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Pakt für gute Bildung und BetreuungWie das Land Krippen und Kitas stärken will – und dabei scheitert

Werden Einrichtungen der frühkindlichen Bildung künftig Zulieferbetriebe für Schulen? Darauf deuten die Pläne des Kultusministeriums hin. Trotz einem größeren Etat sieht die GEW unerfreuliche Entwicklungen.

05.10.2018 - b&w-Artikel, Heike Herrmann

Seit Herbst 2017 führte das Kultusministerium Gespräche mit den kommunalen Landesverbänden, den freien Trägern und der Kindertagespflege, um einen neuen Pakt für gute frühkindliche Bildung und Betreuung zu verhandeln. Ende Juli gab Ministerin Susanne Eisenmann erste Ergebnisse bekannt. Detailverhandlungen folgen nach der Sommerpause. Trotz einem größeren Etat sieht die GEW unerfreuliche Entwicklungen.

Teil des Konzepts des Kultusministeriums ist die Errichtung einer eigenen Einrichtung für die frühkindliche Bildung – das „Forum frühkindliche Bildung“. Zentrale Aufgaben des Forums sollen die Beratung und Begleitung der Träger sowie die Weiterentwicklung und Sicherung der Qualitätsentwicklung nach landesweiten Standards werden. Dies soll in enger Abstimmung mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung und dem Institut für Bildungsanalysen erfolgen.

Geplant sind außerdem: eine Ausbildungsoffensive für Fachkräfte, eine stärkere Unterstützung in der Inklusion, Sprachförderung, eine Weiterentwicklung der Kooperation Kindergarten – Grundschule, eine Stärkung der Kindertagespflege sowie eine Evaluation des Orientierungsplans.

Die GEW begrüßt den „Pakt für gute Bildung und Betreuung“ als wichtiges Signal. Zufrieden kann die Bildungsgewerkschaft allerdings nicht sein. Seit über einem Jahrzehnt gibt es den Orientierungsplan für Kindertageseinrichtungen. Bis heute konnte er nicht verbindlich umgesetzt werden, weil das Geld für die Umsetzung der Qualitätsstandards fehlt.

Das Land wird zusätzliche 80 Millionen Euro für die Frühkindliche Bildung investieren. Mit 3,5 Millionen Euro soll das Sprachförderprogramm SPATZ erweitert werden. „Jetzt ist allerdings der Zeitpunkt, um das Nebeneinander von unterschiedlichen Programmen zur Sprachförderung zu beenden. Bildung und Förderung der Sprache muss im Alltag jeder Kita integriert sein“, sagte die GEW-Vorsitzende Doro Moritz. Nur die Mittel für SPATZ aufzustocken, reiche nicht.

Kitagruppen werden vergrößert

In der Pressekonferenz gab die Ministerin auch bekannt, dass der Pakt die Erhöhung der Gruppengröße um zwei bis drei Kinder vorsieht. „Dass die kommunalen Spitzenverbände die Gruppengrößen weiter vergrößern wollen, ist beschämend für das wohlhabende Baden-Württemberg und ein Schritt zurück. Wir brauchen eine bessere Bezahlung, eine bessere Fachkraft-/Kind-Relation und eine verbindliche Leitungszeit für alle Kita-Leitungen“, sagte Moritz.

Für die Qualitätsentwicklung in Krippen und Kitas setzt sich die GEW für eine verbindliche Leitungszeit von 25 Prozent Leitungsfreistellung pro Kita-Gruppe ein. Für die Bemessung der Leitungszeit gibt es keine landesweiten Standards, 20 Prozent der Kita-Leitungen in Baden-Württemberg bekommen überhaupt keine zusätzlichen Stunden. Damit liegt der Südwesten im bundesweiten Vergleich auf dem 13. Platz.

Ganz oben auf die Liste der Maßnahmen setzt die GEW die Gewinnung von Fachkräften. Nach Ansicht der GEW sollten dabei nicht nur die Ausbildungskapazitäten für die Praxisintegrierte Ausbildung erhöht werden, sondern auch mehr Studienplätze in der Frühpädagogik angeboten werden. „Die Kita-Träger werden aber nur genügend Beschäftigte finden, wenn sie bessere Arbeitsbedingungen bieten. Auch deshalb wäre eine Erhöhung der Gruppengröße um zwei bis drei Kinder kontraproduktiv. Die Fachkräfte sind schon jetzt am Belastungslimit“, erklärte Moritz.

Die Gründung des Forums frühkindliche Bildung ist ein richtiger Schritt, das neue Forum muss sich allerdings an den wissenschaftlichen Studien aus der Frühpädagogik orientieren und die Evaluation des Orientierungsplans begleiten. Keinesfalls darf beim Übergang von der Kita in die Schule die Schulvorbereitung im Vordergrund stehen. Kitas orientieren sich an der frühkindlichen Entwicklung der Kinder und sind keine Zulieferbetriebe für Schulen.

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