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Studie zum LehrerbedarfWie die hohe Qualität der beruflichen Ausbildung gesichert werden kann

Die GEW hat ein Gutachten zum Lehrermangel an beruflichen Schulen erstellen lassen. Das Ergebnis: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler sinkt weniger als erwartet. Die Bildungsgewerkschaft will deshalb ein Sonderprogramm zur Lehrkräftegewinnung.

20.12.2018

Seit Jahren prognostizieren das Statistische Landesamt und die Kultusministerkonferenz (KMK) sinkende Schülerinnen*zahlen an den Beruflichen Schulen. Das Kultusministerium begründet damit auch den Stellenabbau an den Beruflichen Schulen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat deshalb nachrechnen lassen und ein eigenes Gutachten zur Entwicklung der Schüler*innenzahlen und des Lehrkräftebedarfs erstellen lassen.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Schüler*innenzahlen an den Beruflichen Schulen werden zwar sinken, dieser Prozess endet aber bereits im Jahr 2021/22. Danach stabilisieren sich die Zahlen, ab 2026 steigen sie dann wieder an. Die Differenz beträgt im Schuljahr 2030/31 fast 30.000 Schüler*innen.

Die GEW hat sich deshalb mit ihren Forderungen an die Kultusministerin und die Landtagsfraktion gewandt.

Stellen erhalten – Schülerinnen und Schüler fördern – Lehrkräfte entlasten

Aus Sicht der GEW ist es deshalb wichtig, dass die rechnerische demographische Rendite, die in den kommenden Jahren entstehen wird, im System der Beruflichen Schulen verbleibt und insbesondere für pädagogische Verbesserungen eingesetzt wird.

Die Stellen werden unter anderem dringend gebraucht für:

  • Abbau des strukturellen Unterrichtsdefizits (circa 270 Deputate),
  • schrittweiser Abbau der Überstundenbugwelle (200 Deputate für zehn Jahre),
  • Lehrkräftereserve in Höhe von fünf Prozent der Deputate (zusätzlich circa 430 Deputate),
  • Berufliche Gymnasien: zwei Stunden für individuelle Förderung für jede Eingangsklasse (circa 70 Deputate),
  • Vollständiger zweiter Berufsschultag, zum Beispiel für Sprachförderung, individuelle Förderung und Zusatzangebote,
  • Absenkung des Klassenteilers auf 24 bei einem Anteil an Schüler*innen mit Migrationshintergrund von mehr als 50 Prozent in Berufsschul- und Berufsfachschulklassen.

„Die Landesregierung muss jetzt Studienplätze ausbauen und den Direkteinstieg attraktiver gestalten, sonst steht die hohe Qualität der beruflichen Ausbildung an unseren Schulen auf der Kippe.“ (Michael Futterer, stellvertretender GEW-Landesvorsitzender)

Sonderprogramm für Lehrkräftegewinnung auflegen – Lehrkräfteberuf attraktiver gestalten

Das zentrale Problem wird aber sicher die Frage der Fachkräftegewinnung insbesondere in den Mangelfächern sein. Die GEW ist der Auffassung, dass hier ein entsprechendes Sonderprogramm mit verschiedenen Maßnahmen notwendig ist:

  • Übertarifliche Zulagen für Direkteinsteiger*innen – Baden-Württemberg-Zulage für Tarifbeschäftigte einführen.
  • Ausweitung der Kapazitäten an Studienplätzen in den Mangelfächern.
  • Frühzeitige Bindung von Referendar*innen: Einstellung und Bezahlung von Junglehrer*innen direkt nach Abschluss des Vorbereitungsdienstes.
  • Ausweitung des Direkteinstieges in Mangelfächern auch auf Bachelor- und Fachhochschul-Absolvent*innen.
  • Masterstudiengang und Vorbereitungsdienst können in einem Kombimodell zu einem dreijährigen Bildungsgang zusammengefasst werden.
  • Anrechnungsstunden erhöhen: Innovationspools für Qualitätsentwicklung, Abgeltung von Zusatzaufgaben, die Lehrkräfte übernehmen, und für pädagogische Maßnahmen einrichten.
  • Stellen für multiprofessionelle Teams an Schulen schaffen.
  • Techniker und IT-Fachkräfte, Schulverwaltungsassistent*innen sowie Sozialpädagog*innen können Lehrkräfte entlasten.
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