GEW Baden-Württemberg - Website https://www.gew-bw.de GEW Baden-Württemberg - Website de-DE GEW Baden-Württemberg - Website Sat, 23 Jun 2018 17:49:33 +0200 Sat, 23 Jun 2018 17:49:33 +0200 TYPO3 EXT:news news-14410 Wed, 20 Jun 2018 17:00:01 +0200 Lehrereinstellung 2018 an Gymnasien https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lehrereinstellung-2018-an-gymnasien/ Eine bundesweite Studie zeigt: Die Arbeitszeit der Lehrkräfte ist zu hoch. Trotzdem wird das Land zahlreichen jungen Lehrkräften kein Einstellungsangebot machen. Die GEW findet: Es ist Zeit für Qualität – und stellt klare Forderungen. Im gymnasialen Bereich wird die Anzahl der Bewerber/innen die der offenen Stellen bei weitem übertreffen. Das Land wird vielen hochqualifizierten jungen Lehrkräften kein Angebot machen können und sie an andere Berufsfelder oder andere Bundesländer verlieren. Gleichzeitig wissen die Lehrkräfte im Dienst kaum, wie sie die anfallende Arbeit bewältigen sollen.

Es kann nicht sein, dass das Ministerium von Qualitätssteigerungen redet, die notwendigen Ressourcen jedoch verweigert und den jungen Lehrkräften kaum Chancen auf eine Einstellung bietet.

Es ist Zeit für:

  • die Senkung des Deputates!
  • die Reduktion des Klassenteilers!
  • die Aufstockung des Entlastungskontingentes!
  • die Anrechnung jeder zusätzlicher Aufgabe im Deputat!
  • die Rücknahme der Kürzungen bei der Alters- und Schwerbehindertenermäßigung!
  • die Erhöhung der Vertretungsreserve!
  • den Stopp des Befristungsunswesens!

Es ist Zeit für Qualität.

Die zentralen Forderungen der GEW sind daher jetzt auch wissenschaftlich bestätigt: Das Team von Sozialwissenschaftlern um Frank Mußmann und Thomas Hartwig von der Uni Göttingen hat nachgelegt. Nach den eindeutigen Ergebnissen der GEW Studie aus Niedersachsen, bei der die Wissenschaftler über das gesamte Schuljahr 2015/16 in einer schulartspezifischen Studie die Arbeitszeit der Lehrkräfte in den verschiedensten Kategorien akribisch erfasst und ausgewertet hatten, liegt nun eine neue, bundesweite Studie vor.

In dieser „Metastudie“ wurden 16 Studien, die zwischen 1960 und 2017 erarbeitet wurden, untersucht und die Ergebnisse zusammengetragen. Es verwundert nicht, dass alle Resultate zum selben Schluss führen: Die Arbeitszeit der Lehrkräfte ist wesentlich zu hoch!

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Schule Artikel Referendariat Junge Gymnasium Baden-Württemberg
news-14408 Wed, 20 Jun 2018 10:20:31 +0200 Für „lau“ oder „MAU“ ins Schullandheim? https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/fuer-lau-oder-mau-ins-schullandheim/ Schullandheime, Ausflüge und andere außerunterrichtliche Veranstaltungen sind für die Schülerinnen und Schüler die Krönung des Jahres – für Lehrkräfte leider aber auch eine deutliche Mehrbelastung, insbesondere für alle Teilzeitbeschäftigten. Nach Abitur und dem letzten Klassenarbeitsdurchgang kommen unweigerlich die Schullandheime, Ausflüge und andere außerunterrichtliche Veranstaltungen. Für die Schülerinnen und Schüler die Krönung des Jahres – für die Lehrkräfte aber auch eine deutliche Mehrbelastung, insbesondere für alle Teilzeitkräfte. Wir haben für Sie die wichtigsten Informationen zur Besoldung der Teilzeitkräfte bei außerunterrichtlichen Veranstaltungen zusammengestellt.

Im Schullandheim ist man voll im Dienst – und wie ist das mit der Besoldung?

Hier teilt sich die Welt des Lehrerzimmers in beamtete und angestellte Teilzeitkräfte. Arbeitnehmer/innen in Teilzeit stellen den Antrag, für die Dauer der fraglichen Veranstaltung als Vollzeitkraft bezahlt zu werden und bekommen anstandslos die volle Vergütung. Für die beamteten Kolleg/innen in Teilzeit gilt dies nach der Rechtsprechung der oberen Gerichte nicht. Nach dem „Alimentationsprinzip“ werden Beamte/innen nicht für eine bestimmte Leistung oder eine bestimmte Zeit bezahlt sondern so, dass sie sich frei von Existenzsorgen den Aufgaben ihres Amtes widmen können. Und diese schließen bei allen Lehrkräften außerunterrichtliche Veranstaltungen ein.

Aber einen Antrag kann man doch trotzdem stellen?

Natürlich kann eine beamtete Teilzeitkraft dies tun. Wird der Antrag dann (erwartungsgemäß) abgelehnt, so kann sie widersprechen. Ob daraus in Zukunft irgendwelche tatsächlichen Ansprüche erwachsen könnten ist nach der obergerichtlichen Rechtsprechung bis zum Bundesverfassungsgericht eher unwahrscheinlich. Durch Zufall (!) überwiesenes Geld sollte man allerdings nicht annehmen. Denn es ist nach geltender Rechtslage zu Unrecht (!) überwiesen worden und kann (und wird!) vom Land zurückgefordert werden.

Geht denn eine Abrechnung über MAU?

Teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte im Arbeitnehmerverhältnis werden auf Antrag bei ein- oder mehrtägigen außerunterrichtlichen Veranstaltungen so vergütet wie vergleichbare Vollbeschäftigte. Sie bekommen diese Tage also voll bezahlt. Das ist keine Vergütung von Mehrarbeitsunterricht (MAU), sondern Gleichstellung mit vergleichbaren Vollbeschäftigten.

Bei allen Teilzeitlehrkräften bezieht sich Mehrarbeit und auch die daraus resultierende Mehrarbeitsvergütung ausschließlich auf Unterricht, also nicht auf außerschulische Veranstaltungen (zum Beispiel Schullandheime, Ausflüge). Es ist hier eine Entlastung an anderer Stelle zu finden: Eine Bezahlung als MAU ist nach jetzigem Recht nicht vorgesehen.

Zu dem Thema gibt es eine gerichtliche Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes von 2004.

Aber die GEW hat doch einen Prozess um die Reisekosten gewonnen?

Dieser Prozess wurde in Bezug auf die nicht mehr ausreichenden Reisekostenpauschalen geführt und im Dezember 2017 in der ersten Instanz gewonnen. Jetzt ging das Land Baden-Württemberg allerdings in die nächste Instanz ...

Wir arbeiten daran, man darf auf das Endergebnis gespannt sein!

Doch selbst bei gewonnenen Prozessen ist unklar, ob und in wieweit die vielleicht erfolgende neue Regelung in die Vergangenheit übertragen wird.

Ein politisches Statement?

Teilzeitkräfte arbeiten strukturell zu viel und beamtete Teilzeitkräfte bei außerunterrichtlichen Veranstaltungen auch noch gratis. Dieser Zustand ist nicht hinnehmbar und muss der Landesregierung immer wieder deutlich gemacht werden. Es ist jedoch äußerst fraglich, ob sie sich davon beeindrucken lässt, dass Teilzeitkräfte einen derartigen (aus jetziger juristischer Sicht erfolglosen) Antrag stellen und daraufhin die rechtlichen Rahmenbedingungen verändert: Erfahrungsgemäß reagiert das Land allenfalls auf rechtskräftige Gerichtsurteile.

Aktivitäten dem Teilzeitfaktor anpassen!

Die oberen Gerichte betonen in ihren rechtskräftigen Urteilen, dass „Zeiten zusätzlicher Arbeit durch entsprechende Zeiten herabgesetzter Arbeit ausgeglichen werden“ müssten. Die Schulleitung muss also der beamteten Teilzeitkraft an anderer Stelle einen entsprechenden Ausgleich bieten und sie zum Beispiel anteilig weniger oft zu außerunterrichtlichen Veranstaltungen heranziehen. Das können und müssen Teilkräfte einfordern.

Mangel deutlich machen, Chancen auf Neueinstellungen unterstützen!

Außerdem wird nur, wenn der jeweilige Arbeitseinsatz dem jeweiligen Teilzeitfaktor angepasst ist, deutlich, dass Lehrkräfte an den Schulen fehlen und dass es notwendig ist, neue Lehrkräfte einzustellen. In diesem Jahr werden von circa 3.000 Bewerber/innen im Gymnasialbereich nicht einmal 1.000 Personen einen Arbeitsplatz bekommen: Die jungen, hochqualifizierten Gymnasialkolleg/innen sind da, wir nehmen ihnen die Einstellungschancen, wenn wir ihre Arbeit kostenlos erledigen. Oder eben mit der völlig unwahrscheinlichen Aussicht auf eine etwaige Mehrbezahlung im Einzelfall. Wir müssen den Mangel deutlich machen und ihn nicht zugunsten einer wohl eher nicht (!) kommenden vergleichsweise geringen Geldsumme verschleiern helfen.

Das sind wir unserer täglichen Überlastung UND den Bewerber/innen, die keine Stelle bekommen, schuldig.

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Schule Recht Artikel Gymnasium Baden-Württemberg
news-14201 Tue, 19 Jun 2018 09:40:00 +0200 Promotionsstipendien: Landesgraduiertenförderung wird um zwei Millionen gekürzt https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/promotionsstipendien-landesgraduiertenfoerderung-wird-um-zwei-millionen-gekuerzt/ Die Mittel für die Graduiertenförderung werden im Doppelhaushalt 2018/19 um zwei Millionen Euro gekürzt. Für Doktorand/innen bedeutet dies, dass jedes zehnte Stipendium wegfallen wird. Die GEW fordert, die Kürzungen zurückzunehmen. Wie im gesamten Bildungsbereich soll auch das Wissenschaftsministerium (MWK) seinen Anteil beisteuern, die gesetzlich verankerte Schuldenbremse einzuhalten – und das trotz der Mehreinnahmen von einer halben Milliarde Euro. Der auf den Wissenschafts- und Kunstbereich entfallende strukturelle Konsolidierungsbedarf betrug im Jahr 2017 48 Millionen Euro und weitere 46 Millionen Euro folgen ab diesem Jahr.

Aus diesem Grund wurden Studiengebühren für Nicht-EU Studierende und fürs Zweitstudium eingeführt. Die Rechnung ging nicht auf: die Einnahmen durch die Studiengebühren sind bei rückläufigen Bewerbungszahlen nicht so hoch wie erwartet, sodass jetzt eine Kürzung der Landesgraduiertenförderung aushelfen muss.

Bislang standen den Doktorand/innen 7,1 Millionen Euro für Stipendien zur Verfügung. Um zwei Millionen Euro werden im Doppelhaushalt 2018/19 die Mittel für die Graduiertenförderung gekürzt – zunächst im Jahr 2018 auf 5,8 Millionen Euro und im Jahr 2019 auf 5,1 Millionen Euro. Für Doktorand/innen bedeutet diese Kürzung, dass jedes zehnte Stipendium bei insgesamt 560 Promovierenden an 28 Graduiertenkollegs in Baden-Württemberg wegfallen wird.

Die GEW fordert das MWK auf, die Kürzungen bei der Landesgraduiertenförderung zurückzunehmen. Sie unterstützt die Onlinepetition „Für den Erhalt der Promotionsstipendien aus den Mitteln der Landesgraduiertenförderung“ und das Protestschreiben der Doktorand/innenkonvente. Zudem initiierte die GEW eine kleine Anfrage im Landtag zu diesem Thema über die SPD-Fraktion.

Bereits erteilte Stipendien bleiben bestehen

Für Doktorand/innen hat das MWK in der Vergangenheit einige gute Reformen und Qualitätssicherungs- und Partizipationsmaßnahmen umgesetzt: die verpflichtende Betreuungsvereinbarung zwischen Doktorand/in und Doktormutter/Doktorvater, die Doktorandenkonvente, sowie mit der aktuellen Novelle des Landeshochschulgesetzes den neu eingeführten und bundesweit einmaligen Status der Doktorand/innen. Das Wissenschaftsministerium versichert, dass für die bereits laufenden Förderungen Bestandschutz gelte und man nicht befürchten müsse, dass bereits erteilte Stipendien vorzeitig beendet werden.

Von der Graduiertenförderung profitieren vor allem Doktorand/innen der Geisteswissenschaften und der kleinen Fächer, denn Stipendien für den Bereich MINT kommen aus der Wirtschaft und Industrie. Ohne Forschungsvorhaben auf allen Gebieten der Wissenschaft, auch in den Geisteswissenschaften, ist langfristig weder im Bereich von Forschung und Lehre noch in der Wirtschaft Fortschritt und die Sicherung von Qualität denkbar.

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Studium Wissenschaft Artikel Baden-Württemberg
news-14158 Mon, 18 Jun 2018 15:45:00 +0200 Beförderungen für Technische Lehrkräfte nach A11/E10 in 2018 https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/befoerderungen-fuer-technische-lehrkraefte-nach-a11e10-in-2018/ Die Anzahl der Plätze für das Beförderungsprogramm im August 2018 beläuft sich in diesem Jahr auf 30. Wie das Beförderungsverfahren bei Technischen Lehrkräften genau abläuft, erfahren Sie hier. Die Anzahl der Plätze für das Beförderungsprogramm für Technische Lehrkräfte nach A11/E10 im August 2018 beläuft sich in diesem Jahr auf 30 Plätze, welche auf die einzelnen Regierungspräsidien aufgeteilt wurden (Stuttgart: 10, Karlsruhe: 10, Tübingen: 5, Freiburg: 5). Die Schulleitungen werden entsprechend aufgefordert, aktuelle Dienstliche Beurteilungen (nicht älter als ein Jahr) von den in Frage kommenden Kolleginnen und Kollegen zu erstellen.

Für die Beförderungsjahrgänge 2006 bis 2009 werden sehr gute bis gute Leistungen (1,5) benötigt, für die Jahrgänge 1996 bis 2005 mindestens gute Leistungen (2,0) und für die Jahrgänge 1995 und früher mindestens gute bis befriedigende (2,5) Leistungen.

Zum Beförderungsprogramm am 1. Februar 2018 gab es in Baden-Württemberg 60 Beförderungsmöglichkeiten für Technische Lehrkräfte nach A11/E10, welche auf die einzelnen Regierungspräsidien aufgeteilt wurden (Stuttgart: 19, Karlsruhe: 19, Tübingen: 11, Freiburg: 12).

Wie das Beförderungsverfahren genau abläuft

In Baden-Württemberg gibt es jährlich zwei Beförderungsprogramme für technische Lehrkräfte, mit der Möglichkeit der Beförderung nach A11 beziehungsweise der Höhergruppierung nach E10 (zur Technischen Oberlehrer/in). Diese werden jeweils zum 1. Februar und zum 1. August vollzogen.

Ob eine Lehrkraft an einem Beförderungsverfahren teilnehmen kann hängt vom Beförderungsjahrgang ab, welcher zum Zeitpunkt des Beförderungsprogrammes eröffnet ist. Der Beförderungsjahrgang einer Lehrkraft entspricht in der Regel dem Zeitpunkt der Verbeamtung.

Lehrkräfte im Arbeitnehmerverhältnis, welche die fachlichen und pädagogischen Voraussetzungen erfüllen (sogenannte „Erfüller“) nehmen ebenfalls an den Beförderungsprogrammen teil. Bei ihnen wird eine Vergleichsberechnung durchgeführt und ein fiktiver Beförderungsjahrgang festgelegt. Genau Auskünfte zum Beförderungsjahrgang kann das Regierungspräsidium erteilen.

Den einzelnen Beförderungsjahrgängen sind Noten (Mindestleistungen) zugeordnet, welche erreicht werden müssen, um die Möglichkeit einer Beförderung zu erhalten. Wenn es anhand der dienstlichen Beurteilungen mehr geeignete Bewerber/innen als zur Verfügung stehende Beförderungsstellen gibt wird eine Auswahl durchgeführt, bei welcher die Bezirkspersonalräte beteiligt werden.

Dabei erhalten die Bewerber/innen mit den besseren Leistungen den Vorzug. Frühere Beförderungsjahrgänge werden bei schlechterer Leistung in der Regel später berücksichtigt (Leistung vor Beförderungsjahrgang).

Das Kultusministerium legt in Abstimmung mit dem Hauptpersonalrat fest, welche Beförderungsjahrgänge geöffnet sind und welche Notenvoraussetzung zugrunde gelegt wird. Diese werden regelmäßig in den Rundschreiben der Bezirks- und Hauptpersonalräte veröffentlicht, diesen kann auch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Beförderungsstellen entnommen werden.

Ist eine Technische Lehrkraft im Beförderungsjahrgang wird die Schule angeschrieben und aufgefordert, eine aktuelle dienstliche Beurteilung zu erstellen. Die Lehrkraft kann auf die Teilnahme am Beförderungsverfahren (zum Beispiel aufgrund besonderer Lebensumstände) bis auf weiteres verzichten.

Zu beachten ist dann, dass die Lehrkraft zu gegebener Zeit von sich aus, wenn sie zukünftig an dem Beförderungsverfahren teilnehmen möchte, dies dem Regierungspräsidium über die Schulleitung mitteilt.

Kommt eine/r Bewerber/in nicht zum Zug, so läuft die Teilnahme an zukünftigen Beförderungsprogrammen automatisch weiter. Dabei ist zu beachten, dass die dienstliche Beurteilung nicht älter als ein Jahr ist. Es müssen in der aktuellen Beurteilung die dienstlichen Aufgaben und Leistungen aus dem vergangen Jahr berücksichtigt werden.

Für eine Erneuerung der dienstlichen Beurteilung ist ein erneuter Unterrichtsbesuch nicht zwingend vorgeschrieben. Dies liegt im Ermessen der Schulleitung, wobei seitens der örtlichen Personalvertretung auf eine Gleichbehandlung im Kollegium zu achten ist.

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Artikel Technische Lehrer/innen Baden-Württemberg
news-14339 Mon, 11 Jun 2018 16:27:25 +0200 Beteiligung älterer Menschen in der Kommune https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/beteiligung-aelterer-menschen-in-der-kommune/ Am 4. Juli 2018 findet in Waldkirch der 33. Landesseniorentag unter dem Motto „Wir mischen mit – Ältere in der Kommune“ statt. An dem Tag können sich ältere Menschen über die Themen Beteiligung und bürgerschaftliches Engagement informieren. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg ist seit dem 7. März 2018 Mitglied im Landesseniorenrat.

Am 4. Juli 2018 findet in Waldkirch der 33. Landesseniorentag unter dem Motto „Wir mischen mit – Ältere in der Kommune“ statt. In Baden-Württemberg gibt es 1.101 Kommunen und davon sind noch viele ohne Seniorenvertretung. Diese Veranstaltung ist eine gute Gelegenheit, sich über das Thema Beteiligung älterer Menschen und bürgerschaftliches Engagement zu informieren.

Die Beteiligung älterer Menschen in der Kommune ist Thema des diesjährigen Landesseniorentages.

Ältere Menschen sind aktiv wie nie zuvor. Sie wollen in ihrer Kommune mitentscheiden und mitgestalten. Die 42 Seniorenräte in den Landkreisen und kreisfreien Städten sowie die rund 180 Orts- und Stadtseniorenräte in Baden-Württemberg leisten ihren Beitrag dazu, älteren Menschen Gehör zu verschaffen.

Seniorenräte sind eine Form des bürgerschaftlichen Engagements. Sie wirken aktiv an der Gestaltung des Gemeinwesens mit. Sie sehen sich nicht nur als Sachverwalter der eigenen Belange, sondern setzen sich für alle Generationen ein und fördern das Engagement der älteren Menschen.

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Mitglieder 60+ Artikel Baden-Württemberg
news-13939 Thu, 07 Jun 2018 10:24:00 +0200 In nur 3 Schritten die GEW-Forderung „100% Reisekosten im REF“ unterstützen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/in-nur-3-schritten-die-gew-forderung-100-reisekosten-im-ref-unterstuetzen/ Im geplanten Landesreisekostengesetz ist immer noch die Begrenzung der Reisekostenerstattung für Referendarinnen und Referendare auf 50 Prozent vorgesehen. Die GEW fordert die Erstattung der vollen Reisekosten im Referendariat. Mach mit! Im Entwurf zur Novellierung des Landesreisekostengesetzes ist immer noch die Begrenzung der Reisekostenerstattung für Referendar/innen auf 50 Prozent grundsätzlich vorgesehen. Die Ministerien (Kultusministerium, Sozialministerium, Wissenschaftsministerium ...) sollen jedoch in begründeten Fällen auch die vollen Reisekosten zahlen können. Das wäre immerhin ein Anfang.

Leider droht die geplante Reform nun aber am Widerstand von CDU und Grünen und dem Kultusministerium zu scheitern.

Die GEW fordert die Erstattung der vollen Reisekosten für die Referendar/innen. Sie bekommen nur ein Ausbildungsgehalt, müssen aber auf der Straße, in Bus und Bahn den vollen Preis zahlen.

100% Reisekosten im REF – damit am Ende vom Monat noch Geld für Kino und Kneipe übrig ist

Mach mit:

  1. Unterschriftenliste (PDF) ausdrucken!
  2. Am Seminar Kolleg/innen informieren und unterschreiben lassen!
  3. Bis zum 15. Juni 2018 an die GEW zurückschicken!
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Studium Schule LehrerInnenbildung Artikel Referendariat Junge Gymnasium Baden-Württemberg
news-14317 Wed, 06 Jun 2018 16:29:01 +0200 GEW tritt für Mädchenarbeit ein https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-tritt-fuer-maedchenarbeit-ein/ Die Landespersonengruppe Frauen der GEW Baden-Württemberg ist ein Mitglied der ersten Stunde der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik. Dafür wird die GEW-Frauengruppe jetzt als Mitglied des Monats gewürdigt. Die Landespersonengruppe Frauen der GEW Baden-Württemberg ist ein Mitglied der ersten Stunde der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Mädchenpolitik. Das langjährige Engagement der GEW wird aktuell auf der Website der LAG gewürdigt. Dort wird die GEW-Frauengruppe als Mitglied des Monats vorgestellt.

Engagiert in der Diskussion um geschlechtergerechte Pädagogik hat die damalige Landesfachgruppe Frauenpolitik in der aktiven Zeit von Anne Jenter und Dorothee Wetzel die LAG Mädchenpolitik mit auf den Weg gebracht. Dorothee Wetzel war auch aktiv im Netzwerk Frauen und Schule und wurde nach Einführung des Landesgleichberechtigungsgesetzes eine der ersten Frauenvertreterinnen für den Schulbereich an einem Regierungspräsidium.

Das Beispiel der Kollegin Dorothee Wetzel zeigt in hervorragender Weise, wie Aktive in der GEW-Frauenpolitik den Zusammenhang zwischen Mädchenarbeit und dem Eintreten für Frauenrechte in Bildungsberufen sehen und beides voranzubringen suchen.

GEW-Mitgliedsfrauen, die sich für Mädchenarbeit interessieren, sind in den Arbeitszusammenhängen der GEW-Frauenpolitik herzlich willkommen und am richtigen Platz. Bei Interesse an Mitarbeit und Vernetzung freut sich die Leitung der GEW-Frauenpolitik über eine Mail oder einen Anruf.

Wer die LAG Mädchenpolitik als Einzelperson unterstützen möchte, kann dies auch als Einzelmitglied ohne Stimmrecht tun. Wer aktiv mitarbeiten möchte, kann die GEW in der LAG Mädchenpolitik in Vertretung der Landespersonengruppe Frauenpolitik vertreten. Voraussetzung dafür, ist bei der nächsten GEW-Wahl im Herbst 2019 zu kandidieren.

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Bildung & Geschlecht Gleichstellung Artikel Baden-Württemberg
news-14232 Mon, 04 Jun 2018 14:00:00 +0200 Aktionszeitraum „lerntRÄUME gestalten“ vom 4. bis 22. Juni 2018 https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/aktionszeitraum-lerntraeume-gestalten-vom-4-bis-22-juni-2018/ Die zum Teil maroden Gebäude von Bildungseinrichtungen müssen modernisiert und saniert sowie Neubauten konzipiert werden, sodass sie zeitgemäßen Vorstellungen guter Bildung entsprechen. Eine Mitgliederbefragung und Schulbesuche stehen an. Die Aula ist wegen Einsturzgefahr gesperrt. Es regnet mal wieder durch das Flachdach. Schadstoffe, Feinstaub, Schimmel und Lärm verursachen gesundheitliche Beschwerden. Gutes Lernen aber braucht ein gesundes bauliches Umfeld. Die Beseitigung von offensichtlichen Baumängeln kann daher nur der Anfang sein!

„lerntRÄUME gestalten“! Das heißt, die zum Teil maroden Gebäude von Bildungseinrichtungen zu modernisieren und sanieren sowie Neubauten zu konzipieren, sodass sie zeitgemäßen Vorstellungen guter Bildung entsprechen. Für heute, aber auch die nächsten Jahrzehnte.

Im Rahmen der Initiative „Bildung. Weiter denken!“ findet vom 4. bis 22. Juni 2018 der Aktionszeitraum „lerntRÄUME gestalten“ statt.

Im Aktionszeitraums besuchen die Landesvorsitzende Doro Moritz, die Bezirksvorsitzende von Südbaden Sandrina Vogt und die GEW-Kreise Schulen in Heilbronn und Freiburg, die sich in einer schwierigen baulichen Situation befinden und die sich Sanierungen und Umbauten wünschen.

Außerdem wird die GEW gemeinsam mit der Unterstützung durch Mauss Research eine bundesweite repräsentative Mitgliederbefragung durchführen. Ziel ist es, mehr über den aktuellen Zustand und das Verbesserungspotential der Gebäude und Ausstattung von Bildungseinrichtungen zu erfahren.

Mit den Lernorten sind auch die Themen Arbeits- und Gesundheitsschutz eng verknüpft. Deshalb schult die GEW Baden-Württemberg ihre Personalräte am 20. Juni 2018.

Lernorte weiter denken

Moderne Lernformen, der Ausbau von Ganztagseinrichtungen und Inklusion schaffen zusätzliche Anforderungen an Gebäude und Ausstattung. Allen Bildungsbeteiligten sollte Raum gegeben werden, sich weiterzuentwickeln.

Dazu braucht es Lernorte für große, aber auch kleine Gruppen, für unterschiedliche Lernformen, Leseecken, Rückzugsmöglichkeiten und Aufenthaltsräume, aber auch Räume für alle Fachkräfte zur Vorbereitung, zum Austausch und zum Ausruhen. Und Ganztag kann nur mit einer Mensa klappen, die groß genug ist und gesundes Essen für alle anbietet. Er braucht ein spezielles Raumkonzept. So aber sieht die Realität aktuell leider nicht aus!

Nachholbedarf und Handlungsdruck bestehen auch bei der Digitalisierung. Sie muss ebenfalls vom pädagogischen Anspruch her gedacht werden: Nicht Laptops und Whiteboards um ihrer selbst willen sind die Lösung aller Probleme, sondern die Anschaffung der „Hardware“, die die moderne Pädagogik tatsächlich benötigt.

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Bildung weiter denken Artikel Baden-Württemberg
news-10042 Thu, 24 May 2018 15:00:00 +0200 Kostenlose Hotline der GEW: Beratung zur Lehrereinstellung https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kostenlose-hotline-der-gew-beratung-zur-lehrereinstellung/ Wie stehen die Chancen für eine Einstellung? Welche Termine, Verfahren und Verträge gibt es? Welche Auswahlkriterien (z.B. Fächer, Region, Leistung, etc.) werden zugrunde gelegt? Fragen über Fragen und von der GEW gibt’s kompetente Antworten! Schule Artikel Referendariat Junge Baden-Württemberg news-14179 Fri, 18 May 2018 08:00:00 +0200 Datenschutz: Auf was Lehrer in Zukunft achten müssen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/datenschutz-auf-was-lehrer-in-zukunft-achten-muessen/ Mit der EU-Datenschutzgrundverordnung kommen am 25. Mai 2018 zahlreiche neue Pflichten auf Bildungseinrichtungen zu. Das Land unterstützt die Schulen und Lehrkräfte immer noch zu wenig. Wir zeigen, worauf es ankommt. Am 25. Mai 2018 tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) in Kraft. Sie gilt für alle Personen, Behörden oder sonstigen Stellen, die personenbezogene Daten verarbeiten – auch für die Schulen. 

Die EU-DSGVO enthält eine Reihe von Regelungen, die deutlich über die bisherigen Anforderungen des Landesdatenschutzgesetzes hinausgehen. Die Landesregierung unterstützt die
Schulen zu wenig.

Die Schulen sind datenschutzrechtlich verantwortliche Stellen. Sie bekommen viele neue Pflichten:

  • Sie sind dafür verantwortlich, dass die Verarbeitung personenbezogener Daten rechtmäßig erfolgt und die erforderlichen Datenschutzmaßnahmen getroffen werden.
  • Sie müssen ein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten führen. Dabei geht es um jede Verarbeitung von Daten, die ganz oder teilweise automatisiert erfolgt oder die personenbezogene Daten in Dateisystemen speichert.
  • Wenn eine Schule Daten verarbeitet, so dass voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen, insbesondere bei der Verwendung neuer Technologien, besteht, muss sie vorab eine Abschätzung der Folge der geplanten Verarbeitungsvorgänge für den Schutz personenbezogener Daten durchführen (Datenschutz-Folgeabschätzung).
  • Im Fall einer Datenschutzpanne müssen Schulen grundsätzlich den Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit informieren und oft auch die Betroffenen benachrichtigen.
  • Sie müssen geeignete technische und organisatorische Maßnahmen für eine datenschutzkonforme Verarbeitung treffen.
  • Die Schulen müssen sicherstellen, dass die an den Schulen tätigen Personen personenbezogene Daten nur auf Anweisung der Schule verarbeiten. Dazu sind insbesondere die Lehrkräfte regelmäßig datenschutzrechtlich zu sensibilisieren und zu schulen beispielsweise im Umgang mit IT-Ausstattung.
  • Für jede öffentliche Schule muss ein behördlicher Datenschutzbeauftragter benannt sein. Die Aufgabe des Datenschutzbeauftragten für Schulen wird durch Personen in der jeweils zuständigen Aufsichtsbehörde (Staatliches Schulamt/Regierungspräsidium) wahrgenommen.

Land verweigert zusätzliche Ressourcen

Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist klar, dass weder die Schulleitungen, noch die behördlichen Datenschutzbeauftragten an den Staatlichen Schulämtern (Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren) und Regierungspräsidien (Berufliche Schulen und Gymnasien) diese Anforderungen unter den derzeitigen Voraussetzungen erfüllen können.

Seit zwei Jahren ist klar, dass die EU-DSGVO im Mai 2018 in Kraft treten wird. Trotzdem hat die Landesregierung für die neuen Aufgaben keine zusätzlichen Ressourcen bereitgestellt. Es ist für die GEW vollkommen inakzeptabel, dass ein Gesetz mit so umfangreichen Folgen für die Schulaufsichtsbehörden, Schulleitungen und Lehrkräfte kostenneutral umgesetzt werden soll.

Das hat die GEW auch gegenüber Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann deutlich gemacht. Wir fordern, dass

  • an den Staatlichen Schulämtern und Regierungspräsidien zusätzliche Stellen geschaffen und mit qualifizierten Personen besetzt werden,
  • Schulleiter/innen, die für den Datenschutz an der Schule verantwortlich sind, zeitliche Ressourcen und Mustertexte erhalten, damit sie dieser Verantwortung gerecht werden können,
  • für Schulleiter/innen und Lehrkräfte praxisnahe Fortbildungsangebote angeboten werden,
  • die IT-Ausstattung an Schulen ausgebaut wird, damit Lehrkräfte bei der Verarbeitung personenbezogener Daten keine privaten Geräte nutzen müssen.

Pflicht zur Remonstration

Laut § 36 Beamtenstatusgesetz tragen Beamtinnen und Beamte für die Rechtmäßigkeit ihrer dienstlichen Handlungen die volle persönliche Verantwortung. Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit dienstlicher Anordnungen müssen Beamt/innen unverzüglich auf dem Dienstweg melden (siehe auch Remonstrationsrecht, GEW-Jahrbuch 2018, Seite 653).

Das Kultusministerium hat zahlreiche und umfangreiche Handreichungen für den Umgang mit den neuen Regelungen erstellt. Aber die Schulleitungen können ihre datenschutzrechtliche Verantwortung nur auf Grundlage dieser Handreichungen nicht übernehmen. Auch die behördlichen Datenschutzbeauftragten an den Staatlichen Schulämtern und Regierungspräsidien sind mit ihrer Aufgabe angesichts der vielen Schulen überfordert. Aus Sicht der GEW ist es deshalb angebracht, gegen diese Maßnahme zu remonstrieren. Wer Fragen hat oder Unterstützung braucht, kann sich an die GEW-Mitglieder in den Örtlichen Personalräten oder die Bezirksgeschäftsstellen der GEW wenden.

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Schule GEW Artikel b+w Baden-Württemberg
news-14205 Thu, 17 May 2018 12:42:41 +0200 Gelungen! Bildungspläne zu Informatik und IMP https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gelungen-bildungsplaene-zu-informatik-und-imp/ Die Bildungspläne für Informatik und das Wahlpflichtfach IMP sind aus Sicht der GEW gelungen. Die Ausweitung des Fachs Informatik auf alle Schularten und Klassenstufen bietet eine gute Grundlage für das Lernen. Zu tun bleibt dennoch eine Menge. Schule Bildungsqualität Artikel Ausbildung Hauptschule Gemeinschaftsschule Gymnasium Realschule Baden-Württemberg news-14176 Thu, 17 May 2018 09:22:00 +0200 Vorbereitungsklassen: Für diese Menschen ändert sich alles https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/vorbereitungsklassen-fuer-diese-menschen-aendert-sich-alles/ Die Lehrerin Gülay Iscan-Pilic hat acht Jahre lang Kinder mit Migrationshintergrund unterrichtet. Sie beschreibt ihre Erfahrungen – und verrät, wie Integration gelingen kann. Acht Jahre lang unterrichtete Gülay Iscan-Pilic in Vorbereitungsklassen. Ihr eigener Migrationshintergrund schien sie dafür zu prädestinieren. Zunächst sträubte sie sich gegen diese Zuschreibung, entdeckte aber, dass sie Erwartungen und Ängste schneller verstand. Sie beschreibt ihre Erfahrungen und regt an, immer wieder die Perspektive zu wechseln. So könnte Integration gelingen.

Dass ich vor acht Jahren eine Vorbereitungsklasse (VKL) übernahm, hatte nichts mit meinem Migrationshintergrund zu tun. Ich hatte eine Fortbildungsreihe besucht und wollte das, was ich gelernt hatte, praktisch umsetzen. Verschiedenen Personen sagten dann zu mir: „Du bist wie geschaffen für diese Arbeit.“ Oder: „Durch deine Zweisprachigkeit bist du perfekt für diese Kinder“. Türkisch/kurdischer Abstammung zu sein, prädestinierte mich also dafür, italienische, polnische, rumänische, syrische und irakische Kinder nicht nur zu einer Gruppe zusammenzubringen, sondern sie auch noch professionell zu unterrichten. Es schien keine Rolle zu spielen, dass ich mich bis dahin nie mit Zweitspracherwerb auseinandergesetzt hatte.

Ich war überzeugt, dass jede andere Lehrerin, jeder andere Lehrer, die Vorbereitungsklasse genauso gut oder schlecht unterrichten könnte wie ich, wenn er/sie bereit wäre, sich darauf einzulassen. Doch mit der Zeit lernte ich, wie wichtig meine Migrationsgeschichte tatsächlich für meine pädagogische Arbeit war.

Ohne es böse zu meinen, wird die Arbeit in den Vorbereitungsklassen von einem großen Teil der Schulgemeinschaft noch immer als eine nicht vollwertige und anstrengende Arbeit angesehen. Immer noch finden sich selten Freiwillige, die diese Arbeit übernehmen möchten. Sie denken an eine Gruppe wilder Kinder, deren Eltern sich eigentlich nicht für Schule interessieren. Nach über vierzig Jahren Migration hat sich das Bild gehalten, es scheint unabänderlich in den Köpfen der Gesellschaft verankert.

Mein erster Schritt war es daher, das Bild über die Eltern zu verändern. Immer wieder schwärmte ich vor, wie angenehm und fruchtbar die Zusammenarbeit mit den Eltern sei. Das entsprach den Tatschen, führte aber zu allgemeiner Verwunderung. Der Verwunderung folgte eine klare Diagnose: „Ja, diese Eltern sind eben dankbar für alles, was man für sie tut, nicht wahr?“ Auch das galt es zu revidieren. Selbstverständlich waren sie dankbar. Aber nicht darüber, dass man etwas für sie tat, sondern weil 90 Prozent der Eltern Bildung wichtig war und sie froh darüber waren, dass jemanden ernsthaft über die schulische Zukunft ihrer Kinder nachdachte. Es ging darum, über die VKL hinaus Perspektiven und Ziele aufzuzeigen. Die Arbeit in der VKL bedeutet immer, in die Zukunft zu sehen.

Noch war niemand bereit, die Kinder als das zu sehen, was sie waren: Nämlich ganz normale Kinder – nur ohne die gängige Verkehrssprache. Sprachlosigkeit wurde leider oft mit mangelnder Intelligenz gleichgestellt.

Integrationsfördernde Haltung

„Das ist eine Frage der Haltung“, lautet der Abschluss jeder Sitzung, die sich mit der pädagogischen Arbeit in Vorbereitungsklassen auseinandersetzt. Doch häufig wird darunter eine allgemeine Freundlichkeit verstanden. Eine positive, integrationsfördernde Haltung erreicht man als Pädagogin und Pädagoge aber nicht, indem man Migranten freundlich behandelt. Dann ist man ein freundlicher Mensch, eine gute Seele, eine hilfsbereite Person. Eine positive Haltung entwickelt sich erst, wenn man auch Verantwortung übernimmt, Integration als Aufgabe erkennt und danach handelt.

Neben all dem Verständnis bedeutet Haltung vor allem eins: aktiv zu werden. Dinge zu tun, die getan werden müssen. Das kann bedeuten, Hausbesuche zu machen, das kann aber auch bedeuten, mit der Familie zum Turnverein zu gehen, um das Kind anzumelden. Dann und nur dann kommen die Menschen tatsächlich an.

Erster Kontakt stellt Weichen für gelungene Integration

Die Schule ist die erste Institution, mit der die eingewanderten Familien in Deutschland direkt und persönlich in Kontakt treten. Vor der Schule sind die Familien meist ein Aktenzeichen. Eingebettet in eine anonyme Masse. In der Schule bekommt er oder sie ein Gesicht, einen Namen und eine eigene Geschichte. Wer vorher das Abbild eines scheinbar homogenen Kulturkreises war, entpuppt sich zum ersten Mal als Mensch.

Vor allem der erste Schultag ist eine Herausforderung. In erster Linie für den Ankommenden. Man steht in einem fremden Gebäude, klopft an eine fremde Tür, um das Kind dort abzugeben, in der eine Sprache gesprochen wird, der man selbst nicht mächtig ist.

Mut machen, wenn das Kind verzweifelt! Wichtig werden dann die vielen Informationen, die wir als Lehrerinnen und Lehrer bestrebt sind loszuwerden, damit „alles gut klappt“. Doch wir müssen den Familien erst einmal Sicherheit vermitteln. Es ist unsere allererste Aufgabe, ihnen in einer schwierigen Zeit beizustehen und ihnen ihre Ängste zu nehmen. Es hilft:

  • Wenige und übersichtliche erste Informationen geben.
  • Die Materialliste überschaubar halten.
  • Sich möglichst einen ersten Überblick verschaffen: Gibt es Geschwisterkinder? Haben sie einen Kindergartenplatz? Haben die Eltern schon einen geeigneten Kinderarzt aufgesucht? Braucht die Familie eine ergänzende Betreuung?

Bis die Menschen bei uns ankommen, haben sie eine Fülle von Ängsten angesammelt. Zu jeder Lebensphase übernimmt eine bestimmte Angst das Kommando. Doch eine liegt existenziell allen Ängsten zugrunde: Die Angst um die Sicherheit der Familie. Wenn dieses Grundgerüst einmal ins Wanken geraten ist, dann wird es viel Arbeit kosten, es wiederherzustellen. Wichtig ist, dass die Eltern sich wirklich mit ihren Ängsten angenommen fühlen. Jede Form von zu schnellem Handeln kann Rückschritte zur Folge haben.

Eine gravierend andere Lebenslage

Immer wenn wir mit den Eltern sprechen, sollten wir ihnen von Mensch zu Mensch begegnen. Vor jedem Gespräch sollte man sich bewusst machen, aus welcher Rolle heraus wir das Gespräch führen. Selbstverständlich sind wir in erster Linie in der Lehrerrolle, aber es schwingt immer noch etwas mit. Der gut situierte, auf Ordnung bedachte europäische Mensch. Auch wenn wir uns noch so sehr bemühen, haben wir unbewusst immer den Wunsch, die Eltern mögen sich an unsere Ratschläge halten. Allein das führt zu einem Ungleichgewicht zwischen den Gesprächspartnern. Viele Eltern unserer VKL-Schüler/innen befinden sich in einer so gravierend anderen Lebenslage, dass wir immer wieder versuchen sollten, aus deren Lebenswirklichkeit heraus zu beraten.

Lassen wir den Kindern ihre Muttersprache. Kinder müssen die Welt in ihrer Sprache verstehen. Die Übersetzung schaffen sie dann selbst. Zu Beginn meiner Arbeit in der Vorbereitungsklasse gab es sowohl im Kollegium als auch in anderen Kontexten immer einen besonderen Diskussionspunkt: Welche Sprache wenden wir an? Die Einsicht, dass man die Muttersprache nicht einfach abkapseln kann und diese einen wichtigen Teil des Menschen ausmacht, dauerte Jahre. Immer wieder wurde beraten, ob es sinnvoll wäre, auf dem gesamten Schulgelände die Muttersprache zu verbieten. Das Ziel: Das Festigen der deutschen Sprache bei allen Schülern.

Der Theorie zufolge bewegen sich die Kinder zu wenig im deutschsprachigen Raum. Das stimmt. Also fördern wir durch das Verbot der Muttersprache die Entwicklung der deutschen Sprache. Das stimmt nicht. Gegen ein Verbot sprechen folgende Argumente:

  • Die Gelegenheiten, in denen in der Schule die Muttersprache gesprochen werden kann, sind verschwindend gering. Das kann nicht die Ursache für das Fehlen der deutschen Sprache sein.
  • Es gibt Gelegenheiten, in denen die emotionale Sprache eines Menschen wichtig ist. Diese Momente sind nicht rational zu steuern. Deshalb ist es unsinnig, ein solches Verbot auszusprechen.
  • Verbieten wir Menschen ihre emotionale Sprache, dann fehlt ihnen ein wichtiges Stück ihrer Identität.
  • Die Welt kann in vielen Sprachen begriffen werden. Und auf dieses Begreifen kommt es an.

Es geht nicht darum, dass die Muttersprache die deutsche Sprache überschattet. Es fehlt das Erfahren der Welt grundsätzlich. Wenn einem Kind das Bild fehlt, so fehlt auch das Wort.

Unsere Aufgabe ist, ihnen das Erleben in deutscher Sprache zu ermöglichen, aber ihnen auch immer wieder die Möglichkeit zu geben, durch (eigene) Übersetzungen in der Muttersprache die Welt zu begreifen.

Respekt vor dem kulturellen Ursprung

Als 2015 viele Geflüchtete zu uns kamen, führte ich viele Gespräche mit Menschen, die zum Teil keinen persönlichen Kontakt zu Flüchtlingen hatten. Während all der Gespräche wurde eines immer wieder deutlich: Die Angst vor Überfremdung war so groß, dass der Übergang in unser gesellschaftliches Wertesystem möglichst nahtlos vonstattengehen sollte. Motto: „Wir sollten uns gleich darum kümmern, damit der Orient sich gar nicht erst festsetzen kann.“

Aber es darf bei unseren Bemühungen um die Integration der Schülerinnen und Schüler nie darum gehen, das Wertesystem der Familien zu kritisieren oder gar zu unterwandern. Jedes Wertesystem ist aus dem Leben heraus entstanden. Weder können wir uns ihr Leben vorstellen, noch ist es für unser Gegenüber ersichtlich, aus welchem Leben heraus unsere Werte entstanden sind. Wir sollten daher von voreiligen Schritten absehen und Respekt vor dem kulturellen Ursprung der Familien haben.

Die Werte, nach denen wir selbst handeln und von denen wir möchten, dass auch Migrantinnen und Migranten sie übernehmen, haben wir uns einverleibt, weil sie uns vorgelebt wurden. Die Menschen, die zu uns gestoßen sind, brauchen Zeit, all dies zu begreifen, es zu erleben, um dann völlig autonom zu entscheiden, was davon sie übernehmen möchten. Ihre Prioritäten können anders ausfallen, als sie für uns ausfallen würden. Die Geschwindigkeit, mit der Entwicklung stattfindet, wird höchstwahrscheinlich nicht in dem Sinne sein, wie wir es uns wünschen. Genau darauf sollten wir uns einstellen, weil diese Menschen etwas ganz Fundamentales vollbringen: Sie ordnen ihr gesamtes Leben neu.

Bekannte Strukturen geben Sicherheit

Wenn Menschen quer durch Europa kommen und Kontinente überqueren, ist das Letzte, woran sie denken, die ideelle Ebene des Wechselns. Es ist nur logisch, dass sie sich an ihre engste und bekannteste Struktur halten: Die Familie. Das, was für uns wie Stagnation aussieht, ist das Streben nach Sicherheit. Es muss einen engen Kreis geben, in dem sich die Menschen sicher und geborgen bewegen dürfen, in dem sich nichts verändert. Sonst verändert sich für diese Menschen alles.

Die Einführung in ein neues System sollte behutsam erfolgen. Sonst kann es passieren, dass die Familien überfordert sind und sich ganz ins Private zurückziehen. Das erste Ziel sollte daher sein, dass die Kinder regelmäßig in die Schule kommen. Können wir die Kinder im Bildungssystem halten, steigen die Chancen, dass sich auch die Strukturen der Familie verändern. Auch wenn diese Chance zunächst nicht vielversprechend aussieht, wirkt jeder noch so kleine Prozess irgendwann auf die Familie.

Oft werde ich gefragt: „Warum passiert nichts, wo ich doch schon mehrfach betont habe, wie gut das für das Kind wäre? Darauf kann ich nur antworten: „Weil wir ihnen das Recht auf eigene Erfahrung nicht absprechen dürfen.“ Was wir täglich unseren eigenen Kindern zusprechen, nämlich hinzufallen, um dann wieder aufzustehen, sprechen wir diesen Menschen ab. Manchmal müssen tatsächlich die ersten Kinder scheitern, bevor Veränderung stattfinden kann. Wir können dann nur, auch wenn es schwer fällt, zusehen. Menschen verändern nur, wenn sie erleben, dass es tatsächlich einer Veränderung bedarf. Das dauert.

Die Gesellschaft akzeptiert nur, was deutlich sichtbar ist. Eltern nehmen Themen von der Schule mit nach Hause, sie denken darüber nach, sprechen darüber, entscheiden vielleicht nicht immer und nicht sofort in unserem Sinne. Aber das Thema existiert in der Familie, sobald ich es ausspreche. Wir neigen dazu, Erfolge immer an Ergebnissen festzumachen und wenn das Ergebnis nicht unseren Wünschen entspricht, ärgern wir uns oder geben auf, anstatt freundlich, bestimmt und akzeptierend immer wieder neu anzusetzen. In dem Wissen, dass alles sich entwickeln muss, dürfen wir den Kontakt zur Familie nicht verlieren.

Fußballer in den Fußballverein

In meinem Bemühen, Kinder möglichst schnell ankommen zu lassen, wurde mir klar, dass dies unmöglich geschehen kann, wenn sich die Kinder und Eltern der Vorbereitungsklassen nicht mitten unter uns bewegen. Das Freizeitverhalten in unserer Gesellschaft ist kodiert, die Informationen hierzu nicht jedem gleichermaßen zugänglich. Es sind vielmehr Insiderinformationen. Deshalb beschloss ich relativ bald, die Freizeitaktivtäten der Kinder mit den Eltern gemeinsam zu organisieren. Die Fußballer/innen sollten in den Fußballverein, die Turner/innen in den Turnverein, die Musiker/innen in den Musikverein. Das stellte sich als schwieriger heraus, als gedacht. Eine Anmeldung im Schwimmverein konnte nur online durch viel Suchen erreicht werden. Der Musikverein hatte mehrere Gruppen, die Fußballvereine waren überfüllt.

Für eine einzige Anmeldung im Fußballverein musste ich mehrfach telefonieren und E-Mails schreiben. Alles auf Deutsch. Als dann alles abgesprochen, die Trainingszeiten geklärt und die Uhrzeiten aufgeschrieben waren, wusste die Familie nicht, wie sie hinkommen sollte. Also ging ich mit.

Wenn wir die migrierten Familien ernsthaft im System haben möchten, müssen wir die Kinder außerhalb der Schule in Freizeitaktivitäten unterbringen. Es ist daher einer der wichtigsten Bausteine meiner VKL-Arbeit. Denn die wenige Zeit, die sie in der Schule verbringen, reicht nicht aus, um ausreichend Deutsch zu sprechen. Eine wirkliche Integration erfordert entsprechende Strukturen und Unterstützung für diejenigen, die im wirklichen Leben dafür arbeiten.

In der Vorbereitungsklasse leisten wir fachlich und gesellschaftlich all die Arbeit, über die andere nur sprechen. Mehr als einmal habe ich erlebt, wie sich Biografien verändern, wenn man bereit ist, den Mensch zu sehen und nicht nur den Schüler, die Schülerin.

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Schule GEW Migration Artikel Zeitschrift b+w Baden-Württemberg
news-14195 Wed, 16 May 2018 17:53:23 +0200 Aktive GEW-Mitglieder sind Basis für Erfolg https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/aktive-gew-mitglieder-sind-basis-fuer-erfolg/ Die Vorsitzende der Landespersonengruppe Fachlehrkräfte und Technische Lehrkräfte, Angelika Kistner, hat bei zahlreichen Kreisveranstaltungen betont, wie wichtig aktive Mitglieder für erfolgreiche gewerkschaftliche Arbeit sind. Die GEW-Kreise Böblingen, Rottweil, Sigmaringen und Zollernalb haben im April und Mai die Fachlehrkräfte und Technischen Lehrkräfte (FL/TL) zu Informationsveranstaltungen eingeladen. Zahlreiche Lehrkräfte nahmen daran teil.

Angelika Kistner, Vorsitzende der Landespersonengruppe FL/TL referierte zu den Themen Aktuelles aus der Politik – Gespräch mit der Kultusministerin, Beförderungen, Funktionsstellen, Aufstiegslehrgang und angedachte Perspektiven. Die Anwesenden stellten Rückfragen und brachten ihre Ideen und Vorschläge ein.

Interessant wurde es bei der Frage: „Was macht die GEW für mich“? Die Referentin zeigte deutlich auf, dass die GEW nicht aus Einzelpersonen besteht. Eine Gewerkschaft benötigt die Unterstützung ihrer Mitglieder, beispielsweise bei den Aktionen Besuch der Politiker, beim Schreiben persönlicher Mails an die Politiker/innen und beim Besuchen der Personalversammlungen.

Die Ideen und Papiere dazu entstehen in der Landespersonengruppe und werden den Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Aber die Mitglieder an der Basis müssen hier mit unterstützen. Das Motto: „Ohne uns läuft nichts“ bezieht sich nicht nur auf den Schulalltag und die Forderungen, sondern auch auf alle Aktivitäten innerhalb der GEW.

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Artikel Fachlehrer Baden-Württemberg
news-14182 Tue, 15 May 2018 14:00:32 +0200 GEW Südwürttemberg mit neuer Doppelspitze https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-suedwuerttemberg-mit-neuer-doppelspitze/ Heidrun Drews und Martina Jenter-Zimmermann wurden mit 96 Prozent zu den neuen Vorsitzenden des Bezirks Südwürttemberg gewählt. Sie lösen die langjährige Bezirksvorsitzende Margit Stolz-Vahle ab. Bei der Bezirksversammlung am 11. April in Gaisbeuren wurden die Biberacher Kreisvorsitzende Heidrun Drews und die Kreisvorsitzende aus dem Zollernalbkreis, Martina Jenter-Zimmermann, mit 96 Prozent zu den neuen Vorsitzenden des Bezirks Südwürttemberg gewählt. Sie arbeiten im Team und lösen die langjährige Bezirksvorsitzende Margit Stolz-Vahle ab, die sich in ein Sabbatjahr und anschließenden Ruhestand verabschiedet.

Margit Stolz-Vahle gehörte 23 Jahre dem Bezirksvorstand an. Bevor sie im Jahr 2000 Bezirksvorsitzende wurde, war sie fünf Jahre lang stellvertretende Vorsitzende.

Ihre berufliche Laufbahn begann Margit als Erzieherin in Bochum. Nach ihrer Weiterqualifizierung zur Fachlehrerin war sie zunächst ebenfalls in Bochum, später wechselte sie in den Großraum Stuttgart.

Seit 1980 ist Margit Stolz-Vahle Mitglied des GEW-Landesfachgruppenausschusses Fachlehrer/innen. Ab 1995 prägte sie die Fachgruppe als Vorsitzende. Mit großem Einsatz und viel Erfolg engagierte sie sich unter anderem für den Abbau des Beförderungsstaus bei den Fachlehrkräften und die Weiterentwicklung des Vorbereitungsdienstes. Darüber hinaus war ihr der Arbeits- und Gesundheitsschutzes an Schulen und Schulkindergärten ein besonders großes Anliegen. Um für die Beschäftigten wirksame Verbesserungen zu erzielen, setzte sie sich neben der Einführung der Gefährdungsbeurteilung für die Entwicklung und Verankerung von wirksamen Unterstützungssystemen ein.

Auch als Mitglied des Bezirks- und des Hauptpersonalrats machte sich Margit mit viel Engagement für die Belange der Kolleg/innen stark. Im Hauptpersonalrat vertritt sie seit 21 Jahren als stellvertretende Vorsitzende in besonderem Maße die Interessen der angestellten Lehrkräfte. Zum Ende dieses Schuljahres wird Margit auch diese Tätigkeit beenden.

Mit ihrer hohen Sachkompetenz und Zuverlässigkeit, ihrer frischen, humorvollen Art, ihrer Geradlinigkeit und Durchsetzungskraft gelang es ihr, das Vertrauen der Kolleg/innen und auch viel Respekt und Anerkennung zu gewinnen. Ihre so typische Begeisterungsfähigkeit und Zielorientierung und ihr Kampfgeist wirken mitreißend und zeichnen die Vollblut-Gewerkschafterin aus.

Der Bezirksvorstand Südwürttemberg und die ganze GEW bedanken sich bei Margit Stolz-Vahle für ihre langjährige außergewöhnlich engagierte und sehr erfolgreiche Arbeit. Wir wünschen ihr alles Gute für den neuen Lebensabschnitt, vor allem weiterhin viel Freude an ihrem Hobby, dem Reisen, dem sie nun zusammen mit ihrem Mann – ganz ohne Zeit- und Termindruck – nachgehen kann.

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GEW Artikel Zeitschrift b+w Baden-Württemberg
news-14172 Tue, 15 May 2018 09:16:35 +0200 Arbeitszeit der Lehrkräfte ist zu hoch https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/arbeitszeit-der-lehrkraefte-ist-zu-hoch/ Die Uni Göttingen hat Studien zur Lehrkräftearbeitszeit in Deutschland der letzten Jahrzehnte ausgewertet. Das Ergebnis: Die Arbeitszeiten sind überdurchschnittlich hoch. Warum arbeiten Lehrer zu viel – und was hilft gegen Überstunden? Die Sozialwissenschaftler Frank Mußmann und Thomas Hardwig von der Universität Göttingen haben im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in „Zeiterfassungsstudien zur Arbeitszeit von Lehrkräften in Deutschland“ alle verfügbaren Studien zur Lehrkräftearbeitszeit in Deutschland der letzten Jahrzehnte ausgewertet. Ergebnis: Die Arbeitszeiten sind überdurchschnittlich hoch.

Für die Expertise werteten die Autoren 16 Studien aus, die zwischen 1960 und 2017 zur Arbeitszeit der Lehrkräfte in Deutschland erarbeitet wurden. Neben reinen Forschungsarbeiten sind unter den Studien auch Arbeiten, die von Arbeitgeberseite (zum Beispiel Kultusministerkonferenz) oder Interessenverbänden (GEW und Lehrerverbände) in Auftrag gegeben wurden.

Die Jahresarbeitszeit der Lehrkräfte wurde zwar in früheren Jahrzehnten in manchen Schularten infolge der allgemeinen Arbeitszeitverkürzung reduziert. Sie stagniert aber seit den 1990er-Jahren und liegt immer noch über der Arbeitszeit im öffentlichen Dienst. Lehrkräfte an Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien arbeiten pro Woche eine Stunde und 40 Minuten länger als Verwaltungsbeamt/innen (unter Einrechnung der Ferienzeiten).

Durchgängig die höchste Arbeitszeit haben Lehrkräfte an Gymnasien. Seit einigen Jahren nähern sich die Unterschiede zwischen den Schularten aber immer stärker an. Während früher die Lehrkräfte an Grundschulen eine geringere Arbeitszeitbelastung hatten, schließen die Grundschulen zu den anderen Schulformen auf. Heute liegt auch ihre Arbeitszeit über dem Durchschnitt im öffentlichen Dienst. So zeigt die aktuellste Studie aus Niedersachsen, dass die Grundschullehrkräfte eine tatsächliche Jahresarbeitszeit von 1.837 Stunden haben, während die tarifliche Arbeitszeit im öffentlichen Dienst bei 1.784 Stunden liegt.

Für Baden-Württemberg ist das Bild der Stagnation nur eine ungenaue Beschreibung und verdeckt negative Tendenzen. Besonders hervor sticht die Anhebung der Unterrichtsverpflichtung für die Lehrkräfte im höheren Dienst an den Gymnasien und beruflichen Schulen. Die Unterrichtsverpflichtung liegt im Vergleich zu 1998 um zwei Stunden höher.

Erholungszeiten fehlen

Über alle Studien hinweg zeigt sich, dass die Arbeitszeitbelastung in den Schulwochen so hoch ist, dass sie zu üblichen Arbeitszeiten oft nicht zu bewältigen ist. Die Sieben-Tage-Woche und das Arbeiten abends und nachts beziehungsweise die Entgrenzung von Arbeits- und Privatzeit ist für viele Lehrkräfte Arbeitsalltag. Zwischen 14 und 19 Prozent der Lehrer/innen haben überlange Arbeitszeiten von mehr als 48 Stunden in der Schulwoche. Die Wissenschaftler weisen auf die negativen Konsequenzen hin, die diese Arbeitsweise mit sich bringe und fordern dringend mehr Möglichkeiten zur Erholung etwa während der Schulpausen, an Arbeitstagen und an Wochenenden.

Individuelle Arbeitszeit unterscheidet sich enorm

Die Expertise bestätigt auch große Unterschiede bei der individuellen Arbeitszeit der Lehrkräfte. Ein Befund, den die Autoren der Expertise mit Blick auf Fairness und Gleichbehandlung als problematisch bewerten. Schulform, Fächerwahl, die Übernahme von Funktionen, die Klassenstärke und die Pflichtstundenzahl haben einen entscheidenden Einfluss auf die individuelle Arbeitszeit einer Lehrkraft. Eine individuelle Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung führt tendenziell nicht zu einer entsprechenden Reduzierung der tatsächlichen Arbeitszeit.

Umstritten ist, inwieweit Geschlecht und Alter einen Einfluss auf die Arbeitszeit, beziehungsweise die Mehrarbeit haben. Neuere Forschungen legen nahe, dass sich ein großer Teil dieser Differenz aufgrund der eigenen professionellen Hingabe zum Beruf ergibt, die zu ungesunden Arbeitsmustern führt und auf Dauer die Gesundheit schädigt.

Die Autor/innen der Studie empfehlen, akzeptable Rahmenbedingungen für die Arbeitszeit zu schaffen und für Entlastung zu sorgen. Darüber hinaus fordern sie Maßnahmen, die vor Selbstausbeutung schützen. Ihr Hinweis auf den wachsenden Anteil der nicht unmittelbar unterrichtsbezogenen Tätigkeiten kann durchaus so verstanden werden, diese Aufgaben zu hinterfragen und zu überlegen, ob sie von Lehrkräften erledigt werden müssen und wenn ja, wie sie hierfür Zeitanteile erhalten.

Schlussfolgerungen für Baden-Württemberg

Die Ergebnisse der Expertise spiegeln auch die Realität an den baden-württembergischen Schulen wider. Die hohe Arbeitsbelastung ist dabei kein neues Phänomen, sondern schon seit Jahren ein Problem. Hier gilt es gegenzusteuern. Die GEW fordert deshalb unter anderem:

  1. Übernahme zusätzlicher Aufgaben sollte angerechnet werden: Die Landesregierung muss die Kürzung des allgemeinen Entlastungskontingents zurücknehmen und die Anrechnungsstunden ausbauen.
  2. Absenkung des Deputats und Reduzierung des Klassenteilers: Die Absenkung des Deputats um mindestens zwei Stunden und ein Klassenteiler von 25 können spürbar die Arbeitsbelastung reduzieren. Dazu müssen mehr Lehrkräfte eingestellt werden. Aufgrund des Lehrermangels kann dies nur schrittweise umgesetzt werden. Für Gymnasien gibt es derzeit einen Lehrkräfteüberschuss.
  3. Erhöhung der Ausbildungskapazitäten: Um mittelfristig genügend Lehrkräfte einstellen zu können, muss die Ausbildungskapazität erhöht werden, und zwar stärker, als von der Landesregierung geplant. Die Aufstockung um 200 Studienplätze in der Grundschullehrkräfteausbildung dürfte nur die Hälfte des Nachwuchsbedarfs abdecken. Auch in der Sekundarstufe I und vor allem in der Sonderpädagogik zeichnet sich ein Bewerbermangel ab. Kurzfristig kann der Mehrbedarf nur durch die vermehrte Einstellung von Quereinsteiger/innen bewältigt werden, die ausreichende qualifiziert werden müssen.
  4. Altersermäßigung: Auch bei der Altersermäßigung müssen die Kürzungen zurückgenommen werden. Seit dem Schuljahr 2014/15 erhalten Lehrkräfte erst ab dem 60. eine Stunde und ab dem 62. Lebensjahr zwei Stunden (Teilzeit anteilig) Altersermäßigung. Vorher gab es bereits ab dem 58. eine Stunde und ab dem 60. Lebensjahr zwei Stunden. Mittelfristig muss die Altersermäßigung wieder ausgebaut werden. Ziel muss sein, dass bereits ab dem 55. Lebensjahr das Deputat um zwei Stunden abgesenkt wird. Die Praxis zeigt, dass die Altersermäßigung ein geeignetes Mittel ist, um die Arbeitsbelastung älterer Lehrerkräfte zu senken und vorzeitige Zurruhesetzungen zu verhindern.
  5. Entlastung durch Verwaltungsassistenz, Schulpsycholog/innen und Schulsozialarbeiter/innen: Lehrkräfte müssen neben ihrer originären Tätigkeit Verwaltungsarbeit übernehmen und sind mit Aufgaben konfrontiert, für die ihnen die fachliche Kompetenz fehlt. Die Einstellung von Verwaltungspersonal zur Entlastung der Schulleitungen und der gesamten Lehrerschaft sowie der Aufbau multiprofessioneller Teams können ein Mittel sein, die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte zu senken und gleichzeitig die Qualität zu stärken.

Studie aus Niedersachsen setzt Politik unter Druck

Neue Maßstäbe setzt eine Studie zur Arbeitszeit der Lehrkräfte in Niedersachsen, für die fast 3.000 Lehrer/innen in Niedersachsen über ein komplettes pädagogisches Jahr ihre Arbeitszeit minutengenau dokumentiert haben. Diese Studie wurde von der GEW Niedersachsen in Auftrag gegeben. Das zentrale Ergebnis der Studie, dass die Lehrkräfte in Niedersachsen viel zu häufig Mehrarbeit leisten müssen, hat erhebliche politische Wirkung entfaltet und übt einen enormen Druck auf das niedersächsische Kultusministerium aus, die Arbeitszeitverordnung im Sinne der Lehrer/innen zu verändern. Auch diese Ergebnisse wurden in der Metastudie von Mußmann/Hartwig berücksichtigt.

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Berufliche Bildung Schule GEW Artikel Zeitschrift Gymnasium b+w Baden-Württemberg
news-14159 Wed, 09 May 2018 16:34:17 +0200 Land öffnet Aufstiegslehrgang nicht für bewährte Technische Oberlehrkräfte https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/land-oeffnet-aufstiegslehrgang-nicht-fuer-bewaehrte-technische-oberlehrkraefte/ Das Kultusministerium hat die Zulassung von Technischen Oberlehrkräften in A11 für die Aufstiegsqualifizierung abgelehnt. Die GEW sieht darin eine vertane Chance, das berufliche Schulwesen in Baden Württemberg zu verbessern. Im Schuljahr 2011/2012 wurde eine jahrelange Forderung des Landesarbeitskreises Technische Lehrkräfte (LAK TL) vom Kultusministerium umgesetzt: Die Möglichkeit der Weiterqualifizierung und des Laufbahnwechsels für Technische Lehrkräfte (TL). Die ersten Kolleginnen und Kollegen haben den Aufstiegslehrgang durchlaufen und konnten ihre Erfahrungen weitergeben.

Sowohl im Bewerbungs- und Auswahlverfahren als auch in der Umsetzung des Aufstiegslehrgangs gibt es ungeklärte Punkte, offene Fragen und nach Ansicht des Landesarbeitskreises notwendige Nachbesserungen.

Die Gewerkschaft Erziehungs und Wissenschaft (GEW) begrüßt die Möglichkeit der Weiterqualifizierung für Technische Lehrkräfte und Fachlehrer. In Zeiten des Wandels im beruflichen Schulwesen ist es umso wichtiger, Laufbahnen zu öffnen und TL entsprechend ihres Einsatzes und Könnens und dem Bedarf im Schulwesen zu qualifizieren.

Bisher können sich leider nur Fachbetreuer, welche sich in einem Funktionsamt zum/zur Technischen Oberlehrer/in in A12 befinden, für den Aufstiegslehrgang bewerben. Dies kommt aber nur für einen geringen Anteil der TL in Frage. Das führte in der vergangenen Zeit dazu, dass es weniger Bewerbungen als Beförderungsmöglichkeiten gegeben hat.

Deshalb fordert der Arbeitskreis schon seit längerem den Aufstiegslehrgang auch für bewährte Technische Oberlehrer/innen zu öffnen. Dieser Forderung wurde nun allerdings von Seiten des Kultusministeriums eine klare Absage erteilt.

Der LAK TL bedauert diese Absage, bietet dieser Aufstiegslehrgang doch vielfältige Chancen für das berufliche Schulwesen in Baden Württemberg, qualifiziertes und motiviertes Personal an den Schulen zu haben, von welchen alle profitieren – und dies kommt letztendlich den Schülerinnen und Schülern an den Beruflichen Schulen in Baden Württemberg zu Gute.

Der LAK TL setzt sich weiterhin dafür ein, dass die Aufstiegsqualifizierung inhaltlich und organisatorisch verbessert wird.

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Artikel Technische Lehrer/innen Baden-Württemberg
news-14139 Mon, 07 May 2018 16:16:59 +0200 Stuttgarter Honorarlehrkräfte schließen sich DGB-Mai-Kundgebung an https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/stuttgarter-honorarlehrkraefte-schliessen-sich-dgb-mai-kundgebung-an/ Unter dem Banner „Fair statt prekär – Gute Arbeitsbedingungen im Integrationskurs und in der Weiterbildung“ versammelten sich freie Lehrkräfte aus Baden-Württemberg. Selbstständige führen ein eigenes Unternehmen mit Angestellten und Dienstwagen, oder streichen zumindest als Anwalt oder Arzt hohe Honorare ein. Soweit das Klischee. Auf die Selbstständigen, die am Ersten Mai in Stuttgart mitliefen, traf dieses Bild nicht zu: Es handelt sich um freiberufliche Lehrkräfte an Volkshochschulen, im Integrationskurs oder in der Weiterbildung.

Unter dem Banner „Fair statt prekär – Gute Arbeitsbedingungen im Integrationskurs und in der Weiterbildung“ versammelten sich freie Lehrkräfte aus Baden-Württemberg und nahmen an der Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Stuttgart teil.

„Wir Honorarlehrkräfte sind zwar offiziell selbstständig, doch wir sind weit davon entfernt, Unternehmer/innen zu sein“, erklärt Cornelia Geeve, die im Integrationskurs Deutsch unterrichtet. Für sie ist der Tag der Arbeit die Gelegenheit, die Gemeinsamkeiten zwischen Solo-Selbstständigen und Arbeitnehmer/innen zu thematisieren. „Wir sind genauso wie Arbeitnehmer/innen darauf angewiesen, unsere Dienstleistung zu verkaufen und Geld zum Leben zu erwirtschaften. Wir tun das nur ohne vergleichbare soziale Schutzrechte.“

Honorarlehrkräfte leiden unter prekären Arbeitsverhältnissen

Denn bei Krankheit oder Erholungsurlaub fällt für die Honorarlehrkräfte das Einkommen aus. Ihre Verträge laufen oft nur wenige Wochen, einen Kündigungsschutz gibt es nicht. Dieses „unternehmerische Risiko“ ist Kennzeichen jeder Selbstständigkeit, prekär wird dies aber, wenn die niedrigen Honorare die Risiken nicht abdecken.

Tatsächlich stellte die DIE-Trendanalyse des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung von 2014 fest, dass ausgerechnet Freiberufler/innen in der öffentlich finanzierten Weiterbildung besonders häufig unter prekären Arbeitsverhältnissen litten. „Schaut euch mal eine Handwerkerrechnung an", meint deshalb auch eine der Volkshochschuldozentinnen, „was wir an Honorarsätzen in der Weiterbildung bekommen, das setzt ein Handwerker für seinen Azubi an.“

Trotz des ernsten Hintergrunds ist die Stimmung unter den demonstrierenden Honorarlehrkräften blendend. Fast könnte man darüber vergessen, dass auch der Feiertag für sie wieder einmal bedeutet: Einkommensausfall.

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Weiterbildung Artikel Baden-Württemberg
news-14134 Mon, 07 May 2018 08:19:19 +0200 Reisekosten für außerunterrichtliche Veranstaltungen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/reisekosten-fuer-ausserunterrichtliche-veranstaltungen/ Begleitpersonen von Schülerfahrten zahlen einen nicht unbeträchtlichen Teil der Kosten aus eigener Tasche, da der Dienstherr nicht genügend Mittel zur Verfügung stellt. Nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat in einem vom Rechtsschutz der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg begleiteten Verfahren im Dezember 2017 entschieden, dass die pauschale Begrenzung der Übernachtungskosten auf 18 Euro pro Nacht zu gering ist und dem klagenden GEW-Mitglied weitere 44 Euro zugestanden. Es handelt sich um ein Musterverfahren für eine Lehrkraft, die 2016 bei einer Studienfahrt nach Prag in einem Jugendhotel Übernachtungskosten von 59,17 Euro pro Nacht hatte. Die Lehrkraft erhielt nur die übliche Pauschale von 18 Euro pro Nacht erstattet.

Nachdem zunächst der Widerspruch des GEW-Rechtsschutzes gegen den Reisekostenbescheid ohne Erfolg geblieben war, klagte der GEW-Rechtschutz erfolgreich gegen diesen abgelehnten Widerspruch. Nun wird das Land vermutlich in die Berufung gehen. Der GEW-Rechtsschutz wird das Verfahren weiter durch die Instanzen führen. GEW-Mitgliedern wird empfohlen, in entsprechenden Fällen ebenfalls Widerspruch einzulegen und sich von der zuständigen GEW Bezirksrechtsschutzstelle beraten und unterstützen zu lassen.

Reaktion des Landes auf den Erfolg im Musterverfahren?

Mittlerweile wurde im Staatshaushaltsplan 2018/19 eine Erhöhung der Mittel für außerunterrichtliche Veranstaltungen von 2,8 auf 3,4 Millionen Euro festgelegt, also etwas mehr als 20 Prozent zusätzlich. Eine erste Reaktion auf das Musterverfahren? Zumindest ein kleiner Erfolg und Schritt in die richtige Richtung. Nun muss an den Schulen geprüft werden, ob diese Erhöhung tatsächlich in das bisherige Volumen einfließt und zu einer geringen Entspannung führen kann.

Reisekostenverzicht – geht gar nicht!

Das Formular für die Genehmigung einer außerunterrichtlichen Unternehmung bietet unter anderem die Möglichkeit, ganz oder teilweise auf Reisekosten zu verzichten. Natürlich darf von keiner Lehrkraft verlangt werden, einen solchen Verzicht zu erklären, so nach dem Motto: „Wir verzichten alle ein bisschen, damit es für alle ein bisschen reicht!“ Klar ist aber, dass dies für viele eine psychologische Zwangssituation darstellt, denn keiner will ja als jemand angeprangert werden, der den Anderen in die Suppe spuckt.

Dies gilt ebenso für Beschlüsse schulischer Gremien, denn Lehrerkollegien fassen teilweise nach diesem Motto auch Konferenzbeschlüsse. Derartige Beschlüsse sind unzulässig und rechtlich nicht bindend.

Dennoch übt das Kultusministerium mit den Optionen auf dem Formular einen erheblichen Druck aus: Es nötigt die Lehrkräfte zum Verzicht, weil die Veranstaltung sonst nicht stattfinden kann. Auch tarifbeschäftigte (angestellte) Lehrkräfte müssen auf dem Formular erklären, ob sie auf ihre Reisekosten verzichten wollen. Allerdings können sie laut einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts gar nicht auf zustehende Reisekosten wirksam verzichten. Sie haben Anspruch auf die volle Erstattung ihrer Reisekosten und können diese selbst dann nachträglich einfordern, wenn sie vorher eine Verzichtserklärung abgegeben hatten.

Aus Sicht der GEW ist ganz klar: Es kann nur das stattfinden, was das Land finanziert.

Die GEW schlägt den Schulen folgendes Vorgehen vor:

  1. Die Gesamtlehrerkonferenz beschließt, welche Veranstaltungen Priorität haben. Dieser Beschluss bedarf der Zustimmung der Schulkonferenz und kann für mehrere Jahre gelten. Das gibt Planungssicherheit und hat zugleich Aufforderungscharakter: Wer eine Klasse als Klassenlehrkraft übernimmt, weiß, dass die Durchführung bestimmter Veranstaltungen die Regel ist.
  2. Jährlich reichen alle Lehrkräfte zu einem festgelegten Stichtag ihre Vorhaben mit Angabe der Kosten bei der Schulleitung ein. In einem ersten Schritt entscheidet die Gesamtlehrerkonferenz der Schule darüber, welchen dieser Veranstaltungen im laufenden Jahr Priorität zukommt („Ranking“).
  3. Danach genehmigt die Schulleitung alle im Rahmen der Verfügungsmittel finanzierbaren Veranstaltungen.
  4. Die Schulleitung genehmigt zugleich unter Vorbehalt der Mittelzuweisung auch alle übrigen mit Reisekosten verbundenen Veranstaltungen und beantragt sofort bei der Schulverwaltung die Nachbewilligung von Mitteln. Da erfahrungsgemäß ein Teil der Schulen ihren Verfügungsrahmen nicht ausschöpft, bestehen durchaus Chancen auf Erfolg.
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Berufliche Bildung Schule Artikel Baden-Württemberg
news-14112 Wed, 02 May 2018 11:39:52 +0200 Für das Landesweite Semesterticket Baden-Württemberg https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/fuer-das-landesweite-semesterticket-baden-wuerttemberg/ Studierende können sich noch bis 6. Mai 2018 an einer Umfrage rund um das Landesweite Semesterticket in Baden-Württemberg beteiligen. Die GEW unterstützt das Projekt der LandesAStenkonferenz. Studium Artikel Baden-Württemberg news-14099 Tue, 01 May 2018 11:08:00 +0200 Mai-Kundgebungen stehen unter dem Motto „Solidarität – Vielfalt – Gerechtigkeit“ https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/mai-kundgebungen-stehen-unter-dem-motto-solidaritaet-vielfalt-gerechtigkeit/ Die Gewerkschaften demonstrierten am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, wieder für eine soziale, tolerante, demokratische und solidarische Gesellschaft in Deutschland und in Europa. Unter dem Motto „Solidarität – Vielfalt – Gerechtigkeit“ haben der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Mitgliedsgewerkschaften zu Kundgebungen und Demonstrationen am 1. Mai 2018 aufgerufen.

Der DGB Baden-Württemberg hat landesweit 53 Veranstaltungen anlässlich des Tages der Arbeit ausgerichtet. Die Hauptkundgebung fand in Freiburg statt.

Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg sprach Michael Futterer, stellvertretender Landesvorsitzender, in Tübingen.

Spaltung der Gesellschaft aufhalten

Die Wirtschaft boomt, doch längst nicht mehr alle Beschäftigten und Rentnerinnen und Rentner haben Anteil am wachsenden Wohlstand. Unsere Gesellschaft spaltet sich immer stärker. Die Gewerkschaften dringen deshalb auf mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Solidarität und eine bessere Akzeptanz von gesellschaftlicher Vielfalt.

Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter demonstrierten am 1. Mai für gute Arbeit, gute Bildung, einen besseren sozialen Zusammenhalt, gegen Ausgrenzung und Rechtsextremismus, für Respekt, Toleranz und für Frieden in der Welt.

Insgesamt haben sich rund 24.000 Menschen an den Kundgebungen und Veranstaltungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes im ganzen Land beteiligt. Die Veranstaltungen verliefen friedlich und ohne Störungen. Bundesweit nahmen 340.600 Menschen an den DGB-Kundgebungen teil.

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Artikel Baden-Württemberg
news-13262 Mon, 30 Apr 2018 11:00:00 +0200 Kita-Notstand: Pädagogische Fachkräfte dringend gesucht https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kita-notstand-paedagogische-fachkraefte-dringend-gesucht/ Immer mehr Stellen in der Frühen Bildung können nicht besetzt werden. Die Folge sind Wartezeiten für Krippen- und Kita-Plätze und kürzere Öffnungszeiten. Die bisherigen Maßnahmen der Landesregierung zur Fachkräftegewinnung reichen nicht aus. Bereits im November 2016 hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg auf der Landespressekonferenz auf die problematische Entwicklung in der Frühen Bildung durch den zunehmenden Personalmangel hingewiesen. Mittlerweile können in fast allen Regionen des Landes offene Stellen nicht mehr besetzt werden. In der Folge müssen Eltern auf einen Krippen- oder Kita-Platz warten oder Abstriche bei den Öffnungszeiten in Kauf nehmen.

Politiker/innen aller Parteien betonen seit Jahren wie wichtig eine gute Frühe Bildung sei, damit die Bildungschancen der Kinder nicht länger von ihrer sozialen Herkunft abhängig seien. Doch eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhält Priorität. Da die Unternehmen Fachkräfte brauchen, wurde 2013 der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz gesetzlich verankert und nachfolgend vorrangig in den quantitativen Ausbau, also in die Schaffung neuer Plätze investiert.

Die vielen neu geschaffenen Krippen- und Kita-Plätze können jedoch ohne frühpädagogische Fachkräfte nicht in Betrieb genommen werden. Und die Situation wird sich weiter verschärfen.

Steigender Ersatzbedarf für ausscheidende Fachkräfte

In den nächsten zehn Jahren wird rund ein Viertel der frühpädagogischen Fachkräfte aus dem Berufsfeld ausscheiden, da sie das Renteneintrittsalter erreichen oder aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig ausscheiden. Derzeit gehen Erzieher/innen mit durchschnittlich 63 Jahren in Rente (2011: 62 Jahre). Diejenigen, die wegen verminderter Erwerbsfähigkeit den Beruf aufgeben müssen, verlassen bereits deutlich vor dem 60. Lebensjahr das Berufsfeld.

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) nimmt an, dass nicht alle Fachkräfte ohne Unterbrechung bis zum Renteneintritt in Kindertageseinrichtungen verbleiben und dass ein Prozent aller pädagogisch Tätigen pro Jahr auf Grund der hohen Belastung endgültig ausscheidet. 

Das ergibt einen Ersatzbedarf von rund 20.000 Fachkräften bis 2025.

Waren Geburtenzahlen in Baden-Württemberg bis 2012 noch rückläufig, so steigen sie seit 2013 wieder an.

Aus einer aktuellen Studie von Klaus Klemm und Dirk Zorn zur Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg geht hervor, dass sich diese Entwicklung auch in den kommenden Jahren voraussichtlich fortsetzen wird. Nicht enthalten in diesen Zahlen sind Zu- und Abwanderungen nach Baden-Württemberg.

Betreuungsbedarf nimmt zu

Im „Kinderbetreuungsreport 2017“ kommt das DJI zu der Schlussfolgerung, dass Baden-Württemberg beim Ausbau der Krippen- und Kitaplätze zwar deutlich vorangekommen sei, dieser jedoch noch lange nicht ausreiche. Nach wie vor bestehe eine deutliche Kluft zwischen Elternwünschen und vorhandenen Betreuungsplätzen. Vor allem das Platzangebot für ein- und zweijährige Kinder sei noch zu gering.

Im Jahr 2015 erreichte Baden-Württemberg eine Betreuungsquote von knapp 28 Prozent. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede in der Versorgung. Der aktuelle Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren wird für Baden-Württemberg auf 41,5 Prozent geschätzt.

Zusätzlichen Bedarf gibt es, so die Studie, auch an ganztägigen Krippen- und Kita-Plätzen. Laut Statistischem Landesamt lag der Anteil der Kinder unter drei Jahren, die ganztags betreut wurden, am 1. März 2015 bei 38,4 Prozent und damit 2,5 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Im Jahr 2007 waren es noch 23 Prozent. 

In der Altersgruppe der Drei- bis unter Sechsjährigen hat sich der Anteil der Kinder mit einer durchgehenden Betreuungszeit von mehr als sieben Stunden ebenfalls kontinuierlich erhöht. Von 8,5 Prozent in 2007 auf 22,6 Prozent in 2015.

Der Vergleich dieser Zahlen mit den erhobenen Elternwünschen zeigt, dass auch hier noch deutlicher Ausbaubedarf besteht. Denn in Baden-Württemberg, so der DJI-Kinderbetreuungsreport, wünschen sich 43 Prozent der Eltern von unter Dreijährigen einen Betreuungsumfang von mehr als sieben Stunden täglich, bei den Drei- bis unter Sechsjährigen sind es 36 Prozent.

Der notwendige Ausbau von Krippenplätzen und ganztägigen Betreuungsangeboten wird den Bedarf an frühpädagogischen Fachkräften in den nächsten zehn Jahren noch zusätzlich erhöhen. Der Umfang lässt sich derzeit allerdings nur auf Grundlage der Stellen- und Personalentwicklung der vergangenen Jahre prognostizieren: Zwischen 2013 und 2015 wurden landesweit in den Kitas 11.631 neue Vollzeitstellen geschaffen und 18.100 Beschäftigte zusätzlich eingestellt. Im Jahresdurchschnitt sind dies knapp 4.000 Stellen und circa 6.000 Beschäftigte.

Bisherige Maßnahmen der Landesregierung zur Fachkräftegewinnung

Um den steigenden Personalbedarf zu decken, wurden in Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen. Zum einen wurde die Ausbildungskapazität erhöht, zum anderen der Fachkräftekatalog im Kindertagesbetreuungsgesetz erweitert.

In den vergangenen Jahren wurden die Ausbildungskapazitäten an den Fachschulen für Sozialpädagogik kontinuierlich ausgebaut. Darüber hinaus wurde zum Schuljahr 2012/13 die Praxisintegrierte Erzieher/innen-Ausbildung (PIA) eingeführt. Ziel dieser neuen vergüteten Ausbildungsform war es, zusätzliche Interessenten für den Erzieher/innen-Beruf zu gewinnen. Da dies bislang gut gelungen ist, wurde PIA zum Schuljahr 2017/18 in die Regelform übernommen.

Im Schuljahr 2016/17 begannen insgesamt 4.769 Schüler/innen ihr erstes Ausbildungsjahr an einer Fachschule für Sozialpädagogik. Darunter 3404 (71,4 Prozent) in der tradierten Form und 1365 (28,6 Prozent) in PIA.

Auffallend ist jedoch, dass ein wachsender Teil der Schüler/innen die Fachschulausbildung abbrechen. Zwischen 1997 und 2012 lag der Anteil der Schulabgänger ohne Abschlusszeugnis noch bei durchschnittlich 7,5 Prozent. Seit 2013 liegt dieser Anteil bei über elf Prozent, im Jahr 2015 sogar bei 17 Prozent.

Diese Zahlen deuten darauf hin, dass

  1. der Ausbau der Ausbildungskapazität in keiner Weise mit dem zu erwartenden Bedarf Schritt hält.
  2. die Zahl der derzeit in Baden-Württemberg pro Jahr ausgebildeten Fachkräfte (rein rechnerisch) gerade in etwa ausreicht um den Ersatzbedarf bis 2025 zu decken.
  3. alle weiteren zusätzlichen Platzbedarfe, die sich aus den steigenden Kinderzahlen und den erweiterten Betreuungswünschen der Eltern ergeben, nicht mehr abgedeckt werden können.
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Kita Artikel Baden-Württemberg
news-14074 Thu, 26 Apr 2018 10:04:39 +0200 Bundespräsident besucht berufliche Schulen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/bundespraesident-besucht-berufliche-schulen/ Leuchtturmprojekte versus triste Realität: Am 19. April besuchten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kultusministerin Susanne Eisenmann im Rahmen der „Woche der beruflichen Bildung“ verschiedene berufliche Schulen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat gemeinsam mit Kultusministerin Susanne Eisenmann am 19. April 2018 im Rahmen der „Woche der beruflichen Bildung“ verschiedene berufliche Schulen in Baden-Württemberg besucht.

Auf dem Programm standen der Besuch einer Berufsfachschule Altenpflegehilfe für Geflüchtete, einer Lernfabrik 4.0, der Bundesfachklasse Orgelbau, sowie einer KoBV-Klasse (Kooperative Bildung und Vorbereitung). Damit wird klar, worum es gehen sollte: Im Fokus standen vor allem sogenannte „Leuchtturmprojekte“ an den Beruflichen Schulen.

Nun soll an dieser Stelle überhaupt nicht bestritten werden, dass derartige Projekte sinnvoll und notwendig sind, vor allem wenn es um die Weiterentwicklung der beruflichen Schulen geht. Tatsache ist aber, dass es daneben noch eine andere Realität gibt, die deutlich trister ist. Eine nach wie vor große Herausforderung ist es, die Vielzahl an Migrant/innen in eine Berufsausbildung zu integrieren.

Die Berufsfachschule (BFS) Altenpflegehilfe für Geflüchtete ist hier sicher ein sinnvoller Ansatz – in diesem Berufsfeld werden Arbeitskräfte gesucht und die Ausbildung kann mit zusätzlicher Sprachförderung kombiniert werden. Dies kann und darf aber über Probleme an anderer Stelle nicht hinwegtäuschen: Erfreulicherweise steigt mittlerweile die Zahl der Geflüchteten in der dualen Ausbildung. Erhebungen zeigen aber, dass es bei circa 70 Prozent der Jugendlichen Defizite in den Deutsch-Kenntnissen gibt und sie deshalb dringend eine ausbildungsbegleitende Förderung in Deutsch benötigen.

Das Kultusministerium (KM) hat zwar die Möglichkeit geschaffen, Deutsch-Förderkurse einzurichten, davon sind im laufenden Schuljahr allerdings nur circa 350 wegen Lehrkräftemangels zustande gekommen. Gleichzeitig sind derzeit circa 180 Stellen an den beruflichen Schulen unbesetzt!

Neue Lehrer(stellen) braucht das Land!

Der eigentliche Skandal ist aber folgender: Von den 705 Stellen für Sprachförderung an beruflichen Schulen, die alle einen KW-Vermerk („künftig wegfallend“) zum 1. August 2018 haben, sind bislang nur 400 Stellen um ein Schuljahr verlängert worden. 305 Stellen sollen wegfallen!

Darüber hinaus muss in den Klassen auch ein entsprechender sprachsensibler Unterricht entwickelt werden, was zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Lehrkräfte bedeutet, der durch keinerlei zeitliche Anrechnung abgegolten wird. Mit einer solchen Stellenpolitik lässt sich die Herausforderung der Integration der Geflüchteten kaum bewältigen.

Digitalisierung als „Schwarzer Peter Spiel“

Unzweifelhaft stellt auch die Digitalisierung für die beruflichen Schulen eine neue beanspruchende Aufgabenstellung dar (übrigens nicht erst seit gestern), und die Einrichtung von sogenannten „Lernfabriken“, welche die durch die Digitalisierung veränderten Produktionsstrukturen labormäßig an den beruflichen Schulen abbilden, ist für eine qualitativ hochwertige Berufsausbildung sinnvoll.

Dies darf aber nicht unberücksichtigt lassen, dass die Einrichtung und die Unterhaltung des laufenden Betriebs solcher Lernfabriken einen erheblichen zeitlichen Aufwand bedeuten. Die betroffenen Lehrkräfte müssen zum Beispiel Datenbanken einrichten und pflegen, sie sollen Musterstunden für andere Lehrkräfte entwickeln oder Fortbildungen auch für interessierte Betriebe durchführen: Es gibt keinerlei extra Anrechnungsstunden. Im Gegenteil: Das Land hat 2014 das Allgemeine Entlastungskontingent abgesenkt – für manche berufliche Schulen bedeutet dies eine Kürzung um bis zu 30 Prozent.

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Berufliche Bildung Artikel Baden-Württemberg
news-14062 Wed, 25 Apr 2018 10:08:45 +0200 Kommentar: Kein Monopol aufs Abitur https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kommentar-kein-monopol-aufs-abitur/ Berufliches und allgemeinbildendes Gymnasium führen zum Abitur. In der Gestaltung der Oberstufe gibt es Unterschiede. Die beruflichen Gymnasien bilden eine gleichberechtigte Oberstufe. Diskussionen entstehen immer wieder darüber, ob die Abschlüsse gleichwertig sind. Eine bemerkenswerte Fußnote kommt vom Vorsitzenden des Philologenverbands Bernd Saur, der sich sonst als Standesvertreter des allgemeinbildenden Gymnasiums wenig um die Belange anderer Schularten schert.

Er behauptet, das Abitur der beruflichen Gymnasien sei ein „Abitur light“, da am beruflichen Gymnasium nur zwei Leistungsfächer zu belegen seien. Die Profilfächer an den beruflichen Gymnasien taugten nicht für ein allgemeines Abitur. Die beruflichen Gymnasien sollten deshalb nur eine fachgebundene Hochschulreife oder eine Fachhochschulreife vermitteln (Staatsanzeiger, 02.02.2018).

Alle drei Oberstufen sind KMK konform

Grundsätzlich gilt: Maßstab für die Ausgestaltung der Oberstufe sind die Richtlinien der Kultusministerkonferenz (KMK). Sowohl das Konzept der allgemeinbildenden Gymnasien als auch das Konzept der beruflichen Gymnasien sind in jedem Fall KMK-konform und können in dieser Form realisiert werden. Unabhängig davon sind die beruflichen und die allgemeinbildenden Gymnasien eigenständige Schularten mit jeweils eigenständigen Strukturen und einem eigenen inhaltlichen Profil. Sehr unterschiedlich sind auch die Schüler/innen. Das dreijährige berufliche Gymnasium beginnt mit der Klassenstufe 11 und setzt sich mit Schüler/innen aus ganz unterschiedlichen Schulen und Abschlüssen zusammen.

Die Schulen haben ein Profil, dessen Kern das Profilfach ist. Dieses Fach, das später Leistungsfach wird, müssen die Schüler/innen mit Eintritt in die Schulen wählen. Eine derartige Einschränkung gibt es für Schüler/innen des allgemeinbildenden Gymnasiums nicht. Das Profilfach wird zudem in der Abiturprüfung doppelt gewichtet. Die Kritik an den Profilfächern hat im Übrigen mit der derzeit diskutierten Reform der Oberstufe nichts zu tun, da es diese schon seit Jahrzehnten gibt und dort auch keine Veränderungen vorgesehen sind. Berufliche und allgemeinbildende Gymnasien sind unterschiedliche Schularten und bedürfen deshalb auch unterschiedlicher Strukturen, die für die jeweiligen Schüler/innen und Ziele sinnvoll sind.

Herr Saur geriert sich zwar als vermeintlicher „Gralshüter“ des baden württembergischen Abiturs – letztlich geht es ihm aber um etwas anderes. Die Gedankenspiele, die beruflichen Gymnasien sollten kein allgemeines Abitur mehr anbieten können, stellen das System der beruflichen Gymnasien als solches in Frage. Ganz offensichtlich befürchtet Herr Saur, dass in Zukunft vermehrt auch (gute) Schüler/innen aus dem allgemeinbildenden Gymnasium nach der Sekundarstufe I den Weg über das berufliche Gymnasium wählen.

Recht auf freie Wahl der Oberstufe

Die Position der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist hier aber klar: Die beruflichen Gymnasien sind neben der Oberstufe des allgemeinbildenden Gymnasiums und der Gemeinschaftsschule eine gleichberechtigte Oberstufe. Die Schüler/innen, die die Zugangsvoraussetzungen für den Besuch einer gymnasialen Oberstufe haben, müssen nach Abschluss der Sekundarstufe I das Recht auf freie Wahl der Oberstufe haben.

Die GEW setzt sich deshalb seit Jahren dafür ein, dass die Quotierung für den Zugang zum beruflichen Gymnasium abgeschafft wird. Die Vorstellungen des Vorsitzenden des Philologenverbandes grenzen an Realitätsverweigerung. 2016 erwarben 18.646 Schüler/innen ihr Abitur (36,5 Prozent) an einem beruflichen Gymnasium – 34.631 an einem allgemeinbildenden Gymnasium. Bezieht man die Fachhochschulreife mit ein, dann liegt der Anteil der beruflichen Schulen am Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung bei 52 Prozent. Die Zeiten, in denen das allgemeinbildende Gymnasium quasi ein Monopol auf Abitur und Hochschulzugangsberechtigung hatte, sind längst vorbei.

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Berufliche Bildung Bildungssystem Artikel b+w Baden-Württemberg
news-14059 Tue, 24 Apr 2018 16:59:02 +0200 Girls' und Boys'Day fördern klischeefreie Berufswahl https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/girls-und-boysday-foerdern-klischeefreie-berufswahl/ Um die Berufsfindung jenseits von Geschlechterklischees zu fördern, werden beim Girls' und beim Boys'Day am 26. April 2018 Rollenstereotype hinterfragt. Die GEW teilt das Ziel der klischeefreien Berufswahl und unterstützt die Aktionstage. Gleichberechtigung im Übergang von Schule zu Beruf oder Studium ist kein Selbstläufer. Mit dem Girls' und dem Boys'Day wird Jahr für Jahr erreicht, dass Mädchen wie Jungen Wunschberufe für sich entdecken, an die sie vorher nicht gedacht haben, und in denen bisher nur wenige Frauen beziehungsweise Männer arbeiten. Der Girls' und der Boys'Day finden am 26. April 2018 statt.

Am Girls'Day öffnen Unternehmen, Betriebe und Hochschulen in ganz Deutschland ihre Türen für Schülerinnen ab der 5. Klasse. Die Mädchen lernen dort Ausbildungsberufe und Studiengänge in IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik kennen, in denen Frauen bisher eher selten vertreten sind.

Mit dem Boys'Day gibt es zudem einen Jungen-Zukunftstag. Auch junge Männer haben vielfältige Interessen und Stärken, entscheiden sich aber ebenfalls oft für traditionelle Berufe wie Kfz-Mechatroniker oder Industriemechaniker.

Ziel der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist es, das Berufswahlspektrum für alle Jugendlichen zu erweitern und damit mehr Optionen für die berufliche Zukunft und Lebensplanung zu erschließen, kurz: die klischeefreie Berufswahl. Gewerkschaftliches Ziel der GEW ist es außerdem, die überwiegend von Frauen gewählten Berufe aufzuwerten. Die aktuelle Tarifrunde hat dazu einen Beitrag geleistet.

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Bildung & Geschlecht Gleichstellung Artikel Baden-Württemberg
news-14049 Tue, 24 Apr 2018 09:20:16 +0200 Berufliches Gymnasium: Eigener, gleichwertiger Weg zum Abitur https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/berufliches-gymnasium-eigener-gleichwertiger-weg-zum-abitur/ Die beruflichen Gymnasien bieten mit ihrer dreijährigen Oberstufe vielen Schüler/innen mit einem mittleren Abschluss einen eigenen Weg zum begehrten Abitur. Reformen stehen an, die Bildungspläne und die Struktur der Oberstufe werden angepasst. Im Jahr 2017 feierten die beruflichen Gymnasien ihr fünfzigjähriges Bestehen. In diesen Jahrzehnten entwickelten sich die beruflichen Gymnasien zu einer Erfolgsgeschichte, die aus dem Bildungssystem des Landes nicht mehr wegzudenken sind.

36 Prozent der Abiturient/innen erwarben 2016 ihren Abschluss an einem beruflichen Gymnasium. 42 Prozent aller Schüler/innen erwarben die Hochschulberechtigung. Damit erreicht Baden-Württemberg unter den Flächenländern Deutschlands einen Spitzenwert. Daran haben die beruflichen Gymnasien einen maßgeblichen Anteil.

Sie leisten dabei zweierlei: Die beruflichen Gymnasien bieten eine dreijährige Oberstufe mit einer Profilierung, die in dieser Form von den allgemeinbildenden Gymnasien nicht geleistet werden kann. Mit insgesamt zwölf Profilfächern von den Wirtschaftswissenschaften über die Technik bis hin zu den Ernährungs-, Agrar-, Sozialwissenschaften und der Biotechnologie kommt die Nähe zur beruflichen Bildung zum Tragen. Die Schüler/innen müssen mit Eintritt in ein berufliches Gymnasium ein Profilfach wählen, das später Leistungsfach ist.

Die beruflichen Gymnasien leisten außerdem einen wichtigen Beitrag zur Chancengerechtigkeit im baden-württembergischen Bildungssystem. Mit ihrer spezifischen Struktur, etwa der Möglichkeit, die zweite Fremdsprache in Klasse 11 zu beginnen, ermöglichen sie Schüler/innen mit einem mittleren Bildungsabschluss ein Abitur zu erlangen. Circa 85 Prozent der Schüler/innen kommen aus einem Bildungsgang, der mit einem mittleren Bildungsgang abschließt (Realschule, Werkrealschule, zweijährige Berufsfachschule, künftig auch Gemeinschaftsschule), nur circa 15 Prozent der Schüler/innen wechseln aus dem Gymnasium.

Reform ist in Arbeit

Das Kultusministerium (KM) arbeitet seit Sommer 2016 an einer Reform der beruflichen Gymnasien. Ziel ist es, einerseits die Bildungspläne, die teilweise mehr als zehn Jahre alt sind, zu überarbeiten und die Anschlussfähigkeit an die neuen Bildungspläne, die seit 2016 an den allgemeinbildenden Schulen eingeführt werden, sicherzustellen.

Andererseits hat die Kultusministerkonferenz (KMK) 2016 Vereinbarungen über die Abiturprüfung der gymnasialen Oberstufe geändert, an die auch das Land Baden-Württemberg gebunden ist. Die Zielsetzung der geplanten Reform besteht darin, die Zahl der Leistungsfächer zu reduzieren, mehr Unterrichtszeit für Leistungsfächer zur Verfügung zu stellen und in den basalen Fächern wieder eine Differenzierungsmöglichkeit zu schaffen.

Im Kern ist Folgendes geplant:

  • Die Zahl der Leistungsfächer soll auf zwei reduziert werden. Dies ist zunächst das Profilfach, das auch zukünftig mit sechs Schülerwochenstunden (SWS) unterrichtet werden soll.
  • Zukünftig sollen die Schüler/innen zwischen Deutsch oder Mathematik wählen können. Damit wird es in diesen Fächern wieder eine Differenzierungsmöglichkeit geben.
  • An der Struktur des beruflichen Gymnasiums mit seinen Profilfächern wird sich nichts ändern. Lediglich am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium mit dem Profil Gesundheit soll das Profilfach zukünftig von „Gesundheit und Pflege“ in „Gesundheit und Biologie“ umgewandelt werden, um den Bezug zur Fachwissenschaft Biologie stärker zu betonen.
  • Bei den basalen Fächern auf Grundfachniveau will das KM von der Ausnahmeregelung in den KMK-Richtlinien Gebrauch machen. Diese sollen mit vier SWS unterrichtet werden, um eine zusätzliche Förderung zu ermöglichen. Damit will man dem sehr unterschiedlichen Schülerklientel, das aus verschiedenen Schularten kommt, Rechnung tragen.
  • Bei der Abiturprüfung wird es bei vier schriftlichen und einer mündlichen Prüfung bleiben. Damit sollen in allen relevanten Fächern zentrale Prüfungsaufgaben vorliegen, mit denen ein entsprechendes Anforderungsniveau definiert wird. Bei der mündlichen Prüfung rückt man von der Präsentationsprüfung ab und geht zurück auf eine klassische mündliche Prüfung.
  • Das erste, schriftliche Prüfungsfach ist das Profilfach, das zweite das weitere Leistungsfach. Das dritte schriftliche Prüfungsfach muss zwingend aus dem Kanon der basalen Fächer stammen, so dass mindestens zwei dieser Fächer schriftlich geprüft werden. Die weiteren Prüfungsfächer sind frei wählbar.
  • Die Naturwissenschaften werden zukünftig in den Jahrgangsstufen dreistündig unterrichtet und nicht mehr zwei oder vierstündig.
  • Neu hinzu kommt ein zweistündiges Ergänzungsfach als Wahlpflichtfach, das zumeist der Naturwissenschaften zugeordnet ist. Eine Ausnahme bildet allerdings das Technische Gymnasium. Hier soll das Ergänzungsfach eine Erweiterung der gewählten Naturwissenschaft (Physik oder Chemie) darstellen. Gerade an den Technischen Gymnasien gibt es große Vorbehalte gegen die Abschaffung der vierstündigen Naturwissenschaften. Die jetzt vorgeschlagene Kombination aus drei SWS Naturwissenschaft und zwei SWS Ergänzungsfach soll dies kompensieren. Die Schüler/innen am Technischen Gymnasium haben damit aber keinerlei Wahlmöglichkeiten mehr.

Zukünftig muss das Fach Wirtschaft nicht mehr durchgängig in der Jahrgangsstufe belegt werden. Da Wirtschaft in der Sekundarstufe I neu eingeführt wird, muss es in allen Beruflichen Gymnasien nur in der Eingangsklasse belegt werden.

Das Fach Informatik muss überall in allen drei Jahren der Oberstufe belegt werden. Damit soll der wachsenden Bedeutung der Digitalisierung Rechnung getragen werden, ohne gleichzeitig die Gesamtstundenzahl für die Schüler/innen zu erhöhen.

Sonst wird sich an der Struktur der Oberstufe des beruflichen Gymnasiums kaum etwas ändern. Die Regelungen zur zweiten Fremdsprache müssen selbstverständlich erhalten bleiben. Es wird auch weiterhin allgemeine und berufsbezogene Wahlfächer geben – hier soll es nur kleinere Anpassungen geben.

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Berufliche Bildung Artikel b+w Baden-Württemberg
news-13976 Wed, 18 Apr 2018 13:11:09 +0200 Konflikte sind Chefsache https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/konflikte-sind-chefsache/ „Konfliktklärungshilfe für Schulen - Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Konfliktkultur“ lautete der Titel zur Tagung von GEW und dem Landesverband Schulpsychologie BW Ende Januar 2018. Was tun, wenn sich ein Schulleiter hilfesuchend an seine Schulrätin wendet, weil zwei seiner Lehrkräfte seit längerer Zeit einen Konflikt haben? Wie kann sie die Klärung des Konfliktes unterstützen? Wer kann noch helfen? Darf der Schulleiter eine Konfliktklärung anordnen? Was passiert, wenn einer der Beteiligten sich verweigert?

Viele solcher Fragen tauchen auf, wenn Anfragen zu Konflikten bei der Schulaufsicht landen. Ziel der Fortbildungstagung in Stuttgart war, Schulrät/innen und Schulpsycholog/innen, die in den Staatlichen Schulämtern häufig unter einem Dach und doch mit ganz unterschiedlichen Aufträgen für die Schulen in ihrer Region tätig sind, eine Orientierung für ein gemeinsames Vorgehen zu geben. Im Mittelpunkt stand die Frage, wer bei der Bearbeitung von Konflikten an Schulen welche Rolle übernehmen kann und muss. Als methodische Basis der Fortbildung diente die Klärungshilfe, eine effektive, eigenständige Methode der Mediation, also der Vermittlung bei Konflikten im beruflichen und privaten Bereich.

Christian Prior, der seit über 20 Jahren als Klärungshelfer und Systemberater in Unternehmen, Ministerien und Kliniken tätig ist, gab einen Einblick in die Grundlagen der Klärungshilfe und ordnete die Zuständigkeiten und Handlungsmöglichkeiten in die Hierarchie der Schulverwaltung ein. Eine seiner wichtigsten Botschaften lautete: „Konflikte sind Chefsache“. Abgesehen davon, dass in einem Konfliktfall direkte Vorgesetzte aufgrund ihrer Fürsorgepflicht verpflichtet seien, aktiv zu werden, sei es auch ethisch und systemisch betrachtet klug, Konfliktfälle nicht zu delegieren, empfahl Prior. Führungskräfte würdigten dadurch den Ernst der Lage und signalisierten Wertschätzung. Da sie ohnehin für die Lösungen die Verantwortung tragen müssten, sei es sinnvoll, Lösungsideen von Beginn an zu begleiten. Auch könnten auf diese Weise Anteile der Führungskraft am Konfliktgeschehen besser aufgearbeitet werden. Nicht zuletzt diene eine Führungskraft, die sich für die Klärung von Konflikten einsetze, als positives Modell für die nachfolgenden Hierarchieebenen und sei damit die Schlüsselfigur für die Entwicklung einer positiven Konfliktkultur in der Schule.

Und wer sollte bei einem Konfliktklärungsgespräch dabei sein? Neben dem direkten Vorgesetzten sollten alle Personen dazukommen, die direkt am Konflikt beteiligt oder auch indirekt betroffen sind (z. B. Teamkolleg/innen). Es kann auch hilfreich sein, als neutralen Unterstützer den Personalrat einzubeziehen. Wenn direkte Vorgesetzte involviert sind, sollte der nächsthöhere Vorgesetzte einbezogen werden. Und dann natürlich Schulpsycholog/innen oder Schulrät/innen als Klärungshelfer/innen und neutrale Moderator/innen. Zur Frage der Freiwilligkeit positioniert sich die Klärungshilfe eindeutig: Auch, wenn im Idealfall alle Beteiligten aus freien Stücken zum Klärungsgespräch kommen, können zumindest die Mitarbeiter/innen zu einer Teilnahme in der Arbeitszeit verpflichtet werden. Sie werden als stumme Beobachter eingeladen, am besten noch verdeutlicht durch einen zurückgesetzten Stuhl. In aller Regel, referierte Prior, überwiege im Gespräch schnell das Bedürfnis, die eigene Sichtweise einzubringen und das anfängliche Schweigen werde aufgehoben.

Das Klärungsgespräch selbst folgt einer festen Dramaturgie (siehe Abbildung 1 (JPG)): In der Anfangsphase (1) begrüßt zunächst die Leitungsperson und fasst die Gründe für den Termin zusammen. Dann übergibt sie das Zepter an die Moderation, die die Methode der Klärungshilfe vorstellt. Es folgt eine Phase der Selbstklärung und Sammlung (2), in der alle Anwesenden ihre subjektive Sicht schildern können.

Die Moderation versucht, die entscheidenden Themen zu identifizieren und visualisieren. Erst dann schließt sich die Phase der Diskussion (3) an – „Dialog der Wahrheiten“ genannt. Hier tauschen sich die Anwesenden mit ihren subjektiven Wahrheiten, ihren persönlichen Verletzungen und Gefühlen aus. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, warum es meist sinnvoll ist, das Klärungsgespräch von einer externen Person moderieren zu lassen. Moderiert die Führungskraft, so muss sie zwei Rollen unter einen Hut bekommen: Als Vorgesetzte muss und will sie inhaltlich und emotional Stellung zum Konflikt beziehen. Als Moderatorin muss sie hingegen allparteilich bleiben. Das kann vor allem dann herausfordernd sein, wenn es – was in Konflikten eher der Normalfall ist – emotional hoch hergeht. Emotionale Zustände, die im professionellen Setting ohne Klärungshilfe eher sozial unerwünscht sind – Empfindlichkeit, Trotz, Aggression, Angst etc. – bekommen mit dieser Methode Raum und erfahren Akzeptanz. Als Souveränität zweiter Ordnung werden sie bezeichnet und es wird anerkannt, dass gerade in Konfliktsituationen die Betroffenen nicht immer zielorientiert und selbstsicher über den Dingen stehen, sondern auch handfeste Schwächen und Fehler zeigen. Der Klärungshelfer führt die Beteiligten durch diesen, manchmal stürmischen Prozess. Vor allem die Methode des Doppelns verlangsamt und strukturiert den Dialog, verhindert Eskalationen und ermöglicht, dass jeder die Kernpunkte des anderen versteht. Ziel ist es, dass jede Konfliktpartei ihren Anteil an der Gesamtentwicklung des Konflikts erkennen kann, dass Feindbilder und verhärtete Gefühle aufgeweicht werden und eine Offenheit für konstruktive Lösungen entsteht (Abbildung 2 (JPG)).

In der Erklärungs- und Lösungsphase (4) bietet die Moderation aus ihrer neutralen Außenperspektive eine Erklärung für den Konflikt an, die ohne Schuldzuweisung die Ursachen und Mechanismen beschreibt. Wenn alle Anwesenden dieser Erklärung zustimmen können, wird gemeinsam nach tragfähigen Lösungen gesucht. In der Abschlussphase (5) wird besprochen, wie es weitergeht. Es bleibt Raum für Manöverkritik und die Moderation gibt das Zepter an die Führungskraft zurück.

Inwieweit können die Beamtenstrukturen, die nur wenig Sanktionsmöglichkeiten bieten, dazu führen, dass die Bereitschaft zur Konfliktklärung geringer ausfällt als in anderen, weniger gesicherten Berufen? Nach Priors Erfahrung sind Haltung und Charakterstärke bei Vorgesetzten in Beamtenstrukturen besonders bedeutsam. Eine Führungskraft könne einfordern, dass ihre Werte mitgetragen werden. Daneben sei es für das Arbeitsklima besser, Gräben zu erkennen und nicht einfach zu ignorieren. Allein diese Klarheit schaffe neuen Handlungsspielraum.

Nach dieser Einführung setzten sich Schulrät/innen und Schulpsycholog/innen in regionalen Gruppen zusammen und versuchten, das Gehörte anhand eigener Erfahrungen einzuordnen. An oft komplexen Fallbeispielen aus ihrer täglichen Praxis diskutierten sie, wie ein abgestimmtes Vorgehen aussehen könnte. Als hilfreich erwies sich meist schon das gemeinsame Strukturieren: Wer sind die Beteiligten? Wo liegen die Verantwortlichkeiten? Wie können die Aufgaben sinnvoll aufgeteilt werden? Zum Abschluss wurden im Plenum die Chancen diskutiert, die sich durch eine klare Rollenzuordnung mit einer externen Moderation in schulischen Konflikten eröffnen.

Die Veranstaltung war der Auftakt zu einer verstärkten Zusammenarbeit von Schulpsycholog/innen und Schulrät/innen bei dem wichtigen Thema Konflikte an Schulen. Als Anregung gab Christian Prior den Teilnehmenden mit auf den Weg, Teamgespräche nach der Methode der Klärungshilfe schon präventiv einzusetzen. Eine institutionalisierte Metakommunikation in Kollegien, moderiert von der Führungskraft, beuge Konflikten vor und fördere die Motivation.

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Artikel b+w Baden-Württemberg
news-13967 Wed, 18 Apr 2018 11:36:31 +0200 Lieber flexibel als pädagogisch https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lieber-flexibel-als-paedagogisch/ Die Zahl der Ganztagsschulen steigt weiter. Im kommenden Schuljahr 2018/19 gibt es weitere 31 Grundschulen und 5 SBBZ, die sich auf den Weg zur Ganztagsschule nach dem Schulgesetz machen. Hinzu kommen 5 weiterführende Schulen. Nach wie vor gibt es nur für Grundschulen und SBBZ die schulgesetzliche Ganztagsregelung. Für die weiterführenden Schulen fehlt sie noch immer. Sie müssen den Ganztagsbetrieb wie in den vergangenen Jahrzehnten über den Schulversuchsparagrafen beantragen. Einer Realschule, drei Gymnasien und einem Schulverbund wurden die Anträge bewilligt.

Mehr denn je tendieren die Schulen dazu, die Wahlform der Ganztagsschule zu wählen. Von den Grundschulen, die im kommenden Schuljahr mit dem Ganztag sukzessive beginnen oder komplett auf ihn umstellen (beides ist nach der letzten Schulgesetzänderung möglich), hat sich nur eine Schule für die gebundene Form entschieden.

Die Flexibilität ist den Eltern offensichtlich ein hohes Gut und sie haben in der Kultusministerin eine starke Unterstützerin. Nicht der „Ganztag“ als Konzept mit pädagogischem Mehrwert überzeugt die Eltern, der Wunsch nach einer möglichst flexiblen Betreuung ist größer. Die GEW bleibt dabei, dass an Ganztagsschulen die Pädagogik im Vordergrund stehen muss und die Umsetzung eines qualitätsvollen Ganztags einen umfassenden und für alle Schüler/innen verbindlichen Betrieb zwingend macht. Ein Ganztag in Wahlform ist nur eine halbe Sache!

Die weiterführenden Schulen verzeichnen einen verhaltenen Zuwachs von fünf Schulen im kommenden Schuljahr. Die gesetzliche Verankerung auch für die Sekundarstufe wird immer dringlicher. Es ist zu hoffen, dass der nächste Ganztagsgipfel des KM am 18. Juni eine Perspektive eröffnet.

Pilotprojekt „Koordinierungsstelle“

Kurz nach Bekanntgabe der neu genehmigten Ganztagsschulen Anfang März eröffnete das Kultusministerium eine weitere Veränderung, nämlich den Start eines Pilotprojekts „Koordinierungsstelle Ganztagsschule“. Diese Stelle hat die Aufgabe, Schulen von Verwaltungsaufgaben im Zusammenhang mit der Organisation des Ganztagsbetriebs zu entlasten. An sechs Standorten im Land soll ausgebildetes Verwaltungspersonal vor allem die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern unterstützen. Die GEW begrüßt dies sehr, denn auch bei der GEW gab und gibt es viele Rückmeldungen zum enormen Aufwand, den die Schulen mit der Organisation ihrer oft zahlreichen und wechselnden außerschulischen Partner haben.

Außerdem sollen mit der Koordinierungsstelle die unterschiedlichen Fördermittel für den Ganztag gebündelt werden. Man könnte dies durchaus als Schritt in Richtung Professionalisierung des Ganztags werten, die den Schulen mehr Spielraum für andere Aufgaben verschafft. Man könnte auch dem Vorschlag des Städtetags folgen, die Mittel für das Mittagsband, die Jugendbegleiter und die Kosten der außerschulischen Partner in einem Budget zusammenzuführen, um den bürokratischen Aufwand zu verringern. Allerdings dürften in dieses Budget die für die Monetarisierung von Lehrerwochenstunden vorgesehenen Mittel nicht einfließen, sondern müssen zusätzlich bereitgestellt werden. Dies ist angesichts der Knappheit der Mittel und der schlechten Ausstattung der bereits laufenden Reformen jedoch unwahrscheinlich, weshalb diese Vorschläge mit der gebotenen Zurückhaltung geprüft werden müssen.

Die GEW hat von Beginn der Debatte zur Ganztagsschulgesetzgebung gefordert, keine Lehrerwochenstunden zur Finanzierung des Ganztags umzuwidmen, weil diese für die zahlreichen Reformen gebraucht werden. Inzwischen hat sich die Situation noch einmal deutlich verschärft: Es wäre beim derzeitigen Lehrermangel geradezu fahrlässig, weiterhin an der Monetisierung festzuhalten und dadurch die Qualität von Schule und Unterricht zu verschlechtern.

Skepsis bleibt

Außerdem muss der Vorschlag schon aufgrund der neuerlichen Skepsis gegenüber Schulversuchen nachdenklich stimmen. Zwar nennt sich das Ganze „Projekt“, ist der Intention nach aber nichts anderes als ein „Versuch“. Zur Organisation des Ganztags liegen seit Jahren viele Erfahrungen vor, sei es von den Schulen selbst, sei es von Informations- und Beratungsstellen wie „Ganztägig lernen“ oder vom Ganztagsschulverband. Die Einrichtung von Schul- oder auch Verwaltungsassistenz unter anderem für die Organisation des Ganztags könnten die Schulleitungen sicher auch ohne langwierige Projekterkenntnisse zügig nutzen. Bleibt zu hoffen, dass das Pilotprojekt nicht dazu dient, die dringend benötigte Unterstützungsleistungen für Ganztagsschulen auf die lange Bank zu schieben.

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Artikel b+w Baden-Württemberg
news-13964 Wed, 18 Apr 2018 11:11:10 +0200 Schulen müssen auch kommissarisch gut geleitet werden https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/schulen-muessen-auch-kommissarisch-gut-geleitet-werden/ Oft dauert es lange, bis die Schulleitungsstellen wieder besetzt werden können. Diese Zeit überbrücken oft kommissarische Leitungen mit viel Aufwand, bekommen aber kein zusätzliches Geld. Die übergangslose Besetzung von Funktionsstellen nach dem Ausscheiden von Amtsinhaber/innen gelingt häufig nicht. Auch in der Zwischenzeit muss die betroffene Schule gut geleitet werden. Mit der kommissarischen Leitung werden manchmal die Leiter/innen benachbarter Schulen beauftragt. Häufig übernehmen aber Kolleginnen und Kollegen der jeweiligen Schule die Aufgabe. Im März hat die GEW in einem Brief an das Kultus- und an das Finanzministerium mehr Geld und mehr Zeit für die Kolleg/innen gefordert, die vorübergehend die Leitungsverantwortung übernehmen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat der GEW in Abstimmung mit Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) und dem Staatsministerium geantwortet. Viel Hoffnung macht Eisenmann nicht: Die Frage einer Zulage will sie im Rahmen des Konzepts zur „Stärkung und Entlastung der Schulleitungen“ prüfen. Für Eisenmann wäre diese Zulage für die kommissarische Übernahme von Funktionsstellen allerdings ein „Novum“, das bisher nicht existiere.

Den kommissarischen Schulleitungen eine höhere Leitungszeit zu vergeben als den Schulleitungen hält die Kultusministerin für nicht angebracht, „da diese keinen höheren Aufwand haben als die Schulleiterinnen und Schulleiter selbst. Jede Schulleitung muss zu Beginn ihrer Tätigkeit eine Einarbeitungszeit durchlaufen, ohne in dieser Zeit mehr Leitungszeit zu erhalten.“ Damit verkennt die Kultusministerin allerdings etwas Wesentliches. Es macht einen Unterschied, ob sich eine neue Leitungsperson oder eine kommissarische Vertretung einarbeitet. Für eine/n neue/n Schulleiter/in mag es akzeptabel sein, die Einarbeitungszeit quasi als Bedingung für die spätere Aufgabe zu investieren. Immerhin hat sich diese Person aktiv auf die Stelle beworben. Die kommissarische Leitung wird oft von der Schulaufsicht bestimmt und kehrt danach in die alte Aufgabe z.B. als Lehrer/in zurück. Für diese Personen lohnt sich der Mehraufwand für die Einarbeitung nicht. Abgesehen davon wäre es durchaus sinnvoll, allen neuen Leitungspersonen während der Einarbeitung mehr Zeit und Unterstützung zur Verfügung zu stellen.

Die Haltung des Kultusministeriums ist kein Beitrag zur Lösung. Im Land sind derzeit viele Schulleitungen nicht besetzt. Laut Kultusministerium waren im September 2017 in Baden-Württemberg 231 offene Stellen für Schulleiter/innen ausgeschrieben, viele blieben jedoch unbesetzt. Vor allem an Grundschulen, aber auch an anderen, vor allem Schularten mit kleineren Schulen, gibt es zu wenige Bewerber/innen für den Posten. In einigen Fällen muss die Schule mehrere Monate, in vielen Fällen ein ganzes Schuljahr und in nicht wenigen Fällen auch über ein Schuljahr hinweg kommissarisch geleitet werden. Für die Qualität der Arbeit an den Schulen ist es unerlässlich, dass auch während einer Übergangszeit nach dem Ausscheiden einer Stelleninhaberin oder eines Stelleninhabers die Schulleitung gewissenhaft ausgeführt wird.

Wenn sich die Bedingungen für die Personen, die kommissarische Leitungsaufgaben übernehmen, verbessern, wären bestimmt auch mehr Kolleginnen und Kollegen bereit, kommissarische Leitungsaufgaben zu übernehmen. Dieser Personenkreis stellt auch eine relevante Gruppe dar, aus der Bewerbungen für die zu besetzende Stelle erwartet werden können. Deshalb ist es für die GEW unerlässlich, dass die Landesregierung die Bedingungen für die kommissarischen Leitungen bei der Besoldung und bei der Leitungszeit verbessert.

Kommissarische Leitungen brauchen mehr Zeit

Kommissarische Schulleitungen, die aus ihrer bisherigen Tätigkeit als Lehrer/in mit der Leitung beauftragt werden, müssen sich in alle Aufgaben einer Schulleitung nach innen und außen neu einarbeiten und qualifizieren. Es ist offensichtlich, dass diese kommissarischen Schulleitungen für die Leitungsaufgaben einen erhöhten Aufwand haben.

Für die kommissarische Leitung stehen für diese Aufgaben aber nur die Stunden zur Verfügung, die für eine reguläre Schulleitung vorgesehen sind. Für den erhöhten Aufwand können die kommissarischen Leitungen keine zusätzliche Leitungszeit bekommen. Die kommissarischen Leitungen brauchen zum Beispiel mehr Zeit als erfahrene Schulleiter/innen für
•    Planung und Durchführung von Konferenzen
•    Lehrauftragsverteilung und Stundenplangestaltung
•    Präsentation der Schule z.B. bei Infoveranstaltungen
•    Bedarfsgespräche mit der Schulverwaltung
•    Stellenausschreibungen und Stellenbesetzungen
•    Dienstliche Beurteilungen
•    Konfliktgespräche im Kollegium
•    Anwendung verschiedener Verfahren (wie z.B. Dienstvereinbarung Sucht)
•    Online-Verfahren, Statistik
Die GEW hat das Kultusministerium deshalb nachdrücklich aufgefordert, den kommissarischen Schulleitungen für den erhöhten Aufwand umgehend eine um 50 Prozent erhöhte Leitungszeit zu geben.

Kommissarische Leitungen sollten mehr verdienen

Die Schulleitungen in Baden-Württemberg werden für ihre Verantwortung, Kompetenzen und Aufgaben höher besoldet als Lehrkräfte. Aber auch die kommissarischen Schulleitungen tragen Verantwortung für die Schule und leisten die zusätzliche Arbeit ohne jeden finanziellen Ausgleich. Das ist in keiner Weise angemessen. Die GEW hat deshalb das Kultusministerium aufgefordert, den kommissarischen Schulleitungen für die Zeit ihrer Aufgaben die reguläre Besoldung zu gewähren. Für diese Zulage muss das Kultusministerium die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen schaffen. Dies würde das Land nicht einmal mehr kosten, da die Bezüge für die Schulleitung während der Vakanz nicht ausbezahlt werden.

Die fehlende finanzielle Vergütung für die kommissarische Übernahme von Funktionsstellen beschränkt sich nicht auf schulische Funktionsstellen. Die Funktionsstellen in der Schulverwaltung und in der Lehrerausbildung sind genauso davon betroffen. Die GEW hat das Kultusministerium deshalb aufgefordert, alle Funktionsstellen in die neue Regelung einzubeziehen.
Die Antwort der Kultusministerin ist ernüchternd. Die GEW wird sich trotzdem weiterhin für eine Verbesserung der kommissarischen Leiter/innen einsetzen.  

 

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Artikel Schulleitung b+w Baden-Württemberg
news-13961 Wed, 18 Apr 2018 10:35:44 +0200 Welches Abitur brauchen wir? https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/welches-abitur-brauchen-wir/ Drei unterschiedliche Schularten führen zum Abitur: die allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien, und – wenn auch sehr begrenzt – gehören jetzt auch die Gemeinschaftsschulen dazu. Die verschiedenen Wege bleiben nicht ohne Wirkung. Von rund 90.000 Schülerinnen und Schülern aus Klasse vier wechselten in Baden-Württemberg zum Schuljahr 2017/18 gut 44 Prozent auf ein Gymnasium. Die Übergangsquote ist gegenüber den Vorjahren leicht gestiegen. Außerhalb von Baden-Württemberg liegen die Quoten teilweise deutlich höher. In Hamburg lag die Quote 2016 mit über 57 Prozent am höchsten, deutschlandweit liegt sie bei 53 Prozent. 1968 waren es noch 11 Prozent.

Ist die Entwicklung erfreulich oder beklagenswert? Je nachdem wen man fragt, lauten die Antworten unterschiedlich. Die OECD ist der Meinung, Deutschland brauche zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts mehr Abiturient/innen. Ein Blick ins Ausland zeigt, dort ist die Quote höher. „Die massive Bildungsexpansion entspricht internationalen Entwicklungen“, sagte Prof. Anne Sliwka auf dem Gymnasialtag der GEW Anfang März. Das Abitur werde zum Regelabschluss.

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin warnt vor einem Akademierungswahn und meint, ein Studium sei nicht alles. Die Berufsausbildung werde unverantwortlich geringgeschätzt. Der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) schrieb dagegen in der ZEIT Ende 2016: „Viele Kritiker des heutigen Abiturs zählten sich vor Jahren mit ihrem Abitur zur Bildungselite und fühlen sich heute angesichts der Abiturienten-Heerscharen entwertet. Erstaunlich, dass viele dieser Kritiker für ihre eigenen Kinder selbstverständlich das Abitur einfordern.“

Was der Arbeitsmarkt verlangt

Die Anforderungsprofile auf dem Arbeitsmarkt veränderten sich drastisch. Manuelle Routinetätigkeiten gehen massiv zurück. Mit der Digitalisierung verschwinden auch immer mehr mittlere Tätigkeiten. Gefragt sind weltweit komplexe Problemlösefähigkeiten in Teams. „Für dieselbe Tätigkeit wird heute eine höhere Bildung erwartet“, erklärte Sliwka, aus einer Arzthelferin werde beispielsweise eine Assistentin. Für Frauen sei die Entwicklung vorteilhafter als für Männer, weil Soft Skills, die eher Frauen zugeschrieben werden, an Bedeutung gewinnen würden.

Auch der Bedarf an Lehrkräften nehme zu. „Lehrkräfte arbeiten für die Wissensgesellschaft und in Teams, diese komplexe Aufgabe wird nicht aussterben“, prognostizierte die Erziehungswissenschaftlerin Sliwka.“ Früher sei in der Arbeitswelt wichtig gewesen, dass viele das Gleiche können, heute seien unterschiedliche Kompetenzen gefragt. „In der Schule des 21. Jahrhunderts gewinnen Personalisierung und kooperatives Problemlösen an Bedeutung“, betonte Sliwka.

Wie immer man die steigenden Abiturientenzahlen beurteilt, unbestritten ist, dass Gymnasien im Wandel sind. Wer Bilder von Abi-Abschlussklassen anschaut, sieht eine bunte, große Vielfalt. Die relativ homogenen Klassen aus den 60ern gibt es nicht mehr. Aber nicht nur die Zusammensetzung der Schüler/innen hat sich verändert, auch die Art der Wissensbeschaffung und wie Schüler/innen lernen, ist im Umbruch. Vor ein paar Jahrzehnten hatten viele Schüler/innen kaum Zugang zu Büchern, heute können alle rund um die Uhr im Internet recherchieren. Schüler/innen und Studierende bevorzugen Filme, Bilder und Musik. Texte lesen sie meist nur in Auszügen, der virtuelle Austausch mit anderen ist allgegenwärtig, der Schlafrhythmus schiebt sich nach hinten. Schüler/innen sind schnelle Antworten und unmittelbare Reaktionen gewohnt. „Wenn Lehrkräfte sagen, sie hätten nächste Woche Zeit, können das Schüler/innen oft nicht verstehen“, erzählte die Wissenschaftlerin.

Wie kann zeitgemäßes Lernen mit dieser bunten Schar an Schüler/innen in der Oberstufe stattfinden? Selbstregulation ist ein Stichwort, das Sliwka wichtig findet. „Kognitive, metakognitive, emotionale und motivationale Prozesse sind dabei untrennbar verbunden“, erklärt sie. Es geht folglich nicht nur um Wissenszuwachs, Schüler/innen sollten den Stoff interessant finden und Freude daran haben. Wie man auf ein Ziel hinarbeitet und dass über Lernen reflektiert werde, gehöre zum Lernprozess dazu. Daher gewinne das Lerncoaching an Bedeutung. „Studierende scheitern in der Regel nicht an mangelnden kognitiven Fähigkeiten, sondern an fehlender Selbstregulation“, weiß Sliwka aus Erfahrungen mit ihren Studierenden.

Das Vorwissen, das Schüler/innen mitbringen, sei fürs Lernen entscheidender als Intelligenz. Deshalb wies Sliwka auf die Bedeutung von früher Bildung hin. Um in der Oberstufe gut lernen zu können, müssten vorher, unabhängig vom Elternhaus, die Grundlagen gelegt werden. Gutes sprachliches Niveau und gute mathematische Kenntnisse seien die Voraussetzung, dass in der Oberstufe die vielen anspruchsvollen Ziele erreicht werden könnten.

Welche Ziele sind gemeint? „Mir wird vorgeworfen, ich argumentiere ökonomisch“, erklärt die Bildungsforscherin. Wobei sie durchaus andere Ziele im Blick hat: ein Sozialleben führen können, mit Freiheit umgehen lernen, die Persönlichkeit zu entwickeln, Antworten zu finden auf Fragen „Wer bin ich? Welche Talente stecken in mir? Wer will ich sein?“ und andere mehr.
Sliwka vermisst aber genau darüber eine Debatte. Wie viele Abiturient/innen wollen wir? Brauchen wir so viele oder brauchen wir nicht auch Handwerker/innen? Welcher Stoff soll unterrichtet werden, wie breit und wie tief? Was soll im Abitur geprüft werden? Welche Bedeutung bekommt die Abschlussnote? Darüber gebe es in Deutschland keine Zielklarheit.
Sliwka hat sich mit erfolgreichen PISA-Ländern wie Kanada, Singapur oder Finnland auseinandergesetzt. Diese Länder seien sehr unterschiedlich, aber erfolgreichen Ländern sei gemeinsam, dass dort Entwicklungsziele auf verschiedenen Ebenen planmäßig ineinandergreifen (Stichwort ‚alignment‘).

Ob es in Deutschland oder Baden-Württemberg mehr oder weniger Abiturient/innen geben soll, darüber gibt es keinen politischen Konsens. Die Zahlen steigen schlicht deshalb, weil immer mehr Eltern ihre Kinder aufs Gymnasium schicken und immer mehr Schüler/innen über die beruflichen Schulen oder den zweiten Bildungsweg eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben. Das Abitur gilt als Türöffner für eine erfolgreiche Biografie. Dass man das Abitur für ein erfülltes Leben nicht brauche, gilt immer nur für die anderen, nie für die eigenen Kinder. Aus diesem Grund werden Schulen, die keine Perspektive zum Abitur bieten, von den Eltern abgewählt. Deshalb ist es so elementar wichtig, dass auch Gemeinschaftsschulen ein Weg zum Abitur eingeräumt wird. Die beruflichen Gymnasien sind schon lange für viele Schüler/innen zur zweiten Chance geworden. Sie sind ein Sammelbecken vieler Schüler/innen, die in der 5. Klasse nicht aufs Gymnasium konnten oder wollten. Viele sind an beruflichen Schulen erfolgreich. Über ein Drittel aller Abiturient/innen haben ihren Abschluss dort gemacht.

Auch die Bildungsinhalte auf dem Weg zum Abitur sind strittig. Deutlich werden die Diskrepanzen, wenn, wie zurzeit bei der Oberstufe, um Reformen oder Bildungspläne gerungen wird. Die GEW plädiert beispielsweise für eine Stärkung der Gesellschaftswissenschaften, die Landesregierung hat stattdessen das Fach „Wirtschaft“ durchgesetzt. (Siehe Text von Jürgen Stahl ab Seite 18) Die beruflichen Schulen kämpfen darum, dass ihr Abschuss nicht als „Abitur light“ (Siehe Text von Michael Futterer ab Seite 20) abgewertet wird. Und bisher ist es nur zwei Gemeinschaftsschulen gelungen, dass sie überhaupt eine Oberstufe einrichten dürfen. Sie stehen unter besonderer Beobachtung und unter Erfolgsdruck.

Anne Sliwka plädiert für ein flexibles Kurssystem der Oberstufe. Der in Baden-Württemberg entwickelte Vorschlag eines „Abiturs im eigenen Takt“ sei wegweisend. Dies würde sowohl dem Bedürfnis nach einem zeitgemäßen Umgang mit Heterogenität, dem Trend zur Personalisierung von Lernprozessen und dem moralischen Gebot von Chancengerechtigkeit entgegenkommen. Auch die GEW unterstützt den flexiblen, durchlässigen und individuellen Weg zum Abitur.

„Schule kann nicht aus dem Blickwinkel einer Schulart gestaltet werden. Eine Veränderung in einer Schulart hat Konsequenzen für die anderen“, sagte die GEW-Vorsitzende Doro Moritz auf dem Gymnasialtag. Werden die Profile der einzelnen Schularten verwässert, verschärft sich die Konkurrenz der Schulen um die guten Schüler/innen. G9-Züge an allgemeinbildenden Gymnasien beispielsweise schwächen Schulen, die G9-Gymnasien sind oder sein könnten: berufliche Gymnasien und Gemeinschaftsschulen. G9-Züge an allgemeinbildenden Gymnasien führen auch dazu, dass mehr leistungsschwächere Schüler/innen an diese Schulen drängen und dort die Heterogenität der Schüler/innen steigert. Gemeinschaftsschulen haben damit kein Problem.
Bildungsziele, Schulprofile, Wege, Inhalte, Anforderungen zum Abitur, vieles bleibt seltsam konturlos.

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Artikel Gymnasium b+w Baden-Württemberg
news-13913 Fri, 13 Apr 2018 11:21:02 +0200 23.000 Streikende fordern mehr Geld https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/23000-streikende-fordern-mehr-geld/ In Baden-Württemberg haben in den vergangenen Tagen insgesamt etwa 23.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes für sechs Prozent mehr Gehalt gestreikt – darunter viele Erzieherinnen und Erzieher sowie Sozialarbeiterinnen und -arbeiter. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zieht eine positive Bilanz der Warnstreiks in dieser Woche in Baden-Württemberg. 23.000 Beschäftigte aus allen Bereichen des öffentlichen Dienstes, darunter auch zahlreiche Erzieher/innen und Sozialarbeiter/innen, beteiligen sich an Warnstreiks in vielen Städten und Gemeinden.

„Jetzt sind die Arbeitgeber am Zug. Ohne eine satte Lohnsteigerung wird es in der nächsten Woche in Potsdam keine Einigung geben“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der GEW Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Zum Auftakt der Streiktage haben sich am Dienstag in vielen Städten und Gemeinden in Mittel- und Südbaden mehr als 4.000 Beschäftigte an den Warnstreiks beteiligt. Unter den Streikenden waren wie schon bei den ersten Warnstreiks vor den Osterferien viele Erzieher/innen und Sozialarbeiter/innen.

„Die Beschäftigten stehen hinter der gewerkschaftlichen Forderung, das ist eindeutig. Die Arbeitgeber sollten die Signale richtig deuten“, so Moritz am Dienstag, den 10. April 2018, in Karlsruhe.

Die Streiks wurden in den nächsten beiden Tagen fortgesetzt.

Arbeitgeber provozieren Streiks

Am zweiten Tag in der dritten Warnstreikwelle im Land haben insgesamt über 7.000 Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. Am Mittwoch, den 11. April 2018, wurde in Heidelberg und Mannheim, in den Landkreisen Reutlingen und Tübingen sowie in Heilbronn und anderen Städten in Nordwürttemberg gestreikt. Kundgebungen fanden in Mannheim, Heilbronn und Reutlingen statt.

Zur Kundgebung in Mannheim kam der ver.di Vorsitzende Frank Bsirske und sagte vor 3.000 Streikenden am Mannheimer Paradeplatz: „Wir sind grundsätzlich bereit zusammen mit den Arbeitgebern den öffentlichen Dienst auch in den oberen Einkommensgruppen attraktiver zu machen. Aber nur, wenn es in den unteren und mittleren Gruppen einen deutlichen Sprung nach oben gibt. Das wird nur mit einem Mindestbetrag gelingen. Bisher zweimal kein Angebot, zweimal die Null, so kommen wir in Potsdam nicht zusammen.“

An der dritten größeren Kundgebung in Reutlingen nahmen auch rund 2.000 Streikende teil.

Gute Bezahlung ist bestes Mittel gegen Fachkräftemangel

Am Donnerstag, den 12. April 2018, machte Stuttgart mit den umliegenden Landkreisen Ludwigsburg, Rems-Murr und Böblingen mit einer zentralen Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz den Abschluss. Ebenfalls gestreikt wurde an diesem Tag unter anderem in Ulm, Aalen und den Landkreisen Esslingen und Göppingen.

Zum Finale der Warnstreikwoche im öffentlichen Dienst haben im Land 12.000 Beschäftigte ganztägig die Arbeit niedergelegt. Allein zur Kundgebung nach Stuttgart kamen 6.500 Streikende. Die Erwartungen der Bildungsgewerkschaft wurden dabei deutlich übertroffen. Die Streikbeteiligung liegt weit über den Vorjahren.

„Seit dem Jahr 2000 sind die Tariflöhne in Deutschland um 44,8 Prozent gestiegen, im öffentlichen Dienst nur um 40,6 Prozent. Warum wundern sich die Kommunen über der Fachkräftemangel? Ich kann das Gejammer mancher Bürgermeister nicht ernst nehmen, wenn sie sich nicht am Verhandlungstisch für ein deutliches Gehaltsplus einsetzen“, sagte Moritz.

Die GEW fordert gemeinsam mit ver.di und den anderen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes sechs Prozent, mindestens jedoch 200 Euro mehr Gehalt für die Beschäftigten der Kommunen und des Bundes. In der zweiten Verhandlungsrunde hatten die Arbeitgeber anders als in den vorrangegangen Tarifrunden kein Angebot vorgelegt. Die Verhandlungen werden am 15. und 16. April in Potsdam fortgesetzt.

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Schulsozialarbeit Kita Tarif TVöD Artikel Baden-Württemberg