GEW Baden-Württemberg - Website https://www.gew-bw.de GEW Baden-Württemberg - Website de-DE GEW Baden-Württemberg - Website Mon, 23 Oct 2017 09:08:34 +0200 Mon, 23 Oct 2017 09:08:34 +0200 TYPO3 EXT:news news-12604 Tue, 17 Oct 2017 15:01:11 +0200 Referendariat in Teilzeit bald möglich https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/referendariat-in-teilzeit-bald-moeglich/ Das Teilzeit-Referendariat kommt ab 2019. Das ist ein Erfolg der Jungen GEW auf ganzer Linie und ermöglicht auch in der Lehrerausbildung Familie und Beruf zu vereinbaren. Schule LehrerInnenbildung Artikel Referendariat Junge Baden-Württemberg news-12592 Mon, 16 Oct 2017 11:35:33 +0200 Kindheitspädagog/innen haben viele Arbeitsmöglichkeiten https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kindheitspaedagoginnen-haben-viele-arbeitsmoeglichkeiten/ Wie sieht die berufliche Perspektive von Kindheitspädagog/innen nach ihrem Studium aus? Diese Frage bekommen Studierende des Bachelorstudiengangs „Pädagogik der Kindheit “ regelmäßig gestellt, da den recht jungen Studiengang viele nicht kennen. Studierende im dritten Semester forschten selbst nach und erfuhren, dass ihnen ein großes Arbeitsfeld offen steht. Im Rahmen eines Forschungspraktikums untersuchten Kindheitspädagog/innen im dritten Semester an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, welche beruflichen Wege Absolvent/innen nach ihrem Bachelorstudiums eingeschlagen haben.
Für die empirische Untersuchung wurden knapp über 200 Personen online befragt. 94 Frauen und 4 Männer mit einem durchschnittlichen Alter von 32 Jahren haben an der Umfrage teilgenommen.
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass der größte Teil der Absolventen und Absolventinnen (34 Prozent) unmittelbar nach ihrem Bachelor-Abschluss in Kindertagesstätten arbeiten, gefolgt vom Arbeitsfeld der Krippe. Ebenfalls mehrfach genannt wurden Jugendhilfe, Hort, sozialpädagogische Familienhilfe sowie Beratung von kindheitspädagogischen Einrichtungen. Insgesamt wurden 17 unterschiedliche Tätigkeitsfelder angegeben, was von einem vielfältigen Einsatzbereich der Kindheitspädagog/innen zeugt.
17 Absolventinnen und Absolventen entschieden sich für einen Masterstudiengang oder eine akademische Weiterbildung. 7 davon wählten „Bildungswissenschaften“, unter anderem an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.
13,8 Prozent der Befragten gaben an, seit ihrem Abschluss bereits das Arbeitsfeld gewechselt zu haben. Es zeigte sich, dass die Absolvent/innen die Berufsfelder beliebig wechselten, beispielsweise aus der Kita in die Jugendhilfe, was auf eine hohe Flexibilität hindeutet.

Zusätzlich zu den Arbeitsfeldern wurden die Absolvent/innen nach ihren Funktionen innerhalb ihrer aktuellen Arbeitsverhältnisse befragt. (siehe Abb. 1). Von 76 Personen gaben knapp ein Drittel an, als Leitung einer kindheitspädagogischen Einrichtung tätig zu sein. Zwischen einer Leitungstätigkeit und dem Erwerb eines Masterabschlusses ließen sich dabei jedoch keine Korrelationen feststellen. Des Weiteren arbeiten 13 Prozent der Alumni als Erzieherinnen. Allerdings arbeiten einige der Erzieherinnen in ihrer aktuellen Anstellung nur noch indirekt mit Kindern, beispielsweise in Koordinations- oder Planungsstellen. Somit ist auch hier eine große Vielfalt an Einsatzbereichen von Kindheitspädagogen/-innen erkennbar.
Sowohl bei der ersten, als auch bei der aktuellen Beschäftigung nach dem Bachelor-Abschluss sind ein Großteil (ca. 63 Prozent) der Befragten vollzeitbeschäftigt. Bei ersterer verfügen knapp 50 Prozent über einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Dieser Anteil hat sich im Vergleich zu den Ergebnissen der aktuellen Stelle um 9 Prozent erhöht, sodass nun mehr als die Hälfte aller Personen unbefristet angestellt sind. Diese positive Entwicklung ist wahrscheinlich zu einem großen Teil auf die derzeitigen Bedingungen des Arbeitsmarktes zurückzuführen.
Ein eindeutiges Ergebnis zeigte sich, wenn man die Dauer der Bewerbungsphase anschaut: Knapp 80 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie im Anschluss an ihren Bachelorabschluss schnell eine Arbeitsstelle gefunden und dabei größtenteils nur eine, beziehungsweise keine Bewerbung verschickt hätten.

Fehlende Eingruppierung der Kindheitspädagog/innen ist problematisch
Einen weiteren interessanten Aspekt stellt die Eingruppierung in die Entgeltgruppen des TVöD SuE dar (siehe Abb. 2).
Die Gruppen S6 und S7 gibt es seit der Tarifreform 2016 nicht mehr. Dafür wurde S8 in zwei Untergruppen eingeteilt. Trotzdem gaben fünf Personen an, in S6 und zwei Personen in S7 eingruppiert zu sein. Das kann daran liegen, dass die Änderungen der Tarifreform nicht registriert wurden. Ein relativ großer Teil der Alumni (27,4 Prozent) gab an, in S8 eingruppiert zu sein. Diese Entgeltgruppe ist regulär für Erzieher/innen (8a) und mit schwieriger Tätigkeit (8b) vorgesehen. Das fehlende Tätigkeitsmerkmal von Kindheitspädagogen/-innen stellt folglich weiterhin ein Problem in der Eingruppierung der Entgeltgruppen dar.
38 Prozent der befragten Absolvent/innen sagen von sich, in ihrer Wunscharbeitsstelle beschäftigt zu sein und dass sie diese in der Zukunft behalten wollen. 42 Prozent konnten sich bei dieser Frage nicht festlegen und nur ein gering vorhandener Anteil (16 Prozent) gab an, nicht in seiner Wunscharbeitsstelle beschäftigt zu sein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Einsatzbereich von Kindheitspädagog/innen sehr vielfältig ist. Ein großer Teil der Absolvent/innen hat eine leitende Funktion inne, was jedoch der positiven Lage des Arbeitsmarktes geschuldet sein kann. Aus diesem Grund wäre es interessant zu evaluieren, ob sich die Ergebnisse in der Zukunft bestätigen.

Für die hochschulische Ausbildung von Kindheitspädagog/innen lässt sich aus diesen Ergebnissen ableiten, dass sich die Arbeitsfelder dieser Berufsgruppe in der Zukunft noch weiter ausdifferenzieren werden. Dieser Prozess ist in tradierten Praxisfeldern sowohl mit Chancen als auch mit Anforderungen verbunden. Die kindheitspädagogischen Studiengänge sollten auf diese Herausforderungen reagieren. Diese bestehen vor allem darin, die Ausdifferenzierung der Tätigkeitsfelder ihrer Absolvent/innen auch im Kontext der curricularen Weiterentwicklung abzubilden. Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe hat in diesem Zusammenhang bereits 2015 entsprechende Studieninhalte, besonders Sozial-/ Familienrecht und Beratung in das Curriculum integriert und damit auch Rückmeldungen der sozialpädagogischen Praxis aufgegriffen

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Kita GEW Artikel Zeitschrift b+w Baden-Württemberg
news-12591 Mon, 16 Oct 2017 11:30:37 +0200 Gymnasiallehrkräfte gesucht https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gymnasiallehrkraefte-gesucht/ Nur rund fünf Prozent der Lehrkräfte an Gemeinschaftsschulen sind Gymnasialkräfte. Das geht aus der Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der SPD-Fraktion hervor. „Solange der Job so mühsam ist, bleibt der Ansturm der Gymnasiallehrer auf Gemeinschaftsschulen eine Fata Morgana“, kommentierte die Stuttgarter Zeitung. b&w fragte Farina Semler, die als Gymnasiallehrerin Mathe an einer Gemeinschaftsschule unterrichtet, ob an der Aussage was dran ist? Auf Stellen für Gymnasiallehrkräfte an Gemeinschaftsschulen gibt es nur wenige Bewerber/innen. Sogar auf die, die mit A14 ausgeschrieben sind. Viele vermuten, dass in Gemeinschaftsschulen der Arbeitsaufwand hoch und die Zusammensetzung der Schüler/innen schwierig ist. Dort muss auf unterschiedlichen Niveaustufen unterrichtet werden, was niemand in der Ausbildung gelernt hat. Das Deputat liegt bei 27 Stunden, zwei Stunden mehr als im Gymnasium. Warum sollte unter diesen Voraussetzungen eine Gymnasiallehrkraft an eine Gemeinschaftsschule gehen?
Farina Semler wollte es wissen und wechselte. „Die Klassen sind sehr heterogen und der zeitliche Aufwand ist wirklich hoch“, berichtet die gymnasiale Mathelehrerin. Der Dokumentationsaufwand sei beträchtlich, es gebe mehr Konferenzen und sie stimme sich häufig mit Kolleg/innen ab. Teamarbeit sei gefragt. Wochenpläne, Lernwegelisten und Lernzirkel müssen erarbeitet und kontrolliert werden. „Klassenarbeiten für drei Stufen zu konzipieren, ist schon aufwändig“, erklärt sie.

Trotzdem macht Semler im neuen Schuljahr in der Vogt-Heß-Gemeinschaftsschule in Herrenberg weiter. Begonnen hat sie in der 5. Klasse mit fünf Deputatsstunden. Ihre Stammschule, das Andreae-Gymnasium, liegt auf demselben Campus. „Ich habe zehn Jahre Gymnasialerfahrung und komme aus der Freiarbeit, die am Andreae-Gymnasium seit Jahrzehnten praktiziert wird“, erzählt sie. Individuelles Lehren und Lernen sei ihr demnach vertraut. Sie stehe hinter dem gemeinsamen Lernen. Als ihre Nachbarschule um Gymnasiallehrkräfte warb, ließ sie sich als einzige Lehrkraft des Gymnasiums teilabordnen. „Ich fand es spannend und wollte wissen, wie die Gemeinschaftsschule funktioniert und wächst“, begründet sie ihre Entscheidung. Nun fühlt sie sich sehr wohl in der neuen Schule, schätzt das ganz andere Arbeiten, den kollegialen Umgang und den regen Austausch auch mit anderen Gemeinschaftsschulen.
Die gymnasiale Expertise von Semler ist in unteren Klassen vor allem für die Außenwirkung wichtig. „Meinen Kolleg/innen aus der Hauptschule fehlen keine Mathekenntnisse“, stellt die Gymnasiallehrerin fest. Für die Eltern sei es aber wichtig, dass auch Gymnasial-lehrkräfte an der Schule unterrichten und das erweiterte Niveau absichern. „Im städtischen Umfeld müssen wir uns neben guten Gymnasien und Realschulen behaupten. Es ist jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung, zweifelnde Eltern davon zu überzeugen, dass wir an der Gemeinschaftsschule auch das gymnasiale Niveau abdecken“, berichtet Dr. Wolfgang Graf-Götz, Schulleiter der Vogt-Heß-Gemeinschaftsschule. „Eltern, die uns kennen, sind meistens begeistert“. Aber nicht nur Eltern, sondern auch Grundschullehrer/innen würden sich mit dem Konzept der Gemeinschaftsschule schwertun. Bei den Beratungsgesprächen im Vorfeld zur Grundschulempfehlung griffen Lehrkräfte von Viertklässler/innen eher auf altbekannte Schulformen zurück. „Wir laden Lehrkräfte zu Hospitationen ein, damit sie Einblicke in Lernwerkstätten bekommen und wir miteinander reden können“, erklärt Graf-Götz. „Wir können sicher nicht alle überzeugen, aber viele können ihre vorgefasste Meinung überdenken.“ Die Heterogenität sei keine Erfindung der Gemeinschaftsschule, sondern ein Thema für alle Schulen. Graf-Götz kann sich weitere Abordnungen von Gymnasial- und Reaschullehrer/innen an Gemeinschaftsschulen gut vorstellen. Von einem Austausch würden auch die anderen Schularten profitieren.

Erweitertes Fachwissen fließt vor allem in die Unterrichtsvorbereitung
Die Mathelehrerin aus dem Gymnasium kann sich mit ihrem Fachwissen vor allem in der Vorbereitung, mit Materialien und mit Aufgaben für Klassenarbeiten einbringen. „Wir treffen uns in den Ferien und besprechen den Unterricht und die Materialien für die nächsten Wochen“, erzählt Farina Semler. Vorbehalte, die es im Kollegium anfangs ihr gegenüber gegeben habe, seien schnell verschwunden.
Ihre Deputatsstunden sind gleich geblieben. Solange eine Gymnasialkraft weniger als die Hälfte ihres Deputats an der Gemeinschaftsschule arbeitet, gilt das Deputat des Gymnasiums. Semler unterrichtet nach wie vor auch gerne am Gymnasium. Ihre Sicht auf die Kinder hat sich aber verändert. Auch im Gymnasium seien die Schüler/innen sehr unterschiedlich. Sie habe jetzt mehr Ideen, stärkeren und schwächeren Schüler/innen gerecht zu werden. „Das Coaching, das wir den Schüler/innen alle vier bis sechs Wochen an der Gemeinschaftsschule anbieten, zeigt mir, dass jedes Kind eine individuelle Ansprache braucht. Diese Unterstützungsangebote nehme ich mit ins Gymnasium, auch wenn dort kaum Zeit dafür bleibt.“

Auf die Frage, was sich ändern müsste, damit die Gemeinschaftsschule für Gymnasiallehrkräfte attraktiver wird, sagt Farina Semler: „Für Gymnasiallehrkräfte ist es wichtig, dass sie Positives aus Gemeinschaftsschulen hören und mehr über das Konzept und die Arbeitsweise erfahren.“ Sie selbst macht viel Werbung für das gemeinsame Lernen. „Ich sehe mich aber auch verpflichtet, die Schwierigkeiten zu benennen.“ Der Lehrer-Arbeitsmarkt werde in den nächsten Jahren viel regeln, prognostiziert sie. Vor allem Deutschlehrer/innen fänden zurzeit in Gymnasien nur schwer eine Stelle und nähmen dann Angebote aus Gemeinschaftsschulen an. Den Dienstanfänger/innen werde dort aber extrem viel abverlangt. „Eine junge ehemalige Kollegin hat an einer Gemeinschaftsschule eine 5. Klasse übernommen und muss nun Fächer, die sie nie studiert hat, auf drei Niveaustufen unterrichten. Das ist der Hammer“, urteilt die erfahrene Lehrerin. Semler fände es besser, wenn Lehrkräfte aus Überzeugung an Gemeinschaftsschulen arbeiten würden und nicht aus der Not heraus. Sie wünscht sich mehr Gymnasialkolleg/innen, die wie sie ein paar Stunden an Gemeinschaftsschulen mitarbeiten. Eine Französischkollegin ist ihr inzwischen gefolgt.

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Schule GEW Artikel b+w Baden-Württemberg
news-12590 Mon, 16 Oct 2017 11:22:10 +0200 Der Lehrkräftemangel ist hausgemacht https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/der-lehrkraeftemangel-ist-hausgemacht/ Zum Schuljahresbeginn wurde der Lehrkräftemangel an Grundschulen einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Von 1.580 Stellen konnte jede 3. Stelle aufgrund fehlender Bewerber/innen nicht besetzt werden. 480 Stellen blieben frei. Das liegt vor allem daran, dass es seit vielen Jahren viel zu wenige Studienplätze für Grundschullehrkräfte gibt. Im Sommer 2017 warf der Vorsitzende des Landeselternbeirates Carsten Rees der Landesregierung eine „desaströse Fehlplanung der Studienplatzentwicklung bei der Lehrerausbildung“ vor. Kenner der Materie und die GEW prognostizierten diesen Mangel bereits vor Jahren und mahnten wiederholt an, entsprechende Maßnahmen bzw. Korrekturen vorzunehmen.
Weder das Kultusministerium noch das Wissenschaftsministerium haben auf die Warnungen reagiert. Jetzt wird von diesen Ministerien mitgeteilt, dass dieser Lehrkräftemangel an Grundschulen so nicht vorhersehbar gewesen sei und verschiedene, zum Teil fadenscheinige Gründe werden aufgeführt. Auch Schuldzuweisungen an die Vorgängerregierung für diese prekäre Situation in der Lehrkräfteversorgung werden ausgesprochen. Tatsache ist, dass die CDU größtenteils für den Lehrermangel in diesem Schuljahr verantwortlich ist, da sie in den maßgeblichen Jahren bis 2011 die Verantwortung im Wissenschafts- und Kultusministerium inne hatte.  Tatsache ist aber auch, dass von 2011 bis 2015 die grün-rote Landesregierung für eine weitere massive Streichung der Studienplätze für das Grundschullehramt verantwortlich war. Diese Streichungen werden sich in den nächsten Jahren extrem auswirken.
Das Kultusministerium wirft einerseits den Grundschulen mangelnde Qualität vor, andererseits erfüllt es selbst trotz vielfacher Warnungen eine seiner wichtigsten Aufgaben nicht, nämlich eine qualitativ gute Personalplanung. Das kann man zynisch nennen. Bedauerlicherweise wird diese Fehlplanung letztlich auf dem Rücken der Grundschullehrkräfte und der Kinder ausgetragen und nicht auf dem Rücken der Verantwortlichen.

Verteilung der Studierenden aus der Balance
Betrachtet man die Entwicklung der Studienanfängerzahlen für das Lehramt an Grundschulen seit 2009, fällt auf: Die Studienplätze wurden kontinuierlich von ehemals fast 1.700 auf unter 1.000 reduziert. Das sind über 40 Prozent weniger. Im Gegenzug wurden die Studierendenzahlen in der Sekundarstufe 1 erhöht bzw. beibehalten.
Die Verteilung der Studienanfänger/innen in den beiden Schulstufen ist völlig aus der Balance geraten. Die Grundschulen mit vier kompletten Jahrgängen haben etwa ein Drittel mehr Schüler/innen als die sechs Jahrgänge der Sekundarstufe 1 (HS/WRS/RS/GMS). Knapp die Hälfte der Jahrgänge besuchen die Gymnasien.
Auch eine höhere Stundentafel in der Sekundarstufe ist kein Argument für mehr Studienplätze in dieser Stufe. Denn bei den Studierenden im Primarbereich mit einem derzeitigen Frauenanteil von über 90 Prozent kann später von einem hohen Anteil an Teilzeitlehrkräften ausgegangen werden, was zum Ausgleich eine erhöhte Studierendenzahl erfordert.

Interessen der Hochschulen
Es liegt die Vermutung nahe, dass die Hochschulen selbst ein größeres Interesse an der Sekundarstufenausbildung haben und sich verstärkt den Fachwissenschaften zuwenden und weniger der Didaktik, Methodik und Pädagogik der Primarstufe. Die Ministerien müssen klare Vorgaben machen und die Studienplätze, die sich am tatsächlichen Bedarf orientierten, auch durchsetzen.
Laut Kultusministerin Eisenmann wird sich der Personalmangel an den Schulen in den kommenden Jahren nicht verändern und sie verkündete: „Wir haben die Studienanfängerplätze für das Grundschullehramt bereits erhöht, um langfristig genügend Lehrerinnen und Lehrer einstellen zu können.“ Tatsächlich wurde jedoch im Studienjahr 2017/2018 die Zahl der Studienanfänger/innen im Primarbereich von 1.171 auf lediglich 1.272 erhöht. Viele Bewerber/innen wurden abgewiesen, weil sie nicht den erforderlichen Notenschnitt vorweisen konnten. Außerdem wurden für das Grundschullehramt keine neuen Studienplätze geschaffen. Die Plätze wurden nur von anderen Studiengängen umverteilt.
Diese aktuelle Zulassungszahl mit 1.272 Erstsemestler/innen ist nicht nachvollziehbar, weil die rund 1.500 Studienanfänger/innen aus 2011/2012 zum aktuellen Lehrkräftemangel geführt haben.
Auch wenn eine deutliche und angemessene Erhöhung der Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen in der derzeitigen Lage nicht hilft, so sollte man doch aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und eine vorausschauende Bedarfsplanung vornehmen.

Wesentlich weitsichtiger als die Planungen des Kultus- und Wissenschaftsministeriums ist die aktuelle Studie des Bildungswissenschaftlers Klaus Klemm. Er hat im Auftrag der GEW den Lehrkräftebedarf für die Grundschulen des Landes bis 2030 errechnet. Seiner Rechnung nach müssen bis 2030 mindestens 8.000 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Die derzeitigen Studienplätze reichen dafür und zum Ersatz der in Ruhestand gehenden Lehrkräfte bei weitem nicht aus. Laut Klemm-Studie müssen in den nächsten fünfzehn Jahren knapp 50 Prozent der Stellen im Grundschulbereich aus Altersgründen wiederbesetzt werden. Neben diesem Grundbedarf stehen zudem wichtige Reformmaßnahmen an, die bis zu 5.000 zusätzliche Stellen erfordern: Erweiterung der Kontingentstundentafel, Ausbau der Ganztagesschulen, Kooperation Elementar-/Primarbereich, Poolstunden für individuelle Förderung, Stellen für Vertretung, Unterrichtung von Flüchtlingskindern.
Das Wissenschafts- und das Kultusministerium müssen ihre Fehlplanungen so schnell wie möglich korrigieren. An den Pädagogischen Hochschulen müssen schnell neue Kapazitäten finanziert und geschaffen werden, damit die Zulassungszahlen für den Primarbereich deutlich erhöht werden können.

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Schule Artikel b+w Baden-Württemberg
news-12588 Mon, 16 Oct 2017 10:36:49 +0200 Produktive Allianz möglich https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/produktive-allianz-moeglich/ Die letzte Leistungsstudie, die für Furore sorgte, war der IQB-Leistungstrend 2015. Da baden-württembergische Schüler/innen im Bundesvergleich schlecht abschnitten, wird über Ursachen spekuliert. Sichere Erkenntnisse über die Gründe kann die Studie nicht liefern. Darf oder soll sich die Politik von Studienergebnissen leiten oder gar treiben lassen? Welche Rolle spielen wissenschaftliche Erkenntnisse für politisches Handeln? Die Leistungsfähigkeit und Qualität des Schulsystems soll – mal wieder – verbessert werden. Das kündigte Kultusministerin Susanne Eisenmann Ende Juni an und präsentierte dafür ein Qualitätskonzept. Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen dabei eine maßgebliche Rolle spielen. In der Pressemitteilung heißt es zum Beispiel: „Schulpraktiker und Experten aus der Bildungsforschung haben einhellig kritisiert, dass es bislang kein abgestimmtes und professionelles Bildungsmonitoring und keine datengestützte Schulentwicklung in Baden-Württemberg gibt. Mit unserem Qualitätskonzept wollen wir erreichen, dass sich die Unterrichtspraxis künftig am aktuellen Stand der Wissenschaft und auf der Grundlage abgesicherter Erkenntnisse ausrichtet“.
Auf systematisch begründetes Wissen zu setzen, ist ein guter Ansatz. Freilich gibt es weder „den“ Stand der Wissenschaft noch erreicht man je eine „abgesicherte“ Erkenntnis. Und von einer einhelligen Kritik der Bildungsforscher kann schon gar keine Rede sein. Karl-Heinz Dammer hat in seinem Beitrag (siehe Seite 14) ausführlich dargestellt, wie wissenschaftliche Untersuchungen entstehen und wie die Ergebnisse zu beurteilen sind. Politische Handlungsempfehlungen ergeben sich daraus nicht. Die Politik kann ihre Entscheidungen nicht nur mit empirischen Daten begründen. Dies soll kein Einwand gegen wissenschaftliche Expertise sein. Im Gegenteil. Bildungsforschung und vor allem empirische Bildungsforschung nimmt eine wichtige Dienstleistungsfunktion wahr, weil sie in Form empirischer Analyse und damit kritischer Rückmeldung an die Politik Aussagen zur Wirkung von bildungspolitischen Maßnahmen treffen und zur Diskussion stellen kann.

1997 beschloss die Kultusministerkonferenz (KMK) eine „Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring, die 2015 fortgeschrieben wurde. Monitoring bedeutet die systematische Analyse und Beschreibung der Stärken und Schwächen eines Bildungssystems. Dabei sollen auch Forschungsergebnisse systematisch einbezogen werden. Ein Bildungsmonitoring greift auf Bildungsberichte, Evaluationsverfahren, Bildungsstandards und deren Überprüfung und auf internationale und nationale Leistungsvergleiche zurück.
Die Politik gibt sich mit Beschreibungen von Leistungsvergleichen nicht mehr zufrieden. Sie fordert zunehmend Erklärungen von Leistungsunterschieden zwischen den Ländern. Sie will von Ergebnissen ableiten, wie man das Bildungssystem entwickeln, gar steuern kann, so dass Schulen profitieren. So kann man auch die Pressemitteilung des KM zur Qualitätsverbesserung deuten.
Was quantitative Bildungsforschung und vor allem Leistungsstudien wirklich leisten, ist nicht erst seit der ersten PISA-Studie heftig umstritten. Ihr Einfluss war dennoch immens.

PISA-Schock, IQB-Desaster und schnelle Erklärungen
Für das gesamte deutsche Bildungswesen waren die Ergebnisse der ersten PISA-Studie ein Schock. Die Leistungen der untersuchten 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in zentralen Kompetenzbereichen lagen unterhalb des OECD-Durchschnitts. Es wurde gar eine „Risikogruppe“ von 20 Prozent Schüler/innen identifiziert, die ungenügend Lesen und Schreiben konnten. Zu diesem deprimierenden Befund kam hinzu, dass die deutschen Schulsysteme hochgradig ungerecht seien und die Abhängigkeit von Bildungsbeteiligung und Bildungserfolg von der sozialen Herkunft in Deutschland höher als in den meisten anderen der damals 43 Teilnehmerstaaten sei.

Die Kultusministerien reagierten umfassend. Es entfachte sich eine politische und mediale Debatte zu Bildung wie nie zuvor. Auch die GEW publizierte Schwerpunktthemen, Broschüren, Beschlüsse und führte eine Reihe von Tagungen und Fachgesprächen durch. Auch die nachfolgenden Studien, wie zum Beispiel die IGLU-Studie, die PISA-Länderstudie und die zweite internationale PISA-Studie wurden breit diskutiert.
Im Laufe der Jahre machten sich jedoch Gewöhnungseffekte bemerkbar. Die Kommentierung der Ergebnisse wanderte in die hinteren Seiten der Tages- und Wochenzeitungen. Wohl nur noch Insider machten sich die Mühe, die späteren Leistungsstudien gründlich zu lesen. Dies liegt vermutlich zum einen an der hohen Zahl von großen und kleinen Studien und Bildungsberichten mit ihren hunderten und aberhunderten Seiten. Zum anderen fragte man sich, was diese Studien tatsächlich bewirken und wie man mit den zum Teil diametralen Einschätzungen ihrer Methodik und ihrer Aussagekraft eigentlich umgehen soll.
Erst der IQB-Bildungstrend 2015 schaffte es wieder in die Schlagzeilen. Dieser Leistungsvergleich von Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 9 auf Ebene der Bundesländer testete die Kompetenzen in Deutsch und Englisch, in einigen Bundesländern zusätzlich noch Französisch. Für Baden-Württemberg waren die Ergebnisse des Bildungstrends 2015 insofern ernüchternd, weil sie ein im Vergleich zu anderen Bundesländern sinkendes Leistungsniveau konstatieren. Baden-Württemberg war demnach das einzige Bundesland, in dem die Schülerleistungen sich im Vergleich zu den vorangegangenen Tests signifikant verschlechtert haben. Das Qualitätskonzept von Kultusministerin Susanne Eisenmann war eine Reaktion auf diese Verschlechterungen.

Forschung und Politik – Beziehungsstatus „kompliziert“
Das Verhältnis von Forschung und Politik ist – nicht nur – im Bereich der Bildung offenkundig kompliziert. Dies wird im Beschluss des GEW-Landesvorstands zu PISA 2000 illustriert. Man setze in die damalige Vorbemerkung anstelle von TIMSS jetzt „IQB-Bildungstrend“ ein, die Aussage verliert nichts von ihrer Gültigkeit:
„Die GEW steht nationalen und internationalen Vergleichsstudien im Bildungsbereich dann ablehnend gegenüber, wenn sie sich - wie etwa TIMSS - auf den Vergleich von schmalen schulischen Leistungsbereichen beschränken. Gerade weil solche Studien keine wissenschaftlich tragfähigen Rückschlüsse auf die Verursachung von Ergebnisunterschieden durch schulische Bildungsprozesse und Kontextbedingungen zulassen, veranlassen sie die Schulpolitik zu vordergründigem und kurzatmigem Reformismus, der sich lediglich auf eine Ergebnisoptimierung durch eine vermeintlich zielführende Anpassung von Unterricht konzentriert. - Schulpolitischer Aktionismus kann auf eine sorgfältige Analyse systemischer und institutioneller Bedingungen auch deshalb verzichten, weil es ihm vor allem um schnell beruhigende Signale an eine alarmierte Öffentlichkeit geht.“ (GEW BW 2002)

Der Umgang mit den PISA-Studien von 2000 bis heute macht die Grenzen deutlich, innerhalb derer besonders die deutsche Kultuspolitik bereit ist, Ergebnisse und Schlussfolgerungen ernsthaft zu diskutieren. Weil die OECD die gravierende Benachteiligung von sozial schlechter gestellten Schüler/innen in Deutschland vor allem auf die zu frühe Trennung nach Klasse 4 und auf das gegliederte Schulsystem insgesamt zurückführte, war PISA-Koordinator Andreas Schleicher nicht gut gelitten. Die baden-württembergische Landtagsfraktion der CDU forderte gar dessen Abberufung. Nach der Veröffentlichung der zweiten PISA-Studie (PISA 2003) kommentierte die GEW die Posse um den PISA-Chef wie folgt: „Insbesondere in Baden-Württemberg wird seit längerem versucht, dem zuständigen Koordinator Andreas Schleicher die Kompetenz abzusprechen, die PISA-Ergebnisse der in Deutschland getesteten Schülerinnen und Schüler zu interpretieren und daraus gar bildungspolitische Empfehlungen abzuleiten. Dies ist insofern merkwürdig, da es doch gerade CDU- und FDP-Politiker/innen sind, die sich in sozial- und wirtschaftspolitischen Belangen gerne an die Empfehlungen der OECD halten. Der Vorwurf der damaligen Kultusministerin Annette Schavan, dass der aus Deutschland stammende PISA-Chef Schleicher nichts von der bildungspolitischen Landschaft in Deutschland wisse, entfaltet dabei noch einen ganz besonderen Charme und macht deutlich, auf welchem Niveau sich die aktuelle Schul- und Bildungspolitik inzwischen legitimieren muss. Die GEW hat immer darauf hingewiesen, dass Schulleistungsvergleiche nur begrenzte Aspekte des Bildungswesens beleuchten können und eine kritische Würdigung dieser Studien immer angeraten ist. Allerdings können auf der Ebene des Systemvergleichs, also dem Gegenüberstellen des Bildungs- und Schulwesens von Staaten oder Ländern, sehr wohl Aussagen über Qualitäten und Defizite getroffen werden. Ein solches Bildungsmonitoring ist der Anspruch des PISA-Projekts, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“
Es ist also Vorsicht geboten, wenn die Politik die Wissenschaft für sich in Anspruch nimmt und sie dabei gleichzeitig desavouiert. Eines der jüngeren Beispiele für diesen Umgang war die Reaktion von Kultusministerien Eisenmann auf die IQB-Ergebnisse. Sie führte als Ursache die von Grün-Rot neu gefasste Grundschulempfehlung an, nannte als weitere Stellschraube das Schreiben nach Gehör an den Grundschulen und forderte, dass generell die Leistung wieder mehr Geltung bekommen müsse.

In diesem Fall wehrten sich Wissenschaftler/innen gegen eine derart verengte Inanspruchnahme ihrer Arbeit. „Eine auf Leistung verkürzte Diskussion greift nur ein Ziel von Schule auf“, sagte zum Beispiel Albrecht Wacker von der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg der Rhein-Neckar-Zeitung. Er sieht darin auch ein Manko der Studien: Dort werde nämlich nur erfasst, was sich leicht abprüfen lasse. Soziale, integrative oder inklusive Erfolge hingegen würden kaum gewürdigt. Die soziale Zusammensetzung der Schüler/inn könne jedoch einen signifikanten Einfluss auf das Ergebnis haben. Allerdings gebe es auch Schulen in schwierigem Umfeld, die gute Leistungen erreichten.
Sofern die Politik nicht den Fehler begeht, einem auf messbare Daten reduzierten Qualitätsverständnis zu folgen, können aus der Empirie tatsächlich Impulse für eine positive und nachhaltige Entwicklung in Schule und Unterricht folgen (vgl. Beitrag von Andreas Schleicher Seite 19). Bildungsforschung als hilfreiche Dienstleitung und Bildungspolitik als wertegeleitete Entscheidungsinstanz können eine produktive Allianz bilden. Jedoch kann die Bildungsforschung der Politik die Legitimierung ihrer Entscheidungen nicht abnehmen. Das Klima für einen Austausch ohne Ideologie muss aber erst noch geschaffen werden.

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GEW Artikel b+w Baden-Württemberg
news-12584 Fri, 13 Oct 2017 14:54:06 +0200 Endlich: Reform der gymnasialen Oberstufe! https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/endlich-reform-der-gymnasialen-oberstufe/ Der jahrelange Einsatz der GEW für die Qualität der Kursstufe zahlt sich aus, doch in der „Reform der Reform der Reform“ ist deutlich Luft nach oben. Schule Bildungsqualität Bildungssystem Artikel Gymnasium Baden-Württemberg news-12525 Fri, 06 Oct 2017 13:35:51 +0200 Unterrichtsausfall kann verringert werden https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/unterrichtsausfall-kann-verringert-werden/ Laut einer Umfrage der Zeit fällt in Baden-Württemberg 3,5 Prozent des Unterrichts aus. Zumindest in den weiterführenden Schulen könnte der Unterrichtsaufall leicht verringt werden, ist die GEW der Meinung. Schule Artikel Baden-Württemberg news-12260 Fri, 22 Sep 2017 11:50:00 +0200 Bundestagswahl 2017: bildungspolitische Pläne der Parteien https://www.gew-bw.de/newsrss/?juHash=a2cbb588efc8d06d9b04ba9479f217ca6c19bb76&jumpurl=https%3A%2F%2Fwww.gew.de%2Fbundestagswahl-2017%2F Kooperationsverbot abschaffen oder am strikten Bildungsföderalismus festhalten, marode Schulen sanieren und das BaföG massiv erhöhen oder auf der „schwarzen Null“ bestehen: Die GEW hat die Bildungsexperten von SPD, CDU, Grünen und Linke befragt. Artikel Baden-Württemberg news-12386 Fri, 15 Sep 2017 15:01:11 +0200 Fachtag für Beauftragte für Chancengleichheit (BfC) https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/fachtag-fuer-beauftragte-fuer-chancengleichheit-bfc/ Ein Dauerbrennerthema in der Beratungsarbeit der BfCs und der GEW ist das Thema Teilzeit, meist aus familiären Gründen. In Vorträgen und Workshops beleuchten wir die unterschiedlichen Aspekte und bieten Zeit und Raum, Fragen der Teilnehmer/innen zu klären. Gleichstellung Artikel Baden-Württemberg news-12369 Thu, 14 Sep 2017 11:44:40 +0200 Keinen geplünderten Planeten hinterlassen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/keinen-gepluenderten-planeten-hinterlassen/ Im Bildungsplan 2016 hat „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ mit der Leitperspektive an Bedeutung gewonnen. An vielen Schulen wird sie bereits mit einzelnen Projekten umgesetzt. Das reicht aber noch nicht aus, um den Zielen gerecht zu werden. In den Bildungsplänen enthält jedes Fach Inhalte sowie Querverweise zur Umsetzung. Ob und wie sie  dann tatsächlich berücksichtigt werden, bleibt jeder Schule und letztlich jeder Lehrperson überlassen. Es wäre hilfreich, wenn die Schulteams  sich darüber verständigen, was sie in ihren jeweiligen Fächern aufgreifen und wo Chancen bestehen, fächerübergreifend aktiv zu werden. Bis jetzt sind die Schulen so ausgelastet, dass man nicht erwarten kann, dass dies von heute auf morgen geschieht. Sie können also zunächst einmal bilanzieren, was bereits vorhanden ist und weiterentwickelt werden sollte. Vielerorts gibt es bereits einen Schulgarten, Kooperationen mit Naturschutzverbänden, Blumenwiesen mit Insektenhotels, Fair-Trade-Aktionstage, Schulpartnerschaften mit Ländern des Südens sowie vielfältige Umwelt-AGs. Oft hängen sie vom Engagement einzelner Lehrkräfte ab.

Schulgärten, Schulverpflegung sowie Kooperationen mit Biobauernhöfen  haben ein hohes Potenzial, um ein Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung zu erzeugen, da ein Bezug zur Lebenswelt der Schüler/innen hergestellt wird. Dabei kann der globale Zusammenhang von Klimaschutz, Artenvielfalt, Welternährung, Ressourcenverbrauch, Lebensmittelverschwendung sowie Tierschutz aufgezeigt werden:  Wie ist die CO2-Bilanz verschiedener Lebensmittel? Warum kann man im Discounter ein Ei für 10 Cent kaufen? Und warum kostet ein Bio-Ei  vier- bis fünfmal so viel? Woher kommt der Sojakraftschrot für die Schweine in der Massentierhaltung – und was sind die Folgen in diesen Ländern? Warum ist es wichtig, regionale und saisonale Produkte zu konsumieren? Und wenn tierische Produkte, dann aus artgerechter Haltung?
Der ökologische Lerngarten der PH Karlsruhe ist gerade als ausgezeichnetes Projekt der „UN-Dekade für Biologische Vielfalt 2016“ prämiert worden. Die Biologiestudierenden der PH entwickeln pädagogische Projekte und forschen zur Schulgartenarbeit. Wenn sie einmal an die Schulen kommen, werden sie dort eine große Bereicherung sein.
Bei der wachsenden Anzahl der Ganztagsschulen sollte die Chance genutzt werden, Schulverpflegung in das pädagogische Ganztagskonzept einzubinden. Denn es ist verheerend, wie viel Essen in Schulkantinen weggeworfen wird.

Was fehlt?

Entscheidend ist die Authentizität und Vorbildfunktion der Lehrpersonen. Insbesondere jüngere Schülerinnen und Schüler müssen spüren, dass ihren Lehrerinnen und Lehrern die umweltrelevanten Themen sehr wichtig sind und dass sie selbst auch versuchen, ihr Leben daran auszurichten. Wertebewusstsein und ethische Orientierung können aber nicht verordnet werden, sondern entstehen, wenn Sachverhalte nicht nur gelernt, sondern auch auf ihre Auswirkungen reflektiert werden.

Für mich ist es deshalb entscheidend, dass die Leitperspektive „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in die Lehrerbildung einfließt. Einerseits muss sie Bestandteil der fächerbezogenen Ausbildung werden, andererseits muss sie in der ethisch-philosophischen Grundlagenbildung berücksichtigt werden. Ebenso im Referendariat und in den schulbezogenen Fortbildungen. Außerdem sind Sammlungen praktischer Unterrichts- und Projektbeispiele samt Materialien für die Lehrkräfte unverzichtbar. Auch Anreize, etwa ein Innovationsfonds, aus dem kreative Schulen Mittel erhalten können, wären hilfreich und erfolgsversprechend.     

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Schule Artikel b+w Baden-Württemberg
news-12368 Thu, 14 Sep 2017 11:23:40 +0200 „Es gibt uns. Und es ist gut, dass es uns gibt!“ https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/es-gibt-uns-und-es-ist-gut-dass-es-uns-gibt/ Nur wenige Pädagogische Assistent/innen arbeiten an Schulen in Baden-Württemberg. Es kommen kaum neue hinzu und diejenigen, die da sind, fühlen sich von der Politik vergessen. Dabei wird ihre Arbeit von Kolleg/innen und Schulleitungen positiv bewertet. In Baden-Württemberg werden seit 2008 Pädagogische Assistent/innen beschäftigt. Damals wurden sie als zusätzliches Personal an Schulen mit hohem Migrationsanteil geschickt. Doch heute müsste eine Schule, die eine Pädagogische Assistenz neu einstellt, auf eine Lehrkraft verzichten. Das machen die wenigsten Schulen, da Assistent/innen nicht  unterrichten dürfen. So gibt es in Baden-Württemberg mittlerweile nur noch 786 Pädagogische Assistent/innen. Sie wurden größtenteils bis 2010 eingestellt. Damals noch, ohne eine Lehrerstelle zu ersetzen. Dort, wo sie im Einsatz sind, unterstützen und entlasten sie die Lehrkräfte, und die Schule kann zusätzliche Förderangebote anbieten. Sie sind fester Bestandteil des Kollegiums und an ihren Schulen anerkannt. Die kleine Gruppe dieser Beschäftigten wird von der Politik aber kaum wahrgenommen und ihre Forderungen verpuffen häufig. In der GEW engagieren sich unter anderen die Pädagogischen Assistent/innen Ute Niepenberg, Diana Hendess, Kathrin Schmuck und Igor Sekulic. Unterstützt werden sie vom Gewerkschaftssekretär aus Nordbaden, Alfred Uhing, und der Personalrätin Evi Kreichgauer. „Es gibt uns. Und es ist gut, dass es uns gibt!“, sagt  Ute Niepenberg, „Wir arbeiten im Stillen und brauchen mehr politische Aufmerksamkeit“. Deswegen haben sie in ihrem Arbeitskreis ein Positionspapier erarbeitet, in dem sie den Ausbau und die Weiterentwicklung des Berufsfelds fordern. Nun suchen sie nach Politiker/innen und Schulleitungen, die ihre Forderungen unterstützen.

Pädagogische Assistent/innen sind zum größten Teil an Grundschulen tätig, einige wenige sind an Haupt-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen. Sie helfen Lehrer/innen im Unterricht, zum Beispiel indem sie Schüler/innen bei Gruppenarbeiten und Einzelarbeiten zur Seite stehen. Kathrin Schmuck organisiert außerdem die Lese-AG an ihrer Schule, verleiht Bücher und ist für das Lesequiz zuständig, Igor Sekulic übernimmt das soziale Training an seiner Schule und kümmert sich um die Spielekiste. „Mithilfe der Pädagogischen Assistent/innen können Schulen außerdem  differenzierenden Unterricht und individuelle Förderung umzusetzen“, ergänzt Evi Kreichgauer.
Ursprünglich sollten Pädagogischen Assistent/innen ausschließlich auf Weisung der Lehrkräfte handeln, daher wurden bei der Berechnung der Arbeitszeit keine Vor- und Nachbereitungszeiten vorgesehen und die Bezahlung ist niedrig. Doch im Alltag sieht das oft anders aus. Pädagogische Assistent/innen sind engagiert und bereit, anspruchsvollere und eigenverantwortliche Aufgaben zu übernehmen. Auch ihre Schulen können das gut gebrauchen.

Die meisten Pädagogischen Assistent/innen haben eine halbe Stelle. Wie zum Beispiel Kathrin Schmuck, die an einer Grundschule in Mannheim arbeitet. Die Schulferien muss sie mit einem höheren Stundenumfang reinarbeiten. Das heißt, sie arbeitet anstelle von 19,75 Stunden pro Woche, die in ihrem Vertrag stehen, 23,85 Stunden. „Besser wäre, wenn wir unsere Arbeitszeit aufstocken und außerhalb der Ferien bis zu 39,5 Wochenstunden arbeiten könnten“, sagt sie, „vor allem wegen des Geldes. Das ergäbe – dann unter Berücksichtigung der Ferienzeiten – eine 80 Prozent-Stelle“. Denn bei einer halben Stelle in der Entgeltgruppe 8 des TV-L bleibt nicht viel übrig. Außerdem kommen immer wieder Konferenzen, Veranstaltungen und Ausflüge hinzu, die im Stundenumfang nur bei wenigen vorgesehen sind und Überstunden produzieren.

2012 hat das Kultusministerium die Arbeit der Pädagogischen Assistent/innen evaluieren lassen. Die Ergebnisse waren positiv. Daraufhin wurden die meisten Verträge entfristet, aber ein Konzept für die Zukunft gibt es nicht. „Die Schulen brauchen mehr Personal und mehr Unterstützung. Die Evaluation und die Erfahrungen an den Schulen zeigen, dass die Pädagogischen Assistent/innen genau das leisten können. Es wäre also sinnvoll, die Pädagogischen Assistent/innen mit mehr Zeit auszustatten und mehr von ihnen einzustellen“, argumentiert Alfred Uhing. „Natürlich nicht auf Kosten der Lehrerstellen“, fügt Diana Hendess hinzu. Sie möchten nicht in Konkurrenz zu den Lehrkräften treten.

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GEW Artikel b+w Baden-Württemberg
news-12367 Thu, 14 Sep 2017 11:14:23 +0200 Was Eltern wissen sollten https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/was-eltern-wissen-sollten/ Durch Lehrermangel und Stellenstreichungen hat sich die Unterrichtsversorgung in Baden-Württemberg verschlechtert. Eltern merken, dass der Unterricht ausfällt, wissen aber nicht unbedingt warum. Schulen sollten Eltern über die Ursachen informieren. Schule Bildungsfinanzierung Artikel Baden-Württemberg news-12365 Thu, 14 Sep 2017 10:53:46 +0200 Papier ist geduldig, Technik nicht https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/papier-ist-geduldig-technik-nicht/ Vor über 15 Jahren wurden die ersten Multimedia-Empfehlungen für die Schulen veröffentlicht. Die letzte Überarbeitung fand 2005 statt. Seit einiger Zeit versucht das Kultusministerium (KM) gemeinsam mit den Kommunalen Landesverbänden vergeblich, eine aktualisierte Fassung herauszugeben. Angesichts der technischen Entwicklungen und der versprochenen Digitalisierungsstrategie ist das nicht nachvollziehbar. Nach zähen Verhandlungen gelang es dem KM zusammen mit den Kommunalen Landesverbänden im Jahr 2002, die ersten Multimediaempfehlungen für Schulen (MME) herauszugeben. Rund ein Jahr zuvor erschien Wikipedia in Deutschland. 2004 gründete Marc Zuckerberg das soziale Netzwerk Facebook. Nur ein Jahr später ging Youtube online. Zur selben Zeit wurden die Multimedia-Empfehlungen überarbeitet. In der Begründung hieß es, die Empfehlungen „enthalten auch Aussagen zu technischen Fragen, die aufgrund des raschen technologischen Wandels in gewissen Abständen aktualisiert werden müssen.“ In der Zwischenzeit brachte Apple 2007 das erste iPhone sowie drei Jahre später das iPad auf dem Markt. Laut JIM-Studie 2016 verfügen mittlerweile 99 Prozent der zwölf- bis 19-Jährigen über ein Handy oder Smartphone. Doch seit über 12 Jahren ist es den Landesregierungen nicht mehr gelungen, auf diese Entwicklungen zu reagieren.

Von Windows 98 SE zum Bildungsplan 2016
In der noch gültigen Fassung der MME steht: „Als Standardbetriebssystem für einen PC-Arbeitsplatz kommt derzeit unter anderem Windows 98 SE, Windows 2000 Prof. oder Windows XP Prof. Edition beziehungsweise Mac oder Linux in Frage.“ In der überarbeiteten Fassung aus dem Jahr 2005 wird dann – der Vollständigkeit halber – ergänzt, dass die Software auch unter dem Betriebssystem 2003 lauffähig sein sollte. Vielleicht gibt es in Baden-Württemberg noch Schulen, die über eine solche Geräteausstattung verfügen. Wer den Anforderungen der Leitperspektive Medienbildung des Bildungsplans 2016 gerecht werden will, kann sich aber nicht an diesen Empfehlungen orientieren.

Von Schwarz-Gelb zu Grün-Schwarz
Im Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2001 der damals schwarz-gelben Landesregierung steht: „Wir legen ein Programm ‚Medienoffensive Schule II‘ auf mit dem Ziel, den pädagogisch sinnvollen Einsatz der neuen Medien in allen Schularten zu ermöglichen. […] Zur bedarfsgerechten Medienausstattung der Schulen sollen zusammen mit den kommunalen Landesverbänden Vorschläge erarbeitet werden. Die Frage der Finanzierung ist anschließend zusammen mit den Kommunen zu prüfen und zu verhandeln. […]“. Im Vorwort der MME 2002, welche unter anderem von der damaligen Kultusministerin Annette Schavan unterzeichnet wurde, kann man schließlich lesen: „Angesichts begrenzter finanzieller und personeller Ressourcen geht es insbesondere darum, die verfügbaren Mittel wirksam und nachhaltig einzusetzen.“ In einer Pressemitteilung vom 02.09.2016 schreibt die derzeitige Kultusministerin Susanne Eisenmann, dass die Digitalisierung ein zentrales Handlungsfeld sei. Weiter heißt es: „Unser Ziel ist, uns hier mit den Kommunen in technischen und finanziellen Fragen zu verständigen“ und weiter „In diesem Kontext solle auch eine neue Version der […] Multimediaempfehlungen aufgelegt werden.“ Etwa fünf Monate später sagte Norbert Brugger vom Städtetag Baden-Württemberg auf der Learntec Fachmesse: „Wir fordern das Land […] auf, mit den Kommunalen Landesverbänden endlich in Verhandlungen zur Umsetzung der seit mehr als einem halben Jahr abgestimmten Multimediaempfehlungen einzutreten.“ Mittlerweile ist ein weiteres halbes Jahr vergangen.

An den begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen scheint sich wenig geändert zu haben. Der vermeintliche Sparzwang sorgt dafür, dass Schulen weiterhin keine zeitgemäße Orientierungshilfe zum Einsatz digitaler Medien haben. Im Koalitionsvertrag 2016 heißt es übrigens: „Wir setzen uns dafür ein, dass die Schulen im Land mit digitaler Technik ausgestattet werden. Wir wollen die Lehrkräfte beim Einsatz der digitalen Technik unterstützen, auch in pädagogischer und didaktischer Hinsicht.“

Von Digital@BW hinter den Mond
Papier ist geduldig, Technik aber nicht. Je länger der bereits erarbeitete Entwurf der neuen MME in den Schubladen schlummert, desto größer ist die Gefahr, dass die technischen Standards bis zur Veröffentlichung wieder überholt sind. Dieser Zustand steht im krassen Gegensatz zum Vorhaben Digital@BW, der Digitalisierungsstrategie des Landes. Selbst wenn eine zeitnahe Einigung noch gelingen sollte, müssen die Empfehlungen in Zukunft regelmäßig an den Stand der Technik angepasst werden. Andernfalls werden die Schüler/innen nicht auf die Zukunft vorbereitet, sondern lernen hinter dem Mond.

Die GEW tritt für eine öffentlich finanzierte digitale Infrastruktur ein. Dazu hat sie in ihrem Antrag „Bildung in der digitalen Welt“ auf dem Gewerkschaftstag 2017 klar formuliert, dass Länder und Kommunen sich ihrer Verantwortung für eine adäquate Ausstattung der Schulen stellen müssen. Es kann nicht sein, dass man sich bei diesem Thema weiterhin auf die aus der Weimarer Reichsverfassung stammende und nach wie vor geltende Trennung in „äußere“ (Kommunen) und „innere“ (Länder) Schulangelegenheiten beruft und die Zuständigkeiten auf dieser Grundlage zurückweist. Thomas Strobel, Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration, sagt: „Für uns ist die Digitalisierung eine Teamaufgabe“. Die Schulen müssen endlich durch aktuelle Multimedia-Empfehlungen bei ihrer Aufgabe unterstützt werden.

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Artikel b+w Baden-Württemberg
news-12364 Thu, 14 Sep 2017 10:23:05 +0200 Dramatische Entwicklung an den SBBZ und in der Inklusion https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/dramatische-entwicklung-an-den-sbbz-und-in-der-inklusion/ Das Statistische Landesamt hat die Zahlen vorgelegt, wie viele Schüler/innen inklusiv an allgemeinen Schulen unterrichtet werden. Im Schuljahr 2016/17 waren es bereits knapp 8.000. Das ist gegenüber dem Schuljahr 2015/16 ein Zuwachs von ca. 1.500 Schüler/innen. Auch an den SBBZ steigt die Zahl der Schüler/innen. Die Zahlen in der amtlichen Schulstatistik sind beängstigend. An den öffentlichen und privaten allgemeinen Schulen wurden im zweiten Schuljahr nach der Novellierung des Schulgesetzes 7.946 Schüler/innen mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot (BA) zielgleich oder zieldifferent unterrichtet. Die Landesregierung war bei der Novellierung des Schulgesetzes 2015 davon ausgegangen, dass bis 2022 ca. 10.500 Schüler/innen an allgemeinen Schulen inklusiv unterrichtet werden. Die beruflichen Schulen sind bei den Zahlen des Statistischen Landeamtes nicht berücksichtigt. Es ist unklar, wie viele Schüler/innen mit einem festgestellten Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot im Sinne des Schulgesetzes dort inklusiv unterrichtet werden.

Auch an den öffentlichen und privaten Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) steigen die Schülerzahlen. Sie sind im Schuljahr 2016/17 um 164 auf 49.339 Schüler/innen (Vorjahr 49.175) mit BA gestiegen. Wie im Schuljahr 2015/16 wurden mit 4.097 die Mehrzahl (52 Prozent) der Schüler/innen mit BA an den Grundschulen unterrichtet. 26 Prozent (2.077; Vorjahr 22 Prozent) besuchten eine Gemeinschaftsschule, 18 Prozent (1.300; Vorjahr 18 Prozent) eine Haupt-/ Werkrealschule. 4 Prozent (342; Vorjahr 3 Prozent) der Schüler/innen mit BA besuchen eine Realschule. Nur 21 Schüler/innen (Vorjahr 15) mit BA wurden an einem Gymnasium, 109 an anderen Schulen unterrichtet. Die Grund-, Haupt-/Werkreal- und Gemeinschaftsschulen bewältigen rund 95 Prozent der inklusiven Angebote – ohne ausreichende Ressourcen und Unterstützung.

Im zweiten Schuljahr nach der Schulgesetzänderung ist die Gesamtzahl der Schüler/innen mit BA auf 57.285 (Vorjahr 55.628; Zuwachs 1.657) erneut deutlich gestiegen. Im Schuljahr 2014/15 wurden vor der Schulgesetzänderung in der Schulstatistik rund 52.500 Schüler/innen mit BA gezählt.
Seit dem Schuljahr 2015/16 ist die Zahl der Schüler/innen mit BA um rund 9 Prozent gestiegen. Für rund 4.800 zusätzliche Schüler/innen wurden 400 neue Stellen geschaffen. Diese sind nur zum Teil in die sonderpädagogische Unterrichtsversorgung an den SBBZ und in der Inklusion geflossen: 50 Stellen werden in der Schulverwaltung zur Organisation der Inklusion verwendet, 100 Stellen stehen für inklusionsbedingte Klassenteilungen an den allgemeinen Schulen zur Verfügung, mit 42 Stellen wird ein sonderpädagogischer Dienst an den beruflichen Schulen aufgebaut und 28 Stellen finanzieren die Inklusion an Privatschulen. Von 400 Stellen stehen also nur 180 für die Unterrichtsversorgung im sonderpädagogischen Bereich zur Verfügung. Im Schuljahr 2014/15 gab es an den SBBZ insgesamt 15.342 Lehrer/innen. Dem Anstieg der Schülerzahlen um 9 Prozent steht also nur ein Aufbau der Lehrerstellen um 1 Prozent gegenüber. Selbst wenn alle 400 Stellen in die Verbesserung der Unterrichtsversorgung geflossen wären, hätte dies nur für 2,5 Prozent zusätzliche Lehrer/innen gesorgt. Verschärfend kommt hinzu, dass es nicht genug Bewerber/innen für die freien Stellen gibt. Viele Stellen können nicht mit qualifizierten Sonderpädagog/innen bzw. gar nicht besetzt werden.
Bei den Förderschwerpunkten der inklusiv beschulten Schüler/innen mit BA gibt es deutliche Unterschiede. Zwei Drittel der Schüler/innen hatten einen BA mit Förderschwerpunkt „Lernen“. Rund 10 Prozent hatten den Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ bzw. „emotional-soziale Entwicklung“. Ca. 7 Prozent hatten einen BA mit Förderschwerpunt „Sprache“, rund 5 Prozent den Förderschwerpunkt „körperlich-motorische Entwicklung“. Den Förderschwerpunkt „Hören“ hatten rund 2 Prozent, den Förderschwerpunkt „Sehen“ rund 1 Prozent.

Schüler/innen mit Förderschwerpunkt „Lernen“ sind in der Inklusion deutlich überrepräsentiert. Das ist besonders problematisch, weil der Organisationserlass für diesen Förderschwerpunkt die Ressourcenverteilung nur pauschal über einen prozentualen Anteil an den Grundschüler/innen im Schulbezirk des SBBZ Lernen regelt. Der Anteil ist nicht an die reale Entwicklung der Schülerzahlen gekoppelt. Bei steigenden Schülerzahlen bleibt der Lehrerbedarf rechnerisch gleich. Schüler/innen mit BA „Lernen“ werden in der Inklusion zieldifferent unterrichtet – dafür muss der Unterricht in der allgemeinen Schule grundlegend verändert werden. Das ist mit den wenigen Stunden, die rechnerisch pro Schüler/in für die sonderpädagogische Doppelbesetzung zur Verfügung stehen, nicht zu leisten.
An den SBBZ besuchte ein Drittel der Schüler/innen ein SBBZ „Lernen“ (früher Förderschulen). Rund 18 Prozent wurden an einem SBBZ „geistige Entwicklung“, rund 16 Prozent an einem SBBZ „emotional-soziale-Entwicklung“ unterrichtet. Weitere 12 Prozent besuchten ein SBBZ „Sprache“, rund 4 Prozent ein SBBZ „Hören“ und rund 2 Prozent ein SBBZ „Sehen“.

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Schule GEW Inklusion Artikel Sonderpädagogische Schulen Baden-Württemberg
news-12343 Mon, 11 Sep 2017 14:25:36 +0200 Was brauchen Fachberater/innen? https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/was-brauchen-fachberaterinnen/ Das Positionspapier der GEW nimmt einerseits die momentane Realität der Fachberater/innen in den Blick, anderseits werden die Aufgaben und Notwendigkeiten von Fachberatung klarer beschrieben. Kita Artikel Baden-Württemberg news-12341 Mon, 11 Sep 2017 11:41:45 +0200 Barrierefreie Hochschulen? https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/barrierefreie-hochschulen/ Vier Prozent der Studierenden sind mobilitätsbeeinträchtigt. Die Dokumentation „Studieren im Rollstuhl“ gibt einen kleinen Einblick in den Alltag von Tanja und den Herausforderungen, die ihr als Rollstuhlfahrerin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) begegnen. Die GEW fordert die Landesregierung zur umfassenden Umsetzung von Inklusion an Hochschulen auf, schnellstmöglich politische Rahmenbedingungen zu schaffen, um das Hochschulpersonal entsprechend zu professionalisieren und Studierende im Rahmen ihres Studiums für den Umgang mit Inklusion zu sensibilisieren.

Zu diesem Zweck sollen die vorhandenen Unterstützungsmöglichkeiten innerhalb der Hochschule (Möglichkeiten zu Nachteilsausgleichen, Beratungsangebote, Unterstützung und Einbindung der Interessenvertretung behinderter Studierender, Zurverfügungstellung von Hilfsmitteln), aber auch darüber hinaus (z.B. Eingliederungshilfe) evaluiert und verbessert werden.

Konkrete Forderungen für das Studium und die Arbeit der Beschäftigten sind:

  • Die konsequente Einführung und Durchsetzung des Nachteilsausgleichs für alle Hochschulangehörigen.
  • Einrichtung bzw. Ausbau von Beratungsstellen für Hochschulangehörige. Im Bereich Studium können dort z.B. individuelle Hilfsangebote unterbreitet werden. Hierzu zählen exemplarisch angepasste Prüfungsleistungen, barrierefreie Skripte und Vorlesungsmaterialien, aber auch der Zugang zu entsprechenden Ressourcen.
  • Für die Lehre ist die Vermittlung von Standards der barrierefreien Didaktik an alle Lehrenden erforderlich.
  • Die Studentenwerke werden aufgefordert, ihr Angebot ebenfalls barrierefrei auszugestalten.
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Studium Wissenschaft Artikel Baden-Württemberg
news-12309 Thu, 07 Sep 2017 15:08:04 +0200 Schülerzahlen steigen, Lehrkräfte fehlen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/schuelerzahlen-steigen-lehrkraefte-fehlen/ „Wenn am Montag die Schule beginnt, werden Lehrerinnen und Lehrer fehlen und Pflicht­unterricht wird ausfallen", warnt GEW-Vorsitzende Doro Moritz kurz vor Beginn des neuen Schuljahres. Besonders an Grundschulen herrscht Lehrermangel. Schule Artikel Baden-Württemberg news-9327 Tue, 05 Sep 2017 14:44:00 +0200 Leseverträge für das Schuljahr 2017/18 https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/lesevertraege-fuer-das-schuljahr-201718/ Der Lesevertrag ist eine Vereinbarung zwischen der Lehrkraft und dem Kind. Wichtig ist das regelmäßige Lesen – und sei es nur für fünf Minuten am Tag. Schule GEW Artikel Grundschule b+w Baden-Württemberg news-12231 Thu, 31 Aug 2017 09:44:30 +0200 Video: Zeit für jedes einzelne Kind in Kitas https://www.gew-bw.de/newsrss/?juHash=b0ce9787c48fbe2454a827913b15f294889676df&jumpurl=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3D2fShz9mFvGw%26FE_SESSION_KEY%3Df4f9883bb91cd01429bac27d5999b972-ca32726d1d311007f848c88cb9692071 Zeit für jedes einzelne Kind, darauf kommt es in den Kitas an. Das geht nur, wenn der Fachkraft-Kind-Schlüssel stimmt, dieser kostet jedoch Geld. Also: Mehr Geld für Bildung! Kita Artikel Baden-Württemberg news-12228 Wed, 30 Aug 2017 13:23:09 +0200 Nicht alles spitze https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/nicht-alles-spitze/ Mit dem sechsten Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme ermittelte die Bertelsmann-Stiftung wieder den Personalschlüssel in Kitas in ganz Deutschland. Baden-Württemberg nimmt erneut den Spitzenplatz ein. Trotzdem sieht die GEW Verbesserungsbedarf. Kita Bildungsqualität Artikel Baden-Württemberg news-12057 Tue, 08 Aug 2017 11:32:00 +0200 Die GEW ruft nicht zum Rechtsbruch auf! https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/die-gew-ruft-nicht-zum-rechtsbruch-auf/ Das Innenministerium Baden-Württemberg wirft der GEW vor, sie würde sich mit der Handlungsanleitung bei drohender Abschiebung erkennbar außerhalb der Rechtsordnung stellen. Dem widerspricht Vorsitzende Doro Moritz. Weitere Berichterstattung:

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Berufliche Bildung Schule Migration Artikel Baden-Württemberg
news-12047 Fri, 04 Aug 2017 10:44:18 +0200 Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/bildung-fuer-toleranz-und-akzeptanz-von-vielfalt/ Die GEW vermisst weiterhin vor allem die praktische Umsetzung der Leitperspektive Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt aus dem neuen Bildungsplan in der Lehrer/innenfort- und -ausbildung sowie in der schulischen Praxis. Bildung & Geschlecht Gleichstellung Artikel sexuelle Vielfalt Baden-Württemberg news-12044 Fri, 04 Aug 2017 10:11:46 +0200 Werden verfasste Studierendenschaften mundtot gemacht? https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/werden-verfasste-studierendenschaften-mundtot-gemacht/ 2012 hatten Grüne und SPD mit der Novelle des Landeshochschulgesetzes (LHG) das politische Mandat der Verfassten Studierendenschaft wiedereingeführt. Jetzt soll die explizite Nennung des politischen Mandats gestrichen werden. Studium Wissenschaft Mitbestimmung Artikel Baden-Württemberg news-11489 Tue, 01 Aug 2017 16:07:00 +0200 5‐Punkte‐Programm für Arbeitnehmer/innen https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/5-punkte-programm-fuer-arbeitnehmerinnen/ Die Personengruppe Arbeitnerhmer/innen hat fünf Forderungen für Lehrkräfte im Arbeitnehmerverhältnis aufgestellt, die sie gegenüber Landtagsabgeordneten vertreten werden. Jede/r kann mitmachen! Baden-Württemberg Artikel Tarif TV-L news-2058 Tue, 01 Aug 2017 13:17:00 +0200 Kostenlose Maßnahmen des Kultusministeriums zum Erhalt der Lehrergesundheit https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/kostenlose-massnahmen-des-kultusministeriums-zum-erhalt-der-lehrergesundheit/ Seit 2011 werden im Kultusressort jährlich 3 Millionen Euro für die Lehrergesundheit zur Verfügung gestellt und diverse Maßnahmen wurden entwickelt. Gesundheit Baden-Württemberg news-12029 Mon, 31 Jul 2017 14:43:06 +0200 Inklusion am Scheideweg https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/inklusion-am-scheideweg/ Seit 2 Jahren gilt das Schulgesetz zur inklusiven Beschulung von Kindern mit Anspruch auf ein sonderpädagogischen Bildungsangebot. Viele Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern sind mit der Umsetzung der Inklusion unzufrieden. Mit guten Gründen. Schule Gesellschaftspolitik Inklusion Artikel Sonderpädagogische Schulen Gemeinschaftsschule Gymnasium Realschule Grundschule Baden-Württemberg news-12438 Fri, 28 Jul 2017 10:53:00 +0200 Gemeinschaftsschule fehlt Unterstützung https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gemeinschaftsschule-fehlt-unterstuetzung/ Nach einem Jahr grün-schwarzer Schulpolitik zieht die GEW eine Bilanz: Der Koalitionsvertrag barg durchaus positive Überraschungen: Von einer Abwicklung der Reformen konnte keine Rede sein. Doch die angekündigten Versprechungen der „Verlässlichkeit“ und der „Ruhe im Schulsystem“ werden konterkariert. Artikel Gemeinschaftsschule Baden-Württemberg news-12360 Thu, 27 Jul 2017 16:21:00 +0200 Wie sich Freie Lehrkräfte an Volkshochschulen organisieren https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/wie-sich-freie-lehrkraefte-an-volkshochschulen-organisieren/ Die Bedingungen für eine selbstorganisierte Interessensvertretung unter Honorarlehrkräften sind nicht gerade optimal. Trotzdem ist eine solche Organisation an mehreren Volkshochschulen entstanden. Drei Beispiele werden hier vorgestellt. Artikel DaF/DaZ Baden-Württemberg news-12027 Thu, 27 Jul 2017 13:15:14 +0200 Neues Bildungsprogramm https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/neues-bildungsprogramm/ Das GEW-Bildungsprogramm für den Herbst und Winter 2017/2018 ist jetzt online. Das gedruckte Programm wurde mit der Juli/August-Ausgabe der b&w an alle Mitglieder verschickt. Zu den Veranstaltungen kann man sich auf der Internetseite anmelden. Baden-Württemberg Artikel news-11891 Fri, 21 Jul 2017 11:32:00 +0200 Was tun bei Abschiebung? https://www.gew-bw.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/was-tun-bei-abschiebung/ Die Absicht der Politik, die Zahl der Abschiebungen zu erhöhen, führt in der jüngsten Zeit dazu, dass die Polizei Schüler/innen mitten aus dem Unterricht herausholt. Wie können Schulleitungen und Lehrkräfte damit umgehen? Berufliche Bildung Schule Migration Artikel Baden-Württemberg