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Resolution auf GEW-Tagung„Das Verändern von Strukturen reicht nicht aus“

Beschäftigte in der Schulverwaltung und in der Lehrerbildung haben bei einer GEW-Tagung in Stuttgart eine Resolution zum Qualitätskonzept des Landes verabschiedet. Sie fordern ernsthafte Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung.

13.02.2019 - GEW-Pressemitteilung

Die Bildungsgewerkschaft GEW erwartet von der Landesregierung schnell wirkende Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung an den Schulen und in der Lehrerfortbildung. Auf einer landesweiten GEW-Tagung in Stuttgart verlangten heute Beschäftigte in der Schulverwaltung „ernsthafte Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung“.

„Warum nimmt Grün-Schwarz nicht sofort die Kürzung von Lehrerfortbildungsmitteln aus 2017 zurück und zahlt den Fortbildern mehr als 38,81 Euro im Monat? Das wären Maßnahmen, die sofort wirken können. Die Ziele des Qualitätskonzepts sind gut, die Wirkung wird aber erst in vielen Jahren zu spüren sein. Gleichzeitig werden jetzt funktionierende Strukturen zerschlagen, bevor neue entstehen. Stellen an Staatlichen Seminaren und Schulämtern bleiben unbesetzt, dadurch gerät die Qualität in der Lehrerausbildung in Gefahr. Für das Qualitätskonzept und den Umbau der Schulverwaltung gibt es Geld, aber nicht für bessere Qualifizierungsangebote. Neue Strukturen garantieren keine bessere Qualität. Es ist bisher nicht erkennbar, wie die Reform zu besseren Ergebnissen führen soll, wenn Grün-Schwarz dafür nicht mehr investieren will“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Beschäftigte beschließen Resolution

Auf einer landesweiten GEW-Tagung unter dem Titel „Höhere Qualität durch neue Strukturen“ diskutieren heute in Stuttgart Beschäftigte aus allen Teilen der Schul- und Kultusverwaltung, in der Lehreraus- und fortbildung sowie Schulleitungen und Lehrkräfte die geplante Reform und machen Vorschläge für die Verbesserung der Qualität in den 4.500 Schulen in Baden-Württemberg. In der Resolution (PDF), die auf der Tagung verabschiedet wurde, heißt es:

„Beschäftigte in der Schul- und Kultusverwaltung, Lehreraus- und -fortbildung, Schulleitungen und Lehrkräfte fordern Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann und die Landesregierung auf, ernsthafte Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung zu ergreifen. Dazu gehört, aus den Ergebnissen der Studie zur Lehrerfortbildung in Baden-Württemberg Konsequenzen zu ziehen, die Lehrerfortbildung in einem transparenten Prozess weiterzuentwickeln sowie das Personal und die Personalentwicklung als maßgeblichen qualitätssichernden Faktor einzubeziehen. Das Verändern von Strukturen reicht nicht aus. Kultusministerin Eisenmann muss das Vertrauen der Beschäftigten wieder gewinnen, das durch die fehlende Transparenz des Umstrukturierungsprozesses und die ungenügende Kommunikation mit den Beschäftigten verlorengegangen ist. Wir brauchen keine Scheinlösungen, keine populistische Verkürzung komplexer didaktischer Fragen, keine unterfinanzierten Einrichtungen und keine demotivierten Mitarbeiter/innen.“

Beruf des Fortbildners attraktiv gestalten

Das Institut für Bildungsanalysen und das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung sollen künftig die Qualitätsentwicklung und Lehrerfortbildung für etwa 120.000 Lehrkräfte in Baden-Württemberg steuern. Die Regierungspräsidien und die Staatlichen Schulämter sollen sich künftig auf Aufsicht und Steuerung der Unterrichtsversorgung konzentrieren. „5.000 Personen bekommen einen neuen Arbeitsplatz, noch weiß niemand wo und was sie dort machen sollen. Der Umbauprozess wird sich Jahre hinziehen und die Arbeit beeinträchtigen. Eine echte Unterstützung der Schulen ist noch lange nicht in Sicht“, so Moritz.

Bei den meisten Fortbildungen erhalten die Leitungen derzeit nur 38,81 Euro brutto pro Monat zusätzlich. Deshalb ist es oft schwer, dafür qualifizierte Personen zu finden, die Fluktuation ist groß. Die GEW setzt sich dafür ein, dass in allen Schularten der Beruf des Fortbildners attraktiv gestaltet wird und alle Fortbildner wie im Bereich der beruflichen Schulen und Gymnasien nach der Besoldungsgruppe A 15 bezahlt werden.

Erste umfassende Studie zur Lehrerfortbildung

Zum ersten Mal in Deutschland gibt es für ein Bundesland eine größere Analyse der Fortbildungsangebote für Lehrkräfte. Im Auftrag der Bildungsgewerkschaft GEW wurden 10.588 Fortbildungen für die etwa 120.000 Lehrkräfte von Forschern der Universität Tübingen untersucht. Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage für die laufende Neustrukturierung der Schulverwaltung und geben auch Hinweise für schnelle Verbesserungen.

Neben der Analyse der 10.588 Fortbildungsangebote wurden 865 Lehrerinnen und Lehrer mit Fragebogen zu der von ihnen jeweils aktuell besuchten Fortbildung befragt und ausführliche Interviews mit Verantwortlichen der Institutionen der Lehrerfortbildung geführt. Die Teilnehmenden sind zu 89 Prozent zufrieden mit den besuchten Fortbildungen. Die meisten Fortbildungen sind von kurzer Dauer (halbtägig, eintägig) und daher von geringer Nachhaltigkeit. Viele Fortbildungsangebote haben keinen expliziten Bezug zu einem Schulfach oder einer Schulart und es ist selten gesichert, wie die Fortbildungsinhalte innerhalb der Lehrerkollegien weitergegeben werden. Die Bezahlung der Fortbildenden erfolgt in Abhängigkeit von der Schulart sehr unterschiedlich und auch die finanziellen Mittel für Fortbildungen werden ungleich auf die Schularten verteilt, so einige Ergebnisse der Studie.

„Auffällig ist auch, dass es für aktuelle Herausforderungen, vor denen die Schulen stehen, oft keine oder zu wenige Qualifizierungsangebote gibt. Kultusministerin Susanne Eisenmann spricht auf jeder Veranstaltung über die schlechten Rechtschreibkenntnisse der Schülerinnen und Schüler, in den wenigen Fortbildungsangeboten zur Didaktik der Rechtschreibung müssen aber regelmäßig Lehrkräfte abgewiesen werden, die sich gerne weiter qualifizieren möchten“, sagte die Landesvorsitzende. Die GEW nennt auch die Themen Klassenführung, Diagnostik, Heterogenität und Begleitung von Schulteams, für die es zu wenige Angebote gibt.

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