GEW Baden-Württemberg
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Hans Dörr, Andrea Lindlohr, David Warneck

GEW im Gespräch

mit MdL Andrea Lindlohr

Am Montag, den 19.12.2016 trafen sich Hans Dörr (GEW-Kreisvorsitzender Esslingen) und David Warneck (stellv. GEW-Kreisvorsitzender) mit Andrea Llindlohr (Wahlkreisabgeordnete der Grünen in Esslingen) im Haus der Abgeordneten zu einem Gespräch.

Dabei überreichten die GEW-Vertreter der Landtagsabgeordneten, stellvertretend für viele Lehramtsanwärter/innen, Postkarten mit dem Titel "AufGEW8!".
Die jungen Lehrkräfte fordern mit dieser Protestaktion u.a., dass die Kürzung der Eingangsbesoldung
um 8 Prozent in den ersten drei Dienstjahren endlich zurückgenommen werden muss.
Es kann auch nicht sein, dass junge und engagierte Kolleginnen und Kollegen nach bestandender Prüfung während den Sommerferien für 6 Wochen in die Arbeitslosigkeit geschickt werden“, führte David Warneck weiter aus.

Dörr und Warneck schilderten in dem Gespräch zudem die allgemein angespannte Stimmung in den Kollegien.
Die Gründe dafür sind vielfältig.

Das Aufgabenspektrum in den Bereichen Unterricht und Erziehung, Kommunikation und Konfliktbearbeitung, Qualitätsentwicklung und Evaluation, Diagnostik, Dokumentation, Fortbildung und Organisation wird in den letzten Jahren immer umfangreicher, komplexer und konfliktbeladener. Viele Lehrkräfte und Schulleitungsmitglieder bewältigen diese Fülle von Anforderungen nur unter intensiver Anspannung ihrer Arbeitskraft, verbunden mit entsprechender physischer und auch psychischer Belastung.

Neben dem Kerngeschäft des täglichen Unterrichts müssen sich die Kolleg/innen zunehmend an einer steigenden Zahl von Konferenzen, Arbeits- und Steuergruppen beteiligen, (Konflikt)-Gespräche mit Schüler/innen sowie deren Eltern führen und stetig an überregionalen ganztägigen oder regionalen nachmittäglichen Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen.

Auf dem Hintergrund der aktuellen Leistungsvergleichsstudien (VerA8; IQB, TIMSS) verlangen die Kultusministerin, die Politik und die interessierte Öffentlichkeit, dass die Schulen – also die Lehrkräfte und die Schulleitungen - die Qualität ihrer Arbeit verbessern.

Hans Dörr machte deutlich, dass vor allem der Brief der Kultusministerin zum Thema Orthografie gerade unter diesen Voraussetzungen das falsche Signal sei. "Statt den Kolleginnen und Kollegen den Rücken zu stärken und sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, erhalten sie den Vorwurf, sie würden ihre Arbeit nicht richtig machen. Das ist eine irrtierende Botschaft für die engagierten Lehrkräfte an den Grundschulen" stellte Hans Dörr klar.

Voraussetzung für einen guten, qualitativ hochwertigen Unterricht ist zunächst, dass geregelter Unterricht stattfinden kann. Dies ist dann nicht der Fall, wenn den Schulen durch mittel- und langfristige Erkrankungen und durch vorzeitige oder reguläre Beschäftigungsverbote nicht ersetzte und ersetzbare Lehrerstunden in einem Umfang fehlen, die nicht mehr durch „Bordmittel“ (sogenannte schulinterne Lösungen) aufgefangen werden kann.

Wenn kein Ausgleich der fehlenden Ressourcen durch die mobile Lehrerreserve, durch befristete Verträge, durch das freiwillige Erhöhen von Teilzeitlehraufträgen, durch Regelstundenmaßausgleich und durch Mehrarbeitsunterricht möglich ist, dann bleibt nur das permanente Umverteilen von Schüler/innen, die Mitbeaufsichtigung von Klassen und als letztes Mittel die Kürzung des Unterrichtsangebots und damit der Ausfall von Unterricht.

Hans Dörr forderte daher die Vertreter der Grünen auf, sich für eine rasche Aufstockung der Ressourcen im Bereich der Abwesenheitsvertretung auf mindestens 6 Prozent der Vollzeitlehrereinheiten einzusetzen. Er machte deutlich: „Die Abwesenheitsvertretung muss als Teil der Grundversorgung betrachtet werden.“

Darüber hinaus wurde über weitere Veränderungsmaßnahmen gesprochen, die notwendig sind um die Arbeitssituation an den Schulen zu verbessern.
David Warneck sagte: „Die Grundschulen brauchen endlich verbindliche Poolstunden zur individuellen Förderung.“

Hans Dörr sprach sich im Hinblick auf die Schulleitungen dafür aus, dass die Leitungszeit unbedingt erhöht werden muss. Er erläuterte dazu "Schulleitungsstellen an kleinen Grundschulen, insbesondere im ländlichen Raum, bleiben oft lange Zeit unbesetzt. Zu guten Arbeitsbedingungen in Führungspositionen gehört letztlich aber auch eine angemessene Bezahlung".

Abschließend wurde nochmals hervorgehoben, dass die GEW ein Steuerkonzept vorgeschlagen hat, dass die wichtigen Investitionen in Bildung möglich machen würde. Für Hans Dörr ist klar: „Eine Umkehr in der Finanz- und Steuerpolitik sowie eine deutliche Erhöhung der Bildungsausgaben sind in Baden-Württemberg dringend notwendig!“