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Lockerung der Corona-MaßnahmenWarum der Schulstart für die Grundschulen zu früh kommt

Ab dem 4. Mai sollen die Schulen im Land wieder schrittweise öffnen. Auch die obersten Klassen in Grundschulen sollen wieder den Unterricht besuchen. Die GEW hält das für einen Fehler – vor allem mit Blick auf den Infektionsschutz.

16.04.2020

Bund und Länder haben gestern ihren Fahrplan zur Lockerung der Corona-Maßnahmen vorgestellt. Unter anderem sollen die Schulen ab dem 4. Mai wieder schrittweise geöffnet werden. Zuerst sollen Abschlussklassen, Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen, und die obersten Klassen in Grundschulen wieder in den Unterricht. Die Kultusministerkonferenz will bis zum 29. April beraten, wie die Hygiene- und Schutzmaßnahmen an Schulen aussehen könnten. Zu berücksichtigen sind dabei unter anderem die Klassengröße, der Schülertransport und die Pausen.

Die GEW findet, dass der Schulstart für einige Klassen zu früh ist. „Er ist in der von Bund und Ländern beschlossenen Form zu umfangreich, zu riskant und organisatorisch kaum umzusetzen“, kritisiert Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, die Pläne. Vor allem für die Grundschulen sei der Start nicht die richtige Entscheidung. „Für die obersten Grundschulklassen ist es unnötig, zu diesem Zeitpunkt den Unterricht bereits wieder aufzunehmen. Ich sehe ein, dass das für die Prüfungsklassen der weiterführenden Schulen eine emotionale Beruhigung sein kann. Doch so klingt es, als gebe es eine Art Grundschulabitur“, sagt Moritz. Die Grundschulempfehlungen sind bereits gemacht und die Schulanmeldungen sind auch schon abgeschlossen.

Außerdem ist der Infektionsschutz an den Schulen vor Ort immer noch nicht geregelt. „Für mich steht der Infektionsschutz für die Kinder und die Beschäftigten im Vordergrund. Wir müssen dabei berücksichtigen, dass Grundschülerinnen und Grundschüler den stärksten Bewegungsdrang haben und diesen am wenigsten kontrollieren können. Gerade in den Pausen ist das für die Lehrkräfte eine Mammutaufgabe“, gibt Moritz zu bedenken. Auch die Schülerinnen und Schüler räumlich zu trennen, scheitere in vielen Einrichtungen an fehlenden Räumlichkeiten. Da die meisten Klassenräume sehr eng seien, könnten Schülerinnen und Schüler nicht den empfohlenen Mindestabstand halten. Angesichts des Lehrkräftemangels und eines hohen Anteils von Pädagoginnen und Pädagogen, die zur Risikogruppe gehörten, sei ein Schichtbetrieb an vielen Schulen nicht möglich.

Richtig hingegen sind aus Sicht der GEW die Entscheidungen, die Kitas weiterhin geschlossen zu lassen und Schüler*innen, die in diesem Schuljahr Abschlüsse machen, zur Prüfungsvorbereitung in die Schule zu holen. „Ohne vorbereitenden Unterricht halte ich die Prüfungen nicht für vertretbar. Der direkte Kontakt mit den Lehrkräften hilft vor allem emotional, die Ängste vor den Prüfungen abzubauen“, findet die GEW-Landeschefin.