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HomeschoolingWarum digitaler Unterricht in der Corona-Krise unfair ist

Der Unterricht aus dem Homeoffice heraus birgt in sich die Gefahr der Diskriminierung: Er verschärft den Zusammenhang von Bildungserfolg und Elternhaus – und hängt einen Teil der Kinder ab.

27.03.2020 - Barbara Becker, Vorsitzende Fachgruppe Gymnasien

Lehrkräfte aller Schularten versuchen zur Zeit, die Schülerinnen und Schüler durch digitale Angebote zu versorgen, um für die Kinder und Jugendlichen während der Maßnahmen gegen das Coronavirus zumindest eine gewisse Normalität und einen Lernalltag aufrechtzuerhalten. Dabei wird immer deutlicher, dass nicht nur die technische Ausstattung der Schulen oder der einzelnen Lehrkräfte das Problem sind. Viel schwieriger ist die enorme Divergenz der Lebenswirklichkeiten, in die Lehrerinnen und Lehrer ihre Bildungsangebote schicken.

Viele Kinder und Jugendliche haben keinen eigenen Computer. Die meisten haben zwar ein Smartphone, doch weder Drucker, Scanner noch echte Kenntnisse, wie man das alles wirklich als Arbeitsmittel einsetzt. Bei weitem nicht alle wohnen in Verhältnissen, in denen eine echte Arbeitsatmosphäre geschaffen werden kann. Schon gar nicht, wenn plötzlich alle daheim sind, familiäre Konflikte aufbrechen und die Eltern vielleicht sogar um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Oftmals kann daher daheim eine motivierende und computertechnische Unterstützung gar nicht geleistet werden. Und wenn die Verbindung zum Internet am Wohnort zu schwach ist, können die Lehrkräfte zwar Links zu guten Filmen oder motivierenden Spielen schicken, doch diese können nicht genutzt werden.

Homeschooling birgt weit größere Klippen als die mangelnde Technik oder uferlose Linktipps für mehr oder weniger gute digitale Angebote. Homeschooling birgt in sich die Gefahr der Diskriminierung: Es verschärft den Zusammenhang von Bildungserfolg und Elternhaus und hängt Kinder ab, deren familiärer Hintergrund nicht bildungsaffin und computertechnisch auf der Höhe ist.