GEW Baden-Württemberg - Website https://www.gew-bw.de GEW Baden-Württemberg - Website de-DE GEW Baden-Württemberg - Website Sat, 18 Aug 2018 17:25:40 +0200 Sat, 18 Aug 2018 17:25:40 +0200 TYPO3 EXT:news news-14543 Fri, 17 Aug 2018 09:20:00 +0200 Schul- und Kultusverwaltung: Raubbau der Schulaufsicht https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/schul-und-kultusverwaltung-raubbau-der-schulaufsicht/ Die Unruhe in der Schul- und Kultusverwaltung ist groß. Mehr als 200 Stellen gehen zum neuen Schuljahr durch die Rückführung von Abordnungen verloren. Ein erster Schritt des Landes zur Umsetzung des noch völlig unklaren neuen Qualitätskonzepts? Den Beschäftigten in der Schul- und Kultusverwaltung geht die Orientierung verloren. Der Umbau der Institutionen, Stellenabbau, Rückführung von Abordnungen, ein Beurteilungssystem mit Richtwerten und ein Klima des Misstrauens tragen zu massivem Vertrauensverlust, Demotivation und schlechteren Arbeitsbedingungen bei.

207 Stellen verliert die Schul- und Kultusverwaltung zum Schuljahr 2018/19 durch die Rückführung von Abordnungen, weitere 90 Deputate im Schuljahr 2019/20. Das Kultusministerium hat sich als Ersatz für die vielen Abordnungen 112 aus Lehrerstellen finanzierte Planstellen übertragen lassen. Seminare und Schulämter gingen dagegen leer aus.

Im Kontingent der 207 Deputate sind auch die Kürzungen um 25 Deputate aus dem Budget der Ausbildungsseminare enthalten – Stunden, die den Seminaren laut Verwaltungsvorschrift ausdrücklich zustehen.
Außerdem müssen 30 Personen aus den Staatlichen Schulämtern zum nächsten Schuljahr an die Schulen zurückkehren. Die Konsequenzen sind gravierend. Rund zehn Prozent der Schulratsstellen sind derzeit schon nicht besetzt, an einzelnen Staatlichen Schulämtern sogar bis zur Hälfte der Stellen. Besonders betroffen ist die Sonderpädagogik. Das wirkt sich sehr negativ auf Beratung und Unterstützung der Schulen in der Inklusion aus.

Die Unruhe in der Schul- und Kultusverwaltung ist groß. Viele sind über ihre berufliche Perspektive verunsichert. Bestehende Strukturen werden zerschlagen, aufgebaute Kompetenz kann nicht mehr wirksam werden. Für die Entscheidungen gibt es keinerlei Transparenz. Die Motivation der Beschäftigten geht angesichts solchen Umgangs gegen Null. Das ist für die bevorstehende Mammutaufgabe des Aufbaus der neuen Institute zur Qualitätsentwicklung fatal.

Die Unterrichtsversorgung an den Schulen verschlechtert sich kontinuierlich. Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann will sie vor allem dadurch verbessern, dass Abordnungen beendet und Schulratsstellen nicht besetzt werden. Zu den Aufgaben gehören Konzeptentwicklungen und Beratungsleistungen in vielfältigen, auch neuen Herausforderungen der Schulen. Diese Aufgaben werden nun nicht mehr oder in weniger Zeit erledigt und die Schulen stehen ohne diese Zuarbeit da. Im Klartext: Anrechnungsstunden werden gekürzt, Arbeit bei anderen Beschäftigten verdichtet.

Schule ist mehr als Unterricht! Dieser Satz hat bei der Spitze des Kultusministeriums offenbar keine Gültigkeit mehr. Wer Unterstützung der Schulen abbaut, baut auch deren Qualität ab.

Aufsicht und Beratung nicht trennen

Offensichtlich steckt hinter diesen Entscheidungen mehr als das Ziel, die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Sie bereiten die Umsetzung des noch völlig unklaren neuen Qualitätskonzepts vor. Klar ist allerdings, dass Aufsicht und Beratung stärker getrennt werden sollen. Dies steht eindeutig in Widerspruch zu § 32 Schulgesetz, nach dem Aufsicht immer die Beratung einschließt. Eine Schulaufsicht, die sich auf Kontrolle und Vorgaben beschränkt und die Unterstützung und Beratung an ein großes, weit entfernt zentral gesteuertes Institut abgibt, wird nicht wirksam sein.

Die Beschäftigten in der Schul- und Kultusverwaltung brauchen gute Arbeitsbedingungen. Die Schulen brauchen die Unterstützung handlungsfähiger und kompetenter Schulaufsichtsbeamtinnen und -beamten. Die GEW begleitet mit Sorge und zunehmendem Unmut diese Entwicklung.

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Schule Bildungsqualität Recht Artikel b+w Baden-Württemberg
news-14644 Wed, 15 Aug 2018 10:00:00 +0200 GEW will mehr Frauen im Landtag https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-will-mehr-frauen-im-landtag/ Die GEW unterstützt die Forderung des Landesfrauenrates, ein Bürger/innenforum zur Reform des Landtagswahlrechts in Baden-Württemberg einzuführen. Der Geschäftsführende Vorstand der GEW hat im Juli einen Unterstützungsbeschluss zur Forderung des Landesfrauenrates zur Einführung eines Bürger/innenforums zur Reform des Landtagswahlrechts in Baden-Württemberg gefasst. Die Leiterin des Vorstandsbereichs Frauenpolitik, Elke Gärtner, brachte den Antrag infolge des einstimmigen Votums der GEW-Landesfrauengremien für den Vorschlag des Landesfrauenrates in das Gremium ein.

Die GEW vertritt die Interessen von 50.000 Mitgliedern, davon sind 75 Prozent Frauen. Diese Frauen wollen nicht nur durch die GEW sondern auch durch eine repräsentative Anzahl von Frauen im Parlament vertreten werden.

Das aktuelle Landtagswahlrecht ist dringend reformbedürftig. Baden-Württemberg hat den niedrigsten Anteil von Frauen in einem Bundesdeutschen Parlament. Auch im internationalen Vergleich ist der Frauenanteil in unserem Landtag beschämend niedrig.

Das darf nicht so bleiben, findet die GEW. Bereits vor dem Scheitern der Verhandlungen der Regierungsfraktionen in dieser Angelegenheit, hatte die GEW-Landesvorsitzende, Doro Moritz, alle Abgeordneten aufgefordert, für eine Wahlrechtsnovelle einzutreten.

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Bildung & Geschlecht Gesellschaftspolitik Gleichstellung Artikel Baden-Württemberg
news-14556 Mon, 13 Aug 2018 12:00:00 +0200 Landesrechnungshof: Gutachten ohne pädagogischen Sachverstand https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/landesrechnungshof-gutachten-ohne-paedagogischen-sachverstand/ Das Land sucht nach Einsparmöglichkeiten im Lehrkräftebereich. Darunter könnte vor allem die Qualität des Unterrichts leiden – und die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte weiter zunehmen. Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht geht anders. Es ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang: Die Landesregierung beauftragte den Landesrechnungshof mit einer „gutachtlichen Äußerung“ zur Ressourcensteuerung im Geschäftsbereichs des Kultusministeriums und zu Einsparmöglichkeiten im Lehrkräftebereich. Seit 30 Jahren ist das der erste Auftrag einer Landesregierung an den Rechnungshof. Qualitätsansprüche und Arbeitsbedingungen kommen dabei unter die Räder.

Beim Gutachten des Rechnungshofs waren die beruflichen Schulen, die Struktur und Organisation der Schulverwaltung, die Lehrereinstellung und die Lehreraus- und Lehrerfortbildung ausgenommen.

Der Rechnungshof kritisiert in seinem Gutachten fehlende Transparenz und Fehler in der Ressourcendarstellung des Kultusministeriums mehrfach. Neben der Analyse spricht der Rechnungshof zahlreiche Empfehlungen aus, mit denen sich das Kultusministerium jetzt auseinandersetzen wird.

Die „Sonderverwendungen“ von Lehrerstellen sollen reduziert werden. Für den Rechnungshof sind Lehrkräfte aus allen Schularten einschließlich der beruflichen Schulen im Umfang von landesweit 10.000 Stellen nicht im Unterricht eingesetzt. Dazu gehören unter anderem das allgemeine Entlastungskontingent, Altersermäßigungen, Freistellungen für Personalratsarbeit, Schwerbehindertenvertretung und Beauftragte für Chancengleichheit, die Ermäßigungen für die Schwerbehinderten selbst, die Stunden für Fachberater/innen und Beratungslehrkräfte, Stunden für die Betreuung von Unterrichtscomputern und die Kooperation Grundschule/Kindergarten, die Abordnungen in die Schulverwaltung, an das Landesinstitut für Schulentwicklung und an die Seminare für Lehrerausbildung. Allein die Anrechnungen für Schulleitungen machen ein Drittel der 10.000 Stellen aus.

Empfehlungen des Gutachtens

  1. Der Rechnungshof moniert, dass viele nichtunterrichtliche Tätigkeiten von Lehrkräften während der Unterrichtszeit stattfinden und dass deshalb Unterricht ausfällt. Diese Tätigkeiten sollen in die unterrichtsfreie Zeit der Lehrkräfte einschließlich der Ferien verlagert werden.
  2. Mit Verweis auf seine Denkschrift im Jahr 2002 zur Erfüllung der Deputatsstunden durch Lehrkräfte an Gymnasien empfiehlt der Rechnungshof, die Lehrerarbeitszeit nicht mehr nach Wochendeputaten, sondern über ein schuljahrübergreifendes Jahresdeputat zu berechnen. Dies ermögliche, „dass zunächst ausgefallener Unterricht innerhalb des Schuljahres nachgeholt werden kann“.
  3. In Bezug auf den Organisationserlass spricht der Rechnungshof zwei Empfehlungen aus. Das alternative Zuweisungsmodell auf der Basis eines Schülerkoeffizienten im Schulamtsbezirk Tübingen (normalerweise wird der Bedarf einer Schule nach der Anzahl der Klassen berechnet) soll modifiziert fortgeführt werden. Modifiziert, weil sonst das neue Modell laut Rechnungshof bei einer landesweiten Umsetzung zu einem Mehrbedarf von mindestens 900 Stellen führen würde. Für die Ausstattung kleinerer Standorte reicht die Zuweisung nach Koeffizient nämlich nicht aus. Grundsätzlich soll sich die Zuweisung von Lehrkräften am möglichst sparsamen Umgang mit Lehrkräfteressourcen orientieren. Die Zuweisung von Lehrkräften zur Abdeckung des Pflichtbereichs hält der Rechnungshof für sachgerecht.
  4. Auffällig waren für den Rechnungshof die erheblichen Unterschiede der regionalen und schulartspezifischen Verteilung der Lehrkräfteressourcen. In allen Regierungspräsidien ist der Versorgungsgrad der Grund-, Haupt- und Werkrealschulen sowie der Realschulen deutlich schlechter als an den Gymnasien. Außerdem liegt an diesen Schularten in den Regierungspräsidien Stuttgart und Freiburg die Direktzuweisung unter 100 Prozent und es ist dort kein Ergänzungsbereich mehr vorhanden. Bei der Betrachtung der regionalen Verteilung der Ressourcen sind die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und die Beruflichen Schulen nicht einbezogen.
  5. Der Rechnungshof stellt fest, dass seine Untersuchungen keinen Zusammenhang zwischen Versorgungsgrad und Bildungserfolg erkennen lassen. Bei den Grundschulen stellt der Rechnungshof allerdings eine statistische Relevanz zwischen dem Versorgungsgrad der Schulen und dem Bildungserfolg der Schüler/innen fest. Er fordert die Einführung eines aussagekräftigen Bildungscontrollings.
  6. Stellen, die über einen längeren Zeitraum für einen bestimmten Zweck in Geld umgewandelt („monetarisiert“) wurden, sollen gestrichen werden. Bisher bleiben diese Stellen erhalten. Das würde eindeutig eine Reduzierung von Lehrerstellen bedeuten.
  7. Der Rechnungshof kritisiert, dass die regionale Schulentwicklung von der Verwaltung nicht zur aktiven Steuerung genutzt wird. Gleichzeitig soll die Erhöhung von Mindestschülerzahlen unter dem Aspekt eines effektiven und effizienten Ressourceneinsatzes geprüft werden. In dem Zusammengang werden die hohen Kosten kleiner Grundschulen, aber auch kleiner Gymnasien thematisiert. Im Gutachten des Rechnungshofs wird detailliert dargelegt, wie viele Lehrerstellen durch die Schließung kleiner Grundschulen und Gymnasien eingespart werden könnten. Schulschließungen nur aus Einspargründen lehnt die GEW ab. Die pädagogische Qualität und bei Grundschulen die Wohnortnähe müssen Vorrang haben.
  8. Schließlich stellte der Rechnungshof fest, dass die Kosten je Schüler/in zur Erlangung der Hochschulreife über das allgemeinbildende Gymnasium teurer seien als über die Realschule und das berufliche Gymnasium. Ursache sind die niedrigeren Kosten an der Realschule je Schüler/in bis Klasse 10.
  9. Der Rechnungshof hat sich auch die Schulversuche angesehen. Nur rund 25 der 140 Schulversuche betreffen die allgemeinbildenden Schulen. Den größten Ressourcenanteil hatten dabei die Ganztagsschulen, die alle bis 2015 als Schulversuche liefen sowie die 44 G9-Gymnasien.
  10. Im Landeshaushalt sollen zwei eigenständige Kapitel für die Grundschule sowie Hauptschule und Werkrealschule geschaffen werden. Das soll sicherstellen, dass diese Schularten eigenständig mit ihrer Ausstattung erfasst werden.

Pädagogische Angebote infrage gestellt

Die Zusammenstellung der Empfehlungen macht deutlich, wo nach Meinung des Rechnungshofs die Axt anzulegen ist: an den Arbeitsbedingungen und an den Unterstützungs- und Beratungsangeboten für die Schulen! Er stellt fast ausnahmslos Stunden infrage, die pädagogisch und für das Funktionieren von Schule notwendig sind. Aber für die GEW müssen diese Stunden erhöht und nicht gekürzt werden! Wohin kurzsichtige Streichungen führen, erleben wir in diesen Monaten.

Es ist naiv und nur eine Umverteilung des Mangels, wenn im Auftrag der Grünen und der CDU Abordnungen von Lehrkräften beendet werden, um den hausgemachten Lehrermangel an den Schulen zu beheben. Lehrkräfte sind nicht aus Luxus abgeordnet. Sie übernehmen außerhalb des Unterrichts notwendige Aufgaben. Diese Aufgaben müssen auch künftig pädagogische Profis übernehmen.

Das Gutachten des Rechnungshofs ist realitätsfern. Die Umsetzung der Empfehlungen würde die Qualität des Unterrichts beeinträchtigen und die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte weiter verschärfen. Über die Schwerpunktsetzung des Gutachtens kann man sich nur wundern. Warum äußert sich der Rechnungshof beispielsweise nicht zum Einsatz von Schulverwaltungsassistent/innen zur Entlastung der Schulleitungen? Auch eine bessere Förderung von Schüler/innen und in der Folge weniger Sitzenbleiber wäre ein Beitrag zu zielgerichtetem Ressourceneinsatz.

Die GEW ist irritiert, dass und wie die Landesregierung das Gutachten beauftragt hat. Der Rechnungshof kommt nur zu quantitativen Ergebnissen, die Qualitätskriterien bleiben außen vor. Eine sinnvolle Ressourcensteuerung muss die Qualitätssicherung und die Senkung der Arbeitsbelastung zum Ziel haben – auch damit der Lehrerberuf attraktiv bleibt.

Die Vorschläge des Rechnungshofs sind kein Beitrag zur Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht. Sie lenken von der fehlenden Unterstützung für die vielfältigen Herausforderungen und dem Lehrkräftemangel in vielen Schularten ab. Es ist abenteuerlich, dass sich der Rechnungshof erlaubt, den Einfluss des Versorgungsgrads mit Lehrkräften auf den Bildungserfolg zu verneinen.

Falsche Annahmen

Die Betrachtung der Unterrichtsversorgung geht von falschen Annahmen aus. Bei der Darstellung der Pflichtstundenzuweisung wird nicht erwähnt, dass an den weiterführenden Schulen Poolstunden zu den Pflichtstunden gehören und damit die gesicherte Grundausstattung erhöhen. An den Grundschulen ist das nicht so. Es ist ein großer Unterschied, ob Grundschulen oder weiterführende Schulen keinen zusätzlichen Ergänzungsbereich haben. Die Benachteiligung der Grundschulen wird so verschleiert.

Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann wartete ungeduldig auf die Empfehlungen des Rechnungshofs. Es bleibt zu hoffen, dass nicht sinnloses Einsparen von Ressourcen, sondern Unterstützung der pädagogischen Arbeit und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für sie und die Landesregierung handlungsleitend werden. Diese Wende in der Bildungspolitik brauchen wir!

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Schule Bildungsfinanzierung Bildungsqualität Artikel Zeitschrift b+w Baden-Württemberg
news-14552 Thu, 09 Aug 2018 16:00:00 +0200 Herkunftssprachlicher Unterricht: Konzept von GEW, SPD und PH Heidelberg https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/herkunftssprachlicher-unterricht-konzept-von-gew-spd-und-ph-heidelberg/ Die GEW, die SPD-Landtagsfraktion und das Heidelberger Zentrum für Migrationsforschung und Transkulturelle Pädagogik wollen mit herkunftssprachlichem Unterricht als Regelangebot an Schulen den bestehenden Konsulatsunterricht ablösen. SPD-Landtagsfraktion, GEW und das Heidelberger Zentrum für Migrationsforschung und Transkulturelle Pädagogik der Pädagogischen Hochschule (PH) Heidelberg haben Mitte Juli ein gemeinsames Konzept zur Einführung von herkunftssprachlichem Unterricht als Regelangebot an baden-württembergischen Schulen vorgestellt. Ziel ist es, den bestehenden Konsulatsunterricht abzulösen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch begründet den Vorstoß mit dem staatlichen Bildungsauftrag: „Wir können diesen wichtigen Teil der Bildung für unsere Kinder mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg nicht länger ausländischen Konsulaten überlassen, nur weil dies für unsere Landeskasse günstiger ist.“

Schlechte Ergebnisse in Schulvergleichsstudien hätten gezeigt, dass vor allem die Schülerinnen und Schüler Unterstützung brauchen, die zuhause kein Deutsch sprechen. „Sprachförderung muss zur Kernkompetenz unseres Bildungssystems werden“, verlangt Stoch, gerade auch weil Baden-Württemberg das Flächenland mit dem bundesweit höchsten Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund ist und seit 2015 eine verstärkte Zuwanderung erfahren hat.

Herkunftssprachlicher Unterricht ist wichtig für erfolgreiche Integration

„Das Potential des herkunftssprachlichen Unterrichts wird bisher gar nicht genutzt, kann aber ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept für erfolgreiche Integration sein. Eine Landesregierung, die ihre integrationspolitische Aufgabe ernst nimmt, muss der Förderung des Spracherwerbs höhere Priorität einräumen“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

Wie eng die Förderung der Herkunftssprache und die Verbesserung der Sprachkompetenzen in Deutsch zusammenhängen, erklärt Professorin Havva Engin von der PH Heidelberg: „Wenn Kinder ihre Herkunftssprache richtig beherrschen, fällt ihnen auch das Deutschlernen viel leichter. Wir brauchen daher feste Strukturen, die auf eine koordinierte Zweisprachigkeit der Kinder setzen, statt eine doppelte Sprachlosigkeit zu provozieren.“

Deshalb soll aus Sicht von SPD-Landtagsfraktion, GEW und PH Heidelberg herkunftssprachlicher Unterricht in Baden-Württemberg zukünftig als freiwilliges Wahlfach angeboten werden, erst in Form eines fünfjährigen Schulversuches an 90 Schulen und dann überall dort, wo Bedarf besteht.

Aktuell besuchen 38.500 Kinder den Konsulatsunterricht. Der Unterricht wird von ausländischen Lehrkräften gehalten, die im Herkunftsland ausgebildet und oft nur zu diesem Zweck nach Deutschland abgeordnet wurden. Die inhaltliche Gestaltung des Unterrichts orientiert sich an den Bildungsplänen des jeweiligen Herkunftslandes und entbehrt der Kontrolle des Landes Baden-Württemberg.

In Rheinland-Pfalz gibt es herkunftssprachlichen Unterricht als ein schulisches Wahlfach in 15 Sprachen für 14.200 Schülerinnen und Schüler, der das Land knapp fünf Millionen Euro im Jahr kostet. „Mit dem nötigen politischen Willen lassen sich also durchaus finanzierbare und gleichzeitig qualitätsvolle Lösungen finden“, sagt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Stefan Fulst-Blei und beziffert die Kosten für den vorgeschlagenen Schulversuch auf rund zwei Millionen Euro.

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Schule Migration Artikel Zeitschrift DaF/DaZ b+w Baden-Württemberg
news-14596 Wed, 08 Aug 2018 13:36:18 +0200 Reisekosten: 1.000 Referendare fordern Politik zum Umdenken auf https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/reisekosten-1000-referendare-fordern-politik-zum-umdenken-auf/ Mehr als 1.000 Referendarinnen und Referendare haben bei der GEW-Aktion „100% Reisekosten im REF“ mitgemacht. Sie fordern von der Landesregierung, die vollen Reisekosten im Referendariat zu erstatten. 1.003 Unterschriften hat die Junge GEW an vielen Seminaren in Baden-Württemberg gesammelt. Immer wieder kam die Rückmeldung, dass die volle Erstattung der Reisekosten im Referendariat ein Thema ist, das unter den Nägeln brennt. Danke fürs Mitmachen, ihr seid super!

Die GEW-Landesvorsitzende, Doro Moritz, hat zusammen mit Raul Coelho von der Jungen GEW die Unterschriften an Sandra Boser, bildungspolitische Sprecherin der Grünen und stellvertretenden Fraktionsvorsitzende, übergeben.

Sandra Boser war beeindruckt von der Zahl der Unterschriften: „Dies macht deutlich, dass das Thema Reisekosten ein großes Anliegen der Referendarinnen und Referendare ist. Ich kann nachvollziehen, dass es eine finanzielle Belastung darstellt. Die Erstattung der vollen Reisekosten würde die Attraktivität des Lehrerberufs steigern.“

Auch Dominik Ohly, parlamentarischer Berater für Kultus, Jugend und Sport der CDU Landtagsfraktion, zeigte großes Verständnis für das Anliegen. Seiner Einschätzung nach werde die Gesetztesnovelle vorerst jedoch nicht weiterverfolgt.

Die bildungspolitischen Sprecher/innen von SPD und FDP erhielten die Unterschriften per Post.

Im geplanten Landesreisekostengesetz ist immer noch die Begrenzung der Reisekostenerstattung für Referendarinnen und Referendare auf 50 Prozent vorgesehen. Die GEW fordert die Erstattung der vollen Reisekosten für die Referendar/innen. Sie bekommen nur ein Ausbildungsgehalt, müssen aber auf der Straße, in Bus und Bahn den vollen Preis zahlen.

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Schule Bildungsfinanzierung LehrerInnenbildung Artikel Referendariat Junge Baden-Württemberg
news-14646 Wed, 01 Aug 2018 10:00:00 +0200 GEW dankt Cornelie Scheuble für 29 Jahre aktive Mitarbeit https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-dankt-cornelie-scheuble-fuer-29-jahre-aktive-mitarbeit/ Cornelie Scheuble hat über viele Jahre den Bezirk Südbaden in der Landespersonengruppe Fachlehrkräfte/Technische Lehrkräfte vertreten. Jetzt verabschiedet sie sich in den Ruhestand. Wir sagen: Danke für deine tolle Arbeit! Cornelie Scheuble, Fachlehrkraft an der Wutach-Schule in Waldshut-Tiengen, vertrat über viele Jahre den Bezirk Südbaden in der Landespersonengruppe Fachlehrkräfte/Technische Lehrkräfte (LPG FL/TL). Nun ging sie zum Schuljahresende in den Ruhestand. Über Tausende von Kilometern legte sie bei ihren Fahrten zu den Sitzungen nach Stuttgart zurück, um sich aktiv, kritisch und bedacht für die Forderungen der Fachlehrkräfte/Technischen Lehrkräfte auf Landesebene einzusetzen. Cornelie Scheuble war 29 Jahre lang in der GEW aktiv.

An vielen Erfolgen war sie beteiligt:

  • an der Reduzierung des Deputats von 36 auf 31 Stunden,
  • an der Schaffung von 1.200 neuen Beförderungsstellen,
  • an der fachgebundenen Hochschulreife für alle FL/TL,
  • am Aufstiegslehrgang,
  • an der Bewerbung auf Funktionsstellen ab A9/E,

um nur einen kleinen Teil zu nennen.

Bei allen Fachlehrertagen und bei der Erstellung von Broschüren und Flyern für diese Berufsgruppe brachte sie ihr Wissen ein. Sie war der ruhende Pol bei unseren Sitzungen. Um Cornelie Scheuble gebührend zu verabschieden, fand die letzte Sitzung an ihrer Schule statt. Mit einem Rückblick auf ihre aktive Zeit, einer Spardose gefüllt, um Wünsche zu erfüllen, und einem „Abschiedsbuch“ wurde sie von den Mitgliedern der LPG verabschiedet.

Der GEW Kreis Waldshut, vertreten durch den Kreisvorsitzenden, Gerhard Kappenberger, und Anika Bächle von der Jungen GEW, nahm auch an der Verabschiedung teil und überreichte einen kulinarischen Gutschein. Ein gemütlicher Abend und eine Stadtführung am nächsten Tag durch Tiengen machten uns den Abschied von Cornelie nicht leichter.

Wir sagen: Danke für deine tolle Arbeit!

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Artikel Fachlehrer Baden-Württemberg
news-14575 Mon, 30 Jul 2018 14:05:17 +0200 Optimierungsbedarf: Änderungen in der Kursstufe https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/optimierungsbedarf-aenderungen-in-der-kursstufe/ Die GEW begrüßt die Rückkehr zu einem System von Leistungs- und Basiskursen. Bei den aktuellen Änderungen für die Kursstufe besteht jedoch nicht nur im Detail deutlicher Optimierungsbedarf. Die GEW begrüßt prinzipiell die Änderungen, die für die Kursstufe des allgemein bildenden Gymnasiums vorgesehen sind. Sie gehen in die richtige Richtung, dies gilt insbesondere für die Rückkehr zu einem System von Leistungs- und Basiskursen, bei dem in den Leistungskursen alle Schülerinnen und Schüler die schriftliche Abiturprüfung absolvieren. Allerdings sehen wir nicht nur in Detailfragen noch weiteren Optimierungsbedarf:

Strukturelle Schwächung bestimmter Fächer

So ist eine Schwerpunktbildung im künstlerisch-musischen oder im gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeld nicht vorgesehen. Dies entspricht einer Schwächung dieser Fächer gegenüber den Fremdsprachen und Naturwissenschaften, bei denen dies möglich ist. Es bleibt unverständlich, warum die Schüler/innen nicht zwei Gesellschaftswissenschaften oder Musik zusammen mit Bildender Kunst als Leistungsfächer wählen dürfen.

Weiterhin sind im Bereich der Gesellschaftswissenschaften keine dreistündigen Basiskurse vorgesehen: Dies bedeutet eine weitere Schwächung gerade der Fächer, die die Basis für das Grundverständnis unseres Staates, seines politischen Systems und unserer Gesellschaft legen sollen. Diverse besorgniserregende Entwicklungen auf diesen Gebieten in jüngster Zeit machen deutlich, wie wichtig eine Stärkung dieses Aufgabenfeldes ist.

Die GEW fordert daher das Fach Geschichte in den Kanon der 1. und 2. Leistungsfächer aufzunehmen und eine Schwerpunktsetzung in den Gesellschaftswissenschaften zu ermöglichen. Zum Ausgleich soll in diesem Fall die Belegung von nur einer Naturwissenschaft und einer Fremdsprache verpflichtend sein.

Erhalt der Präsentationsprüfung

Die GEW begrüßt die Wiedereinführung der „klassischen“ mündlichen Prüfung als Abschluss der gesamten Abiturphase. Allerdings erscheint es wenig zielführend, dasselbe Prüfungsformat zweimal anzusetzen und dafür die seit der Unterstufe geübten Recherche- und Präsentationstechniken nicht abzuprüfen. Es ist aus Sicht der GEW entschieden stringenter, die Präsentationsprüfung zu erhalten und gleichzeitig die Möglichkeit zu eröffnen, diese durch den Seminarkurs zu ersetzen. Denn dieser Kurs fördert und prüft von der selbständigen Themenfindung und Recherche bis zur Präsentation der Ergebnisse vergleichbare Kompetenzen wie die, die im Rahmen der Präsentationsprüfung verlangt werden. Dies ist bei Prüfungen des klassischen Formates nicht der Fall: Es scheint nicht plausibel, warum eine solche Prüfung durch einen Seminarkurs ersetzt werden kann. Bei Erhalt der Präsentationsprüfung hingegen wäre eine unmittelbar einleuchtende Prüfungsordnung möglich.

Mehr Stunden für die Oberstufe

Dringend muss aus Sicht der GEW die Zahl der für die Oberstufe zur Verfügung gestellten Stunden erhöht und somit der Organisationserlass an die veränderte Kursstufe angepasst werden. Auch für kleinere Gymnasien und solche im ländlichen Raum, die keine Kooperationsmöglichkeiten haben, muss ein vielfältiges Kursangebot ermöglicht werden. Dies betrifft insbesondere die Möglichkeit, möglichst allen Schüler/innen einen Seminarkurs anzubieten: Die Bedeutung dieses Kurses wird angesichts der Möglichkeit, auf diesem Wege eine von zwei mündlichen Abiturprüfung ersetzen zu können, deutlich zunehmen.

Berücksichtigung des erhöhten Organisations- und Zeitaufwandes

Im Bereich der Abiturprüfungen muss der wesentlich größere Organisations- und Zeitaufwand für die mündlichen Prüfungen berücksichtigt werden. Eine Entlastung der Kolleginnen und Kollegen für die zahlreichen mündlichen Prüfungen sowie eine entsprechende Berücksichtigung des wesentlich höheren Aufwandes im Bereich der Erstellung der Prüfungspläne ist für die GEW unabdingbar.

So fordern wir neben einem Vorbereitungstag vor den mündlichen Prüfungen eine Begrenzung der Anzahl der Prüfungen pro Tag. Letzteres ist nicht zuletzt im Sinne der Schüler/innen zu sehen, da die Prüfungsbedingungen nicht davon abhängen dürfen, zu welchem Zeitpunkt am Tag die fragliche Prüfung stattfindet.

Prinzipiell soll die Kursgröße in Anlehnung an die Berechnung der fiktiven Klassen im Oberstufenbereich auf maximal 20 Schüler/innen begrenzt werden. Dies gilt insbesondere für die Leistungsfächer, denn nur so ist eine dem Ziel der Wissenschaftpropädeutik adäquate Arbeitsweise möglich.

Weitere Anmerkungen finden Sie in der vollständigen Stellungnahme (PDF).

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Schule Artikel Gymnasium Baden-Württemberg
news-14559 Tue, 24 Jul 2018 09:25:34 +0200 GEW feiert 20-jähriges Studienreisen-Jubiläum mit vier neuen Angeboten https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-feiert-20-jaehriges-studienreisen-jubilaeum-mit-vier-neuen-angeboten/ Seit 20 Jahren bietet die GEW in Kooperation mit Johannes Teufel Studienreisen an. Im Jubiläumsjahr 2019 geht es nach Andalusien, von Portugal ins Baskenland, nach Berlin und Südirland. 2019 wird ein Jubiläumsjahr für die GEW-Reisen mit Johannes Teufel, was sich in der guten Qualität und der Einzigartigkeit widerspiegelt:

  • Andalusien 9. bis 18. Mai,
  • von Portugal ins Baskenland* 10. bis 19. Juni,
  • Berlin 24. Juni bis 1. Juli und
  • Südirland* 9.bis 17. August,

also für das jeweilige Reiseziel stets zur optimalen Reisezeit, in bestmöglichen Hotels und mit sehr kompetenten und sympathischen Studienleiter/innen vor Ort.

Info: Johannes Teufel, Telefon: 07034/653675

*Zu diesen beiden Reisen bitte schnell anmelden.

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Mitglieder 60+ Artikel Baden-Württemberg
news-14555 Mon, 23 Jul 2018 11:21:11 +0200 Kommentar zum Lehrermangel: So kann es nicht weitergehen! https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kommentar-zum-lehrermangel-so-kann-es-nicht-weitergehen/ Die GEW-Landesvorsitzende, Doro Moritz, kritisiert das Land für seine Planung des Lehrkräftebedarfs. Die Unterrichtsversorgung verschlechtert sich weiter, weil aufgrund des Bewerbermangels viele Stellen unbesetzt bleiben. Zum neuen Schuljahr werden wieder rund 5.000 Lehrkräfte eingestellt. Es sind allerdings fast nur Ersatzeinstellungen. Die Unterrichtsversorgung verschlechtert sich weiter, weil aufgrund des Bewerbermangels viele Stellen unbesetzt bleiben. Das ist das Ergebnis des jahrelangen und andauernden Versagens der Politik und des Kultusministeriums bei der Planung des Lehrkräftebedarfs.

Anstatt der erwarteten Entspannung an den Schulen sorgen die ernüchternden Stellenbesetzungen für Frust und Demotivation – auch bei Bewerber/innen, die kein Angebot bekommen.

So ärgerlich die Fehlplanung ist – noch erschreckender ist die Hilflosigkeit, mit der Kultusministerin Susanne Eisenmann die nicht vorhandenen Lösungen für die Versorgungsmisere überspielt. Wie ein Mantra schiebt sie die Hoffnung auf Entspannung auf das Jahr 2021. Dann soll die Pensionierungswelle abgebaut sein und die Zahl der  Bewerber/innen für die freien Stellen ausreichend sein.

Diese Annahme hält die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für falsch. Und selbst wenn: Wenn nur die freiwerdenden Stellen besetzt werden, gibt es keinerlei Spielraum für pädagogische Verbesserungen und für die Entlastung der Lehrkräfte. Das trifft vor allem die Grundschulen, die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) und die Inklusion.

Es ist ein Armutszeugnis, wie die Kultusverwaltung versucht, mit Hilfsprogrammen und Stückwerk die riesigen Löcher in der Unterrichtsversorgung zu stopfen. Dazu gehört auch der Einsatz von Gymnasiallehrkräften an den Grundschulen, der auf mäßige Resonanz stößt und alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellt.

In keinem anderen Bundesland existiert so viel politische Passivität. In Baden-Württemberg gibt es bis heute nicht genug Studienplätze für die Lehrämter Sonderpädagogik und Grundschule. Es fehlen Konzepte zur Weiterqualifizierung der sogenannten Nichterfüller/innen. Stattdessen wird die feste Vertretungsreserve in den Pflichtunterricht eingeplant, Anrechnungsstunden werden weiter gekürzt und Fortbildungen eingeschränkt. Der Bewerberüberhang im gymnasialen Bereich wird nicht für Verbesserungen, zum Beispiel den Ausbau der Vertretungsreserve, genutzt.

Andere Bundesländer binden die befristet Beschäftigten durch die Bezahlung der Sommerferien und entfristen Verträge, bezahlen A13 für alle wissenschaftlichen Lehrkräfte oder führen wie Sachsen eine Zulage in Höhe von 1.000 Euro für Referendar/innen ein, die aufs Land gehen.

Die GEW Baden-Württemberg hat die Befristungspraxis erfolgreich in den regionalen und bundesweiten Medien thematisiert. Kultusministerin Eisenmann verteidigt die prekären Beschäftigungen mit Zähnen und Klauen. Obwohl sich dahinter, neben der Versorgung, auch Schicksale verbergen. So sorgt sich zum Beispiel ein Kollege, der mehrfach befristet eingestellt wurde, um seine Ehefrau. Ihr Visum läuft Ende des Jahres aus und sie kann nicht eingebürgert werden, weil ein unbefristeter Arbeitsvertrag fehlt, den der Gymnasiallehrer erst zum Schuljahr 2019/20 an einer Grundschule bekommen wird.

Nicht nur schlechte Lernbedingungen, auch schlechtere Arbeitsbedingungen sind kontraproduktiv für die angeblich so wichtige Qualität an den Schulen. Sie führen zu Ausfällen und schrecken vom Lehramtsstudium ab. Natürlich wird sich die GEW trotz Lehrermangel und Sparmaßnahmen wie seit Jahren weiterhin für bessere Arbeitsbedingungen stark machen. Der Ball liegt bei der grün-schwarzen Landesregierung – sie muss endlich handeln.

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Schule LehrerInnenbildung Artikel Baden-Württemberg
news-14553 Mon, 23 Jul 2018 10:57:43 +0200 Lehrereinstellung 2018/19: Chancen je nach Schulart unterschiedlich https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lehrereinstellung-201819-chancen-je-nach-schulart-unterschiedlich/ An Gymnasien gibt es mehr Lehramtsbewerber als Stellen. In anderen Schularten ist es umgekehrt. Da Stellen nicht besetzt werden können, müssen vor allem Grundschulen und SBBZ mit einer noch schlechteren Versorgung rechnen. Auch in diesem Jahr gibt es in den Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (GHWRGS) mehr Stellen als Bewerber/innen. Insgesamt sollten in allen Einstellungsverfahren rund 3.830 Stellen besetzt werden, demgegenüber standen circa 3.670 Bewerber/innen. Nach der Listeneinstellung blieben zahlreiche Stellen landesweit unbesetzt, die in den Nachrückverfahren besetzt werden sollen. Auf Grund des Mangels an Bewerber/innen ist aber klar, dass nicht alle Stellen besetzt werden können.

Grundschule – Stuttgart nun Mangelregion

Zu den schon in den letzten Jahren schwierig zu besetzenden Regionen von der Baar über die Schwäbische Alb kommt nun der Großraum Stuttgart neu dazu. In der Landeshauptstadt und in den angrenzenden Landkreisen konnten und können zahlreiche Stellen nicht besetzt werden.

Im Listeneinstellungsverfahren blieben im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart und im RP Freiburg rund zwei Drittel der Stellen unbesetzt, im RP Tübingen konnte die Hälfte der Stellen nicht besetzt werden. Nur im RP Karlsruhe wurden alle Stellen besetzt. Wer ein Angebot bekommt, nimmt es allerdings häufig auch in begehrten Regionen nicht an. Auch diese Stellen müssen erneut ausgeschrieben werden.

Die meisten Bewerber/innen streben weiterhin in die Ballungsräume Freiburg, Karlsruhe und Heidelberg/Mannheim sowie in den Bodenseeraum, wo es allerdings sehr wenige Stellen gab. Somit gibt es auch in diesem Jahr trotz zahlreicher unbesetzter Stellen noch viele Personen ohne Einstellungsangebot. Gute Einstellungschancen hatten und haben vor allem die Personen, die sich räumlich flexibel beworben haben.

Haupt und Werkrealschulen / Realschulen / Gemeinschaftsschulen

Für die Haupt-/Werkrealschulen und Realschulen (für Gemeinschaftsschulen wird kein eigenständiges Einstellungsverfahren durchgeführt) haben sich insgesamt circa 1.680 Lehrkräfte auf 1.676 Stellen beworben. Insgesamt konnten im Listeneinstellungsverfahren sehr viele Stellen in diesen Schularten nicht besetzt werden. Die Mangelregionen sind ähnlich wie im Grundschulbereich. Vor allem im Großraum Stuttgart wird sich die Unterrichtsversorgung verschlechtern.

Im Listeneinstellungsverfahren wurde 361 Personen ein Angebot gemacht. Insgesamt hätten 720 Personen landesweit eingestellt werden können. Die Stellen in den Ballungsräumen Freiburg, Karlsruhe und Heidelberg/Mannheim sowie im Bodenseeraum hätten vermutlich alle doppelt besetzt werden können, in anderen Regionen gab es so gut wie keine Bewerbungen.

Musisch-technische Fachlehrkäfte

Durch die Umstellung der Ausbildung der Fachlehrkräfte von zwei auf drei Jahre gab es in diesem Jahr keine Neuabsolvent/innen. Der Bedarf an musisch-technischen Fachlehrkräften liegt seit Jahren konstant bei knapp 120 Stellen. Auf Grund der regionalen Einsatzwünsche der Kolleg/innen und der in den gewünschten Regionen nicht vorhandenen Stellen wurde über das Listenverfahren nur die Hälfte der Stellen vergeben. Die fehlenden Stellen sollen nun im Nachrückverfahren besetzt werden. Vermutlich ohne großen Erfolg.

Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren, Wissenschaftliche Lehrkräfte

Auch in diesem Jahr decken sich die Wünsche der Bewerber/innen und die Einsatzmöglichkeiten in den Regionen überhaupt nicht. Ein großer Teil der Personen bewirbt sich vor allem auf den Raum Heidelberg/Rhein-Neckar, hier gibt es aber nur sehr wenige freie Stellen. In anderen Landesteilen gibt es noch sehr viele unbesetzte Stellen, auf die sich nun die Kolleg/innen im Nachrückverfahren bewerben können. Mit Sicherheit werden wie in den Vorjahren nicht alle Stellen an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) besetzt werden können.

Im sonderpädagogischen Bereich standen für die wissenschaftlichen Lehrkräfte 344 Stellen zur Verfügung. Bei den Stellenausschreibungen an den Schulen und bei der Listeneinstellung konnten davon nur rund die Hälfte besetzt werden. Auch hier zeichnet sich eine massive Verschlechterung der Unterrichtsversorgung an den SBBZ und der Inklusion ab. 

Fachlehrkräfte für Geistig- bzw. Körperbehinderte und Technische Lehrkräfte

Auch bei diesen Fachlehrkräften gab es keine Neuabsolvent/innen. Folglich haben sich nur rund 50 Personen auf insgesamt 115 Stellen beworben. Es werden also etliche Schulen ohne weitere Fachlehrkraft auskommen müssen. Die ohnehin schon schlechte Unterrichtsversorgung an den SBBZ wird dadurch weiter verschlechtert. Die Umstellung auf ein dreijähriges Ausbildungsverfahren wurde von der GEW prinzipiell begrüßt, für die Unterrichtsversorgung kam sie allerdings zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Gymnasien: Einstellungschancen verschlechtern sich

Zum Schuljahr 2018/19 bewarben sich rund 3.000 Gymnasiallehrkräfte (1.247 Neu- und 1.418 Altbewerber/innen) für den Schuldienst. Insgesamt stehen in diesem Jahr 853 Stellen in den verschiedenen Verfahren für Gymnasiallehrkräfte zur Verfügung. Dies sind 486 Beamtenstellen und 116 Stellen für Angestellte mit Übernahmegarantie ins Beamtenverhältnis zum Schuljahr2019/20 an Gymnasien und 250 Beamtenstellen an Gemeinschaftsschulen.

Da wahrscheinlich nicht alle Dienstanfänger/innen mit einem vollen Deputat beginnen, dürften 950 Einstellungen möglich sein. Von diesen Stellen wurden 74 über die Zusatzqualifikation vergeben und 23 sind für Sonderverfahren und Härtefallregelung vorgesehen. Darüber hinaus bieten sich weitere Einstellungsmöglichkeiten an beruflichen Schulen.

Die Einstellungschancen in den vier Regierungspräsidien sind wie in den letzten Jahren sehr unterschiedlich. Sie waren im RP Stuttgart mit 208 Stellen im Listenverfahren deutlich am besten, im RP Karlsruhe konnten 72 und im RP Freiburg 52 Stellen vergeben werden. Im RP Tübingen war nach einem sehr erfolgreich verlaufenen Ausschreibungsverfahren, in dem bereits 36 Stellen besetzt werden konnten, für das Listenverfahren keine Stelle mehr vorgesehen.

Auch fachspezifisch gibt es große Unterschiede. Die Fächer Mathematik und Deutsch haben dieselben Stundentafeln und damit einen identischen Bedarf. Bei den Bewerber/innen sehen die Zahlen ganz anders aus. Die Lehrbefähigung für Deutsch haben über 1.000 angehende Lehrkräfte, die für Mathematik nur 267. Weiterhin ist neben einer guten Leistungsziffer die räumliche Flexibilität der Bewerber/innen und die Bereitschaft, auch an eine andere Schulart zu gehen, eine notwendige Voraussetzung für ein Einstellungsangebot.

Leider haben sich die Einstellungschancen für Gymnasiallehrkräfte im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich verschlechtert. Dieser Trend hat verschiedene strukturelle Ursachen und wird sich eher noch verschärfen. So neigt sich die Pensionierungswelle dem Ende zu. Im vorigen Jahr wurden 809 Stellen vor allem durch Pensionierungen frei, 2018 sind es nur 531. Alle Kollegien an Gymnasien haben sich ganz wesentlich verjüngt und so werden in den nächsten Jahren die Chancen auf Neueinstellungen weiter sinken. Gleichzeitig hat sich ein Sockel von Altbewerber/innen gebildet, der jährlich wächst.

Um dem eklatanten Mangel im Grundschulbereich entgegenzuwirken, machte das Ministerium auch in diesem Jahr gymnasialen Lehrkräften das Angebot, eine zusätzliche Laufbahnbefähigung als Grundschullehrkraft zu erwerben. Nach Bestehen der Qualifikation und einem insgesamt vierjährigen Verbleib im Grundschulbereich erhalten die Lehrkräfte eine Übernahmegarantie für das gymnasiale Lehramt. Die genauen Übernahmeregularien sind allerdings nach wie vor unklar. Bis Ende Juni 2018 hatten rund 90 Kolleg/innen dieses Angebot angenommen.

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Studium Schule LehrerInnenbildung Artikel Referendariat Junge Hauptschule Sonderpädagogische Schulen Gemeinschaftsschule Gymnasium Realschule Grundschule Technische Lehrer/innen Baden-Württemberg
news-14537 Mon, 16 Jul 2018 14:49:25 +0200 Gymnasien auf Kurs? https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gymnasien-auf-kurs/ Mehr als 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler wechseln von der Grundschule auf das Gymnasium und wollen das Abitur machen. Daraus ergeben sich enorme Herausforderungen für die Lehrkräfte an den Gymnasien. Der Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft und individuelle Förderung ist auch für die Gymnasien ein wichtiges Thema. Hinzu kommen permanente strukturelle Veränderungen und unabgeschlossene Debatten um die Dauer der gymnasialen Schulzeit.

Die Gymnasien sind die beliebteste weiterführende, mehr als 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler wechseln von der Grundschule auf das Gymnasium Schulart, die Ansprüche wachsen. Die Bedingungen, unter denen die Lehrkräfte an Gymnasien arbeiten, haben sich indessen in den letzten Jahren kontinuierlich und deutlich verschlechtert.

Alte und neue Herausforderungen

  • Die Entscheidung der grün-roten Landesregierung, 44 Standorte für einen „Modellversuch G9“ zuzulassen, hat die Diskussionen um die Dauer der gymnasialen Schulzeit nicht beruhigt. Im Gegenteil bleibt diese Frage offen.
  • Progressive Lösungsvorschläge für eine grundlegende Neukonzeption der Oberstufe, wie sie aus der Arbeitsgruppe „Abitur im eigenen Takt“ vorgeschlagen werden, finden dagegen kein Gehör.
  • 2017 wurden Eckpunkte für eine Reform der gymnasialen Oberstufe beschlossen, die ab dem Schuljahr 2019/20 gelten sollen. Unter anderem werden dann auf erweitertem Niveau drei fünfstündige Kurse unterrichtet. Zwei dieser drei verpflichtenden „Leistungsfächer“ müssen aus dem Fächerkanon Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften stammen.
  • Die Abiturprüfung umfasst drei schriftliche und zwei mündlichen Prüfungen. Die Präsentationsprüfung wird abgeschafft, man kehrt zum früheren Format der mündlichen Prüfungen zurück.
  • Rhythmisierter Ganztag ist noch nicht möglich, Inklusion an vielen Gymnasien noch nicht angekommen – es gibt weder zeitliche noch personelle Ressourcen.
  • Bei der Digitalisierung hinken Ausstattung sowie Fort- und Weiterbildung weit hinter den gesellschaftlichen Erwartungen her.

Gymnasien brauchen bessere Bedingungen

Für die GEW hat die Qualität gymnasialer Bildung einen hohen Stellenwert: Eine hohe Fachlichkeit verbunden mit individueller Förderung der jungen Menschen soll ihnen alle Wege zu Studium und Beruf eröffnen. Um diese Ziele tatsächlich zu erreichen, bedarf es für die Lehrkräfte an Gymnasien einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Wir fordern daher:

  • eine Erhöhung des allgemeinen Entlastungskontingents,
  • eine Steigerung der Vertretungsreserve auf 106 Prozent der Beschäftigten, auch für fortbildungsbedingte Abwesenheiten,
  • eine Klassenleitungsstunde für alle Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I,
  • zusätzliches Budget, um das Lernen an außerschulischen Lernorten zu ermöglichen,
  • Medienausstattung, die didaktisch zeitgemäßes Unterrichten ermöglicht,
  • professionelle Betreuung von Medien und Netzwerken,
  • Schaffung von Arbeitsplätzen für Lehrkräfte,
  • arbeitsfördernde und gesunderhaltende Arbeitsbedingungen durch die Modernisierung von Schulgebäuden,
  • Absenkung des Klassenteilers auf 25 Schüler/innen und
  • die Reduzierung des Deputats auf 23 Wochenstunden.

Aktuelle Debatten: Position der GEW

Arbeitszeit

Eine wissenschaftliche Studie der GEW Niedersachsen aus dem Jahr 2016 und aktuelle Ergebnisse der „Studien zur Arbeitszeit von Lehrkräften in Deutschland“ belegen:

  • Vollzeitlehrkräfte leisten in beträchtlichem Umfang unbezahlte Mehrarbeit!
  • Teilzeitkräfte sind besonders belastet!
  • Lehrer/innen arbeiten ständig unter Stress und dauerhaft zu viel!

In Baden-Württemberg ist das nicht anders. Wir fordern eine Absenkung des Deputats und mehr Anrechnungsstunden für die zusätzlichen Aufgaben!

Oberstufenreform

Die GEW begrüßt die Erweiterung der Fächerauswahl im Sinne einer Spezialisierung und verbesserten Motivation der Schüler/innen sowie die Stärkung der Naturwissenschaften. Die Reform bleibt aber hinter unseren Erwartungen zurück, weil eine Spezialisierung im gesellschaftswissenschaftlichen und im künstlerisch-musischen Aufgabenfeld nicht möglich ist.

Notwendig sind daher unter anderem:

  • Möglichkeit einer Schwerpunktsetzung in allen Bereichen,
  • Stärkung der Gesellschaftswissenschaften,
  • Schaffung realistischer Zeiträume für die Abiturkorrekturen,
  • angemessener Zeitausgleich für die gestiegene Anzahl der mündlichen Prüfungen und
  • Erhalt der Präsentationsprüfung als zweites Format bei den mündlichen Prüfungen.

Qualität durch gute Fortbildungen

Die Qualität des Gymnasiums muss gesichert werden. Gute fachlich fundierte Fortbildungen in möglichst enger Anbindung an die Universitäten sind dabei unabdingbar. Sie müssen freiwillig, kostenfrei und praxisorientiert sein.

Dies bedeutet konkret:

  • Fortbildung von Lehrkräften und Schulleitungen ist eine staatliche Aufgabe, die nicht privaten und kommerziellen Anbietern überlassen werden darf. An der Entwicklung der jeweiligen Programme müssen die Lehrkräfte und ihre Vertretung beteiligt werden.
  • Die Berufseinstiegsphase muss durch geeignete Angebote erleichtert werden, die eine professionelle Einarbeitung an der jeweiligen Schule ermöglichen.
  • Ein breites, staatlich finanziertes Angebot muss es allen Lehrkräften ermöglichen, im Rahmen der Arbeitszeit und unter Einbeziehung der Unterrichtszeit eine passende kostenfreie Fortbildung zu besuchen. Jede Lehrerin und jeder Lehrer hat das Recht, an qualitativ hochwertigen Fortbildungen teilzunehmen, die sie oder er zur beruflichen Weiterentwicklung benötigt.
  • Begleitung von Schulen und Schulteams in Entwicklungsprozessen
  • Ein wichtiges Ziel ist der Arbeits- und Gesundheitsschutz! In allen Berufsphasen müssen Angebote zum Erhalt der Gesundheit und zu Fragen der Be- und Entlastung in schwierigen familiären Lebensphasen gemacht werden.
  • Lehrkräfte, die in der Fort- und Ausbildung tätig sind, müssen ausreichende materielle und zeitliche Ressourcen für ihre Tätigkeit sowie für ihre eigene Qualifizierung bekommen. Nur gute Bedingungen für Fortbildner/innen und Ausbildner/innen sichern nachhaltig die notwendige Qualität.
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Schule Artikel Gymnasium Baden-Württemberg
news-14536 Mon, 16 Jul 2018 13:42:40 +0200 Rund 1.000 Neueinstellungen an beruflichen Schulen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/rund-1000-neueinstellungen-an-beruflichen-schulen/ Das Kultusministerium baut an den beruflichen Schulen circa 250 Stellen ab. Trotzdem bleibt die Einstellungssituation insgesamt gut. Derzeit ist immer noch ein erheblicher Teil der Stellen unbesetzt. Die GEW hat bereits zu Beginn des Jahres massiv kritisiert, dass an den beruflichen Schulen 600 Stellen abgebaut werden sollen. Das Kultusministerium (KM) hat dies in einer Presseerklärung als „schlichtweg falsch“ bezeichnet. Seit der Einstellungssitzung wissen wir nun, dass genau dieses geplant war.

Insgesamt 417 Stellen sollen in andere Schulbereiche verlagert werden. Dazu kommen 200 Abordnungen aus dem Gymnasium, die zum Sommer auslaufen. Rund 15 Abordnungen werden voraussichtlich um ein Jahr verlängert, der Rest geht an das allgemeinbildende Gymnasium zurück. In der Summe wäre dies faktisch einem Abbau von 602 Deputaten gleichgekommen.

Kritik der GEW zeigt Wirkung

Die Stellenverlagerungen werden zwar realisiert, das KM weist den beruflichen Schulen aber im Gegenzug 233 Stellen zu. Kurzfristig wurden Anfang Juli weitere 132 Deputate vor allem für die Erhöhung der Stundentafel im Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (VABO) bereitgestellt, so dass in der Summe 365 Deputate zugewiesen werden.

Durch den Umtausch von Stellen tarifbeschäftigter Lehrkräfte (TL) in Stellen beamteter wissenschaftlicher Lehrkräfte (WL) gehen 19 Deputate verloren. In der Summe reduziert sich der Stellenabbau damit auf 256 Deputate. Allerdings gibt es an den beruflichen Schulen immer noch 643 Stellen für den Unterricht für Flüchtlinge. Sie sollen zum 1. August 2019 wegfallen. Hier werden Stellenstreichungen erneut ins nächste Schuljahr verlagert.

Trotzdem bleibt die Stellensituation unbefriedigend. Da 132 Deputate für zusätzlichen Unterricht im VABO benötigt werden, bleibt der faktische Stellenabbau in jedem Fall höher als die demographische Rendite von 340 Stellen, die das KM zugrundelegt. Das Statistische Landesamt prognostiziert für das kommende Schuljahr einen Rückgang von circa 9.500 Schüler/innen. Rückläufige Zahlen wird es sicher geben, Ausmaß und Umfang bleiben jedoch abzuwarten. In den vergangenen vier Jahren sind die Einstiegsklassen der dualen Ausbildung erfreulicherweise stabil geblieben und weder Wirtschaft noch Politik haben ernsthaft ein Interesse an einem Rückgang.

Damit droht die Gefahr, dass sich die Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr wieder verschlechtert. Spielraum für pädagogische Verbesserungen, etwa Förderstunden für die Eingangsklassen der beruflichen Gymnasien oder eine Absenkung des Klassenteilers in Klassen mit überwiegendem Anteil an Migranten auf 24 wird es so nicht geben.

Einstellungssituation bleibt gut

Die Einstellungssituation bleibt aufgrund von Sondereffekten dagegen insgesamt erfreulich. So waren im laufenden Schuljahr 180 Stellen unbesetzt, weitere 290 Stellen wurden über befristete Arbeitsverträge besetzt, die jetzt auslaufen. Insgesamt stehen damit im Sommer 1.046 Deputate (943 WL und 73 TL) für die Einstellung zur Verfügung.

344 der 406 (85 Prozent) Referendar/innen, haben bereits ein Einstellungsangebot erhalten. Dazu kommen 41 Altbewerber/innen, sowie 60 Lehrkräfte mit gymnasialer Ausbildung, sechs Sonderschullehrkräfte und eine Realschullehrkraft. Weitere 61 Laufbahnbewerber/innen (neu) und 50 (alt) haben einen Zwischenbescheid erhalten und können sich im Nachrückverfahren auf schulbezogene Stellenausschreibungen bewerben.

Da in den vergangenen Jahren viele Allgemeinbildner/innen eingestellt wurden, gibt es inzwischen an vielen Standorten einen Überhang, vor allem in den Fremdsprachen, in Deutsch und Geschichte/Gemeinschaftskunde. Bewerber/innen mit diesen Fächern müssen regional flexibel sein, wenn sie ein Einstellungsangebot erhalten wollen.

Einen erheblichen Bewerbermangel gibt es nach wie vor bei den Naturwissenschaften und in vielen berufsbezogenen Fächern im Gewerbe. Für letztere konnten bislang nur 66 Laufbahnbewerber/innen und 43 Direkteinsteiger/innen gewonnen werden. Dies ist insgesamt viel zu wenig, um die Bedarfe an den Schulen zu decken. Das KM wird deshalb auch im kommenden Schuljahr circa 350 Deputate mit befristeten Verträgen besetzen in der Hoffnung, diese Stellen in den kommenden Schuljahren mit der gesuchten Fächerkombination besetzen zu können.

Auch die Zahl der Interessenten für den Direkteinstieg ist erneut zurückgegangen (2016: 443, 2017: 229, 2018 163). Gerade bei guter Konjunktur kann das KM zum Beispiel im Elektro- oder Metallbereich oder bei Informatiker/innen nur begrenzt mit der Wirtschaft konkurrieren. Hier rächt sich, dass das Land über Jahre hinweg seine Beschäftigten vornehmlich als Sparpotential betrachtet hat. Auch die Pläne, Teilzeit und Anrechnungsstunden einzuschränken und die Überlegung, zum Beispiel mit Arbeitszeitkonten mehr Unterrichtsstunden aus den Lehrkräften herauszupressen, sind hier völlig kontraproduktiv.

Unabhängig davon, ist derzeit immer noch ein erheblicher Teil der Stellen unbesetzt. Auch wenn diese teilweise mit befristeten Arbeitsverträgen besetzt werden, gibt es im beruflichen Bereich nach wie vor Einstellungschancen. Das KM wird jetzt auf die Gymnasialliste zurückgreifen und verbleibende Stellen im Nachrückverfahren ausschreiben.

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Berufliche Bildung Artikel Referendariat Junge Baden-Württemberg
news-14528 Tue, 10 Jul 2018 11:39:15 +0200 Berufsbildung: Mehr Zeit und Stellen für Sprachförderung https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/berufsbildung-mehr-zeit-und-stellen-fuer-sprachfoerderung/ Die GEW hat erfolgreich 132 zusätzliche Deputate für die beruflichen Schulen erstritten. Davon profitiert vor allem die Sprachförderung. Lehrer haben jetzt mehr Zeit für Geflüchtete. Mit dem Tag der Berufsbildung Baden-Württemberg bieten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Baden-Württemberg Lehrkräften, Ausbildern, Vertreter/innen aus Politik und Gesellschaft sowie Arbeitnehmervertreter/innen Gelegenheit, sich über aktuelle Herausforderungen für die berufliche Bildung zu informieren und auszutauschen. Gastrednerin in diesem Jahr war Kultusministerin Susanne Eisenmann.

Ausgangspunkt der Diskussion beim Tag der Berufsbildung Anfang Juli 2018 in Stuttgart war der Ausbildungsreport der DGB-Jugend vom November 2017 zur Qualität der Berufsausbildung in Baden-Württemberg. Als Konsequenz fordern DGB und GEW die Einrichtung eines landesweiten Ausbildungsmonitorings, bei dem Berufsschule und Kammern eng mit Ausbildungsbetrieben, Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräten und der Bundesagentur für Arbeit zusammenarbeiten. Das Monitoringsystem soll ein Frühwarnsystem sein, das Probleme früh identifiziert, akut gefährdete Ausbildungsverhältnisse in den Blick nimmt und als Instrument der Qualitätssicherung in der dualen Ausbildung genutzt wird.

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Berufliche Bildung Migration Artikel DaF/DaZ Ausbildung Baden-Württemberg
news-14428 Fri, 06 Jul 2018 13:00:00 +0200 Schulischer (Miss)Erfolg hat nicht nur mit Leistung zu tun https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/schulischer-misserfolg-hat-nicht-nur-mit-leistung-zu-tun/ Zwei Wissenschaftlerinnen von der Universität Duisburg-Essen stellen aktuelle Befunde zum Zusammenhang von Schulerfolg und sozialer Herkunft vor – und beleuchten, was das Schulsystem dagegen tun kann. In Baden-Württemberg wird intensiv über die Frage diskutiert, ob und wie Schulen Bildungsgerechtigkeit verbessern können. Esther Dominique Klein und Anke B. Liegmann von der Universität Duisburg-Essen stellen aktuelle wissenschaftliche Befunde zum Zusammenhang von Schulerfolg und sozialer Herkunft vor. Und sie beleuchten, was das Schulsystem dagegen tun kann.

Bildungspolitische Entscheidungen müssen sich auch daran messen lassen, ob sie soziale Disparitäten ausgleichen können. In unserer Gesellschaft ist meist Konsens, dass die ungleiche Verteilung gesellschaftlicher Ressourcen dann als gerecht empfunden wird, wenn sie leistungsbezogen ist. Gerade das Bildungssystem spielt daher eine wichtige Rolle bei der Zumessung von Teilhabe-Chancen.

Hier werden Zertifikate verteilt, die den Zugang zu diesen gesellschaftlichen Ressourcen mitbestimmen. Insofern halten Schulleistungsvergleichsstudien, die immer auch den Zusammenhang von Kompetenzen und sozialer Herkunft überprüfen, der Bildungspolitik den Spiegel vor. Gleichwohl zeigt die Ungleichheitsforschung, dass es keine einfachen, monokausalen Erklärungen gibt, die geeignet sind, um daraus unmittelbar wirksame Handlungskonzepte abzuleiten.

In diesem Beitrag wird auf Basis des Erklärungsansatzes von Raymond Boudon die Wirkung primärer und sekundärer Herkunftseffekte bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit im Schulsystem mit aktuellen Daten aus Schulleistungsvergleichen verdeutlicht. Und der Ausbau von Ganztagsschulen sowie die Veränderungen der Schulstruktur werden als zwei Reformtendenzen, die unter anderem mit dem Ausgleich sozialer Disparitäten begründet werden, im Hinblick auf ihre empirische Wirksamkeit diskutiert.

Ungleiche Kompetenzen

Als primäre Herkunftseffekte werden Diskrepanzen im Bildungserfolg beschrieben, die sich bei den tatsächlichen Leistungen und Kompetenzen von Schüler/innen messen lassen. Sie entstehen einerseits durch unterschiedliche Sozialisationsbedingungen. Schüler/innen, die beispielsweise schon früh mit Dingen und Themen in Berührung kommen, die für die institutionalisierte Bildung wichtig sind, oder Verhaltensweisen erlernen, die in der Schule in der Regel als angemessen betrachtet werden, haben meist einen Vorsprung beim Bildungserfolg.

Andererseits spielt aber auch die Reaktion der Schule auf die Sozialisationsbedingungen der Schüler/innen eine Rolle. So lassen sich in Schulen mit einem hohen Anteil an Schüler/innen aus benachteiligten Herkunftsmilieus oftmals geringere Erwartungen an die Schüler/innen beobachten, was sich wiederum auf den Unterricht und auf die Leistungen der Schüler/innen auswirkt.

Der Bildungstrend des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erhebt die Kompetenzen von Schüler/innen in ganz Deutschland. Viertklässler/innen werden alle fünf Jahre in Deutsch und Mathematik getestet; Neuntklässler/innen alle drei Jahre in verschiedenen Fächern. Dabei werden unter anderem Statistiken erstellt, welche die Kompetenzen von Schüler/innen aus verschiedenen sozialen Milieus vergleichen. Eine Möglichkeit besteht darin, sich zunächst die Varianz – ein Maß zur Berechnung der Streuung – in den Kompetenzen anzuschauen und zu prüfen, wie hoch der Anteil der Varianz ist, der durch die soziale Herkunft erklärt werden kann. Zudem werden auch Unterschiede zwischen den Bundesländern berechnet.

In der Primarstufe wurden die Schüler/innen zuletzt 2016 in Deutsch (Lesen, Zuhören und Orthografie) sowie in Mathematik getestet. Die Befunde zeigen, dass in den vier getesteten Bereichen deutschlandweit zwischen neun und 14 Prozent der Varianz bei den Kompetenzen von Schüler/innen durch die soziale Herkunft erklärt werden können.

In Baden-Württemberg ist der Anteil in den beiden Bereichen Lesen und in Mathematik mit 20 beziehungsweise 19 Prozent deutlich höher als im deutschlandweiten Durchschnitt (14 beziehungsweise 13 Prozent). In den Bereichen Zuhören und Orthografie ist der Anteil durchschnittlich. Die Daten verweisen außerdem darauf, dass die sozialen Diskrepanzen in Lesen und Zuhören in Baden-Württemberg zwischen 2011 und 2016 noch gewachsen sind, während sich eine ähnliche Verschlechterung im deutschlandweiten Vergleich nicht feststellen lässt.

Der generelle Anteil an Schüler/innen aus benachteiligten Milieus ist dabei sowohl im deutschen Durchschnitt als auch in Baden-Württemberg relativ konstant geblieben. Mit Blick auf soziale Diskrepanzen in der Primarstufe ist die Situation in Baden-Württemberg also tendenziell schlechter als im deutschlandweiten Durchschnitt.

In der neunten Klasse zeigt sich ein etwas anderes Bild. Auch hier sieht man zwar im deutschlandweiten Vergleich von 2015 deutliche soziale Diskrepanzen in den getesteten Kompetenzen (Lesen und Orthografie in Deutsch sowie Lesen in Englisch): jeweils etwa neun bis zehn Prozent der Varianz in den Kompetenzen können durch die soziale Herkunft erklärt werden.

Anders als in der Primarstufe ist der Anteil in Baden-Württemberg jedoch nicht höher als im deutschlandweiten Vergleich. Auch im Vergleich mit den Werten von 2009 haben sich die sozialen Diskrepanzen – anders als in der Primarstufe – nicht vergrößert.

Ungleiche Bildungsentscheidungen

Neben den primären lassen sich auch sekundäre Herkunftseffekte beschreiben. Als sekundäre Herkunftseffekte werden Wirkungen der sozialen Herkunft bezeichnet, die sich nicht auf Unterschiede bei den tatsächlichen Kompetenzen der Schüler/innen zurückführen lassen. Dazu gehören beispielsweise Bildungsentscheidungen, die unabhängig von den tatsächlichen Kompetenzen getroffen werden und durch Bildungsaspirationen (von den Eltern für ihr Kind angestrebter Bildungserfolg) sowie Abwägung von Kosten und Nutzen von Bildung sowie der Erfolgserwartung beeinflusst werden.

Häufig lassen sich in sozial benachteiligten Herkunftsmilieus geringere Bildungsaspirationen beziehungsweise ein geringerer erwarteter Nutzen höherer Bildung beobachten. Um den sozialen Status zu erhalten, reicht häufig eine geringere schulische Bildung, während für den Statuserhalt in privilegierteren sozialen Milieus eine höhere schulische Bildung notwendig ist.

Sekundäre Herkunftseffekte lassen sich besonders am Übergang bei der Wahl einer weiterführenden Schule beobachten. In der IGLU-Studie von 2016 wurden die Lesekompetenzen von Schüler/innen in der Primarstufe getestet, aber auch deren Eltern dazu befragt, welche Schulform sie für ihr Kind anstreben. Um die sekundären Herkunftseffekte zu berechnen, wurde ermittelt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit von Eltern aus höheren Berufsgruppen gegenüber Eltern aus niedrigeren Berufsgruppen ist, für das eigene Kind das Gymnasium als Schule der Wahl anzugeben. Dafür sind die sogenannten „EGP-Klassen“ relevant.

Damit werden die Berufe der Eltern anhand der Art der Tätigkeit, benötigter Qualifikationen und von Weisungsbefugnissen klassifiziert. Die obere Dienstklasse etwa umfasst Berufe mit hohen Qualifikationen und Weisungsbefugnissen (zum Beispiel Spitzenmanager, aber auch Gymnasiallehrkräfte). In der IGLU-Studie zeigt sich, dass Eltern aus der oberen Dienstklasse mit einer 3,44-mal so hohen Wahrscheinlichkeit das Gymnasium für ihr Kind wünschen wie Eltern aus der Gruppe der (Fach-)Arbeiter/innen.

Das gilt auch dann, wenn nur Schüler/innen untereinander verglichen werden, die über gleiche kognitive Fähigkeiten verfügen und die gleiche Lesekompetenz im Test zeigen. Die Schulformwahl der Eltern hängt in sehr hohem Maße von ihrem sozialen Status ab. Schüler/innen aus privilegierteren Herkunftsmilieus haben bei gleichen Leistungen eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, das Gymnasium zu besuchen, als Schüler/innen aus benachteiligten Herkunftsmilieus.

Ungleiche Lehrkräfteerwartungen

Die sekundären Herkunftseffekte verorten Ursachen für unterschiedliche Bildungsentscheidungen vor allem bei Kosten-Nutzen-Abwägungen der Schüler/innen beziehungsweise ihrer Eltern. Allerdings bilden nicht nur die Eltern selbst Urteile darüber, welcher Bildungsweg für das eigene Kind besonders relevant ist. Auch Lehrkräfte fällen solche Urteile.

Wenngleich nur in wenigen Bundesländern die Empfehlung der Grundschule bindend dafür ist, auf welche Schule Schüler/innen nach der Primarstufe wechseln, hat das Lehrerurteil auch ohne diese Verbindlichkeit Einfluss auf die Entscheidungen der Eltern. Insofern stellt sich die Frage, ob diese Urteile und die damit verbundenen Schullaufbahnpräferenzen weniger anfällig für den Einfluss der sozialen Herkunft der Schüler/innen sind.

Hierzu kann wiederum auf die IGLU-Studie von 2016 zurückgegriffen werden. Dort wurden die Lehrkräfte befragt, welchen Schulabschluss sie für ihre Schüler/innen erwarteten („Schullaufbahnpräferenz“). Auch wenn Schüler/innen mit gleichen Leseleistungen und kognitiven Fähigkeiten verglichen werden, zeigt sich ein Effekt der sozialen Herkunft: Schüler/innen mit Eltern aus der oberen Dienstklasse haben dann eine 3,81-mal so hohe Chance auf eine Gymnasialpräferenz der Lehrkräfte als Schüler/innen mit Eltern aus der Gruppe der (Fach-)Arbeiter/innen.

Der Effekt der sozialen Herkunft ist beim Urteil der Lehrkräfte also noch größer als beim Elternwunsch.

Ein Vergleich mit den Befunden aus früheren IGLU-Befragungen zeigt, dass sich die sozialen Diskrepanzen bei der Schullaufbahnpräferenz der Lehrkräfte verstärkt haben: 2001 war die Wahrscheinlichkeit für Schüler/innen mit Eltern aus der oberen und unteren Dienstklasse auf eine Gymnasialpräferenz der Lehrkräfte „nur“ 2,63-mal höher als für Schüler/innen mit Eltern aus der Gruppe der (Fach-)Arbeiter/innen. 2016 war sie dagegen 3,37-mal höher.

Das Lehrkräfteurteil ist in beiden Studien etwas stärker durch die soziale Herkunft beeinflusst als das der Eltern. Auch hier dürften Kosten-Nutzen-Abwägungen eine Rolle spielen. Sie sind allerdings anders gelagert: So zeigte die IGLU-Studie auch, dass die Schullaufbahnpräferenz der Lehrkräfte nicht nur mit den Leistungen selbst, sondern auch mit leistungsrelevanten Merkmalen wie dem Selbstkonzept Lesen und der Anstrengungsbereitschaft der Kinder korreliert. Diese Merkmale hängen signifikant mit der sozialen Herkunft der Schüler/innen zusammen.

Lösungsansatz ganztägige Bildung

Unmittelbar im Anschluss an den Befund der engen Verknüpfung von Schulleistung und sozioökonomischer Herkunft der PISA-Studie aus dem Jahr 2001 wurde von der Bundesregierung 2003 das Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung (IZBB) aufgelegt und damit der Aufbau von Ganztagsschulen im gesamten Bundesgebiet finanziell erheblich gefördert.

Neben einer Verbesserung der Betreuung für Familien ist mit dem Ausbau der schulischen Ganztagsangebote vor allem die Erwartung verknüpft, mehr Bildungsgerechtigkeit zu gewährleisten. Der Ausbau ganztätiger Bildungsangebote ist seitdem kontinuierlich vorangeschritten: Wie aus den Statistiken der Kultusministerkonferenz hervorgeht, nehmen bundesweit 2015 39,5 Prozent aller Schüler/innen an einem schulischen Ganztagsangebot teil, während es 2002 – also vor dem Ausbau – nur 9,8 Prozent aller Schüler/innen waren.

Allerdings sind zwischen den Bundesländern große Unterschiede zu verzeichnen. Während Hamburg 2015 den Spitzenwert mit 91,5 Prozent erreicht, hat Bayern mit 16,0 Prozent die niedrigste Quote. In Baden-Württemberg liegt die Quote mit 23,7 Prozent ebenfalls deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts.

Der Beitrag von ganztagsschulischen Angeboten zur Entkopplung von Schulleistung und sozioökonomischer Herkunft ist vor allem in einer Einwirkung auf die primären Herkunftseffekte zu sehen: Dadurch, dass Schüler/innen aus benachteiligten Herkunftsmilieus mehr Zeit in einer (lern)anregungsreichen Umgebung verbringen, sollen familiäre Defizite aufgefangen und damit die schulischen Leistungen verbessert werden.

Die hohen Erwartungen an diese Strukturreform werden nur zum Teil erfüllt. Der Einfluss auf die kognitiven Kompetenzen durch den Besuch von Ganztagsangeboten ist eher marginal und es lässt sich bislang auch keine Verbesserung der sozialen Diskrepanzen in den Kompetenzen feststellen. Dies hängt unter anderem mit den sehr unterschiedlichen ganztagsschulischen Angeboten, deren Qualität sowie mit dem Nutzungsverhalten zusammen.

Die Mehrzahl der Ganztagsschulen wird in der sogenannten offenen Form geführt. Die Eltern können entscheiden, ob ihr Kind das Ganztagsangebot wahrnimmt. Hier lassen sich wiederum sekundäre Herkunftseffekte beobachten: die Teilnahmequoten von Kindern aus sozial benachteiligten Familien an offenen Ganztagsschulen sind deutlich geringer als die von Kindern aus anderen Herkunftsmilieus. Zum Teil ist das auf die zusätzlichen Beiträge, die die Familien aufbringen müssen, zurückzuführen. Auch wie die zusätzlichen Angebote im Ganztag gestaltet sind, ist sehr unterschiedlich.

Die Organisationsform des Ganztagsangebots (offen, teilgebunden, gebunden) hat Konsequenzen auf die Verzahnung von unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Lernangeboten. Ein positiver Effekt auf die Kompetenzen der Schüler/innen ist vor allem dann zu erwarten, wenn unterrichtliche und außerunterrichtliche Lernangebote eng aufeinander bezogen werden, was wiederum in der Regel nur im gebundenen Ganztag sinnvoll gestaltet werden kann.

Lösungsansatz: Integrierte Schulformen

Neben der Ausweitung der in der Schule verbrachten Zeit werden weitere Strukturreformen in den Bundesländern erprobt, um soziale Benachteiligung zu verringern. Hierzu gehören die sogenannten integrierten Schulformen, also Schulformen mit mehr als einem Bildungsgang. Sowohl Formen als auch Bezeichnungen sind in den Bundesländern sehr unterschiedlich (zum Beispiel Gemeinschaftsschule, Oberschule, Mittelschule und so weiter).

Die Einrichtung dieser Schulformen ist zum einen als eine Reaktion auf demographische Entwicklungen und Schulwahlverhalten von Eltern zu verstehen; zum anderen soll damit auch sozialen Benachteiligungen entgegengewirkt werden. Diese Schulformen vereinen entweder den Hauptschul- und den Realschulbildungsgang oder schließen zusätzlich den gymnasialen Bildungsgang mit ein. In Baden-Württemberg gibt es mit der Gemeinschaftsschule eine integrierte Schulform, die alle drei Bildungsgänge vereint. Schullaufbahn und Schulabschluss werden damit tendenziell entkoppelt, da mit der Wahl der weiterführenden Schule der potenzielle Bildungsabschluss offen bleibt. Eine Bildungsentscheidung wird also zeitlich nach hinten verschoben und muss nicht bereits nach der Grundschule getroffen werden.

Damit zielen diese Reformen auf die sekundären Herkunftseffekte, also die Bildungsentscheidungen. Ob diese schulstrukturellen Änderungen tatsächlich eine positive Wirkung auf soziale Diskrepanzen im Bildungserfolg haben, lässt sich noch nicht sagen. Es gibt jedoch Hinweise aus der Forschung, die zeigen, dass die Schulform für die Verringerung sozialer Benachteiligung nicht allein entscheidend ist.

Vielmehr können die sozialräumliche Lage, die Entstehungsgeschichte der Einzelschule, die Umsetzung der pädagogischen Konzepte in den Schulen, aber auch die Konkurrenzsituation zwischen Schulen ganz unterschiedlich auf dieses Ziel einwirken. Das bildungspolitische Ziel – der Abbau sozialer Segregation durch die Integration verschiedener Schulformen – kann durch Prozesse auf der Ebene der Einzelschulen neutralisiert werden. Insofern muss bei der Umsetzung struktureller Reformen stets auch die Eigenlogik der an Schulen beteiligten Personen berücksichtigt werden, beispielsweise indem pädagogische Konzepte nicht nur zentral vorgegeben, sondern auch mit den Lehrkräften vor Ort für die Einzelschule angepasst werden.

Fazit

Schulstrukturreformen lassen sich in Hinblick auf die primären und sekundären Herkunftseffekte als eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung bezeichnen.

Sie geben den nötigen Rahmen, innerhalb dessen gerade institutionell erzeugte soziale Ungleichheiten abgebaut werden können.

Gleichwohl dürfen die Qualität der tatsächlichen Ausgestaltung, Kontextbedingungen und Eigenlogiken der an Schulen beteiligten Personen nicht außer Acht gelassen werden, da sie maßgeblich diesen Rahmen mit Inhalt füllen (können).

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Schule GEW Bildungsgerechtigkeit Artikel Zeitschrift b+w Baden-Württemberg
news-14418 Thu, 05 Jul 2018 10:56:00 +0200 Erinnerungen wachhalten https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/erinnerungen-wachhalten/ Zahlreiche Gedenkorte in Baden-Württemberg erinnern an die Nazi-Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg. Viele Gedenkstätten initierten Ehrenamtliche – und darunter sind reichlich GEW-Mitglieder. Ein Besuch der KZ-Gedenkstätte in Vaihingen/Enz. Rund 70 Lern- und Gedenkorte in Baden-Württemberg sorgen dafür, dass die Nazi-Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg nicht vergessen werden. Viele Gedenkstätten initierten Ehrenamtliche, nicht selten sind Lehrkräfte beteiligt, die in der GEW aktiv sind. Die Orte sollen Geschichte vermitteln und politisches Urteil schärfen. Die KZ-Gedenkstätte in Vaihingen/Enz ist eine davon.

Trotz Wintermantel, Schal und Handschuhen war es Mitte März 2018 unangenehm kalt. Jörg Becker führt eine kleine Gruppe von Lehrkräften durch die KZ-Gedenkstätte Vaihingen/Enz. In Decken eingehüllt schauen sie sich in einer kühlen Halle über den Fundamenten der ehemaligen Bade- und Entlausungsbaracke eine Video-Installation an, die die Verbrechen an diesem Ort der letzten beiden Kriegsjahre 1944/45 unter die Haut gehen lässt.

Alle waren froh, dass die Führung in warmen Räumen weiterging. Unvorstellbar, dass hier im Januar 1945 bei 15 Grad Minus Menschen in ungeheizten, stinkenden Baracken ausharren mussten. Sie waren todkrank, völlig erschöpft, hungrig, schmutzig, verlaust. Es fehlten Medikamente, Verbandzeug oder Decken. Die Strohsäcke enthielten kaum noch Stroh. Im Februar, nachdem der Flecktyphus ins Lager eingeschleppt wurde, starben durchschnittlich jeden Tag 33 Häftlinge. In das Vaihinger Lager wurden Kranke aus anderen Konzentrationslagern abgeschoben, um zu verhindern, dass in den dortigen Arbeitslagern Seuchen ausbrachen.

Davor hatte das Lager eine andere Funktion. Es gehörte zum KZ-Komplex Natzweiler im Elsass. Vom August bis Oktober 1944 waren hier 2.187 jüdische KZ-Häftlinge untergebracht, die auf einer nahegelegenen Baustelle schuften mussten. Dort sollte eine unterirdische Fabrikanlage, ein sogenanntes Bunkerwerk für Flugzeugteile entstehen. Auf der Baustelle in einem Steinbruch wurde rund um die Uhr in Zwölf-Stunden-Schichten sieben Tage die Woche gearbeitet. Zu essen gab es mittags Rübensuppe und abends wenig Brot. Wenn es bei der Arbeit nicht schnell genug ging, attackierten SS-Wachen die Häftlinge mit Schlägen. Da die alliierten Luftangriffe zunahmen und nicht mehr damit gerechnet wurde, dass das Rüstungsprojekt fertig wird, wurde die Baustelle aufgegeben.

Aus dem Arbeitslager wurde ein Sterbelager. Am 7. April 1945 befreite die französische Armee schätzungsweise 650 Überlebende. Rund 1.700 kamen ums Leben.

Entstehung der Gedenkstätte

An diese Gewaltverbrechen soll eine Mahn- und Gedenkstätte erinnern. Das nahmen sich Lehrkräfte des GEW-Kreises Ludwigsburg fest vor, als sie im Herbst 1987 eine Kreisrundfahrt „Auf den Spuren des Dritten Reiches“ unternahmen. Sie vermissten eine Gedenkstätte im Kreis Ludwigsburg, die Schüler/innen und Erwachsenen die Verbrechen der damaligen Zeit vor Augen führt.

Das KZ Vaihingen eignet sich als Gedenkstätte, weil es einerseits das größte im Kreis war, andererseits war das Lager aufgrund von Forschungsarbeiten gut dokumentiert. Einen KZ-Friedhof gab es bereits. Er wurde an der Stelle der Massengräber errichtet und im November 1958 eingeweiht. Die typhusverseuchten Baracken wurden 1945 abgebrannt.

Aus der GEW-Initiative entstand zunächst ein Initiativ-Kreis „KZ-Gedenkstätte Vaihingen a. d. Enz“ und später ein Trägerverein, der in jahrelanger Arbeit mit Unterstützung des Landkreises und der Stadt Vaihingen die Gedenkstätte errichtete und betreibt. 17 Jahre dauerte es, bis die Gedenkstätte in Vollbetrieb ging. Erst vor wenigen Monaten wurde ein Seminarraum für Schüler/innen bezugsfertig. In der Gedenkstätte steckt viel konzeptionelle, ehrenamtliche und professionelle Arbeit, großes Durchhaltevermögen und mehr Geld, als man den einfachen Hallen und Gebäuden ansieht. Zur Finanzierung waren daher viele Partner nötig. Zuschüsse kamen auch vom Bund, Land Baden-Württemberg und der Europäischen Kommission.

Jörg Becker war von Anfang an im Vorstand dabei. Er gehört heute zu den 110 Mitgliedern des Vereins und ist immer noch aktiv. Er war 29 Jahre lang Geschichtslehrer der Realschule in Ditzingen. Es ist ihm nach wie vor ein großes Anliegen, dass Schüler/innen Geschichte heimatnah erleben. Zahlreiche Klassen haben er und andere Aktive des Vereins durch die Gedenkstätte geführt. Rund 60 Klassen kommen pro Jahr. Becker wirbt dafür, dass Schulen eher in die ortsnahe Gedenkstätten gehen, als beispielsweise ins ferne Dachau.

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Schule GEW Mitglieder 60+ Artikel Zeitschrift Friedensbildung b+w Baden-Württemberg
news-14475 Thu, 28 Jun 2018 14:01:59 +0200 Ausbildungszeitverlängerung – ein Weg zum Ausbildungserfolg https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ausbildungszeitverlaengerung-ein-weg-zum-ausbildungserfolg/ Die Zahl der Übergänge Geflüchteter und Migrant/innen in die Berufsschule und die einjährige gewerbliche Berufsfachschule steigt merklich an. Das bringt Herausforderungen mit sich, denen sich das Bildungssystem stellen muss. 2.387 Auszubildende aus den acht Hauptasylherkunftsländern plus Gambia haben im Ausbildungsjahr 2017 einen neuen Ausbildungsvertrag unterzeichnet. Im Vorjahr waren es noch 868 Auszubildende. Neben den Angeboten einer dualen Erstausbildung ist es für die erfolgreiche Integration von Geflüchteten und Migrant/innen unerlässlich, bestehende Konzepte und Modelle der Flexibilisierung der Ausbildung, die im Berufsbildungsgesetz (BBiG) beziehungsweise der Handwerksordnung (HwO) existieren, stärker auszuschöpfen.

Besteht die Gefahr, dass ein Azubi die Abschlussprüfung am Ende der Ausbildung nicht besteht, kann die Ausbildungszeit verlängert werden. Die zusätzliche Zeit wird dann genutzt, um eine Berufsschulklasse zu wiederholen und um mehr Zeit im Betrieb für praktische Übungen zu haben. Besonders hilfreich kann eine Verlängerung sein, wenn die Sprachkenntnisse des Azubis der Grund für die schlechten Leistungen sind.

Rund 70 Prozent der Geflüchteten befinden sich aktuell im ersten Ausbildungsjahr. Diese Auszubildenden verteilen sich auf 128 Ausbildungsberufe. Am häufigsten gewählte Berufe sind insbesondere solche, in denen die Betriebe großen Nachwuchsbedarf haben, unter anderem Bäcker/in, Koch/Köchin, Maler/Lackierer/in, Maurer/in, Anlagenmechaniker/in und Fachlagerist/ in.

Mangelnde Sprachkompetenz als Ausbildungshindernis

Bei einer Onlinebefragung Anfang 2018 durch das Kultusministerium kam zutage, dass die Selbsteinschätzung vonseiten der beruflichen Schulen folgendermaßen aussieht: Bei 73 Prozent der Azubis im ersten Lehrjahr und 65 Prozent im zweiten Lehrjahr reicht die Sprachkompetenz für das Erreichen des Bildungsziels im jeweiligen Kontext nicht aus. Die Schulen berichten zudem, dass auch über die Zielgruppe der Geflüchteten hinaus Sprachprobleme von Schüler/innen die Beschulung in der Berufsschule (BS) und der einjährigen gewerblichen Berufsfachschule (1BFS) zunehmend erheblich erschweren.

Eine Möglichkeit: Verlängerung der Ausbildungszeit. In § 8 Abs. 2 BBiG ist die Grundlage für eine Verlängerung geregelt. In Ausnahmefällen und nur auf Antrag des Auszubildenden kann die Ausbildungszeit durch die zuständige Stelle (Kammer) verlängert werden.

Verlängerung der Ausbildung beantragen

In der Empfehlung des Hauptausschusses (HA) des Bundesinstituts für Berufsbildung ist die Beantragung einer Verlängerung der Ausbildung folgendermaßen geregelt: Der oder die Auszubildende stellt einen Antrag an die zuständige IHK oder HWK. Dieser Antrag kann jederzeit während der Ausbildung schriftlich gestellt werden. Folgende Inhalte müssen enthalten sein:

  • Name und Adresse des Azubi
  • Name und Adresse des Betriebs
  • Grund der Ausbildungszeitverlängerung
  • Unterschrift des Auszubildenden und eventuell eines gesetzlichen Vertreters (z.B. Eltern)

Hierbei muss glaubhaft gemacht werden, dass die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Begründungen können erkennbare schwere Mängel in der Ausbildung, das Nichterreichen des Leistungszieles der Berufsschulklasse, längere vom Auszubildenden nicht zu vertretende Ausfallzeiten und die Betreuung des eigenen Kindes oder von pflegebedürftigen Angehörigen sein. Im nächsten Schritt erfolgt die Anhörung des Ausbildungsbetriebs durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK) und eine optionale Anhörung der Berufsschule durch die zuständige Stelle.

Die Zustimmung zu einer Ausbildungsverlängerung durch IHK oder HWK ist eine Ermessensentscheidung. Bei einer Zustimmung wird der Antrag zu einem Teil des Ausbildungsvertrags. Eine Veränderung des Ausbildungsvertrags selbst ist also nicht notwendig.

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Berufliche Bildung Migration Artikel Baden-Württemberg
news-14474 Thu, 28 Jun 2018 13:22:16 +0200 Honorarlehrkräfte im Ländle, vereinigt euch! https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/honorarlehrkraefte-im-laendle-vereinigt-euch/ Freie Lehrkräfte liegen quer zu allen Strukturen und Organisationen. Siebzehn Lehrkräfte aus sieben Organisationen und fünf Fächern kamen zum politischen Vernetzungstreffen der GEW nach Stuttgart. Gemeinsam ist ihnen, dass sie in Baden-Württemberg als Freiberufler in der Bildung arbeiten – und dass sie sich in verschiedener Form für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen.Honorarlehrkräfte sind überall - doch überall spielen sie eine Nebenrolle. An universitären Sprachzentren, Volkshochschulen und Musikschulen stemmen sie längst den Großteil der Lehre – und bleiben politisch doch unsichtbar. Die Gelder fließen von Bund, Land, Kommune, natürlich immer von unterschiedlichen Ministerien. Manche unterrichten nebenberuflich, andere ackern 50-, 60-Stunden-Wochen für ihren Broterwerb. Wer es bis zu einer Gewerkschaft schafft, muss sich zwischen ver.di und GEW entscheiden – steht am Ende aber trotzdem ohne Betriebsrat da. Es ist bezeichnend, dass Freie Lehrende an den Universitäten im Posten „Sachmittel“ neben Laptops und Glühbirnen laufen.

Mein Fazit: Freie Lehrkräfte liegen quer zu allen Strukturen und Organisationen. Also müssen wir uns eben quer organisieren. Unter dem Nenner „Honorarlehrkräfte in Baden-Württemberg“ luden wir deshalb am 23.06. nach Stuttgart ein. Und die Lehrkräfte kamen: Sie unterrichten Deutsch als Fremdsprache und Englisch, Mathematik und Kontrabass. Trotz der Unterschiede herrscht sofort Vertrautheit und ein gigantischer Redebedarf. Gerade weil es ein schwieriges Feld ist, war das Zusammentreffen mit anderen Aktiven besonders ermutigend. Großes Interesse weckte das Beispiel der Lehrbeauftragten für Musik an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen, die sich in den 80er Jahren – im Gegensatz zu anderen – ihre Rechte nicht nehmen ließen und streikten. Dank der Solidarität durch die Studierenden konnten sie soziale Rechte erhalten und haben heute ein einzigartiges Sondermodell, unter anderem eine Personalvertretung. Das Beispiel zeigt, dass sich das Engagement lohnen kann.

Für alle Anwesenden war schnell klar: Wir möchten uns wieder in dieser Konstellation treffen und die politisch aktiven Honorarlehrkräfte aus allen Fächern und allen Organisationen zusammen holen. Vielleicht erhält dieses Netzwerk dann auch einen Namen und kommt uns irgendwann gar nicht mehr so verrückt und quer vor.

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Wissenschaft Weiterbildung Artikel DaF/DaZ Baden-Württemberg
news-14421 Thu, 28 Jun 2018 11:00:00 +0200 Marode Schulgebäude: Es riecht nach MUM https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/marode-schulgebaeude-es-riecht-nach-mum/ Zehn Jahre lang findet der Unterricht auf einer Baustelle statt. Die GEW hat bei einem Schulbesuch an der Dammschule in Heilbronn herausgefunden, was der Grund dafür ist – und wie die Lehrer/innen und Schüler/innen damit fertigwerden. Bereits der 15-minütige Fußmarsch vom Heilbronner Hauptbahnhof zur Dammrealschule bietet einen guten Eindruck von dem, was die GEW erwarten sollte. Die Stadt gleicht einer einzigen Baustelle. Bei mehr als 30 Grad Celsius sind die Vorbereitungen für die Bundesgartenschau 2019 in vollem Gange.

Im Rahmen der GEW-Aktion „lerntRÄUME gestalten“ innerhalb der Initiative „Bildung. Weiter denken!“ besucht die GEW-Landeschefin Doro Moritz Schulen, die marode oder baufällig sind und das Lernen und das Schulklima beeinträchtigen. Anfang Juni steht die Dammrealschule auf dem Programm.

In der dreizügigen Realschule werden 480 Schülerinnen und Schüler in zwei großen Gebäuden auf dem Gelände unterrichtet. Zurzeit wird der Grundschulabschnitt des mehr als 100 Jahre alten Hauptgebäudes saniert. Danach sollen die Realschüler/innen die Container beziehen und der andere Teil des Gebäudes wird auf Vordermann gebracht. In dem Gebäude ist es noch wärmer als draußen. Die Bauarbeiten würden den Schulalltag erheblich beeinträchtigen, berichtet der Schulleiter Sven Hertner. Durch die Sanierungsarbeiten müssen Klassen immer wieder umziehen. Die Lehrerinnen und Lehrer zwängen sich in ein viel zu kleines, provisorisches Lehrerzimmer. Unzählige Materialien stapeln sich auf den Tischen. Platz zum Arbeiten bleibt kaum übrig.

Vor sechs Jahren starteten die Baumaßnahmen, weil am Hauptgebäude Kriegsschäden vermutet wurden. Schnell trat jedoch die mangelhafte Bausubstanz zu Tage. Somit waren die zuvor geplanten Baumaßnahmen hinfällig und ein neuer, komplizierter Ausschreibungsprozess musste gestartet werden. Die baulichen Mängel sind so gravierend, dass sich die Sanierung voraussichtlich bis 2021/2022 hinzieht. Die erwarteten Kosten betragen etwa 25 Millionen Euro.

Zehn Jahre müssen Schüler/innen und Lehrer/innen folglich mit einer Baustelle leben. Manche Kinder werden ihre komplette Schulzeit auf einer Baustelle verbringen. Hertner erzählt, die Berichterstattung über die Container habe inzwischen zu einem Einbruch der Schülerzahlen geführt. Moritz zeigt sich erschüttert von der nicht enden wollenden Baustelle. „Es ist erschreckend zu sehen, wie Land und Kommunen die Schulen im Stich lassen“, sagte sie.

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Schule Bildung weiter denken GEW Gesundheit Artikel b+w Baden-Württemberg
news-14645 Wed, 27 Jun 2018 10:00:00 +0200 Gespräch mit SPD: Verbesserungen für Fachlehrkräfte/Technische Lehrkräfte https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gespraech-mit-spd-verbesserungen-fuer-fachlehrkraeftetechnische-lehrkraefte/ Die GEW hat sich mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Gerhard Kleinböck getroffen, um die Perspektiven für Fachlehrkräfte und Technische Lehrkräfte zu thematisieren. Die Vorsitzende der Landespersonengruppe Fachlehrkräfte/Technische Lehrkräfte, Angelika Kistner, hat sich mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Gerhard Kleinböck, stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss Kultus, Jugend und Sport, getroffen.

Grundlage für das Gespräch war das GEW-Perspektivenpapier für Fachlehrkräfte/Technische Lehrkräfte, in dem die Forderungen des Fachlehrertages 2018 ausgearbeitet und mit Beispielen hinterlegt wurden. Dies sind beispielsweise:

  • Zusätzliche Beförderungsstellen um die lange Wartezeit abzubauen,
  • Reduzierung des Deputats,
  • zusätzliche Plätze im Aufstiegslehrgang und Zulassung auch aus A11,
  • Weiterqualifizierung für Nichterfüller/innen.

Durch den Einsatz der GEW und ihrer Fachlehrkräfte konnte die Wartezeit durch Schaffung neuer Stellen von 12 bis 17 Jahre auf 8 bis 10 Jahre verkürzt werden.

Die einzelnen Punkte wurden ausführlich besprochen. Herr Kleinböck sagte zu, diese in seiner Fraktion zu besprechen und sich für Verbesserungen für die Berufsgruppe Fachlehrkräfte/Technische Lehrkräfte einzusetzen.

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Artikel Fachlehrer Baden-Württemberg
news-14462 Tue, 26 Jun 2018 17:30:17 +0200 Rund 900 Unterschriften bei GEW Aktion „100% Reisekosten im REF“ https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/rund-900-unterschriften-bei-gew-aktion-100-reisekosten-im-ref/ Referendarinnen und Referendare aus ganz Baden-Württemberg haben die GEW-Forderung, die vollen Reisekosten im Referendariat zu erstattet, mit ihrer Unterschrift unterstützt. Wie wird die Politik darauf reagieren? Wir haben eine tolle Beteiligung bei unserer Unterschriften-Aktion zur Novellierung des Landesreisekostengesetzes. Vielen Dank an alle, die sich beteiligt haben!

An vielen Seminaren aller Schularten fanden Infostände und Gespräche dazu statt. Bei der GEW-Schulung der Ausbildungspersonalrät/innen wurde sogar eine eigene Resolution zum Thema verfasst. Junge Kolleg/innen bestätigten immer wieder, dass die Begrenzung der Reisekostenerstattung für Referendar/innen auf 50 Prozent unfair und nicht hinnehmbar ist.

Wie geht es jetzt weiter?

Die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz wird die Unterschriftenlisten an Sandra Boser (Bildungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion) und Karl-Wilhelm Röhm (Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion) persönlich in einem Gespräch übergeben. Das Kultusministerium, das Innenministerium und die Bildungspolitischen Sprecher von SPD und FDP erhalten die Listen mit einem Begleitschreiben postalisch.

Die GEW setzt sich weiterhin dafür ein, dass im Referendariat die vollen Reisekosten erstattet werden.

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Studium Schule LehrerInnenbildung Artikel Referendariat Junge Gymnasium Baden-Württemberg
news-14432 Mon, 25 Jun 2018 14:30:00 +0200 Inklusion ist möglich – in Südtirol https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/inklusion-ist-moeglich-in-suedtirol-1/ In Südtirol ist jede Kita und jede Schule barrierefrei. Eine Gruppe der GEW erlebte während einer Bildungsreise, dass dort vieles selbstverständlich ist, was in Baden-Württemberg bei Inklusion noch weit entfernt scheint. „Wir haben Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, dass Schule sich entwickeln kann“, begrüßte Pepe Kühebacher, Koordinator des Schulverbundes Pustertal, am ersten Abend die 16 Gäste der GEW Baden-Württemberg. Sie wollten im Pustertal erleben, wie dort Kita und Schule funktioniert. An drei Tagen besuchten die Lehrer/innen aus unterschiedlichen Schularten drei Schulen, eine Kita, ein Mensa-Restaurant sowie einen externen Lernort auf einem ehemaligen Bauernhof in den Bergen und sprachen mit Vertreter/innen des Schulverbundes Pustertal.

Zu den guten Rahmenbedingungen gehört, dass die Schulen eine höhere Autonomie als in Baden-Württemberg haben und sich Kitas und Schulen im Schulverbund Pustertal auf eigene Initiative zusammengeschlossen haben. Sie haben sich sozusagen eine eigene Schulverwaltung gegeben, in der vorhandene Kompetenzen gebündelt, Unterstützungssysteme gemeinsam aufgebaut und genutzt werden und zum Beispiel Fortbildungen organisiert werden. „Das Gefühl des Aufgehoben-Seins in einem Gesamtsystem kann positive Kräfte für die autonomen Einzelschulen und Kindergärten entfalten“, schreibt das Netzwerk auf seiner Internetseite. Die Kitas und Schulen finanzieren den Schulverbund zum Teil aus ihren eigenen Budgets.

Direktor hat nur Leitungsaufgaben

In Südtirol sind die Schulen durch ein Landesgesetz in Sprengeln organisiert, die jeweils aus einer Mittelschule und etwa sechs Grundschulen mit insgesamt 500 bis 900 Schüler/innen bestehen und von einem beziehungsweise einer Schuldirektor/in geleitet werden. Der Direktor des Sprengels hat nur Leitungsaufgaben, unterrichtet nicht mehr und wird durch Verwaltungskräfte unterstützt. Ein Schulsprengel hat einen eigenen Etat und verfügt zum Beispiel jährlich über 200.000 Euro für eigene Fortbildung und Qualitätsentwicklung. Im Schulverbund sind die Einrichtungen über die Kita- und Schuldirektionen der einzelnen Sprengel vertreten.

Ein Element der Zusammenarbeit sind die Expert/innen aus den eigenen Reihen, von denen alle profitieren. Wer im Pustertal eine Kita oder Schule umbauen oder neu bauen will, fragt zuerst Josef Watschinger. Der Direktor des Schulsprengels Welsberg weiß, wie durch die Architektur die Lernkultur verändert werden kann. Im ganzen Pustertal ist es seine Aufgabe, diese Expertise bei Um- oder Neubauten zur Verfügung zu stellen. Für andere Bereiche, wie Frühförderung und Anfangsunterricht gibt es im Schulverbund andere Expert/innen.

Die neue Grundschule in Welsberg nennt Watschinger eine „Wohnraumschule“. Gleich am Eingang bleiben die Straßenschuhe in einer Garderobe, denn die Kinder sollen auch auf einem sauberen Holzboden aus einheimischer Lärche arbeiten können. Mit den Wänden aus Fichtenholz will die Schule bewusst an eine Südtiroler Bauernstube erinnern, in der sich Kinder und Lehrkräfte zuhause fühlen. Um solche Schulbauten möglich zu machen, wurden in Südtirol auf Initiative der Pädagog/innen unter anderem die Schulbaurichtlinien und darin auch die Brandschutzrichtlinien geändert.

Flexibles Mobilar

Auf zwei Etagen finden sich die Lernwerkstätten und Klassenräume. Großzügige offene Bereiche, in denen Teile der Schulbibliothek und PC-Arbeitsplätze integriert sind und in denen Schüler/innen für sich oder in kleinen Gruppen arbeiten. Das Mobiliar ist flexibel gestaltet, die Lernbereiche können schnell verändert werden. Es gibt abgetrennte Klassenräume, deren große Fenster zu den Lernwerkstätten und nach draußen ins Dorf zum Gefühl einer offenen Lernlandschaft beitragen. Überall wird leise gearbeitet.

Mit ihrer Architektur bietet die Schule in Welsberg viel Flexibilität in der Unterrichtsgestaltung und schafft damit eine Voraussetzung für Inklusion beziehungsweise Integration. In Südtirol wird der Begriff „Integration“ für die Arbeit mit Kindern beziehungsweise Schüler/innen mit „besonderem Bildungsbedarf“ verwendet. Die Integration von Kindern mit Beeinträchtigungen hat in Italien eine andere Vorgeschichte als in Deutschland.

Ganz Italien hat bereits seit den 1960er-Jahren eine fünfjährige Grundschule und eine dreijährige Mittelschule. Bis zur 8. Klasse lernen alle Schüler/innen gemeinsam. Fast über Nacht wurden 1977 in Italien alle Sonderklassen, die es bis dahin noch gab, abgeschafft. Seit 40 Jahren ist es Alltag, dass Kinder mit körperlich-motorischen Behinderungen oder Sinnesbeeinträchtigungen, mit Lernstörungen, Schüler/innen mit geistiger Behinderung sowie schwerst-mehrfacher Behinderung Kitas und Schulen besuchen. Auch nach den ersten acht gemeinsamen Schuljahren können Eltern frei wählen, ob ihre Tochter oder ihr Sohn eine berufsbildende Schule, eine fünfjährige Fachoberschule oder das fünfjährige Gymnasium besucht.

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Kita Schule GEW Inklusion Artikel b+w Baden-Württemberg
news-14410 Wed, 20 Jun 2018 17:00:01 +0200 Lehrereinstellung 2018 an Gymnasien https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lehrereinstellung-2018-an-gymnasien/ Eine bundesweite Studie zeigt: Die Arbeitszeit der Lehrkräfte ist zu hoch. Trotzdem wird das Land zahlreichen jungen Lehrkräften kein Einstellungsangebot machen. Die GEW findet: Es ist Zeit für Qualität – und stellt klare Forderungen. Im gymnasialen Bereich wird die Anzahl der Bewerber/innen die der offenen Stellen bei weitem übertreffen. Das Land wird vielen hochqualifizierten jungen Lehrkräften kein Angebot machen können und sie an andere Berufsfelder oder andere Bundesländer verlieren. Gleichzeitig wissen die Lehrkräfte im Dienst kaum, wie sie die anfallende Arbeit bewältigen sollen.

Es kann nicht sein, dass das Ministerium von Qualitätssteigerungen redet, die notwendigen Ressourcen jedoch verweigert und den jungen Lehrkräften kaum Chancen auf eine Einstellung bietet.

Es ist Zeit für:

  • die Senkung des Deputates!
  • die Reduktion des Klassenteilers!
  • die Aufstockung des Entlastungskontingentes!
  • die Anrechnung jeder zusätzlicher Aufgabe im Deputat!
  • die Rücknahme der Kürzungen bei der Alters- und Schwerbehindertenermäßigung!
  • die Erhöhung der Vertretungsreserve!
  • den Stopp des Befristungsunswesens!

Es ist Zeit für Qualität.

Die zentralen Forderungen der GEW sind daher jetzt auch wissenschaftlich bestätigt: Das Team von Sozialwissenschaftlern um Frank Mußmann und Thomas Hartwig von der Uni Göttingen hat nachgelegt. Nach den eindeutigen Ergebnissen der GEW Studie aus Niedersachsen, bei der die Wissenschaftler über das gesamte Schuljahr 2015/16 in einer schulartspezifischen Studie die Arbeitszeit der Lehrkräfte in den verschiedensten Kategorien akribisch erfasst und ausgewertet hatten, liegt nun eine neue, bundesweite Studie vor.

In dieser „Metastudie“ wurden 16 Studien, die zwischen 1960 und 2017 erarbeitet wurden, untersucht und die Ergebnisse zusammengetragen. Es verwundert nicht, dass alle Resultate zum selben Schluss führen: Die Arbeitszeit der Lehrkräfte ist wesentlich zu hoch!

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Schule Artikel Referendariat Junge Gymnasium Baden-Württemberg
news-14408 Wed, 20 Jun 2018 10:20:31 +0200 Für „lau“ oder „MAU“ ins Schullandheim? https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/fuer-lau-oder-mau-ins-schullandheim/ Schullandheime, Ausflüge und andere außerunterrichtliche Veranstaltungen sind für die Schülerinnen und Schüler die Krönung des Jahres – für Lehrkräfte leider aber auch eine deutliche Mehrbelastung, insbesondere für alle Teilzeitbeschäftigten. Nach Abitur und dem letzten Klassenarbeitsdurchgang kommen unweigerlich die Schullandheime, Ausflüge und andere außerunterrichtliche Veranstaltungen. Für die Schülerinnen und Schüler die Krönung des Jahres – für die Lehrkräfte aber auch eine deutliche Mehrbelastung, insbesondere für alle Teilzeitkräfte. Wir haben für Sie die wichtigsten Informationen zur Besoldung der Teilzeitkräfte bei außerunterrichtlichen Veranstaltungen zusammengestellt.

Im Schullandheim ist man voll im Dienst – und wie ist das mit der Besoldung?

Hier teilt sich die Welt des Lehrerzimmers in beamtete und angestellte Teilzeitkräfte. Arbeitnehmer/innen in Teilzeit stellen den Antrag, für die Dauer der fraglichen Veranstaltung als Vollzeitkraft bezahlt zu werden und bekommen anstandslos die volle Vergütung. Für die beamteten Kolleg/innen in Teilzeit gilt dies nach der Rechtsprechung der oberen Gerichte nicht. Nach dem „Alimentationsprinzip“ werden Beamte/innen nicht für eine bestimmte Leistung oder eine bestimmte Zeit bezahlt sondern so, dass sie sich frei von Existenzsorgen den Aufgaben ihres Amtes widmen können. Und diese schließen bei allen Lehrkräften außerunterrichtliche Veranstaltungen ein.

Aber einen Antrag kann man doch trotzdem stellen?

Natürlich kann eine beamtete Teilzeitkraft dies tun. Wird der Antrag dann (erwartungsgemäß) abgelehnt, so kann sie widersprechen. Ob daraus in Zukunft irgendwelche tatsächlichen Ansprüche erwachsen könnten ist nach der obergerichtlichen Rechtsprechung bis zum Bundesverfassungsgericht eher unwahrscheinlich. Durch Zufall (!) überwiesenes Geld sollte man allerdings nicht annehmen. Denn es ist nach geltender Rechtslage zu Unrecht (!) überwiesen worden und kann (und wird!) vom Land zurückgefordert werden.

Geht denn eine Abrechnung über MAU?

Teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte im Arbeitnehmerverhältnis werden auf Antrag bei ein- oder mehrtägigen außerunterrichtlichen Veranstaltungen so vergütet wie vergleichbare Vollbeschäftigte. Sie bekommen diese Tage also voll bezahlt. Das ist keine Vergütung von Mehrarbeitsunterricht (MAU), sondern Gleichstellung mit vergleichbaren Vollbeschäftigten.

Bei allen Teilzeitlehrkräften bezieht sich Mehrarbeit und auch die daraus resultierende Mehrarbeitsvergütung ausschließlich auf Unterricht, also nicht auf außerschulische Veranstaltungen (zum Beispiel Schullandheime, Ausflüge). Es ist hier eine Entlastung an anderer Stelle zu finden: Eine Bezahlung als MAU ist nach jetzigem Recht nicht vorgesehen.

Zu dem Thema gibt es eine gerichtliche Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes von 2004.

Aber die GEW hat doch einen Prozess um die Reisekosten gewonnen?

Dieser Prozess wurde in Bezug auf die nicht mehr ausreichenden Reisekostenpauschalen geführt und im Dezember 2017 in der ersten Instanz gewonnen. Jetzt ging das Land Baden-Württemberg allerdings in die nächste Instanz ...

Wir arbeiten daran, man darf auf das Endergebnis gespannt sein!

Doch selbst bei gewonnenen Prozessen ist unklar, ob und in wieweit die vielleicht erfolgende neue Regelung in die Vergangenheit übertragen wird.

Ein politisches Statement?

Teilzeitkräfte arbeiten strukturell zu viel und beamtete Teilzeitkräfte bei außerunterrichtlichen Veranstaltungen auch noch gratis. Dieser Zustand ist nicht hinnehmbar und muss der Landesregierung immer wieder deutlich gemacht werden. Es ist jedoch äußerst fraglich, ob sie sich davon beeindrucken lässt, dass Teilzeitkräfte einen derartigen (aus jetziger juristischer Sicht erfolglosen) Antrag stellen und daraufhin die rechtlichen Rahmenbedingungen verändert: Erfahrungsgemäß reagiert das Land allenfalls auf rechtskräftige Gerichtsurteile.

Aktivitäten dem Teilzeitfaktor anpassen!

Die oberen Gerichte betonen in ihren rechtskräftigen Urteilen, dass „Zeiten zusätzlicher Arbeit durch entsprechende Zeiten herabgesetzter Arbeit ausgeglichen werden“ müssten. Die Schulleitung muss also der beamteten Teilzeitkraft an anderer Stelle einen entsprechenden Ausgleich bieten und sie zum Beispiel anteilig weniger oft zu außerunterrichtlichen Veranstaltungen heranziehen. Das können und müssen Teilzeitkräfte einfordern.

Mangel deutlich machen, Chancen auf Neueinstellungen unterstützen!

Außerdem wird nur, wenn der jeweilige Arbeitseinsatz dem jeweiligen Teilzeitfaktor angepasst ist, deutlich, dass Lehrkräfte an den Schulen fehlen und dass es notwendig ist, neue Lehrkräfte einzustellen. In diesem Jahr werden von circa 3.000 Bewerber/innen im Gymnasialbereich nicht einmal 1.000 Personen einen Arbeitsplatz bekommen: Die jungen, hochqualifizierten Gymnasialkolleg/innen sind da, wir nehmen ihnen die Einstellungschancen, wenn wir ihre Arbeit kostenlos erledigen. Oder eben mit der völlig unwahrscheinlichen Aussicht auf eine etwaige Mehrbezahlung im Einzelfall. Wir müssen den Mangel deutlich machen und ihn nicht zugunsten einer wohl eher nicht (!) kommenden vergleichsweise geringen Geldsumme verschleiern helfen.

Das sind wir unserer täglichen Überlastung UND den Bewerber/innen, die keine Stelle bekommen, schuldig.

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Schule Recht Artikel Gymnasium Baden-Württemberg
news-14201 Tue, 19 Jun 2018 09:40:00 +0200 Promotionsstipendien: Landesgraduiertenförderung wird um zwei Millionen gekürzt https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/promotionsstipendien-landesgraduiertenfoerderung-wird-um-zwei-millionen-gekuerzt/ Die Mittel für die Graduiertenförderung werden im Doppelhaushalt 2018/19 um zwei Millionen Euro gekürzt. Für Doktorand/innen bedeutet dies, dass jedes zehnte Stipendium wegfallen wird. Die GEW fordert, die Kürzungen zurückzunehmen. Wie im gesamten Bildungsbereich soll auch das Wissenschaftsministerium (MWK) seinen Anteil beisteuern, die gesetzlich verankerte Schuldenbremse einzuhalten – und das trotz der Mehreinnahmen von einer halben Milliarde Euro. Der auf den Wissenschafts- und Kunstbereich entfallende strukturelle Konsolidierungsbedarf betrug im Jahr 2017 48 Millionen Euro und weitere 46 Millionen Euro folgen ab diesem Jahr.

Aus diesem Grund wurden Studiengebühren für Nicht-EU Studierende und fürs Zweitstudium eingeführt. Die Rechnung ging nicht auf: die Einnahmen durch die Studiengebühren sind bei rückläufigen Bewerbungszahlen nicht so hoch wie erwartet, sodass jetzt eine Kürzung der Landesgraduiertenförderung aushelfen muss.

Bislang standen den Doktorand/innen 7,1 Millionen Euro für Stipendien zur Verfügung. Um zwei Millionen Euro werden im Doppelhaushalt 2018/19 die Mittel für die Graduiertenförderung gekürzt – zunächst im Jahr 2018 auf 5,8 Millionen Euro und im Jahr 2019 auf 5,1 Millionen Euro. Für Doktorand/innen bedeutet diese Kürzung, dass jedes zehnte Stipendium bei insgesamt 560 Promovierenden an 28 Graduiertenkollegs in Baden-Württemberg wegfallen wird.

Die GEW fordert das MWK auf, die Kürzungen bei der Landesgraduiertenförderung zurückzunehmen. Sie unterstützt die Onlinepetition „Für den Erhalt der Promotionsstipendien aus den Mitteln der Landesgraduiertenförderung“ und das Protestschreiben der Doktorand/innenkonvente. Zudem initiierte die GEW eine kleine Anfrage im Landtag zu diesem Thema über die SPD-Fraktion.

Bereits erteilte Stipendien bleiben bestehen

Für Doktorand/innen hat das MWK in der Vergangenheit einige gute Reformen und Qualitätssicherungs- und Partizipationsmaßnahmen umgesetzt: die verpflichtende Betreuungsvereinbarung zwischen Doktorand/in und Doktormutter/Doktorvater, die Doktorandenkonvente, sowie mit der aktuellen Novelle des Landeshochschulgesetzes den neu eingeführten und bundesweit einmaligen Status der Doktorand/innen. Das Wissenschaftsministerium versichert, dass für die bereits laufenden Förderungen Bestandschutz gelte und man nicht befürchten müsse, dass bereits erteilte Stipendien vorzeitig beendet werden.

Von der Graduiertenförderung profitieren vor allem Doktorand/innen der Geisteswissenschaften und der kleinen Fächer, denn Stipendien für den Bereich MINT kommen aus der Wirtschaft und Industrie. Ohne Forschungsvorhaben auf allen Gebieten der Wissenschaft, auch in den Geisteswissenschaften, ist langfristig weder im Bereich von Forschung und Lehre noch in der Wirtschaft Fortschritt und die Sicherung von Qualität denkbar.

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Studium Wissenschaft Artikel Baden-Württemberg
news-14158 Mon, 18 Jun 2018 15:45:00 +0200 Beförderungen für Technische Lehrkräfte nach A11/E10 in 2018 https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/befoerderungen-fuer-technische-lehrkraefte-nach-a11e10-in-2018/ Die Anzahl der Plätze für das Beförderungsprogramm im August 2018 beläuft sich in diesem Jahr auf 30. Wie das Beförderungsverfahren bei Technischen Lehrkräften genau abläuft, erfahren Sie hier. Die Anzahl der Plätze für das Beförderungsprogramm für Technische Lehrkräfte nach A11/E10 im August 2018 beläuft sich in diesem Jahr auf 30 Plätze, welche auf die einzelnen Regierungspräsidien aufgeteilt wurden (Stuttgart: 10, Karlsruhe: 10, Tübingen: 5, Freiburg: 5). Die Schulleitungen werden entsprechend aufgefordert, aktuelle Dienstliche Beurteilungen (nicht älter als ein Jahr) von den in Frage kommenden Kolleginnen und Kollegen zu erstellen.

Für die Beförderungsjahrgänge 2006 bis 2009 werden sehr gute bis gute Leistungen (1,5) benötigt, für die Jahrgänge 1996 bis 2005 mindestens gute Leistungen (2,0) und für die Jahrgänge 1995 und früher mindestens gute bis befriedigende (2,5) Leistungen.

Zum Beförderungsprogramm am 1. Februar 2018 gab es in Baden-Württemberg 60 Beförderungsmöglichkeiten für Technische Lehrkräfte nach A11/E10, welche auf die einzelnen Regierungspräsidien aufgeteilt wurden (Stuttgart: 19, Karlsruhe: 19, Tübingen: 11, Freiburg: 12).

Wie das Beförderungsverfahren genau abläuft

In Baden-Württemberg gibt es jährlich zwei Beförderungsprogramme für technische Lehrkräfte, mit der Möglichkeit der Beförderung nach A11 beziehungsweise der Höhergruppierung nach E10 (zur Technischen Oberlehrer/in). Diese werden jeweils zum 1. Februar und zum 1. August vollzogen.

Ob eine Lehrkraft an einem Beförderungsverfahren teilnehmen kann hängt vom Beförderungsjahrgang ab, welcher zum Zeitpunkt des Beförderungsprogrammes eröffnet ist. Der Beförderungsjahrgang einer Lehrkraft entspricht in der Regel dem Zeitpunkt der Verbeamtung.

Lehrkräfte im Arbeitnehmerverhältnis, welche die fachlichen und pädagogischen Voraussetzungen erfüllen (sogenannte „Erfüller“) nehmen ebenfalls an den Beförderungsprogrammen teil. Bei ihnen wird eine Vergleichsberechnung durchgeführt und ein fiktiver Beförderungsjahrgang festgelegt. Genau Auskünfte zum Beförderungsjahrgang kann das Regierungspräsidium erteilen.

Den einzelnen Beförderungsjahrgängen sind Noten (Mindestleistungen) zugeordnet, welche erreicht werden müssen, um die Möglichkeit einer Beförderung zu erhalten. Wenn es anhand der dienstlichen Beurteilungen mehr geeignete Bewerber/innen als zur Verfügung stehende Beförderungsstellen gibt wird eine Auswahl durchgeführt, bei welcher die Bezirkspersonalräte beteiligt werden.

Dabei erhalten die Bewerber/innen mit den besseren Leistungen den Vorzug. Frühere Beförderungsjahrgänge werden bei schlechterer Leistung in der Regel später berücksichtigt (Leistung vor Beförderungsjahrgang).

Das Kultusministerium legt in Abstimmung mit dem Hauptpersonalrat fest, welche Beförderungsjahrgänge geöffnet sind und welche Notenvoraussetzung zugrunde gelegt wird. Diese werden regelmäßig in den Rundschreiben der Bezirks- und Hauptpersonalräte veröffentlicht, diesen kann auch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Beförderungsstellen entnommen werden.

Ist eine Technische Lehrkraft im Beförderungsjahrgang wird die Schule angeschrieben und aufgefordert, eine aktuelle dienstliche Beurteilung zu erstellen. Die Lehrkraft kann auf die Teilnahme am Beförderungsverfahren (zum Beispiel aufgrund besonderer Lebensumstände) bis auf weiteres verzichten.

Zu beachten ist dann, dass die Lehrkraft zu gegebener Zeit von sich aus, wenn sie zukünftig an dem Beförderungsverfahren teilnehmen möchte, dies dem Regierungspräsidium über die Schulleitung mitteilt.

Kommt eine/r Bewerber/in nicht zum Zug, so läuft die Teilnahme an zukünftigen Beförderungsprogrammen automatisch weiter. Dabei ist zu beachten, dass die dienstliche Beurteilung nicht älter als ein Jahr ist. Es müssen in der aktuellen Beurteilung die dienstlichen Aufgaben und Leistungen aus dem vergangen Jahr berücksichtigt werden.

Für eine Erneuerung der dienstlichen Beurteilung ist ein erneuter Unterrichtsbesuch nicht zwingend vorgeschrieben. Dies liegt im Ermessen der Schulleitung, wobei seitens der örtlichen Personalvertretung auf eine Gleichbehandlung im Kollegium zu achten ist.

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Artikel Technische Lehrer/innen Baden-Württemberg
news-14339 Mon, 11 Jun 2018 16:27:25 +0200 Beteiligung älterer Menschen in der Kommune https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/beteiligung-aelterer-menschen-in-der-kommune/ Am 4. Juli 2018 findet in Waldkirch der 33. Landesseniorentag unter dem Motto „Wir mischen mit – Ältere in der Kommune“ statt. An dem Tag können sich ältere Menschen über die Themen Beteiligung und bürgerschaftliches Engagement informieren. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg ist seit dem 7. März 2018 Mitglied im Landesseniorenrat.

Am 4. Juli 2018 findet in Waldkirch der 33. Landesseniorentag unter dem Motto „Wir mischen mit – Ältere in der Kommune“ statt. In Baden-Württemberg gibt es 1.101 Kommunen und davon sind noch viele ohne Seniorenvertretung. Diese Veranstaltung ist eine gute Gelegenheit, sich über das Thema Beteiligung älterer Menschen und bürgerschaftliches Engagement zu informieren.

Die Beteiligung älterer Menschen in der Kommune ist Thema des diesjährigen Landesseniorentages.

Ältere Menschen sind aktiv wie nie zuvor. Sie wollen in ihrer Kommune mitentscheiden und mitgestalten. Die 42 Seniorenräte in den Landkreisen und kreisfreien Städten sowie die rund 180 Orts- und Stadtseniorenräte in Baden-Württemberg leisten ihren Beitrag dazu, älteren Menschen Gehör zu verschaffen.

Seniorenräte sind eine Form des bürgerschaftlichen Engagements. Sie wirken aktiv an der Gestaltung des Gemeinwesens mit. Sie sehen sich nicht nur als Sachverwalter der eigenen Belange, sondern setzen sich für alle Generationen ein und fördern das Engagement der älteren Menschen.

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Mitglieder 60+ Artikel Baden-Württemberg
news-13939 Thu, 07 Jun 2018 10:24:00 +0200 In nur 3 Schritten die GEW-Forderung „100% Reisekosten im REF“ unterstützen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/in-nur-3-schritten-die-gew-forderung-100-reisekosten-im-ref-unterstuetzen/ Im geplanten Landesreisekostengesetz ist immer noch die Begrenzung der Reisekostenerstattung für Referendarinnen und Referendare auf 50 Prozent vorgesehen. Die GEW fordert die Erstattung der vollen Reisekosten im Referendariat. Mach mit! Im Entwurf zur Novellierung des Landesreisekostengesetzes ist immer noch die Begrenzung der Reisekostenerstattung für Referendar/innen auf 50 Prozent grundsätzlich vorgesehen. Die Ministerien (Kultusministerium, Sozialministerium, Wissenschaftsministerium ...) sollen jedoch in begründeten Fällen auch die vollen Reisekosten zahlen können. Das wäre immerhin ein Anfang.

Leider droht die geplante Reform nun aber am Widerstand von CDU und Grünen und dem Kultusministerium zu scheitern.

Die GEW fordert die Erstattung der vollen Reisekosten für die Referendar/innen. Sie bekommen nur ein Ausbildungsgehalt, müssen aber auf der Straße, in Bus und Bahn den vollen Preis zahlen.

100% Reisekosten im REF – damit am Ende vom Monat noch Geld für Kino und Kneipe übrig ist

Mach mit:

  1. Unterschriftenliste (PDF) ausdrucken!
  2. Am Seminar Kolleg/innen informieren und unterschreiben lassen!
  3. Bis zum 15. Juni 2018 an die GEW zurückschicken!
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Studium Schule LehrerInnenbildung Artikel Referendariat Junge Gymnasium Baden-Württemberg
news-14317 Wed, 06 Jun 2018 16:29:01 +0200 GEW tritt für Mädchenarbeit ein https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-tritt-fuer-maedchenarbeit-ein/ Die Landespersonengruppe Frauen der GEW Baden-Württemberg ist ein Mitglied der ersten Stunde der Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik. Dafür wird die GEW-Frauengruppe jetzt als Mitglied des Monats gewürdigt. Die Landespersonengruppe Frauen der GEW Baden-Württemberg ist ein Mitglied der ersten Stunde der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Mädchenpolitik. Das langjährige Engagement der GEW wird aktuell auf der Website der LAG gewürdigt. Dort wird die GEW-Frauengruppe als Mitglied des Monats vorgestellt.

Engagiert in der Diskussion um geschlechtergerechte Pädagogik hat die damalige Landesfachgruppe Frauenpolitik in der aktiven Zeit von Anne Jenter und Dorothee Wetzel die LAG Mädchenpolitik mit auf den Weg gebracht. Dorothee Wetzel war auch aktiv im Netzwerk Frauen und Schule und wurde nach Einführung des Landesgleichberechtigungsgesetzes eine der ersten Frauenvertreterinnen für den Schulbereich an einem Regierungspräsidium.

Das Beispiel der Kollegin Dorothee Wetzel zeigt in hervorragender Weise, wie Aktive in der GEW-Frauenpolitik den Zusammenhang zwischen Mädchenarbeit und dem Eintreten für Frauenrechte in Bildungsberufen sehen und beides voranzubringen suchen.

GEW-Mitgliedsfrauen, die sich für Mädchenarbeit interessieren, sind in den Arbeitszusammenhängen der GEW-Frauenpolitik herzlich willkommen und am richtigen Platz. Bei Interesse an Mitarbeit und Vernetzung freut sich die Leitung der GEW-Frauenpolitik über eine Mail oder einen Anruf.

Wer die LAG Mädchenpolitik als Einzelperson unterstützen möchte, kann dies auch als Einzelmitglied ohne Stimmrecht tun. Wer aktiv mitarbeiten möchte, kann die GEW in der LAG Mädchenpolitik in Vertretung der Landespersonengruppe Frauenpolitik vertreten. Voraussetzung dafür, ist bei der nächsten GEW-Wahl im Herbst 2019 zu kandidieren.

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Bildung & Geschlecht Gleichstellung Artikel Baden-Württemberg
news-14232 Mon, 04 Jun 2018 14:00:00 +0200 Aktionszeitraum „lerntRÄUME gestalten“ vom 4. bis 22. Juni 2018 https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/aktionszeitraum-lerntraeume-gestalten-vom-4-bis-22-juni-2018/ Die zum Teil maroden Gebäude von Bildungseinrichtungen müssen modernisiert und saniert sowie Neubauten konzipiert werden, sodass sie zeitgemäßen Vorstellungen guter Bildung entsprechen. Eine Mitgliederbefragung und Schulbesuche stehen an. Die Aula ist wegen Einsturzgefahr gesperrt. Es regnet mal wieder durch das Flachdach. Schadstoffe, Feinstaub, Schimmel und Lärm verursachen gesundheitliche Beschwerden. Gutes Lernen aber braucht ein gesundes bauliches Umfeld. Die Beseitigung von offensichtlichen Baumängeln kann daher nur der Anfang sein!

„lerntRÄUME gestalten“! Das heißt, die zum Teil maroden Gebäude von Bildungseinrichtungen zu modernisieren und sanieren sowie Neubauten zu konzipieren, sodass sie zeitgemäßen Vorstellungen guter Bildung entsprechen. Für heute, aber auch die nächsten Jahrzehnte.

Im Rahmen der Initiative „Bildung. Weiter denken!“ findet vom 4. bis 22. Juni 2018 der Aktionszeitraum „lerntRÄUME gestalten“ statt.

Im Aktionszeitraums besuchen die Landesvorsitzende Doro Moritz, die Bezirksvorsitzende von Südbaden Sandrina Vogt und die GEW-Kreise Schulen in Heilbronn und Freiburg, die sich in einer schwierigen baulichen Situation befinden und die sich Sanierungen und Umbauten wünschen.

Außerdem wird die GEW gemeinsam mit der Unterstützung durch Mauss Research eine bundesweite repräsentative Mitgliederbefragung durchführen. Ziel ist es, mehr über den aktuellen Zustand und das Verbesserungspotential der Gebäude und Ausstattung von Bildungseinrichtungen zu erfahren.

Mit den Lernorten sind auch die Themen Arbeits- und Gesundheitsschutz eng verknüpft. Deshalb schult die GEW Baden-Württemberg ihre Personalräte am 20. Juni 2018.

Lernorte weiter denken

Moderne Lernformen, der Ausbau von Ganztagseinrichtungen und Inklusion schaffen zusätzliche Anforderungen an Gebäude und Ausstattung. Allen Bildungsbeteiligten sollte Raum gegeben werden, sich weiterzuentwickeln.

Dazu braucht es Lernorte für große, aber auch kleine Gruppen, für unterschiedliche Lernformen, Leseecken, Rückzugsmöglichkeiten und Aufenthaltsräume, aber auch Räume für alle Fachkräfte zur Vorbereitung, zum Austausch und zum Ausruhen. Und Ganztag kann nur mit einer Mensa klappen, die groß genug ist und gesundes Essen für alle anbietet. Er braucht ein spezielles Raumkonzept. So aber sieht die Realität aktuell leider nicht aus!

Nachholbedarf und Handlungsdruck bestehen auch bei der Digitalisierung. Sie muss ebenfalls vom pädagogischen Anspruch her gedacht werden: Nicht Laptops und Whiteboards um ihrer selbst willen sind die Lösung aller Probleme, sondern die Anschaffung der „Hardware“, die die moderne Pädagogik tatsächlich benötigt.

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Bildung weiter denken Artikel Baden-Württemberg
news-10042 Thu, 24 May 2018 15:00:00 +0200 Kostenlose Hotline der GEW: Beratung zur Lehrereinstellung https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kostenlose-hotline-der-gew-beratung-zur-lehrereinstellung/ Wie stehen die Chancen für eine Einstellung? Welche Termine, Verfahren und Verträge gibt es? Welche Auswahlkriterien (z.B. Fächer, Region, Leistung, etc.) werden zugrunde gelegt? Fragen über Fragen und von der GEW gibt’s kompetente Antworten! Schule Artikel Referendariat Junge Baden-Württemberg