GEW Baden-Württemberg
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Unbezahlte Sommerferien1.600 Unterschriften für Übergangsbesoldung an Kultusministerin übergeben

Referendar*innen haben sich gemeinsam mit GEW und VBE bei Kultusministerin Susanne Eisenmann für eine Bezahlung in den Sommerferien starkgemacht. Erneut schickt Baden-Württemberg deutschlandweit die meisten Lehrkräfte in die Arbeitslosigkeit.

15.07.2020 - GEW-Pressemitteilung

1.600 Unterschriften von Lehramts-Referendar*innen haben heute Betroffene zusammen mit der GEW-Landesvorsitzenden Doro Moritz und dem VBE-Landesvorsitzenden Gerhard Brand (Verband Bildung und Erziehung) vor dem Landtag in Stuttgart an Kultusministerin Susanne Eisenmann übergeben. Die angehenden Lehrkräfte aus dem ganzen Land und aus allen Schularten setzen sich für eine Bezahlung in den Sommerferien ein.

„Schon im Vorbereitungsdienst und im Referendariat müssen wir Vorkehrungen treffen, damit wir die Sommerferien finanziell stemmen können, vor allem bei Mieten wie in Stuttgart, Freiburg oder Heidelberg. Die meisten von uns haben nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld II und geraten somit in Abhängigkeiten von Eltern oder Lebenspartnerinnen und Lebenspartnern. Da es uns wichtig ist, von Beginn an für unsere Schülerinnen und Schüler qualitätsvolle Bildungsangebote umsetzen zu können, sind wir während der Sommerferien bereits mit Lehrkräften unserer künftigen Schulen im Austausch und bereiten uns auf unsere neuen Schülerinnen und Schüler, den Unterricht, die Schulen oder unsere neuen Aufgaben in der Inklusion vor. Wir arbeiten somit unbezahlt und sind ohne Dienstunfallschutz. Das wäre in einem Angestelltenverhältnis in der freien Wirtschaft undenkbar“, so die betroffenen Lehrkräfte. Die Referendar*innen setzen sich für eine Übergangsbesoldung in den Sommerferien ein.

Zum Ferienbeginn am 30. Juli 2020 enden die Verträge von fast 4.000 befristet beschäftigten Pädagog*innen und etwa 5.000 Referendar*innen werden entlassen, obwohl die meisten zum neuen Schuljahr wieder in den Klassenzimmern stehen. Die Bildungsgewerkschaft GEW nennt es einen Skandal, dass die grün-schwarze Landesregierung trotz Lehrermangel und Corona deutschlandweit die meisten Lehrkräfte in die Arbeitslosigkeit schickt.

„Es ist ein ärmliches Argument der Kultusministerin, wenn sie darauf verweist, dass es viele Einstellungsperspektiven gebe und dies eine übliche Praxis sei. Ob es die fehlende Unterstützung für die völlig überlasteten Schulleitungen in der Corona-Zeit oder die Entlassung von 9.000 Lehrkräften ist: Die Landesregierung demonstriert, wie wenig wert ihnen die Arbeit ihrer pädagogischen Profis ist. Mit Blick auf den Lehrermangel und die bevorstehenden Aufgaben im zweiten Corona-Schuljahr brauchen wir mehr als ein ‚Dankeschön‘ aus dem Landtag und der Landesregierung“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Mit der Einführung einer Übergangsbesoldung für fertig ausgebildete Lehrkräfte, die für das neue Schuljahr eine Stellenzusage im Schuldienst haben, könnte die Attraktivität des Lehrerberufs erhöht werden und dem Lehrkräftemangel begegnet werden. So könnte auch verhindert werden, dass Lehrkräfte in den Grenzregionen in die benachbarten Bundesländer und die Schweiz abwandern.