GEW Baden-Württemberg
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Karl Zimmermann, David Warneck, Hans Dörr, Thomas Auerbach

GEW im Gespräch

mit MdL Karl Zimmermann und Gemeinderat Thomas Auerbach

Am Montag, den 12.12.2016 trafen sich Hans Dörr (GEW-Kreisvorsitzender Esslingen) und David Warneck (stellv. GEW-Kreisvorsitzender) mit Karl Zimmermann (Wahlkreisabgeordneter der CDU in Kirchheim) und Thomas Auerbach (Mitglied im Gemeinderat der Stadt Kirchheim für die CDU) zu einem Gespräch.

Dabei ging es vor allem um die problematische Arbeitssituation an den Schulen.

Die Vertreter der GEW schilderten dabei die angespannte Stimmung in den Kollegien. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Das Aufgabenspektrum in den Bereichen Unterricht und Erziehung, Kommunikation und Konfliktbearbeitung, Qualitätsentwicklung und Evaluation, Diagnostik, Dokumentation, Fortbildung und Organisation wird in den letzten Jahren immer umfangreicher, komplexer und konfliktbeladener. Viele Lehrkräfte und Schulleitungsmitglieder bewältigen diese Fülle von Anforderungen nur unter intensiver Anspannung ihrer Arbeitskraft, verbunden mit entsprechender physischer und auch psychischer Belastung.

Neben dem Kerngeschäft des täglichen Unterrichts müssen sich die Kolleg/innen zunehmend an einer steigenden Zahl von Konferenzen, Arbeits- und Steuergruppen beteiligen, (Konflikt)-Gespräche mit Schüler/innen sowie deren Eltern führen und stetig an überregionalen ganztägigen oder regionalen nachmittäglichen Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen.

Auf dem Hintergrund der aktuellen Leistungsvergleichsstudien (VerA8; IQB, TIMSS) verlangen die Kultusministerin, die Politik und die interessierte Öffentlichkeit, dass die Schulen – also die Lehrkräfte und die Schulleitungen - die Qualität ihrer Arbeit verbessern.

Voraussetzung für einen guten, qualitativ hochstehenden Unterricht ist aber, dass geregelter Unterricht stattfinden kann. Dies ist dann nicht der Fall, wenn den Schulen durch mittel- und langfristige Erkrankungen und durch vorzeitige oder reguläre Beschäftigungsverbote nicht ersetzte und ersetzbare Lehrerstunden in einem Umfang fehlen, die nicht mehr durch „Bordmittel“ (sogenannte schulinterne Lösungen) aufgefangen werden kann.

Wenn kein Ausgleich der fehlenden Ressourcen durch die mobile Lehrerreserve, durch befristete Verträge, durch das freiwillige Erhöhen von Teilzeitlehraufträgen, durch Regelstundenmaßausgleich und durch Mehrarbeitsunterricht möglich ist, dann bleibt nur das permanente Umverteilen von Schüler/innen, die Mitbeaufsichtigung von Klassen und als letztes Mittel die Kürzung des Unterrichtsangebots und damit der Ausfall von Unterricht.

Hans Dörr forderte daher die Vertreter der CDU auf, sich für eine rasche Aufstockung der Ressourcen im Bereich der Abwesenheitsvertretung auf mindestens 6 Prozent der Vollzeitlehrereinheiten einzusetzen. Er machte deutlich: „Die Abwesenheitsvertretung muss als Teil der Grundversorgung betrachtet werden.“

Darüber hinaus wurde über weitere Veränderungsmaßnahmen gesprochen, die notwendig sind um die Arbeitssituation an den Schulen zu verbessern.
David Warneck sagte: „Die Grundschulen brauchen endlich verbindliche Poolstunden zur individuellen Förderung.“ Zudem kritisierte er, dass es nicht nachvollziehbar sei, warum die engagierten Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen eine geringere Besoldung erhalten, als die Lehrkräfte in der Sekundarstufe. Schließlich sei es für alle jungen Lehrkräfte kein Anreiz nach sechs Wochen Arbeitslosigkeit während der Sommerferien die ersten drei Dienstjahre 8% weniger Gehalt zu bekommen. „Die Kürzung der Eingangsbesoldung muss sofort zurückgenommen werden“, so Warneck.

Des Weiteren braucht es eine klare Perspektive an Aufstiegsmöglichkeiten für die Lehrkräfte an den noch verbliebenen Haupt- und Werkrealschulen. Auch die die fehlenden Ressourcen an den Gemeinschafts- und Realschulen sowie den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren dürfen von der Grün-Schwarzen Landesregierung nicht ignoriert werden.

Hans Dörr sprach sich im Hinblick auf die Schulleitungen dafür aus, dass die Leitungszeit unbedingt erhöht werden muss. Er fügte hinzu, dass die GEW ein Steuerkonzept vorgeschlagen hat, dass die wichtigen Investitionen in Bildung möglich machen würde. „Eine Umkehr in der Finanz- und Steuerpolitik sowie eine deutliche Erhöhung der Bildungsausgaben sind in Baden-Württemberg dringend notwendig!“