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11.000 Erzieher/innen und Fachkräfte heute in Stuttgart

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat heute (20.04.) landesweit Erzieher/innen und andere Beschäftigte im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst zum Warnstreik aufgerufen.

Große Verantwortung für wenig Geld

Gute Qualität in Kitas nur mit besseren Arbeitsbedingungen

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW hat heute (20.04.) landesweit Erzieher/innen und andere Beschäftigte im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst zum Warnstreik aufgerufen. Rund 700 Kitas im Land blieben geschlossen. Zur zentralen Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz kamen über 11.000 Streikende. Auch GEW und verdi in Bayern waren dort mit Streikenden vertreten. In Offenbach wird heute erneut zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern verhandelt.

„Gute Bildung gibt es nicht umsonst. Denn Bildung wird von Menschen gemacht.
Und diese Menschen müssen gut bezahlt werden. Große Kompetenz und große Verantwortung für unsere Kinder werden jeden Tag von 7 bis 17 Uhr in den Kitas erwartet. Am Ende liegen wenige Euro im Geldbeutel der gut ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher. Das darf so nicht weitergehen. Wir fordern daher eine deutliche Aufwertung der sozialpädagogischen Berufe durch eine bessere Eingruppierung. Wenn das Bruttogehalt einer Erzieherin um 600 Euro unter dem durchschnittlichen Bruttogehalt aller Beschäftigten liegt, dann stimmt etwas nicht. Von einer angemessenen Bezahlung für diese wichtige Arbeit kann keine Rede mehr sein“, sagte am Montag (20.04.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bei der Auftaktkundgebung vor dem GEW-Haus.

Zentrale Forderung der Gewerkschaften ist eine Neuregelung der
Eingruppierungs- und Tätigkeitsmerkmale für die bundesweit rund 240.000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst. Dadurch sollen Gehaltssteigerungen von durchschnittlich zehn Prozent erreicht werden. In der GEW, die seit zwanzig Jahren steigende Mitgliedszahlen verzeichnet, sind die Erzieher/innen die am stärkste wachsende Gruppe innerhalb der Bildungsgewerkschaft.
 
Absurde Eingruppierungsrichtlinien

„Wie absurd die Regelungen zur Eingruppierung für Erzieherinnen und Erzieher sind, erleben wir zum Beispiel immer wieder, wenn Kitas mehr Kinder unter drei Jahren aufnehmen. In der Regel wird dann die Zahl der Plätze in der Einrichtung verringert, um weiter gute Betreuungsqualität zu garantieren.
Dies kann aber dazu führen, dass die KiTa-Leitung trotz der gewachsenen Anforderungen weniger verdient, da ein Kriterium für das Gehalt die Platzzahl in der Einrichtung ist“, sagte Moritz.


76.400 pädagogische Fachkräfte in BW

In Baden-Württemberg gibt es (Stat. Landesamt, Stand 2014) 8.600 Kindertagesein-richtungen, in denen 87.200 Personen beschäftigt sind, davon knapp 76.400 als pädagogische Fachkräfte, die 404.000 Kinder betreuen und fördern. 41 Prozent der Kitas haben öffentliche Träger. Laut einer Bertelsmann-Studie werden im Südwesten gut 5.000 weitere Erzieher/innen gebraucht.

800.000 Mitarbeiter/innen bei freien Trägern profitieren

Bundesweit stellen die 350.000 Erzieher/innen mit 67 Prozent die größte Beschäftigtengruppe in den Kitas, gefolgt von rund 60.000 Kinderpfleger/innen (12 Prozent) und weiteren Beschäftigten mit einschlägiger Berufsqualifikation. GEW und verdi verhandeln für rund 300.000 Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen. Etwa 800.000 Mitarbeiter/innen freier Träger profitieren in der Regel von de Tarifabschlüssen, da ihre Gehälter häufig an die Entgelttabelle des öffentlichen Dienstes angelehnt sind.

Erzieher/innen 640 Euro unter dem Durchschnittsgehalt

Das Durchschnittsgehalt aller Arbeitnehmer/innen in Deutschland lag laut Stat. Bundesamt 2013 bei 3.449 Euro im Monat. Das Gehalt von Erzieher/innen liegt im Schnitt knapp 640 Euro darunter, Erzieher/innen mit schwieriger Tätigkeit erhalten 412 Euro weniger. Auch verglichen mit Berufen, die eine ähnliche Ausbildung wie die vierjährige Fachschul-Ausbildung der Erzieher/innen haben, ist der Verdienst unter-durchschnittlich.

40 Prozent geben ihren Beruf auf

Die Bildungsgewerkschaft GEW macht vor allem die schlechte Bezahlung dafür verantwortlich, dass 40 Prozent der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen ihren Beruf wieder aufgeben. Bei Männern liegt die Quote sogar bei 53 Prozent. Die hohe gesundheitliche Belastung führt dazu, dass Erzieher/innen und Kinderpfleger/innen ein Jahr früher in Rente gehen als der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland. Ein Viertel geht bereits mit 52 Jahren aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand.