GEW Baden-Württemberg

Mehrarbeit ist keine Lösung!

Das „Vorgriffstundenmodell“ ist ein Tropfen auf den heißen Stein – Die GEW hat bessere Vorschläge

Das vom KM geplante freiwillige „Vorgriffstundenmodell“ soll den Lehrkräftemangel abmildern. Ab dem Schuljahr 2020/21 können Voll- und Teilzeitbeschäftigte bei Vorliegen eines dienstlichen Interesses an der Schule drei Jahre lang je eine Stunde Mehrarbeit leisten, die sie nach einer Karenzzeit von drei Jahren, verteilt über drei Jahre, zurückbekommen. Positiv an dem Modell ist, dass es freiwillig ist. Eine geeignete Maßnahme gegen den Lehrermangel ist es nicht. Die GEW erwartet mehr als ein unattraktives Mehrarbeitsmodell. Für Teilzeitbeschäftigte, die mehr arbeiten wollen, ist auf jeden Fall eine Deputatserhöhung besser als das Vorgriffstundenmodell. Dass Vollzeitkräfte, die ohnehin schon häufig überlastet sind, mehr arbeiten werden, ist kaum zu erwarten. Bevor ein weiterer Berg aufgebaut wird, muss rechtssicher geklärt werden, wie die Bugwellen an den Gymnasien und beruflichen Schulen abgebaut werden. Wie ein gutes Modell aussehen kann, zeigt das Vorgriffstundenmodell der 90er Jahre, das von CDU-Fraktion und GEW verhandelt wurde. Im Gegenzug für die zeitweise Mehrarbeit der Lehrkräfte sicherte die Landesregierung zu, die Arbeitszeit nicht zu erhöhen. Außerdem wurden 1.600 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen. Die rechtliche Absicherung der Rückgabe der Stunden wurde aufwändig und eindeutig geklärt. Insofern ist nur der Name der beiden Modelle gleich. Beim aktuellen Vorschlag der Kultusministerin ist noch nicht geklärt, wie die Mehrarbeit bei „Störfällen“ (z.B. ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Dienst) ausgeglichen wird. Und es gibt bei der Rückgabe der Stunden keinerlei Flexibilität. Solange das Land keine Anreize und keinen eigenen Beitrag leistet, unterstützt die GEW das geplante Vorgriffstundenmodell nicht. Um unsere Unterstützung zu bekommen, muss das Land nachbessern.

Die Vorschläge der GEW liegen auf dem Tisch
Auch ein gutes Vorgriffstundenmodell wird nicht ausreichen, um den Lehrkräftemangel zu beheben. Hierfür sind weitergehende Maßnahmen notwendig. Die GEW hat dem Kultusministerium bereits vor über einem Jahr in einem 12-Punkte-Programm wirksame Maßnahmen gegen den Lehrermangel vorgeschlagen und setzt sich für einen weiteren Ausbau der Studienplätze ein. Zum GEW 12-Punkte-Programm zur Gewinnung von Lehrkräften gehört eine Erhöhung der Altersermäßigung mindestens ab dem Alter von 63 Jahren. Dadurch soll erreicht werden, dass mehr Lehrkräfte bis zur gesetzlichen Altersgrenze im Dienst bleiben. Derzeit arbeiten nur 26 Prozent bis zur gesetzlichen Altersgrenze. Die Erhöhung dieses Prozentsatzes schafft nicht nur zusätzliches Unterrichtsvolumen, sondern trägt sogar zur Senkung der Versorgungsausgaben bei. Außerdem sollte dienstlich notwendige Mehrarbeit (auch die freiwillige Vorgriffstunde) ab der ersten Stunde mit einem Zuschlag von 25 Prozent bewertet werden. Für eine Stunde Mehrarbeit bekäme die Lehrkraft 1,25 Stunden zurück. In Sachsen gibt es bereits eine solche Regelung.