GEW Baden-Württemberg
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GEW zu Besuch an der Alleenschule

Aktion für bessere Bezahlung der Grund- und Hauptschullehrkräfte

Haupt- und Werkrealschulen sind vom Aussterben bedroht. Aber es gibt sie noch. Die Alleenschule in Kirchheim ist eine davon. Nach wie vor lernen dort Kinder und Jugendliche. Und sie gehen mit Freude zur Schule, davon konnte sich David Warneck, Kreisvorsitzender der GEW Esslingen-Nürtingen, bei einem Besuch vor Ort ein Bild machen. Begleitet wurde er von Schulleiter Uwe Häfele und der Elternbeiratsvorsitzenden Stefanie Rau.

Die Kinder der Klasse 5 sitzen an Gruppentischen und bereiten Präsentation vor. Die Schülerin Mona findet gut, dass „die Lehrer immer bei Problem helfen“. Für die Jugendlichen in Klasse 9 ist der Schulabschluss ein wichtiges Thema: „Ich will später eine Ausbildung machen“, sagt Laura und ergänzt, „zum Glück bekommen wir viel Unterstützung, zum Beispiel beim Schreiben von Bewerbungen“. Beim Abstecher in Klasse 7 lernen Kinder der Alleenschule und der Außenklasse der Bodelschwinghschule Nürtingen  gemeinsam. Die Lehrkräfte der beiden Schulen, Michaela Hartig und Ruth Scheel, sind sich einig: Inklusion kann gelingen, wenn die personellen und räumlichen Voraussetzungen stimmen. Die Schule versucht daher Rahmenbedingungen zu schaffen, um auch inklusiv arbeiten zu können.  Zudem gibt es drei Vorbereitungsklassen. „Das Ziel ist, dass die Kinder in ihrer neuen Heimat ankommen, rasch Deutsch lernen und bald am Unterricht der Regelklasse teilnehmen können.“ sagt die Klassenlehrerin Sigrid Reusch.

„Es ist beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement die Lehrkräfte hier arbeiten“ sagte Warneck nach dem Rundgang. Für ihn ist es daher nicht nachvollziehbar, dass sie weniger Gehalt bekommen als Lehrkräfte an anderen Schularten. Die GEW erwartet deshalb von der Landesregierung einen Stufen­plan für den Aufstieg von der Besoldungsgruppe A12 in A13. Dafür hat Warneck symbolisch einen „JA13“-Kuchen mitgebracht. Unter diesem Motto macht die GEW auf die Lohnlücke aufmerksam, die bis zu 450 Euro im Monat beträgt.

Bei der Gesprächsrunde mit Schulleitung, Lehrkräften, Elternvertretern und Schüler/innen wurde auch schnell klar, was die Alleenschule ausmacht: Die vielen Kooperationen, die Berufsorientierung und das Ganztagsangebot. Da ist es verständlich, wenn Schulleiter Uwe Häfele sagt „Ich bin stolz auf mein Kollegium!“. Pia aus der 9. Klasse meint, dass ihr „die Atmosphäre hier richtig gut gefällt.“. Dem können sich alle anschließen.  

Zur Alleenschule gehört ebenfalls eine Grundschule. Laut Warneck wird „der Grundstein für gute Bildung bei den Kleinsten gelegt. Das Land erkennt die wertvolle Arbeit der Grundschullehrkräfte dennoch nicht ausreichend an. Sie werden mit A12 abgespeist und haben keine Chance, in ihrem Berufsleben eine höhere Besoldung zu bekommen, es sei denn, sie bewerben sich als Schulleitung. Dafür gibt es an kleinen Grundschulen aber nur 168 Euro brutto monatlich mehr. Das ist kein Umgang mit Führungskräften“, meint Warneck. Dadurch wird das Primarstufenlehramt für junge Menschen unattraktiv. Obwohl großer Mangel an Grundschullehrkräften herrscht. „Berlin, Brandenburg und NRW haben darauf reagiert und bezahlen A13. Warum Baden-Würt­temberg nicht? So bleiben wir nicht konkurrenz­fähig im Wettbewerb um gute Lehrkräfte“ ist Warneck überzeugt.

Im Rahmen einer GEW-Aktion haben Lehrkräfte im Landkreis zudem ihre Berufsbiographien aufgeschrieben. „Es war eindrucksvoll zu lesen, was die Lehrkräfte leisten und geleistet haben“ sagt Warneck. Auch Fachlehrkräfte, die ihre Ausbildung am Pädagogischen Fachseminar in Kirchheim gemacht haben, beteiligten sich. Obwohl sie häufig die gleichen Aufgaben wie Lehrkräfte mit einem Studium übernehmen, werden sie deutlich schlechter bezahlt.

Eine Lehrkraft sagt am Ende „Die Eltern haben mittlerweile die Wahl und sich bewusst für uns entschieden.“ Die Alleenschule als Grund- und Werkrealschule spielt somit wohl auch in Zukunft noch eine wichtige Rolle in der Kirchheimer Schullandschaft.