulen)350 (davon 80 an Privatschulen)
Musisch-technische Fachlehrkräfte210,515951,52665290
Fachlehrkräfte und technische Lehrkräfte Sonderpädagogik176,36 (für 90 Stellen)91,4146,1134 (davon 36 an Privatschulen)108
Gymnasien877 (davon 270 GMS)339 (davon 121 GMS)586 (davon 149 GMS)1.150 + 260 GMS1.9872.400
Berufliche Schulen1.014 WL + 176 TL34 WL322 + 134 Direkt. + 199 Gym.1054,5 WL + 134 TL429445

Insgesamt werden von den rund 700 freien Stellen im sonderpädagogischen Bereich vielleicht die Hälfte der Stellen mit qualifizierten Bewerber*innen besetzt. Das ohnehin bestehende strukturelle Defizit wird sich so weiter erhöhen. Von den Ausfällen im kommenden Schuljahr ganz zu schweigen. Durch die fehlenden Lehrer*innen an den SBBZ und in der Inklusion werden sich die Bildungschancen der behinderten Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg verschlechtern.

Gymnasien: Wer flexibel ist, hat bessere Chancen

Zum Schuljahr 2021/2022 bewarben sich knapp 2.000 Gymnasiallehrkräfte (724 Neu- und 1.263 Altbewerber*innen) für den Schuldienst. Diesen stehen in diesem Jahr knapp 900 Stellen bei verschiedenen Verfahren für Gymnasiallehrkräfte (einschließlich 270 für Gemeinschaftsschulen) gegenüber. Darüber hinaus werden auch knapp 200 Stellen für Gymnasiallehrkräfte an beruflichen Schulen angeboten.

Mit dabei sind 120 so genannte „Mittelstellen“, bei denen Lehrkräfte als Tarifbeschäftigte eingestellt werden. Sie erhalten eine Übernahmegarantie ins Beamtenverhältnis zum Schuljahr 2022/2023, sofern die beamtenrechtlichen Voraussetzungen vorliegen.

Da, wie in den Jahren zuvor, nicht alle Dienstanfänger*innen mit einem vollen Deputat beginnen, liegt die Zahl der Personen, die eine Stelle erhalten, etwas höher. Ein kleiner Teil der Stellen des gesamten Kontingents kann im Härtefall- und im Schwerbehindertenverfahren vergeben werden.

Die Chance, eine Stelle zu bekommen, ist in den vier Regierungspräsidien (RP) sehr unterschiedlich. Allein im RP Stuttgart wurden 340 Stellen für Gymnasien freigegeben. Allerdings wurden die meisten schon in vorgezogenen Sonderausschreibungsverfahren vergeben. Je knapp 140 Stellen entfielen auf das RP Karlsruhe und das RP Freiburg. Im RP Tübingen gab es im Listenverfahren keine einzige Stelle.

Auch fachspezifisch gibt es große Unterschiede. Die Fächer Mathematik und Deutsch haben dieselben Stundentafeln und damit einen identischen Bedarf. Allerdings bewerben sich 558 angehende Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung für Deutsch, aber nur etwa 150 für Mathematik. Für Geschichte, ein Fach, das nicht in allen Klassenstufen und überwiegend nur zweistündig unterrichtet wird, gibt es 519 Bewerber*innen. Dagegen bleiben vornehmlich in den Fächern Bildende Kunst, Physik und Mathematik einige Stellen unbesetzt.

Viele junge Lehrkräfte bewerben sich regional nur sehr eingeschränkt. So stimmen die regionalen Bedarfe nicht mit den Bewerbungen überein. Um ein Einstellungsangebot zu erhalten, ist also die räumliche Flexibilität der Bewerber*innen wichtiger als eine gute Leistungsziffer. Auch steigen die Chancen deutlich für diejenigen, die bereit sind, an einer anderen Schulart als dem Gymnasium eingesetzt zu werden.

Um dem akuten Mangel in den Grundschulen, aber auch in der Sekundarstufe I anderer Schularten entgegenzuwirken, machte das Ministerium den Bewerber*innen mit Lehramt Gymnasium auch in diesem Jahr zwei Angebote:

  • Zum einen kann eine zusätzliche Laufbahnbefähigung als Grundschullehrkraft erworben werden. Nach Bestehen der Qualifikation im Arbeitnehmerverhältnis und einem insgesamt vierjährigen Verbleib im Grundschulbereich, erhalten die Lehrkräfte eine Übernahmegarantie für das gymnasiale Lehramt.
  • Zum anderen kann eine zusätzliche Laufbahnbefähigung für das Sek-I-Lehramt an Hauptschulen, Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen erworben werden. Hier gibt es keine Übernahmegarantie ins gymnasiale Lehramt.

Erfreulicherweise konnten etwa zehn seit mehreren Jahren befristet beschäftigte Nichterfüller*innen entfristet werden, das heißt sie erhalten eine unbefristete Einstellung und bekommen somit die Sommerferien bezahlt. Im gymnasialen Bereich betrifft das vor allem Kunst-Lehrkräfte. Die Bedingungen für das Entfristungsverfahren haben sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert: So ist die Mindestbeschäftigungsdauer auf 36 Monate verkürzt worden. Die Möglichkeit zur Entfristung soll auch in den kommenden Jahren bestehen bleiben.

Insgesamt betrachtet hat sich die Einstellungssituation für Gymnasiallehrkräfte im Vergleich zu den letzten Jahren insofern entspannt, dass es über alle Verfahren und Schularten hinweg mehr Einstellungsangebote als Neubewerber*innen gibt. Dies kann in den nächsten Jahren zu einem Bewerber*innen-Mangel führen. In Fächern wie in Bildende Kunst, Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern fehlen jetzt schon Lehrkräfte.

Berufliche Schulen: Bewerber*innen weiter Mangelware

An den Beruflichen Schulen stehen für die Einstellungsrunde insgesamt 1.190 Deputate zu Verfügung – davon 1.014 für Wissenschaftliche Lehrkräfte (WL) und 176 für Technische Lehrkräfte (TL).

Aufgrund des unsicheren Ausbildungsmarkts hat das Kultusministerium (KM) den Beruflichen Schulen durch interne Umschichtungen zusätzlich 50 Stellen als Puffer zugewiesen. Coronabedingt, aber auch durch strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft, muss derzeit davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Ausbildungsverträge erneut sinkt. Dem Rückgang der Schüler*innenzahlen in der Berufsschule steht aber in der Regel ein Zuwachs in den Vollzeitbildungsgängen gegenüber, für die mehr Lehrerwochenstunden gebraucht werden. Das KM wird deshalb 84 Stellen als Steuerungsreserve zurückhalten, um kurzfristig im September auf veränderte Schülerströme reagieren zu können.

Darüber hinaus gibt es aus dem laufenden Haushalt wieder zusätzlich 15 Stellen für den Ausbau der Erzieher*innenausbildung und weitere 15 für Inklusion.

Technische Lehrkräfte werden meist über den Direkteinstieg eingestellt. Hier konnten bislang 78 Lehrkräfte gewonnen werden, davon 63 im Gewerbe. Rund 100 Stellen sind derzeit noch nicht besetzt.

Ein Kommentar von Monika Stein, GEW-Landesvorsitzende

„Es gibt auch in diesem Schuljahr zu wenig Bewerber*innen für die freien Stellen an den Schulen in Baden-Württemberg. Teilweise wird sich die Unterrichtsversorgung dramatisch verschlechtern.

Am dramatischsten stellt sich weiterhin die Lage an den SBBZ und der Inklusion dar. Die schon von Mangel geprägte Ausgangslage verschärft sich ein weiteres Mal. Das strukturelle Defizit (landesweit über neun Prozent; dazu kommen noch die Stellen, die bereits in diesem Schuljahr nicht mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt sind) wird sich im kommenden Schuljahr um mehrere Prozent erhöhen. Über die Hälfte der freien Stellen kann nicht mit qualifizierten Lehrkräften besetzt werden.

Die Landesregierung tut viel zu wenig für die Ausbildung von Sonderpädagog*innen. Studium, Vorbereitungsdienst und Berufseinstieg müssen attraktiver werden, um mehr Menschen für die Sonderpädagogik zu begeistern. Ein Quereinstieg muss leichter möglich gemacht werden und es muss endlich eine angemessene Freistellung für das Aufbaustudium von Lehrer*innen anderer Lehrämter geben. Das Kultusministerium muss den Lehrer*innen, die ohne sonderpädagogische Ausbildung zum Teil seit Jahren in den SBBZ arbeiten, endlich berufsbegleitende Qualifizierungen anbieten. So können kurzfristig neue Fachkräfte gewonnen werden, die dringend benötigt werden. Es ist kaum auszuhalten, wie achtlos das Land seit Jahren mit den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf umgeht.

Auch in den Grundschulen gibt es weiterhin je nach Standort einen dramatischen Fachkräftemangel. Wir brauchen dringend mehr Studienplätze. Die Attraktivität des Grundschullehramts muss gesteigert werden. Dazu gehört eine Senkung des Deputats und eine angemessene Entlohnung: Die Hälfte der Bundesländer bezahlt die Lehrkräfte an den Grundschulen inzwischen nach A 13 beziehungsweise E 13. Dass Baden-Württemberg angesichts des Lehrkräftemangels meint, die Lehrkräfte an den Grund-, Haupt- und Werkrealschulen schlechter als alle anderen wissenschaftlichen Lehrkräfte bezahlen zu können, ist völlig unverständlich. Aber auch eine Ausstattung der Schulen mit Poolstunden in der Pflichtstundentafel für die individuelle Förderung der Schüler*innen wie an den anderen Schularten ist überfällig.

Haupt- und Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen eint eins: Wer das Glück hat, nah an der Rheinschiene zu liegen, kann sich zum Teil vor Bewerber*innen nicht retten. Schulen im Großraum Stuttgart oder im ländlichen Raum haben dagegen massive Probleme, ausgebildete Lehrkräfte zu bekommen. Das hat auch mit hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten wie in der Region Stuttgart zu tun. Es gibt aber auch immer mehr Bewerber*innen, die bereit wären, zunächst eine Stelle in weniger begehrten Regionen anzutreten. Sie haben aber kaum noch eine Chance, sich später in eine von ihnen bevorzugtere Region versetzen zu lassen. Die Regierungspräsidien und Staatlichen Schulämter sollten über transparente Fristen nachdenken, ab denen Kolleg*innen versetzt werden. Und die Landesregierung muss über kreative Lösungen nachdenken, eine Stelle in weniger begehrten Bereichen attraktiver zu machen.

Die Lage an Gymnasien ist deutlich anders als an den GHWRGS-Schulen (Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren). Noch gibt es genug Bewerber*innen. Aber viele der sogenannten Altfälle sind als Lehrkräfte in Privatschulen angestellt und stehen den staatlichen Schulen nicht zur Verfügung. Sie tauchen aber in der Statistik auf, weil sie verbeamtet und in den Privatschuldienst beurlaubt werden wollen. Bereits jetzt ist absehbar, dass in wenigen Jahren je nach Fach und regionalem Bedarf ein Mangel an Lehrkräften zu erwarten ist. Die GEW wird die Landesregierung kritisch-konstruktiv begleiten um zu verhindern, dass wir sehenden Auges auf einen Fachkräftemangel an Gymnasien zusteuern.

Berufliche Schulen haben weiterhin mit Mangel zu kämpfen. Bewerber*innen haben sehr gute Chancen, eine Stelle zu bekommen. Gleichzeitig ist es für die Schulen sehr schwierig, alle Stellen zu besetzen. Auch in diesem Bereich bleibt die Aufgabe der Landesregierung, durch bessere Arbeitsbedingungen für mehr Attraktivität zu sorgen. Dann können besonders in den berufsbezogenen Fächern aber auch im wissenschaftlichen Bereich Fachkräfte gewonnen werden, die dringend für eine gute Ausstattung der beruflichen Schulen benötigt werden.

Es wird höchste Zeit, dass die Landesregierung mehr für die Versorgung der Schulen mit qualifizierten Lehrkräften tut. Gute Bildung ist nicht umsonst zu haben, aber eine schlechte Lehrkräfteversorgung sorgt für abgehängte Kinder und Jugendliche, eine Spaltung der Gesellschaft und entsprechende Folgekosten.“

Im wissenschaftlichen Bereich fehlen unverändert Bewerber*innen. Die Zahl der Neubewerber*innen aus dem Referendariat ist mit 329 gesunken (2020: 340). Auch die Zahl der Altbewerber*innen ist leicht auf 100 zurückgegangen (2020: 105). Vor allem in den allgemeinbildenden Fächer sind die Zahlen zurückgegangen. Dies kann mit Gymnasialbewerber*innen ausgeglichen werden.

Bei den berufsbezogenen Fächern gibt es einen leichten Anstieg – allerdings immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Hier konnten insgesamt 263 Junglehrkräfte gewonnen werden (2020: 243). Schwierig ist aber nach wie vor die Situation im Gewerbe – hier waren es nur 63 Lehrkräfte.

Insgesamt sind bis jetzt (Stand 7. Juli 2021) 356 Laufbahnbewerber*innen gewonnen worden. Aufgrund von Teilzeitstellen konnten damit knapp 300 Deputate besetzt werden. Deputatsaufstockungen sind noch möglich.

Auch im Direkteinstieg waren die Einstellungen mit 134 Personen leider rückläufig (Vorjahr 156). Vor allem im Gewerbe gab es einen spürbaren Rückgang auf 83 Einstellungen (2020: 118). Nach wie vor gibt es eine Reihe von Fächern, in denen es sehr schwer ist, überhaupt Lehrkräfte zu gewinnen. Dies betrifft nicht nur die klassischen Mangelfächer Informatik oder Elektrotechnik, sondern zum Beispiel auch Farbtechnologie.

Darüber hinaus konnten 199 Gymnasialbewerber*innen eingestellt werden – dies entspricht einem Zuwachs gegenüber 2020 von 48 Prozent. Dazu kommen noch vier Sonderschullehrkräfte und eine Realschullehrkraft.

Insgesamt wurden bis dato im Wissenschaftlichen Lehramt 695 Personen gewonnen und knapp 570 Stellen besetzt. Die restlichen Stellen müssen im Nachrückverfahren bis in den September hinein besetzt werden. Diese Stellen werden ausgeschrieben, das heißt es können sich sowohl Laufbahnbewerber*innen, die bislang keine Stellen erhalten haben, und Direkteinsteiger*innen bewerben. Auch nicht versorgte Bewerber*innen von der Gymnasialliste können noch eingestellt werden.

Das KM geht aber davon aus, dass weiterhin circa 200 bis 250 Stellen mit befristet beschäftigten Personen besetzt werden. Auf diesem Wege können Stellen, die für Lehrkräfte mit dringend benötigten Mangelfächern gebraucht werden, für ein Schuljahr besetzt werden, ohne sie dauerhaft zu blockieren.

Die Einstellungsquote bei den Neubewerber*innen liegt bei über 93 Prozent. 49 Laufbahnbewerber*innen haben einen Zwischenbescheid erhalten. Diese Bewerber*innen könnten ein Einstellungsangebot erhalten – das Problem ist allerdings die mangelnde regionale Flexibilität, sprich der Wunsch, ausschließlich in Regionen eingesetzt zu werden, die begehrt und gut versorgt sind.

Die Einstellungsrunde 2021 hat erneut deutlich gemacht, dass dringend Maßnahmen notwendig sind, um das Lehramt attraktiver zu machen, dazu gehört besonders eine Entlastung bei der Arbeitszeit. Nur so können auf Dauer zusätzliche Personen auf dem Arbeitsmarkt gewonnen werden.