GEW Baden-Württemberg - Website https://www.gew-bw.de GEW Baden-Württemberg - Website de-DE GEW Baden-Württemberg - Website Wed, 17 Oct 2018 15:48:13 +0200 Wed, 17 Oct 2018 15:48:13 +0200 TYPO3 EXT:news news-14872 Wed, 17 Oct 2018 13:38:00 +0200 Warum oft nur der Anrufbeantworter rangeht https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/warum-oft-nur-der-anrufbeantworter-rangeht/ Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sind für alle da, wenn es in der Schule nicht rund läuft. Die Kultusministerin betont, wie wichtig die Beratungsstellen seien. Trotzdem erreichen Ratsuchende, die in Not sind, oft nur den Anrufbeantworter. Nach dem Amoklauf in Winnenden 2009 hat das Land die Zahl der Schulpsychologinnen und -psychologen kräftig erhöht. Sie stieg von 50 im Jahr 2004 auf jetzt 200. Gleichzeitig wurden Verwaltungskräfte abgebaut. 2004 gab es für 50 Psychologinnen und Psychologen noch 30 Verwaltungsangestellte. Inzwischen sind es im ganzen Land noch 18 Stellen für 200. Einige Sekretariate der 28 Beratungsstellen sind schon seit Jahren nicht oder unterbesetzt. Sie selbst verlieren demnächst ihre langjähre, gut qualifizierte Mitarbeiterin. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Großmann: Für die Beratungsstelle ist das ein herber Verlust. Das führt dazu, dass hoch qualifizierte Psychologen und Psychologinnen mit bis zu einem Drittel ihrer Arbeitszeit mit Verwaltungs- und Sekretariatsarbeiten befasst sind. Für die Schulen und die Ratsuchenden bedeutet das längere Wartezeiten und Anfragen, die zum Teil nicht bearbeitet werden können. Auch Routineaufgaben, die wir im Auftrag des Kultusministeriums und der Regierungspräsidien übernehmen, werden nicht so zeitnah und umfassend erledigt werden können.

Da wir gerne als Schulpsychologinnen und Schulpsychologen arbeiten, leidet durch diese Zusatzbelastung auch die Arbeitszufriedenheit und damit die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hier muss der Arbeitgeber seiner Verantwortung gerecht werden und handeln.

Sie verdienen sicher mehr als Ihre Verwaltungsmitarbeiterin. Wenn Sie jetzt gezwungen werden, deren Aufgaben zu übernehmen, ist das doch Ressourcenverschwendung. Wo hakt es Ihrer Meinung nach?

Großmann: In der Schulverwaltung, im Kultusministerium und in den Regierungspräsidien, Abteilung Schule, ist es üblich, dass hochqualifizierte Lehrkräfte Verwaltungsarbeit übernehmen. In diesen Bereichen hat der Mangel an Verwaltungskräften Tradition. Daher stößt unser Anliegen nicht auf offene Ohren.

Bei uns fällt strukturell sehr viel Verwaltungsarbeit an und es ist tatsächlich eine Ressourcenverschwendung, wenn Schulpsychologinnen und Schulpsychologen ihre Arbeitszeit in Verwaltung stecken statt in die Beratung mit Menschen. Dies hat auch der Landesrechnungshof bei mehreren Beratungsstellen moniert.

Ende Juni sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann in der Stuttgarter Zeitung: „Die Schulpsychologen brauchen zwingend Verwaltungskräfte, die ihnen den Rücken freihalten, damit sie ihren wichtigen Aufgaben in der Diagnostik und Beratung von Schülern, Eltern, Familien und Lehrkräften nachgehen können.“ Die Ministerin kennt also ihr Problem. Warum sind Sie dennoch besorgt?

Großmann: Wir kämpfen jetzt seit fast 10 Jahren für eine ausreichende Versorgung mit Verwaltungskräften. Statt einer Verbesserung erleben wir mit jedem Jahr eine weitere Verschlechterung. Unseren Berechnungen zufolge benötigen wir für die 28 Beratungsstellen insgesamt 40 Verwaltungskräfte. Diese Stellen müssen im Haushaltsplan ausgewiesen werden. Hier muss Geld in die Hand genommen werden.

Wir gehen davon aus, dass das geplante Qualitätskonzept nicht ohne zusätzliche Mittel auskommen wird. Ob das von den Verantwortlichen und Gremien auch so gesehen wird, sind wir nicht sicher. Wir werden uns jedenfalls weiter dafür stark machen.

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Schulsozialarbeit Schule Bildungsfinanzierung Gesundheit Artikel Zeitschrift Jugendhilfe b+w Baden-Württemberg
news-15092 Tue, 16 Oct 2018 16:35:00 +0200 Angespannte Wohnsituation für Studierende in Baden-Württemberg https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/angespannte-wohnsituation-fuer-studierende-in-baden-wuerttemberg/ Jedes Semester das gleiche Thema: Ausnahmezustand auf dem Wohnungsmarkt für Studierende. In Baden-Württemberg hat sich die Lage in diesem Jahr erneut verschlechtert. Die GEW macht sich für eine sozial gerechte Wohnungspolitik stark. Studium Artikel Baden-Württemberg news-15060 Fri, 12 Oct 2018 10:00:00 +0200 Wichtige Aufgabe: Personalräte vertreten deine Interessen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wichtige-aufgabe-personalraete-vertreten-deine-interessen/ Wohin kann ich mich wenden, wenn ich von meinen Kolleginnen und Kollegen gemobbt werde? Wer hilft mir, wenn ich mit meiner Versetzung nicht einverstanden bin? Bei diesen und noch viel mehr Fragen helfen Personalräte den Beschäftigten weiter. Schulsozialarbeit Studium Wissenschaft Kita Berufliche Bildung Schule Recht Mitbestimmung TV-L TVöD Beamte Artikel Jugendhilfe Referendariat Personalrat Baden-Württemberg news-15068 Fri, 12 Oct 2018 09:00:00 +0200 Personalräte handeln mit Kultusministerium Verbesserungen für Lehrkräfte aus https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/personalraete-handeln-mit-kultusministerium-verbesserungen-fuer-lehrkraefte-aus/ Sowohl bei Neuregelungen, die sich auf die Arbeitsbedingungen und die Arbeitszeit der Lehrkräfte auswirken, als auch bei Themen wie Datenschutz, Digitalisierung und Lehrkräfteeinstellung gilt: Hauptpersonalräte können die Zukunft mitgestalten. Artikel Personalrat Baden-Württemberg news-15065 Fri, 12 Oct 2018 08:00:00 +0200 Die Personalvertretung der Lehrkräfte gegenüber dem Regierungspräsidium https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/die-personalvertretung-der-lehrkraefte-gegenueber-dem-regierungspraesidium/ Lehrerinnen und Lehrer können den Bezirkspersonalrat bei allen Angelegenheiten einbeziehen, durch die sie mit dem Regierungspräsidium in Berührung gekommen sind. Hauptsächlich beschäftigen sich die Personalräte mit Personalmaßnahmen. Artikel Personalrat Baden-Württemberg news-15062 Fri, 12 Oct 2018 07:00:00 +0200 Der Örtliche Personalrat: Erster Ansprechpartner für Lehrkräfte vor Ort https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/der-oertliche-personalrat-erster-ansprechpartner-fuer-lehrkraefte-vor-ort/ Die Personalräte am jeweiligen Staatlichen Schulamt sind vor allem für die Beratung der Lehrkräfte an Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren zuständig. Artikel Personalrat Baden-Württemberg news-15061 Fri, 12 Oct 2018 06:00:00 +0200 Berufliche Schulen und Gymnasien: Personalräte unterstützen direkt an der Schule https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/berufliche-schulen-und-gymnasien-personalraete-unterstuetzen-direkt-an-der-schule/ Der Örtliche Personalrat ist erster und zentraler Ansprechpartner für Lehrerinnen und Lehrer in allen dienstlichen Sorgen. Am Gymnasium und an den beruflichen Schulen sind die Personalräte selbst Teil des Kollegiums und unmittelbar erreichbar. Artikel Personalrat Baden-Württemberg news-15049 Thu, 11 Oct 2018 11:11:00 +0200 Dürfen Schüler ihre Lehrer bespitzeln? https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/duerfen-schueler-ihre-lehrer-bespitzeln/ Die AfD hat nun auch in Baden-Württemberg eine Online-Plattform gestartet, auf der AfD-kritische Lehrkräfte gemeldet werden können. Die GEW analysiert, was rechtens ist, und rät zur Gelassenheit. Studium Wissenschaft Berufliche Bildung Schule Gesellschaftspolitik LehrerInnenbildung Recht Artikel Schulleitung Friedensbildung Referendariat Vertrauensleute Personalrat Baden-Württemberg news-15041 Tue, 09 Oct 2018 14:50:21 +0200 Sabbatjahr auch an Hochschulen möglich https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/sabbatjahr-auch-an-hochschulen-moeglich/ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Hochschulen können seit einem Jahr eine Teilzeitbeschäftigung in Form eines Freistellungsjahres wählen. Wie kann ich mein Sabbatical beantragen und worauf muss ich besonders achten? Wissenschaft Artikel Baden-Württemberg news-15040 Tue, 09 Oct 2018 14:32:35 +0200 Rückgang bei internationalen Studierenden war vorprogrammiert https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/rueckgang-bei-internationalen-studierenden-war-vorprogrammiert/ Seit einem Jahr gibt es Studiengebühren für Nicht-EU-Studierende in Baden-Württemberg. Das hat deutlich weniger internationale Studierende zur Folge. Die GEW fordert von der Landesregierung, die Hochschul-Maut zu stoppen. Studium Artikel Baden-Württemberg news-14836 Fri, 05 Oct 2018 10:00:00 +0200 Wie das Land Krippen und Kitas stärken will – und dabei scheitert https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wie-das-land-krippen-und-kitas-staerken-will-und-dabei-scheitert/ Werden Einrichtungen der frühkindlichen Bildung künftig Zulieferbetriebe für Schulen? Darauf deuten die Pläne des Kultusministeriums hin. Trotz einem größeren Etat sieht die GEW unerfreuliche Entwicklungen. Kita Bildungsfinanzierung Artikel Jugendhilfe b+w Baden-Württemberg news-14867 Wed, 03 Oct 2018 06:00:00 +0200 Über solche Schülerinnen und Schüler darf man sich freuen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ueber-solche-schuelerinnen-und-schueler-darf-man-sich-freuen/ Die ersten Schülerinnen und Schüler haben erfolgreich ihre Realschulprüfungen an der Gemeinschaftsschule gemeistert. Lehrerin Antje Kopp berichtet von sechs Jahren intensiver Arbeit, die nicht nur mit guten Leistungen belohnt wurde. Schule Artikel Zeitschrift Gemeinschaftsschule Realschule b+w Baden-Württemberg news-15014 Tue, 02 Oct 2018 10:19:05 +0200 Lehrermangel an beruflichen Schulen besonders dramatisch https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lehrermangel-an-beruflichen-schulen-besonders-dramatisch/ Die gescheiterte digitale Bildungsplattform „ella“ ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, dass Kultusministerin Susanne Eisenmann mit ihrer Halbzeitbilanz nicht zufrieden sein darf. Große Ankündigungen helfen weder Schülern noch Lehrern. Vorgriffsstundenmodell wirft Fragen auf

Kultusministerin Eisenmann denkt jetzt über ein Vorgriffsstundenmodell nach, also über befristete Mehrarbeit der Lehrkräfte, die in späteren Jahren zurückgegeben wird. Diese Überlegungen dokumentieren aber eher die völlige Ratlosigkeit dieser Regierung.

An den Beruflichen Schulen wird bereits seit Jahren mit Bugwellenstunden gearbeitet, faktisch sind das nichts anderes als Vorgriffstunden. Die Bugwelle steigt seit 2015 wieder und hat mittlerweile eine Größenordnung von 1.850 Deputaten erreicht. Welchen Mehrwert sich die Kultusministerin von einem Vorgriffsstundenmodell verspricht, bleibt unklar.

Im Bereich der allgemein bildenden Schulen wurde in den neunziger Jahren ein Vorgriffsstundenmodell gefahren. Die Lehrkräfte arbeiteten fünf Jahre lang eine Stunde mehr und konnten diese Mehrarbeit dann zu einem späteren Zeitpunkt – bei sinkenden Schüler/innenzahlen – abfeiern. Das KM verkennt allerdings, dass es damals eine völlig andere Situation gab. Damals gab es einen Stellenmangel, das heißt bei steigenden Schüler/innenzahlen war das Land im Rahmen seiner Sparpolitik nicht bereit, in ausreichendem Maße zusätzliche Stellen zu schaffen.

Heute gibt es einen Bewerber/innenmangel. Das heißt die Schulen befinden sich am Ende eines 15-jährigen Schüler/innenrückganges und das Land ist bereits jetzt nicht in der Lage, die vorhanden Stellen zu besetzen.

Lehrerberuf attraktiver machen

Es gibt auf dem Arbeitsmarkt mittlerweile einen generellen Mangel an Fachkräften und auf diesem Markt ist das KM immer weniger konkurrenzfähig. Gerade in den berufsbezogenen Fächern Gewerbe steht das Land in direkter Konkurrenz zur freien Wirtschaft. Hier rächt sich, dass die öffentlichen Arbeitgeber über mehr als 20 Jahre hinweg in den Beschäftigten vor allem ein Sparpotential gesehen haben.

Wenn die Ministerin erklärt, dass eine höhere Bezahlung das Problem nicht lösen werde und zudem über die mangelnde regionale Flexibilität der jungen Lehrerinnen und Lehrer schimpft, dann hat das eher mit wachsender Realitätsverweigerung zu tun.

Wer das Problem des Lehrermangels angehen will, der muss vor allem den Lehrerberuf attraktiver machen. Mehrarbeit in Form eines Vorgriffsstundenmodells löst hier überhaupt nichts.

  1. Vorgriffsstunden verlagern die Probleme lediglich in die Zukunft. Wer Vorgriffsstunden will, muss beantworten, wann und wie diese zurückgegeben werden sollen. Wenn das Land heute Probleme hat, ausreichend Bewerber/innen zu finden, dann bleibt die Frage, wie dies in Zukunft bei voraussichtlich wieder steigenden Schülerzahlen und damit auch Stellenbedarfen gelingen soll. Das KM schiebt an den Beruflichen Schulen seit Jahren eine Bugwelle vor sich her, ohne einen erkennbaren Plan, wie diese insgesamt abgebaut werden soll.
  2. Die Vorstellung, dass der Beruf der Lehrkraft dadurch attraktiver wird, dass die vorhandenen Lehrkräfte mehr arbeiten, beziehungsweise dass man diese auspresst wie eine Zitrone, ist bar jeder Realität.

Nach zweieinhalb Jahren Grün-Schwarz bleibt festzuhalten: Zweifellos gibt es im Bildungssystem in Baden-Württemberg eine Vielzahl von Problemen. Die bloße Ankündigung von Maßnahmen und Programmen und eine medienwirksame Schaufensterpolitik hilft aber niemanden – weder dem Bildungssystem noch den Schulen oder den Schüler/innen oder den Lehrkräften. Auch der immer wiederkehrende Versuch für alle Probleme immer die Vorgängerregierung verantwortlich zu machen, unterstreicht bestenfalls Hilflosigkeit. Grün-Schwarz ist seit zweieinhalb Jahren in der Regierung – und damit auch in der Verantwortung.

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Berufliche Bildung Artikel Baden-Württemberg
news-14828 Tue, 02 Oct 2018 06:00:00 +0200 Ohne fachliche Begleitung geht es nicht https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/ohne-fachliche-begleitung-geht-es-nicht/ Die Gottlieb-Rühle-Schule in Mössingen hat ein Konzept zum Schutz von Schülerinnen und Schülern vor sexueller Gewalt erarbeitet. Im Interview spricht die Rektorin der Schule, Frauke Betz, über Höhen und Tiefen auf dem Weg dahin. Das hört sich nach einer guten Entwicklung an. Wie lange dauerte der Prozess?

Betz: Es sind fast zwei Jahre geworden. Wenn man aber reflektiert mit dem Thema sexuelle Gewalt umgehen möchte, den Fragen und Befindlichkeiten gerecht werden will, dann nimmt das eben Zeit in Anspruch. Für mich war es manches Mal nicht leicht, wenn Fragen oder Bedenken immer wieder auftraten. Auch wenn die Inhalte und Fakten klar waren, brauchte es für einige Kolleginnen und Kollegen Zeit, um die abschreckenden Zahlen tatsächlich zu verinnerlichen und zu begreifen, dass die Ergebnisse der Untersuchungen auch auf ländliche Regionen wie Mössingen zutreffen.

Immer wieder tauchte zum Beispiel ein „aber bei uns doch nicht“ auf. Dabei ist so wichtig, dass wir dem Thema im ländlichen Raum besonders sensibel begegnen. Die Anonymität einer Stadt bietet den Schutz, reden zu dürfen, im ländlichen Raum erlebe ich das schwieriger. Man weiß vieles voneinander, redet, wenn, dann unter vorgehaltener Hand darüber, möchte keinen Ärger haben oder sich gar gegenseitig schaden. Und wenn in der Nachbarschaft so eine Art Duldung stattfindet, dann ist Schule eben der einzige neutrale Ort, ein wichtiger Schutzraum für Kinder und Jugendliche.

Bei sexueller Gewalt handelt es sich um ein gewaltiges und schweres Thema, das Lehrkräfte stark fordert. Da geht es unter Umständen um Haltungsänderungen und Rollenklärungen. Es kann zu Befindlichkeiten kommen und Abwehr. Es gehört zu unserer Profession als Pädagogeninnen und Pädagogen, mit belastenden Themen umgehen zu müssen. Dennoch ist es eine Herausforderung, wenn wir von Einzelschicksalen erfahren. Wir müssen sensibel und empathisch sein und gleichzeitig die nötige Distanz finden, um am nächsten Tag wieder gut in die Schule gehen zu können.

Schule hat nicht per se Unterstützungssysteme, wie es sie in der sozialen Arbeit gibt. Lehrkräfte sind auf sich alleine gestellt und müssen sehen, wie sie mit der Selbstfürsorge zurechtkommen. Auf dem Weg zum Schutzkonzept muss man Zeit für kritische Fragen und Unterbrechungen, für Reflexionsprozesse und auch praktische Elemente einplanen. Es war enorm beeindruckend, wenn Frau Sartingen Themen mit Übungen verdeutlichte.

Sie hat uns zum Beispiel das Thema Grenzüberschreitung veranschaulicht, indem sie uns aufeinander zugehen ließ, um zu erleben, ab wann die Nähe unangenehm ist. Interessant war auch eine Übung zur Einschätzung von sexualisiertem Verhalten, sexuellem Übergriff, sexuellem Missbrauch. Frau Sartingen schilderte Situationen, und wir sollten uns zu Begriffen aufstellen. Schnell wurde klar, wie unterschiedlich die Sichtweisen sind. Anschließend informierte sie über die tatsächliche juristische Sachlage. Das war sehr hilfreich.

Bei Ihren Schilderungen wird klar, wie sehr Sie die Begleitung und Fachberatung wertschätzten. Jetzt werden die Infomappen zu „Schule gegen sexuelle Gewalt“ und Hinweise, wie ein Schutzkonzept entwickelt werden kann, an alle Schulen geschickt. Können Sie sich vorstellen, dass Schulen so einen Weg alleine bewältigen?

Betz: Die erste Voraussetzung ist, dass Schulleitungen sich des Themas annehmen. Ohne die Akzeptanz der Schulleitung ist die Tür zu, denn das Team muss gemeinsam auf den Weg gehen und die Schulkultur entsprechend weiterentwickeln. Meiner Ansicht nach geht es nicht ohne eine Fachbegleitung, die über Fakten und Konsequenzen Bescheid weiß und sich mit Hilfsinstitutionen auskennt.

Es war für mich auch unheimlich unterstützend, dass Frau Sartingen, ohne Druck zu machen, ab und zu mal nachfragte: „Ist das auf den Weg gebracht? Brauchen Sie noch Hilfe?“ Die Gefahr ist groß, vom Alltag überrollt zu werden, gerade wenn es zu diesem Thema noch keine Berührungspunkte oder Fortbildungen gab. Es ist sehr schwer, wenn sich eine Schulleitung und ein Kollegium das selbst erarbeiten müssen, vor allem wenn es um die Intervention geht.

Wenn ein Fall von sexueller Gewalt bekannt wird, kommt als erste Reaktion, dass sofort die Polizei eingeschaltet werden muss. So eine Entscheidung wird oft aus Hilflosigkeit heraus getroffen und ist nicht mehr rückgängig zu machen. Dem Opferschutz dient sie in der Regel nicht. So schlimm ein Fall sein kann, die Tat muss in Relation gesetzt werden. Das Kind hat über Monate, möglicherweise Jahre in einer schwierigen Situation gelebt. Und jetzt ist es wichtig, Fachleute hinzuzuziehen, zu schauen welches Unterstützungssystem greift und dann zu handeln, wenn man wirklich weiß, wie man das Kind lösungsorientiert und nachhaltig unterstützen kann. Das kann man sich nicht anlesen. Darüber muss man sprechen, um es zu verstehen und dafür braucht eine Schule Zeit und fachliche Begleitung.

„Kolleginnen und Kollegen zögern oft, weil schon wieder etwas zusätzlich gemacht werden soll. Und so ein intensiver Prozess braucht Zeit, speziell wenn er professionell begleitet wird, aber der Nutzen, den ich aus dieser Zeit ziehe, ist enorm groß.“ (Frauke Betz)

Wie geht es nun weiter? Wie können Sie im Schulalltag das Thema im Bewusstsein behalten?

Betz: Unser Konzept wird nun umgesetzt und es geht darum, die Ergebnisse am Leben zu erhalten und weiterzuentwickeln. Wir haben beschlossen, im Herbst eine Projektwoche zur Prävention und Persönlichkeitsstärkung durchzuführen. Ziel ist, diese Woche fest zu installieren und mit dem Gewaltpräventionskonzept „stark.stärker.WIR“ zu einem Gesamtpräventionskonzept zusammenzuführen.  

Wenn Sie zurückblicken, würden Sie etwas anders machen? Was würden Sie interessierten Schulen mit auf den Weg geben?

Betz: Unser Projekt war eine gelungene Angelegenheit, dennoch gibt es zwei Aspekte, die ich anders machen würde. Erstens würde ich von Anfang an die Eltern in die Steuerungsgruppe einbeziehen, sodass die Kommunikation direkt und nicht über die Schulleitung erfolgt. So können Fragen und Positionen unmittelbar eingebracht werden.

Zum andern würde ich den Schulträger, die Kommune, von Anfang an und nicht erst gegen Ende des Projekts informieren. Der Träger ist zum Beispiel verantwortlich für Räume, die bei Fragen der Prävention eine Rolle spielen. Außerdem stellt er eine Brücke in den Ortschafts- oder Gemeinderat dar und dort entstehen die gleichen Fragen wie unter den Kolleginnen und Kollegen. „Ist sexuelle Gewalt ein Thema bei uns?“ Auch dort sollten die wichtigen Informationen ankommen.

Ein letzter Gedanke ist mir wichtig. Kolleginnen und Kollegen zögern oft, weil schon wieder etwas zusätzlich gemacht werden soll. Und so ein intensiver Prozess braucht Zeit, speziell wenn er professionell begleitet wird, aber der Nutzen, den ich aus dieser Zeit ziehe, ist enorm groß.

Meine Handlungsfähigkeit wird erweitert, die Kolleginnen und Kollegen und ich sind entlastet, wenn wir besser mit schwierigen Situationen umgehen können. Wir haben einen Bildungs- und Erziehungsauftrag, und Schule ist ein Abbild der Gesellschaft, und wir müssen abwägen, wo gehen wir auch mal schwerpunktmäßig unserem Erziehungsauftrag nach, damit Kinder sich wohlfühlen und gerne in die Schule kommen.

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Schule Artikel Zeitschrift Jugendhilfe Schulleitung b+w Baden-Württemberg
news-14827 Mon, 01 Oct 2018 13:00:00 +0200 Warum die ersten zwei Schulen mit Oberstufe es nicht leicht haben https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/warum-die-ersten-zwei-schulen-mit-oberstufe-es-nicht-leicht-haben/ Die Anmeldezahlen für die beiden Oberstufen der Gemeinschaftsschulen in Tübingen und Konstanz liegen deutlich unterhalb der Prognosen. Dies ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Wer hat Recht? Schule Artikel Gemeinschaftsschule b+w Baden-Württemberg news-14888 Mon, 01 Oct 2018 11:00:00 +0200 Landestarifkommission Baden-Württemberg ist startklar https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/landestarifkommission-baden-wuerttemberg-ist-startklar/ Drei Baden-Württembergerinnen haben den Auftrag erhalten, die Forderungen für die anstehende Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Länder auf Bundesebene einzubringen. Tarif TV-L Artikel Zeitschrift Baden-Württemberg news-14981 Tue, 25 Sep 2018 15:53:37 +0200 Wie Lesen mehr Freude macht https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wie-lesen-mehr-freude-macht/ Der Lesevertrag ist eine Vereinbarung zwischen der Lehrkraft und dem Kind. Wichtig ist das regelmäßige Lesen – und sei es nur für fünf Minuten am Tag. Schule GEW Artikel Grundschule Baden-Württemberg news-4091 Thu, 20 Sep 2018 10:00:00 +0200 Flexibilisierungsmaßnahmen für das Schuljahr 2018/2019 verlängert https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/flexibilisierungsmassnahmen-fuer-das-schuljahr-20182019-verlaengert/ Technische Lehrkräfte können auch im Schuljahr 2018/2019 flexibel eingesetzt werden. Freie Kapazitäten der Lehrerinnen und Lehrer werden beispielsweise genutzt, um die Förderqualität im Übergangsbereich auszuweiten und zu verbessern. Artikel Technische Lehrer/innen Baden-Württemberg news-14884 Wed, 19 Sep 2018 12:00:00 +0200 Mit der GEW die Zukunft gestalten: Mehr Zeit für die eigenen Kinder https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/mit-der-gew-die-zukunft-gestalten-mehr-zeit-fuer-die-eigenen-kinder/ Die GEW hat das Land erfolgreich davon überzeugt, jungen Lehrerinnen und Lehrern den Vorbereitungsdienst in Teilzeit zu ermöglichen. Jetzt sind erste Details bekannt, wie das Teilzeit-Referendariat ab 2019 aussehen soll. Schule LehrerInnenbildung Artikel Zeitschrift Referendariat Junge b+w Baden-Württemberg news-14831 Thu, 13 Sep 2018 10:30:33 +0200 Guter Unterricht entsteht nicht durch Handreichungen und Ankündigungen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/guter-unterricht-entsteht-nicht-durch-handreichungen-und-ankuendigungen/ Landesvorsitzende Doro Moritz kritisiert die Ankündigungspolitik von Kultusministerin Eisenmann. Zahlreiche Beispiele belegen: Nichts wird getan, um in Zukunft eine gute Unterrichtsversorgung sicherzustellen – und dann ist da noch der Lehrermangel. Vollerhebung Unterrichtsausfall

Erstmals wurde im Juni 2018 eine Vollerhebung des Unterrichtsausfalls durchgeführt. Sie soll künftig mehrfach pro Jahr durchgeführt werden und macht den Schulleitungen eine Menge Mehrarbeit. „Was nützen den Schulen diese Zahlen?“ fragte Moritz. Die Erhebung erfasst nicht, ob schon zu Beginn des Schuljahres wegen Lehrermangels größere Klassen gebildet werden mussten, keine Arbeitsgemeinschaften und Fördermaßnahmen angeboten werden oder gar Pflichtunterricht gekürzt wurde. Sie erfasst nur, welcher Unterricht des geltenden Stundenplans nicht erteilt beziehungsweise vertreten wurde.

Dass diese Erhebung wenig mit der Realität an den Schulen zu tun hat, wird daran deutlich, dass an den Grundschulen mit 1,2 Prozent am wenigsten Unterricht ausfällt. Der rechnerisch geringe Unterrichtsausfall kommt zustande, weil die Kinder nicht nach Hause geschickt werden können. Die Grundschullehrerinnen und -lehrer leisten Mehrarbeit oder die Kinder werden auf andere Klassen verteilt. Die Grundschule hat im Unterschied zu allen anderen Schularten keine frei verfügbaren Stunden, die wegfallen könnten.

An Gymnasien und beruflichen Schulen ist der Ausfall mit 6,6 beziehungsweise 6,0 Prozent am höchsten. Die älteren und selbstständigen Schülerinnen und Schüler können heimgeschickt werden.

Moritz betonte: „Kritik an der Statistik erhebe ich, weil keinerlei Ansätze für Abhilfe erkennbar sind. Die Schulen brauchen eine höhere Vertretungsreserve. Sie kostet Geld, die das Land nicht bereit ist auszugeben. Dabei bietet sich jetzt eine gute Gelegenheit, um arbeitslose Gymnasiallehrkräfte im Landesdienst zu binden. 6.000 bis 7.000 Langzeitausfälle pro Schuljahr sollen mit einer Vertretungsreserve im Umfang von 1.666 Deputaten aufgefangen werden. Da hilft keine noch so gute Dokumentation. Die Vollerhebung ist Aktionismus. Sonst nichts.

Stärkung der Schulleitungen fehlt

Es herrscht nicht nur Lehrermangel, sondern auch Schulleitermangel. „Sehr früh hat Eisenmann Maßnahmen angekündigt. Wir brauchen Verbesserungen in der Besoldung und in der Leitungszeit für die administrativen und gestalterischen Aufgaben. Nichts hat sich getan.“

Für die Veränderungen im Ganztag der Grundschule setzt die Ministerin auf Flexibilisierung. „Ein paar Millionen Euro für die Kommunen für flexible Betreuungsangebote soll es geben, weil das dem Elternwillen beziehungsweise dem Wählerwillen entspricht. Ein guter Ganztag kostet Lehrerwochenstunden. Genau das wollen die Kultusministerin und die CDU-Fraktion vermeiden. Ich hoffe, dass die Grünen klare Kante zeigen“, sagte Moritz.

Der Auftakt zum Schutzkonzept gegen sexuelle Gewalt wurde öffentlichkeitswirksam gestaltet. Moritz erklärte: „Da in jeder Schulklasse statistisch rund zwei Schülerinnen und Schüler von sexueller Gewalt betroffen sind, verdient das Thema große Aufmerksamkeit. Doch was bietet das Kultusministerium? Keinerlei zusätzliche Zeit weder für gemeinsame Arbeit des Kollegiums für den Aufbau des Schutzkonzepts noch für die Teilnahme an der Fortbildung. Entsprechend begrenzt wird die Wirkung dieses Angebots sein.“

Änderungen zum Schuljahr 2018/19

In den Klassen 1 und 2 der Grundschule werden vier Stunden Fremdsprache gestrichen. Diese Stunden sind jetzt weiterhin Pflichtunterricht für alle Schülerinnen und Schüler und werden für Förderung genutzt. In keiner anderen Schulart würde Pflichtunterricht gestrichen, um Förderstunden zu gewinnen.

Der Schulversuch „Grundschule ohne Noten“ wird beendet. „Es ist einfach unglaublich, dass der Eindruck erweckt wird, der Verzicht auf Noten sei mit dem Verzicht auf Leistung gleichzusetzen“, sagte die GEW-Vorsitzende. „Eltern sowie Schülerinnen und Schüler sind mit konkreten Rückmeldungen wesentlich besser informiert.“

Offiziell wurde der Schulversuch gestoppt, weil er nicht wissenschaftlich begleitet war. Es gibt in Baden-Württemberg 132 Schulversuche, davon 109 an beruflichen Schulen. Kaum einer ist wissenschaftlich begleitet. Kein anderer wurde gestoppt. Der Schulversuch „Grundschule ohne Noten“ ist der einzige, der keine einzige Lehrerwochenstunde kostet.

Eine wichtige Neuerung in diesem Schuljahr ist der Start der gymnasialen Oberstufe an den Gemeinschaftsschulen in Konstanz und Tübingen. Moritz kritisierte: „Die intensive Diskussion über die Anmeldezahlen will die Gemeinschaftsschulen schwächen. Über Oberstufen an Gymnasien, die die Zahl 60 nicht erreichen, wurde noch nie diskutiert. Eindrucksvoll viele Schülerinnen und Schüler, die mit einer Hauptschulempfehlung an die Gemeinschaftsschule kamen, haben jetzt ihre Mittlere Reife gemacht.

Bildungswege offenhalten – das ist ein wichtiges Element der Gemeinschaftsschule. Viele der Starterschulen erzielen außergewöhnlich positive Leistungsergebnisse. Dazu schweigen Kultusministerin Eisenmann und die CDU. Das ist sehr auffällig. Stattdessen setzen sie die Strategie der Verunsicherung fort.“

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Schule Bildungsqualität Bildungssystem Artikel Schulleitung Hauptschule Sonderpädagogische Schulen Gemeinschaftsschule Grundschule Baden-Württemberg
news-14829 Wed, 12 Sep 2018 15:15:23 +0200 GEW-Bildungsprogramm für Herbst und Winter jetzt online https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-bildungsprogramm-fuer-herbst-und-winter-jetzt-online/ Auch dieses Halbjahr gibt es wieder Seminare, Fortbildungen und Fachtage für alle Berufsgruppen innerhalb der GEW. Zu den Veranstaltungen können sich Mitglieder und Nichtmitglieder hier auf der Internetseite anmelden. GEW Artikel Veranstaltung für alle Zielgruppen Vertrauensleute Betriebsrat Personalrat Baden-Württemberg news-14826 Wed, 12 Sep 2018 10:17:21 +0200 Stuttgart wehrt sich gegen rechte Hetze https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/stuttgart-wehrt-sich-gegen-rechte-hetze/ Das Bündnis Vielfalt für Alle und das Projekt 100% MENSCH haben eine Kundgebung gegen Rechtsextremismus organisiert. Unter dem Titel „Gemeinsam Vielfalt leben“ wird am kommenden Freitag in Stuttgart protestiert. GEW Migration Gesellschaftspolitik Inklusion Gleichstellung Artikel sexuelle Vielfalt Baden-Württemberg news-14807 Mon, 10 Sep 2018 14:25:25 +0200 Die Arbeit des Hauptpersonalrats beim Wissenschaftsministerium https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/die-arbeit-des-hauptpersonalrats-beim-wissenschaftsministerium/ Die Beschäftigten an den Hochschulen haben in der Regel eine Vorstellung davon, was ein Personalrat ist. Sie kennen die Mitglieder ihres Personalrats und wissen, dass sie sich dorthin wenden können, wenn im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis Fragen auftauchen. Was ein Hauptpersonalrat ist, ist für die Kolleg/innen viel schwieriger einzuschätzen: Der Hauptpersonalrat rekrutiert sich zwar zum größten Teil aus Beschäftigten der Hochschulen, ist aber sowohl räumlich als auch von seinen Zuständigkeiten her beim Wissenschaftsministerium in Stuttgart angesiedelt und daher für die Beschäftigten nicht richtig wahrnehmbar. Allenfalls bei den regelmäßigen Personalratswahlen taucht das Thema auf, denn zeitgleich mit dem örtlichen Personalrat wählen die Beschäftigten auch den Hauptpersonalrat mit. Was er aber dann tut, wenn er gewählt ist, bleibt vielen oft unverständlich. Wissenschaft Artikel Personalrat Baden-Württemberg news-14557 Wed, 29 Aug 2018 10:00:00 +0200 Antidiskriminierung: Neue Online-Beratung hilft landesweit https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/antidiskriminierung-neue-online-beratung-hilft-landesweit/ Die Beratungsstelle „adis e.V.“ aus Tübingen/Reutlingen hat eine Online-Plattform für Antidiskriminierungsarbeit in Baden-Württemberg gestartet. Die Beratung per E-Mail, Chat oder Video ist kostenfrei und kann anonym erfolgen. Um eine Beratung gegen Antidiskriminierung flächendeckend anbieten zu können, hat die Beratungsstelle „adis e.V.“ aus Tübingen/Reutlingen eine Online-Beratung gestartet. In einer Veranstaltung in der Universität Tübingen wurde Mitte Juni das Beratungsportal aus der Taufe gehoben. Diskriminierungsschutz im Bildungsbereich fehlt immer noch.

Die Online-Beratung soll Menschen, die direkt oder indirekt von Diskriminierung betroffen sind, Unterstützung bieten. Sie richtet sich an Ratsuchende, die nicht in der Nähe einer bestehenden Beratungsstelle wohnen, oder die aufgrund ihrer persönlichen Situation die Beratungsstelle vor Ort nicht aufsuchen können. Die Beratung ist kostenfrei, kann anonym erfolgen und eröffnet Handlungsoptionen für die Betroffenen. Beraten werden kann per E-Mail, Chat oder Video.

Im Juli 2013 ist Baden-Württemberg als achtes Bundesland der „Koalition gegen Diskriminierung“ beigetreten. Ziel ist, dafür Sorge zu tragen, dass der Schutz vor Diskriminierung in allen Bereichen im Land politisch verankert wird. Seither sind in Baden-Württemberg an sieben Orten Diskriminierungsberatungsstellen entstanden (Esslingen, Freiburg, Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, Reutlingen/Tübingen und Stuttgart), an zwei weiteren Orten sind Beratungsstellen im Aufbau (Friedrichshafen und Rems- Murr-Kreis).

Alle Stellen beraten als Kernaufgabe unmittelbar von Diskriminierung Betroffene, aber auch Organisationen können sich an die Beratungsstellen wenden. Alle Berater/innen sind qualifiziert, orientieren sich an den Standards des Antidiskriminierungsverbandes Deutschland (advd). Die Qualität der Beratung wird durch Supervision und Intervision gesichert. Alle im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) genannten Diskriminierungsgründe sind gleichermaßen schutzwürdig.

Hoher Bedarf für Antidiskriminierungsberatung

Dass ein großer Bedarf besteht, zeigt eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Von 2.000 Menschen, die angeben, Diskriminierung zu erleben, sucht nur einer (!) tatsächlich professionelle Hilfe bei einer Antidiskriminierungsberatungsstelle.

Oft kommen Menschen erst, wenn sie sich bereits in einer ausweglosen Lage sehen. Sie erleben dann das Beratungsgespräch als große Beruhigung und Erleichterung, weil ihr Anliegen ernst genommen wird und ihnen im Verlauf der weiteren Beratung Raum gegeben wird, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und eigenverantwortlich ein Leben in Würde und Teilhabe einzufordern.

AGG in Schulen endlich umsetzen

Diskriminierungen finden auch in Schulen statt. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes nennt Beispiele:

  • Ein Schüler darf nicht mit zum Schulausflug, weil der Busfahrer ihn aus Sicherheitsgründen nicht mitnehmen will, obwohl es im Bus ausgewiesene Rollstuhlstellplätze gibt.
  • Ein Lehrer wertet die Kenntnisse und Fähigkeiten von Mädchen mit dem Satz ab: „In Physik seid ihr nur Deko!“.
  • Ein Schüler verhält sich gegenüber weiblichen Lehrkräften abwertend und respektlos: „Von Frauen lass ich mir gar nichts sagen“.
  • Ein Schüler, dessen Eltern homosexuell sind, wird vom Klassenlehrer aufgefordert, zu erzählen, wie sich seine Familie von „normalen“ Familien unterscheidet.

Die GEW hat beim Gewerkschaftstag 2017 auf Antrag des BAMA (Bundesausschuss Migration, Diversity, Antidiskriminierung) einen umfassenden Beschluss zum Diskriminierungsschutz im Bildungsbereich gefasst. Darin wird unter anderem gefordert, dass die Landesregierungen die im AGG vorgeschriebenen Beratungs- und Beschwerdestellen für die Beschäftigten endlich auch im Bildungsbereich einrichten. Das AGG ist inzwischen elf Jahre alt, aber bisher hat das Land Baden-Württemberg keine Beschwerdestellen zu Diskriminierung für die Beschäftigten in Schulen eingerichtet.

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Schulsozialarbeit Schule Bildung & Geschlecht Migration Gesellschaftspolitik Gleichstellung Artikel Jugendhilfe sexuelle Vielfalt Baden-Württemberg
news-14554 Thu, 23 Aug 2018 10:00:00 +0200 Erfolg der GEW: Die ersten Lehrkräfte erhalten A13 https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/erfolg-der-gew-die-ersten-lehrkraefte-erhalten-a13/ Die ersten Lehrkräfte, die den Lehrgang für einen horizontalen Laufbahnwechsel abgeschlossen haben, können zum 1. August nach A13 besoldet werden. Die Absolvent/innen sind Grund- und Hauptschullehrkräfte, die an Realschulen eingesetzt sind. Im Schuljahr 2016/17 starteten die ersten Lehrkräfte mit dem Lehrgang für einen horizontalen Laufbahnwechsel (HoLa). Im November 2017 war die Qualifizierung erfolgreich abgeschlossen. Die Absolvent/innen sind Grund- und Hauptschullehrkräfte, die an Realschulen eingesetzt sind.

Sie können nach der persönlichen Wartezeit zum 1. August 2018 in der neuen Laufbahn als Lehrkräfte an Werkreal-, Haupt- und Realschulen (WHR) ernannt und nach A13 besoldet werden. Die Landesregierung hat die notwendigen Stellen bereitgestellt. Die GEW erwartet, dass dieses Vorgehen auch für die künftigen Durchgänge gilt.

Damit die Lehrkräfte die höhere Besoldung ab August bekommen, muss ihnen die Schulverwaltung die Urkunde spätestens im August aushändigen. Für die GEW ist es ein Erfolg, dass die Ernennung zum 1. August durchgesetzt werden konnte. Damit die höhere Besoldung später beim Ruhegehalt berücksichtigt wird, müssen die höheren Bezüge 24 Monate gezahlt worden sein. Da die Lehrkräfte zum 1. August ernannt werden, reichen zwei Schuljahre dafür aus.

Auswahl für 2018 abgeschlossen

Die Auswahl und Zulassung für die weiteren HoLa-Lehrgänge für Gemeinschaftsschulen, Realschulen und Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren sind für Herbst 2018 weitgehend abgeschlossen. Alle, die die jeweiligen Voraussetzungen erfüllen, werden zugelassen. Das ist möglich, weil Plätze umgeschichtet und freie Plätze von 2017 genutzt werden.

Rund 200 beurlaubte Beamtinnen und Beamte, die an Schulen in freier Trägerschaft beschäftigt sind, werden mit Kostenausgleich der Privatschule ebenfalls zugelassen. Sie müssen analoge Voraussetzungen zu den Lehrkräften im öffentlichen Dienst erfüllen.

Die GEW freut sich mit allen Kolleginnen und Kollegen, die jetzt nach A13 besoldet werden. Der Weg zu A13 ist mit zusätzlichem Aufwand verbunden, zu einem anderen Weg war die Landesregierung aber nicht bereit.

Die GEW setzt sich weiter für die Hauptschullehrkräfte ein. Die Gewerkschaft akzeptiert nicht, dass die an den Haupt- und Werkrealschulen verbleibenden Hauptschullehrkräfte nicht zu den Lehrgängen für den horizontalen Laufbahnwechsel zugelassen werden. Das Thema bleibt auf der Agenda gegenüber den politisch verantwortlichen Landtagsabgeordneten.

A13 für alle wissenschaftlichen Lehrkräfte, das heißt auch für alle Grundschullehrer/innen, bleibt das Ziel der GEW. Auch die Fachlehrkräfte und die Schulleitungen kleiner Schulen muss die Landesregierung endlich angemessen besolden.

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Schule Bildung weiter denken Bildungsfinanzierung Beamte Artikel Hauptschule Grundschule b+w Baden-Württemberg
news-14542 Mon, 20 Aug 2018 10:00:00 +0200 Verbraucherbildung: Initiativen zulassen, Rückschläge aushalten https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/verbraucherbildung-initiativen-zulassen-rueckschlaege-aushalten/ Das Friedrich-von-Alberti-Gymnasium in Bad Friedrichshall macht sich für Verbraucherbildung stark. Was die Schule alles macht, ist kaum zu fassen – und es sieht nicht so aus, als ob es den Beteiligten zu viel würde. Ganze Schulgemeinde ist sensibilisiert

Die Deutsch- und Geografielehrerin Katy Stephan betreut zusammen mit weiteren Kolleginnen die AG und freut sich, wenn die Schüler/innen zu dem Schluss kommen, dass sie ihr Leitbild vorerst unter sich reflektieren wollen. Die Lehrerin sieht sich hauptsächlich als Moderatorin. Sie spricht immer wieder Schüler/innen an, ob sie bei der AG nicht mitmachen wollen. „Wir suchen Schüler/innen, die reflektieren oder welche, die schlechte Erfahrungen mit Medien gemacht haben“, berichtet sie. Inzwischen sei die ganze Schulgemeinde sensibilisiert und alle Kolleg/innen gingen in die Verantwortung, wenn Probleme mit Mediennutzung auftauchten.

Zur Preisübergabe reisten zehn Schüler/innen der AG von Bad Friedrichshall nach Stuttgart. Das dauerte einen ganzen Vormittag. Einige Schüler/innen hätten eine Arbeit schreiben müssen, erzählt Katy Stephan, die die Schüler/innen nach Stuttgart begleitete. Sie war erleichtert, dass ihre Kolleg/innen das Fehlen einiger Schüler/innen akzeptierten. Im anderen Fall wären die Schüler/innen da geblieben. „Es ist mir nicht egal, wenn Schüler/innen im Unterricht von Kolleg/innen fehlen. Nur weil mir was wichtig ist, muss es den anderen nicht auch wichtig sein“, erklärt sie.

Auch der Schulleiter Oliver Klis zeigt sich tolerant. Die vielfältigen Aktionen an seiner Schule schätzt er sehr. 70 Lehrkräfte unterrichten im Friedrich-von-Alberti-Gymnasium. Da bleiben unterschiedliche Wertvorstellungen nicht aus. „Neben all den Projekten ist guter Unterricht unsere Kernarbeit“, betont er. Er findet es in Ordnung, wenn Lehrkräfte ihren Beruf ganz unterschiedlich füllen und Grenzen ziehen.

„Wenn wir nach einem Projekt fix und fertig sind, reden wir auch darüber, ob wir uns vor uns selbst schützen müssen“, bekennt Stephan. Sie räumt ein, dass der Spagat zwischen Selbstausbeutung und Aufgehen im Engagement eine ständige Herausforderung bleibt. „Wir sind selbst erwachsen und wollen auch selbst entscheiden, wie viel wir uns zumuten können“, schiebt sie nach. Arbeitszufriedenheit und eine lebendige Schulgemeinschaft seien der Lohn.

Rausgehen und Arbeit sichtbar machen

„Ich kenne keine Schule, die nur vor sich hindümpelt. Überall gibt es zuhauf Aktivitäten“, glaubt Klis. Wichtig sei, die Arbeit nach außen und innen sichtbar zu machen. Und: Rausgehen, mehr Verbindungen nach außen suchen. „Wenn man anfängt, Kontakte zu knüpfen, entsteht auch vieles von selbst“, weiß er aus Erfahrung. Wobei er sich nicht als guten Netzwerker sieht.

Diese Rolle liegt Axel Schütz, der wiederum sagt: „Lehrkräfte müssen nicht alles selbst machen. Jeder hat andere Talente und Stärken, die man zusammenführen kann.“ „Ich kann nicht Klavier spielen“, kokettiert er, als seine gut gestalteten Broschüren und Fotos gelobt werden.

Angefangen hat alles 2008. Damals diskutierte die Schule über ihr Leitbild. Entstanden sind zunächst das Sozial- und das Musikprofil. Immer mehr Projekte kamen im Laufe der Zeit dazu. Vielfalt und Pluralität sind dem Schulleiter wichtig. Niemals dürften die Themen von oben verordnet werden, sondern man müsse Initiativen von Lehrer- und Schülerseite aufgreifen, fördern, vernetzen und weitertragen.

„Wir freuen uns, dass unsere Arbeit allmählich gesehen wird“, sagt Schütz. Als Beispiel nennt er ein Schreiben von Nikhil Seth, Exekutivdirektor Ausbildungs- und Forschungsinstitution der Vereinten Nationen. Der Architekt der 17 Nachhaltigkeitsziele würdigte darin die Events und Aktivitäten der Schule, die im Einklang mit den United Nations Sustainable Development Goals (SDGs – globale Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen) stehen.

Unterstützung erfährt die Schule mittlerweile von vielen Seiten. „Wir haben einen tollen Schulträger, mit dem wir wirklich gut zusammenarbeiten“, lobt Klis. Eineinhalb Stellen für Schulsozialarbeit investiert die Stadt, was die Schulgemeinde sehr zu schätzen weiß. Auch die Eltern sind eingebunden und motivieren die Lehrkräfte, wenn sie ihnen rückmelden, wie gut sich ihre Kinder entwickeln würden. So kommen Initiativen auch ohne Zuarbeit der Lehrkräfte zustande. Der Elternbeirat hat beispielsweise gemeinsam mit den Schulsozialarbeiterinnen eine vegane Woche durchgeführt. Sieht nicht so aus, als ob es den Beteiligten zu viel würde.

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Schule Gesellschaftspolitik Gesundheit Gute Arbeit Artikel b+w Baden-Württemberg
news-14543 Fri, 17 Aug 2018 09:20:00 +0200 Schul- und Kultusverwaltung: Raubbau der Schulaufsicht https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/schul-und-kultusverwaltung-raubbau-der-schulaufsicht/ Die Unruhe in der Schul- und Kultusverwaltung ist groß. Mehr als 200 Stellen gehen zum neuen Schuljahr durch die Rückführung von Abordnungen verloren. Ein erster Schritt des Landes zur Umsetzung des noch völlig unklaren neuen Qualitätskonzepts? Den Beschäftigten in der Schul- und Kultusverwaltung geht die Orientierung verloren. Der Umbau der Institutionen, Stellenabbau, Rückführung von Abordnungen, ein Beurteilungssystem mit Richtwerten und ein Klima des Misstrauens tragen zu massivem Vertrauensverlust, Demotivation und schlechteren Arbeitsbedingungen bei.

207 Stellen verliert die Schul- und Kultusverwaltung zum Schuljahr 2018/19 durch die Rückführung von Abordnungen, weitere 90 Deputate im Schuljahr 2019/20. Das Kultusministerium hat sich als Ersatz für die vielen Abordnungen 112 aus Lehrerstellen finanzierte Planstellen übertragen lassen. Seminare und Schulämter gingen dagegen leer aus.

Im Kontingent der 207 Deputate sind auch die Kürzungen um 25 Deputate aus dem Budget der Ausbildungsseminare enthalten – Stunden, die den Seminaren laut Verwaltungsvorschrift ausdrücklich zustehen.
Außerdem müssen 30 Personen aus den Staatlichen Schulämtern zum nächsten Schuljahr an die Schulen zurückkehren. Die Konsequenzen sind gravierend. Rund zehn Prozent der Schulratsstellen sind derzeit schon nicht besetzt, an einzelnen Staatlichen Schulämtern sogar bis zur Hälfte der Stellen. Besonders betroffen ist die Sonderpädagogik. Das wirkt sich sehr negativ auf Beratung und Unterstützung der Schulen in der Inklusion aus.

Die Unruhe in der Schul- und Kultusverwaltung ist groß. Viele sind über ihre berufliche Perspektive verunsichert. Bestehende Strukturen werden zerschlagen, aufgebaute Kompetenz kann nicht mehr wirksam werden. Für die Entscheidungen gibt es keinerlei Transparenz. Die Motivation der Beschäftigten geht angesichts solchen Umgangs gegen Null. Das ist für die bevorstehende Mammutaufgabe des Aufbaus der neuen Institute zur Qualitätsentwicklung fatal.

Die Unterrichtsversorgung an den Schulen verschlechtert sich kontinuierlich. Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann will sie vor allem dadurch verbessern, dass Abordnungen beendet und Schulratsstellen nicht besetzt werden. Zu den Aufgaben gehören Konzeptentwicklungen und Beratungsleistungen in vielfältigen, auch neuen Herausforderungen der Schulen. Diese Aufgaben werden nun nicht mehr oder in weniger Zeit erledigt und die Schulen stehen ohne diese Zuarbeit da. Im Klartext: Anrechnungsstunden werden gekürzt, Arbeit bei anderen Beschäftigten verdichtet.

Schule ist mehr als Unterricht! Dieser Satz hat bei der Spitze des Kultusministeriums offenbar keine Gültigkeit mehr. Wer Unterstützung der Schulen abbaut, baut auch deren Qualität ab.

Aufsicht und Beratung nicht trennen

Offensichtlich steckt hinter diesen Entscheidungen mehr als das Ziel, die Unterrichtsversorgung zu verbessern. Sie bereiten die Umsetzung des noch völlig unklaren neuen Qualitätskonzepts vor. Klar ist allerdings, dass Aufsicht und Beratung stärker getrennt werden sollen. Dies steht eindeutig in Widerspruch zu § 32 Schulgesetz, nach dem Aufsicht immer die Beratung einschließt. Eine Schulaufsicht, die sich auf Kontrolle und Vorgaben beschränkt und die Unterstützung und Beratung an ein großes, weit entfernt zentral gesteuertes Institut abgibt, wird nicht wirksam sein.

Die Beschäftigten in der Schul- und Kultusverwaltung brauchen gute Arbeitsbedingungen. Die Schulen brauchen die Unterstützung handlungsfähiger und kompetenter Schulaufsichtsbeamtinnen und -beamten. Die GEW begleitet mit Sorge und zunehmendem Unmut diese Entwicklung.

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Schule Bildungsqualität Recht Artikel b+w Baden-Württemberg
news-14644 Wed, 15 Aug 2018 10:00:00 +0200 GEW will mehr Frauen im Landtag https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-will-mehr-frauen-im-landtag/ Die GEW unterstützt die Forderung des Landesfrauenrates, ein Bürger/innenforum zur Reform des Landtagswahlrechts in Baden-Württemberg einzuführen. Der Geschäftsführende Vorstand der GEW hat im Juli einen Unterstützungsbeschluss zur Forderung des Landesfrauenrates zur Einführung eines Bürger/innenforums zur Reform des Landtagswahlrechts in Baden-Württemberg gefasst. Die Leiterin des Vorstandsbereichs Frauenpolitik, Elke Gärtner, brachte den Antrag infolge des einstimmigen Votums der GEW-Landesfrauengremien für den Vorschlag des Landesfrauenrates in das Gremium ein.

Die GEW vertritt die Interessen von 50.000 Mitgliedern, davon sind 75 Prozent Frauen. Diese Frauen wollen nicht nur durch die GEW sondern auch durch eine repräsentative Anzahl von Frauen im Parlament vertreten werden.

Das aktuelle Landtagswahlrecht ist dringend reformbedürftig. Baden-Württemberg hat den niedrigsten Anteil von Frauen in einem Bundesdeutschen Parlament. Auch im internationalen Vergleich ist der Frauenanteil in unserem Landtag beschämend niedrig.

Das darf nicht so bleiben, findet die GEW. Bereits vor dem Scheitern der Verhandlungen der Regierungsfraktionen in dieser Angelegenheit, hatte die GEW-Landesvorsitzende, Doro Moritz, alle Abgeordneten aufgefordert, für eine Wahlrechtsnovelle einzutreten.

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Bildung & Geschlecht Gesellschaftspolitik Gleichstellung Artikel Baden-Württemberg
news-14556 Mon, 13 Aug 2018 12:00:00 +0200 Landesrechnungshof: Gutachten ohne pädagogischen Sachverstand https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/landesrechnungshof-gutachten-ohne-paedagogischen-sachverstand/ Das Land sucht nach Einsparmöglichkeiten im Lehrkräftebereich. Darunter könnte vor allem die Qualität des Unterrichts leiden – und die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte weiter zunehmen. Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht geht anders. Es ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang: Die Landesregierung beauftragte den Landesrechnungshof mit einer „gutachtlichen Äußerung“ zur Ressourcensteuerung im Geschäftsbereichs des Kultusministeriums und zu Einsparmöglichkeiten im Lehrkräftebereich. Seit 30 Jahren ist das der erste Auftrag einer Landesregierung an den Rechnungshof. Qualitätsansprüche und Arbeitsbedingungen kommen dabei unter die Räder.

Beim Gutachten des Rechnungshofs waren die beruflichen Schulen, die Struktur und Organisation der Schulverwaltung, die Lehrereinstellung und die Lehreraus- und Lehrerfortbildung ausgenommen.

Der Rechnungshof kritisiert in seinem Gutachten fehlende Transparenz und Fehler in der Ressourcendarstellung des Kultusministeriums mehrfach. Neben der Analyse spricht der Rechnungshof zahlreiche Empfehlungen aus, mit denen sich das Kultusministerium jetzt auseinandersetzen wird.

Die „Sonderverwendungen“ von Lehrerstellen sollen reduziert werden. Für den Rechnungshof sind Lehrkräfte aus allen Schularten einschließlich der beruflichen Schulen im Umfang von landesweit 10.000 Stellen nicht im Unterricht eingesetzt. Dazu gehören unter anderem das allgemeine Entlastungskontingent, Altersermäßigungen, Freistellungen für Personalratsarbeit, Schwerbehindertenvertretung und Beauftragte für Chancengleichheit, die Ermäßigungen für die Schwerbehinderten selbst, die Stunden für Fachberater/innen und Beratungslehrkräfte, Stunden für die Betreuung von Unterrichtscomputern und die Kooperation Grundschule/Kindergarten, die Abordnungen in die Schulverwaltung, an das Landesinstitut für Schulentwicklung und an die Seminare für Lehrerausbildung. Allein die Anrechnungen für Schulleitungen machen ein Drittel der 10.000 Stellen aus.

Empfehlungen des Gutachtens

  1. Der Rechnungshof moniert, dass viele nichtunterrichtliche Tätigkeiten von Lehrkräften während der Unterrichtszeit stattfinden und dass deshalb Unterricht ausfällt. Diese Tätigkeiten sollen in die unterrichtsfreie Zeit der Lehrkräfte einschließlich der Ferien verlagert werden.
  2. Mit Verweis auf seine Denkschrift im Jahr 2002 zur Erfüllung der Deputatsstunden durch Lehrkräfte an Gymnasien empfiehlt der Rechnungshof, die Lehrerarbeitszeit nicht mehr nach Wochendeputaten, sondern über ein schuljahrübergreifendes Jahresdeputat zu berechnen. Dies ermögliche, „dass zunächst ausgefallener Unterricht innerhalb des Schuljahres nachgeholt werden kann“.
  3. In Bezug auf den Organisationserlass spricht der Rechnungshof zwei Empfehlungen aus. Das alternative Zuweisungsmodell auf der Basis eines Schülerkoeffizienten im Schulamtsbezirk Tübingen (normalerweise wird der Bedarf einer Schule nach der Anzahl der Klassen berechnet) soll modifiziert fortgeführt werden. Modifiziert, weil sonst das neue Modell laut Rechnungshof bei einer landesweiten Umsetzung zu einem Mehrbedarf von mindestens 900 Stellen führen würde. Für die Ausstattung kleinerer Standorte reicht die Zuweisung nach Koeffizient nämlich nicht aus. Grundsätzlich soll sich die Zuweisung von Lehrkräften am möglichst sparsamen Umgang mit Lehrkräfteressourcen orientieren. Die Zuweisung von Lehrkräften zur Abdeckung des Pflichtbereichs hält der Rechnungshof für sachgerecht.
  4. Auffällig waren für den Rechnungshof die erheblichen Unterschiede der regionalen und schulartspezifischen Verteilung der Lehrkräfteressourcen. In allen Regierungspräsidien ist der Versorgungsgrad der Grund-, Haupt- und Werkrealschulen sowie der Realschulen deutlich schlechter als an den Gymnasien. Außerdem liegt an diesen Schularten in den Regierungspräsidien Stuttgart und Freiburg die Direktzuweisung unter 100 Prozent und es ist dort kein Ergänzungsbereich mehr vorhanden. Bei der Betrachtung der regionalen Verteilung der Ressourcen sind die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und die Beruflichen Schulen nicht einbezogen.
  5. Der Rechnungshof stellt fest, dass seine Untersuchungen keinen Zusammenhang zwischen Versorgungsgrad und Bildungserfolg erkennen lassen. Bei den Grundschulen stellt der Rechnungshof allerdings eine statistische Relevanz zwischen dem Versorgungsgrad der Schulen und dem Bildungserfolg der Schüler/innen fest. Er fordert die Einführung eines aussagekräftigen Bildungscontrollings.
  6. Stellen, die über einen längeren Zeitraum für einen bestimmten Zweck in Geld umgewandelt („monetarisiert“) wurden, sollen gestrichen werden. Bisher bleiben diese Stellen erhalten. Das würde eindeutig eine Reduzierung von Lehrerstellen bedeuten.
  7. Der Rechnungshof kritisiert, dass die regionale Schulentwicklung von der Verwaltung nicht zur aktiven Steuerung genutzt wird. Gleichzeitig soll die Erhöhung von Mindestschülerzahlen unter dem Aspekt eines effektiven und effizienten Ressourceneinsatzes geprüft werden. In dem Zusammengang werden die hohen Kosten kleiner Grundschulen, aber auch kleiner Gymnasien thematisiert. Im Gutachten des Rechnungshofs wird detailliert dargelegt, wie viele Lehrerstellen durch die Schließung kleiner Grundschulen und Gymnasien eingespart werden könnten. Schulschließungen nur aus Einspargründen lehnt die GEW ab. Die pädagogische Qualität und bei Grundschulen die Wohnortnähe müssen Vorrang haben.
  8. Schließlich stellte der Rechnungshof fest, dass die Kosten je Schüler/in zur Erlangung der Hochschulreife über das allgemeinbildende Gymnasium teurer seien als über die Realschule und das berufliche Gymnasium. Ursache sind die niedrigeren Kosten an der Realschule je Schüler/in bis Klasse 10.
  9. Der Rechnungshof hat sich auch die Schulversuche angesehen. Nur rund 25 der 140 Schulversuche betreffen die allgemeinbildenden Schulen. Den größten Ressourcenanteil hatten dabei die Ganztagsschulen, die alle bis 2015 als Schulversuche liefen sowie die 44 G9-Gymnasien.
  10. Im Landeshaushalt sollen zwei eigenständige Kapitel für die Grundschule sowie Hauptschule und Werkrealschule geschaffen werden. Das soll sicherstellen, dass diese Schularten eigenständig mit ihrer Ausstattung erfasst werden.

Pädagogische Angebote infrage gestellt

Die Zusammenstellung der Empfehlungen macht deutlich, wo nach Meinung des Rechnungshofs die Axt anzulegen ist: an den Arbeitsbedingungen und an den Unterstützungs- und Beratungsangeboten für die Schulen! Er stellt fast ausnahmslos Stunden infrage, die pädagogisch und für das Funktionieren von Schule notwendig sind. Aber für die GEW müssen diese Stunden erhöht und nicht gekürzt werden! Wohin kurzsichtige Streichungen führen, erleben wir in diesen Monaten.

Es ist naiv und nur eine Umverteilung des Mangels, wenn im Auftrag der Grünen und der CDU Abordnungen von Lehrkräften beendet werden, um den hausgemachten Lehrermangel an den Schulen zu beheben. Lehrkräfte sind nicht aus Luxus abgeordnet. Sie übernehmen außerhalb des Unterrichts notwendige Aufgaben. Diese Aufgaben müssen auch künftig pädagogische Profis übernehmen.

Das Gutachten des Rechnungshofs ist realitätsfern. Die Umsetzung der Empfehlungen würde die Qualität des Unterrichts beeinträchtigen und die Arbeitsbelastung der Lehrkräfte weiter verschärfen. Über die Schwerpunktsetzung des Gutachtens kann man sich nur wundern. Warum äußert sich der Rechnungshof beispielsweise nicht zum Einsatz von Schulverwaltungsassistent/innen zur Entlastung der Schulleitungen? Auch eine bessere Förderung von Schüler/innen und in der Folge weniger Sitzenbleiber wäre ein Beitrag zu zielgerichtetem Ressourceneinsatz.

Die GEW ist irritiert, dass und wie die Landesregierung das Gutachten beauftragt hat. Der Rechnungshof kommt nur zu quantitativen Ergebnissen, die Qualitätskriterien bleiben außen vor. Eine sinnvolle Ressourcensteuerung muss die Qualitätssicherung und die Senkung der Arbeitsbelastung zum Ziel haben – auch damit der Lehrerberuf attraktiv bleibt.

Die Vorschläge des Rechnungshofs sind kein Beitrag zur Qualitätsentwicklung von Schule und Unterricht. Sie lenken von der fehlenden Unterstützung für die vielfältigen Herausforderungen und dem Lehrkräftemangel in vielen Schularten ab. Es ist abenteuerlich, dass sich der Rechnungshof erlaubt, den Einfluss des Versorgungsgrads mit Lehrkräften auf den Bildungserfolg zu verneinen.

Falsche Annahmen

Die Betrachtung der Unterrichtsversorgung geht von falschen Annahmen aus. Bei der Darstellung der Pflichtstundenzuweisung wird nicht erwähnt, dass an den weiterführenden Schulen Poolstunden zu den Pflichtstunden gehören und damit die gesicherte Grundausstattung erhöhen. An den Grundschulen ist das nicht so. Es ist ein großer Unterschied, ob Grundschulen oder weiterführende Schulen keinen zusätzlichen Ergänzungsbereich haben. Die Benachteiligung der Grundschulen wird so verschleiert.

Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann wartete ungeduldig auf die Empfehlungen des Rechnungshofs. Es bleibt zu hoffen, dass nicht sinnloses Einsparen von Ressourcen, sondern Unterstützung der pädagogischen Arbeit und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für sie und die Landesregierung handlungsleitend werden. Diese Wende in der Bildungspolitik brauchen wir!

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Schule Bildungsfinanzierung Bildungsqualität Artikel Zeitschrift b+w Baden-Württemberg
news-14552 Thu, 09 Aug 2018 16:00:00 +0200 Herkunftssprachlicher Unterricht: Konzept von GEW, SPD und PH Heidelberg https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/herkunftssprachlicher-unterricht-konzept-von-gew-spd-und-ph-heidelberg/ Die GEW, die SPD-Landtagsfraktion und das Heidelberger Zentrum für Migrationsforschung und Transkulturelle Pädagogik wollen mit herkunftssprachlichem Unterricht als Regelangebot an Schulen den bestehenden Konsulatsunterricht ablösen. SPD-Landtagsfraktion, GEW und das Heidelberger Zentrum für Migrationsforschung und Transkulturelle Pädagogik der Pädagogischen Hochschule (PH) Heidelberg haben Mitte Juli ein gemeinsames Konzept zur Einführung von herkunftssprachlichem Unterricht als Regelangebot an baden-württembergischen Schulen vorgestellt. Ziel ist es, den bestehenden Konsulatsunterricht abzulösen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch begründet den Vorstoß mit dem staatlichen Bildungsauftrag: „Wir können diesen wichtigen Teil der Bildung für unsere Kinder mit Migrationshintergrund in Baden-Württemberg nicht länger ausländischen Konsulaten überlassen, nur weil dies für unsere Landeskasse günstiger ist.“

Schlechte Ergebnisse in Schulvergleichsstudien hätten gezeigt, dass vor allem die Schülerinnen und Schüler Unterstützung brauchen, die zuhause kein Deutsch sprechen. „Sprachförderung muss zur Kernkompetenz unseres Bildungssystems werden“, verlangt Stoch, gerade auch weil Baden-Württemberg das Flächenland mit dem bundesweit höchsten Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund ist und seit 2015 eine verstärkte Zuwanderung erfahren hat.

Herkunftssprachlicher Unterricht ist wichtig für erfolgreiche Integration

„Das Potential des herkunftssprachlichen Unterrichts wird bisher gar nicht genutzt, kann aber ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept für erfolgreiche Integration sein. Eine Landesregierung, die ihre integrationspolitische Aufgabe ernst nimmt, muss der Förderung des Spracherwerbs höhere Priorität einräumen“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

Wie eng die Förderung der Herkunftssprache und die Verbesserung der Sprachkompetenzen in Deutsch zusammenhängen, erklärt Professorin Havva Engin von der PH Heidelberg: „Wenn Kinder ihre Herkunftssprache richtig beherrschen, fällt ihnen auch das Deutschlernen viel leichter. Wir brauchen daher feste Strukturen, die auf eine koordinierte Zweisprachigkeit der Kinder setzen, statt eine doppelte Sprachlosigkeit zu provozieren.“

Deshalb soll aus Sicht von SPD-Landtagsfraktion, GEW und PH Heidelberg herkunftssprachlicher Unterricht in Baden-Württemberg zukünftig als freiwilliges Wahlfach angeboten werden, erst in Form eines fünfjährigen Schulversuches an 90 Schulen und dann überall dort, wo Bedarf besteht.

Aktuell besuchen 38.500 Kinder den Konsulatsunterricht. Der Unterricht wird von ausländischen Lehrkräften gehalten, die im Herkunftsland ausgebildet und oft nur zu diesem Zweck nach Deutschland abgeordnet wurden. Die inhaltliche Gestaltung des Unterrichts orientiert sich an den Bildungsplänen des jeweiligen Herkunftslandes und entbehrt der Kontrolle des Landes Baden-Württemberg.

In Rheinland-Pfalz gibt es herkunftssprachlichen Unterricht als ein schulisches Wahlfach in 15 Sprachen für 14.200 Schülerinnen und Schüler, der das Land knapp fünf Millionen Euro im Jahr kostet. „Mit dem nötigen politischen Willen lassen sich also durchaus finanzierbare und gleichzeitig qualitätsvolle Lösungen finden“, sagt der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Stefan Fulst-Blei und beziffert die Kosten für den vorgeschlagenen Schulversuch auf rund zwei Millionen Euro.

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Schule Migration Artikel Zeitschrift DaF/DaZ b+w Baden-Württemberg