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Erste Klasse für alle – gleichen Lohn für gleiche Arbeit

GEW: Angestellte Lehrkräfte besser bezahlen – Lehrermangel droht

18.11.2016 - GEW-Pressemitteilung

Stuttgart – Mit einer symbolischen Aktion vor dem Finanzministerium setzten sich heute (18.11., 14 Uhr) angestellte Lehrkräfte und Honorarlehrkräfte für eine bessere Bezahlung ein.

„In Baden-Württemberg arbeiteten fast an jeder Schule auch angestellte Lehrerinnen und Lehrer. Obwohl sie die gleiche Arbeit wie ihre verbeamteten Kollegen im Klassen­zimmer machen, verdienen sie monatlich zwischen 600 und 900 Euro weniger. Auch als Vertretungen arbeiten Angestellte, die dann jeweils zum Beginn der Sommerferien arbeitslos werden. So geht kein guter Arbeitgeber mit seinen Beschäftigten um. Immer weniger junge Menschen interessieren sich für diesen schönen Beruf, wir rechnen damit, dass der Unterrichtsausfall weiter steigen wird“, sagte am Freitag (18.11.) in Stuttgart Doro Moritz der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Mit den angestellten Lehrer/innen protestierten auf dem Schlossplatz auch Honorar­lehrkräfte, die in der Weiterbildung arbeiten. Unter dem Motto "Erste Klasse für Alle - Schluss mit der Benachteiligung" luden sie Passant/innen ein, sich auf unterschiedliche Stühle der 1. Klasse (Beamte), 2. Klasse (Angestellte) oder der 3. Klasse (Honorarlehr­kräfte) zu setzen, um so den Unterschied zwischen den Arbeitsplätzen der Pädagog/innen kennenzulernen.

In Baden-Württemberg verdienen die tarifbeschäftigten (angestellten) Lehrkräfte zwischen 600 und 900 Euro netto weniger als ihre verbeamteten Kolleg/innen. Darüber hinaus erhalten sie an den öffentlichen Schulen des Landes häufig nur befristete Arbeitsverträge. Diese Befristungs­praxis ist mittlerweile derart ausgeufert, dass ein Drittel aller tarifbeschäftigten Lehrkräfte nur einen befristeten Arbeitsvertrag hat und regelmäßig bis zu 3.000 Kolleg/innen in den Sommerferien in die Arbeitslosig­keit entlassen werden. In Baden-Württemberg sind etwa zehn Prozent der rund 120.000 Lehrer/innen Angestellte.

Fast alle Weiterbildungsträger beschäftigten zunehmend Honorarlehrkräfte, die inzwischen den weit überwiegenden Teil des Lehrangebots abdecken. Die GEW Baden-Württemberg setzt sich für die Festanstellung der Lehrkräfte für Deutsch als Zweit­sprache (DaZ) und Deutsch als Fremdsprache (DaF) ein. Bei Honorarlehrkräften schlägt die GEW einen Honorarsatz von 54 Euro vor, weil sie sich als Selbstständige um ihre soziale Absicherung kümmern müssen. Bei Integrationskursen werden derzeit meist 35 Euro pro Unterrichtseinheit gezahlt.

Die Aktion findet im Rahmen der bundesweiten GEW-Initiative „Bildung. Weiter denken!“ statt: www.gew-bw.de/bildung-weiter-denken

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