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Das „#Bildungssofa!“ der GEW – ein frisches Format findet in Freiburg viel Zuspruch

Am Anfang stand die Idee: Bildungsfragen in Zeiten des Bildungsnotstands vor Ort möglichst konkret zum Thema zu machen. „Allerdings wollten wir weg vom knallharten konfrontativen Diskurs“, so der Erfinder des #Bildungssofa!, Jürgen Grässlin, Mitglied im Kreisvorstand der GEW. „Vielmehr ging es uns um die gemeinsame Suche nach Lösungen bei differenzierten Problemstellungen. Mit vergleichbaren Veranstaltungen habe ich in den vergangenen Jahren selbst gute Erfahrungen gesammelt.“

Monika Stein, gleichsam Mitglied im Kreisvorstand und Örtlichen Personalrat, ließ sich sofort anstecken. Sie kann dem neuen Format viel abgewinnen: „Ich komme als Stadträtin und Fraktionsvorsitzende aus dem harten politischen Parteigeschäft, da ist das frische Format des Miteinander absolut wohltuend – ebenso kreativ wie kommunikativ.“

Herausgekommen ist nach breiter Diskussion in der GEW das Format vom „#Bildungssofa!“, zu dem die Gewerkschafter*innen für den Premierenabend am 24. Oktober 2019 in der Aula der hiesigen Hebelschule gleich einen Prominenten präsentieren konnten. Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn stand den beiden Interviewenden Rede und Antwort zur zentralen Frage dieses Abends: „Bildung in Freiburg: Gut genug oder Luft nach oben?“

Los ging es überraschend anders, als von den 100 Besucher*innen vielfach erwartet: Martin Horn zeigte, Fotos aus seiner Jugend- und Schulzeit. Mit Verve verkündete Horn, wie er im Unterricht durchaus mal aus dem Ruder gelaufen war, sich als Schülersprecher für die Belange seiner Mitschüler*innen eingesetzt und gar eine Demonstration organisiert hatte: Der junge Horn politisierte sich in seiner Schulzeit, indem er sich als Demoleiter aktiv gegen den militärischen Einsatz der Bundeswehr im Golfkrieg starkmachte. Noch heute sieht er die Friedensbewegung auch als seine Heimat an.

In Runde zwei ging es dann doch zur Sache: Stein und Grässlin führten zahlreiche Missstände in der Freiburger Schulen ins Feld, die Ihnen von Kolleg*innen der örtlichen Schulen zugetragen wurden. Vom teilweise bedenklichen Zustand einzelner Freiburger Schulgebäude bis hin zu überfüllten Klassen, die den Lehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen gleichermaßen zu schaffen machen. Manch Hausmeister beklagte die für die Öffentlichkeit auch nachts zugänglichen Pausenhöfe mit teilweise fatalen Folgen. Schulsekretärinnen sind zu niedrig eingestuft für die weit gestiegenen Anforderungen und mit zu wenigen Stunden an den Schulen.

Oberbürgermeister Horn hörte die Problemschilderungen mit offenem Ohr, ließ keine Frage unbeantwortet und versprach in seiner Schulbehörde nachzuhaken, um seinen Teil zur Besserung beizutragen. Zugleich zeigte er auf, wie viel die Stadt Freiburg bereits heute an Finanzmitteln für den Bildungsbereich investiert. Horn gestand ein, dass der Bedarf wegen des Sanierungsstaus der letzten Jahrzehnte weitaus höher ist, als die vorhandenen monetären Mittel hergeben – eine durchaus realistische Feststellung.

Souverän moderierte die Stellvertretende GEW-Vorsitzende Andrea Wagner die Schlussrunde. Das engagierte Publikum freute sich über sein Fragerecht, und stellte breit gestreut Ihre Sorgen und Nöte dar. Martin Horn erwies sich als sachkundig und war nicht um Antworten verlegen.

Nun geht es in doppeltem Sinne weiter: OB Martin Horn muss seine „Hausaufgaben“ erledigen. Unter anderem hat er zugesagt, alle 66 Freiburger Schulen in seiner ersten Amtszeit zu besuchen. Und er will beim Finanzproblem nachhaken: „Bund und Land müssen weitaus mehr in Bildung investieren“, forderte Horn und bekam dafür lautstark Applaus. „Setzen Sie sich für eine Initiative Freiburgs beim bundesweiten Städtetag ein, so die GEW Freiburg, die fordert: „Mehr Geld für Bildung!“ Horn will auch hier aktiv werden.

Dieser erste Sofaabend darf getrost als gelungene Teamleistung des Freiburger GEW-Vorstands angesehen werden. Alle halfen mit – vom Sofakauf über den An- und Abtransport bis hin zu zahlreichen organisatorischen Notwendigkeiten.

Das zweite „#Bildungssofa!“ steht bereits am  Januar 2020 auf dem Programm. Mit „Fridays for Future“ wird sich die Jugend nachdrücklich in die Bildungsdebatte einmischen – wieder steht ein spannender Abend an. Aktuelle Infos werden auf www.gew-fr.de bekannt gegeben.

Text: Jürgen Grässlin, GEW Kreis Freiburg.
Foto: Erdmuthe Röhrle, GEW Kreis Freiburg