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Stuttgarter Honorarlehrkräfte schließen sich DGB-Mai-Kundgebung an

Unter dem Banner „Fair statt prekär – Gute Arbeitsbedingungen im Integrationskurs und in der Weiterbildung“ versammelten sich freie Lehrkräfte aus Baden-Württemberg.

Freie Lehrkräfte aus Baden-Württemberg nehmen an der diesjährigen DGB-Mai-Kundgebung in Stuttgart teil. (Foto: privat)
Freie Lehrkräfte aus Baden-Württemberg nehmen an der diesjährigen DGB-Mai-Kundgebung in Stuttgart teil. (Foto: privat)

Selbstständige führen ein eigenes Unternehmen mit Angestellten und Dienstwagen, oder streichen zumindest als Anwalt oder Arzt hohe Honorare ein. Soweit das Klischee. Auf die Selbstständigen, die am Ersten Mai in Stuttgart mitliefen, traf dieses Bild nicht zu: Es handelt sich um freiberufliche Lehrkräfte an Volkshochschulen, im Integrationskurs oder in der Weiterbildung.

Unter dem Banner „Fair statt prekär – Gute Arbeitsbedingungen im Integrationskurs und in der Weiterbildung“ versammelten sich freie Lehrkräfte aus Baden-Württemberg und nahmen an der Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Stuttgart teil.

„Wir Honorarlehrkräfte sind zwar offiziell selbstständig, doch wir sind weit davon entfernt, Unternehmer/innen zu sein“, erklärt Cornelia Geeve, die im Integrationskurs Deutsch unterrichtet. Für sie ist der Tag der Arbeit die Gelegenheit, die Gemeinsamkeiten zwischen Solo-Selbstständigen und Arbeitnehmer/innen zu thematisieren. „Wir sind genauso wie Arbeitnehmer/innen darauf angewiesen, unsere Dienstleistung zu verkaufen und Geld zum Leben zu erwirtschaften. Wir tun das nur ohne vergleichbare soziale Schutzrechte.“

Honorarlehrkräfte leiden unter prekären Arbeitsverhältnissen

Denn bei Krankheit oder Erholungsurlaub fällt für die Honorarlehrkräfte das Einkommen aus. Ihre Verträge laufen oft nur wenige Wochen, einen Kündigungsschutz gibt es nicht. Dieses „unternehmerische Risiko“ ist Kennzeichen jeder Selbstständigkeit, prekär wird dies aber, wenn die niedrigen Honorare die Risiken nicht abdecken.

Tatsächlich stellte die DIE-Trendanalyse des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung von 2014 fest, dass ausgerechnet Freiberufler/innen in der öffentlich finanzierten Weiterbildung besonders häufig unter prekären Arbeitsverhältnissen litten. „Schaut euch mal eine Handwerkerrechnung an", meint deshalb auch eine der Volkshochschuldozentinnen, „was wir an Honorarsätzen in der Weiterbildung bekommen, das setzt ein Handwerker für seinen Azubi an.“

Trotz des ernsten Hintergrunds ist die Stimmung unter den demonstrierenden Honorarlehrkräften blendend. Fast könnte man darüber vergessen, dass auch der Feiertag für sie wieder einmal bedeutet: Einkommensausfall.

Kontakt
Magdalena Wille
Referentin für Berufliche Bildung und Weiterbildung
Telefon:  0711 21030-21
Mobil:  0160 90565239