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Komplette Öffnung von Kitas und SchulenErzieher*innen und Lehrkräfte haben Anspruch auf Gesundheitsschutz

Die GEW befürwortet, Kitas und Schulen weiter zu öffnen. Dabei ist der Gesundheitsschutz für Kinder, Jugendliche und die pädagogischen Fachkräfte und Lehrer*innen sicherzustellen. In Zeiten von Corona rächt sich, dass viele Stellen unbesetzt sind.

16.06.2020 - GEW-Pressemitteilung

Die Bildungsgewerkschaft GEW befürwortet eine weitere Öffnung von Kitas und Schulen, wenn der Gesundheitsschutz für Kinder, Jugendliche und die pädagogischen Fachkräfte und Lehrer*innen sichergestellt werden kann. „Eine komplette Öffnung der Kitas und Grundschulen für alle Kinder gleichzeitig ist bis zu den Sommerferien angesichts des Fachkräftemangels nicht möglich“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

„Vor allem in Kitas und Grundschulen waren schon vor Corona viele Stellen nicht besetzt. Wie soll eine komplette Öffnung möglich sein, wenn jetzt noch weniger Personal zur Verfügung steht und gleichzeitig die Anforderungen für Betreuung und Unterricht unter Corona-Bedingungen deutlich höher sind? Alle Eltern und Lehrkräfte wollen, dass Kinder und Jugendliche wieder in Kitas und Schulen gehen können. Das geht aber nicht um jeden Preis. Wir erwarten auch, dass die Landesregierung und die Kita-Träger als Arbeitgeber den Gesundheitsschutz für ihre Beschäftigten sicherstellen und selbstverständliche Arbeitsschutzstandards umsetzen. In den Konzepten der Landesregierung wird zu Recht viel zum Gesundheitsschutz der Kinder und Jugendlichen gesagt. Die 130.000 Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen und die Fachkräfte in den Kitas haben Anspruch auf den gleichen Gesundheitsschutz wie alle anderen Beschäftigten in unserem Land auch. Warum soll eine Grundschullehrerin beim Einkauf im Supermarkt 1,50 Meter Abstand halten und einen Mundschutz tragen, aber im Klassenzimmer mit 28 Kindern ohne entsprechende Schutzmaßnahmen Unterricht halten?“, fragte Moritz.

Auch nach der heute vorgestellten Studie bleibe die Ansteckungsgefahr für Lehrkräfte und Fachkräfte in Kitas und Schulen. Die GEW erwartet, dass die Träger das Reinigungspersonal kurzfristig aufstocken. „Es wird empfohlen, dass bestimmte Bereiche mehrmals täglich gereinigt und desinfiziert werden. Die viel zu wenigen Erzieherinnen und Lehrkräfte in den Einrichtungen können nicht auch noch mit Lappen und Desinfektionsmittel durch die Gebäude gehen und die Mindeststandards für den Infektionsschutz sicherstellen“, so die GEW-Landeschefin.

Die Bildungsgewerkschaft bezeichnet es als problematisch, dass Mindestanforderungen wie die Gruppengröße in Kitas aufgegeben werden. „Allen muss klar sein, dass mit weniger Personal und mehr Aufgaben die Qualität der Betreuung und Bildung stark beeinträchtigt sein wird“, sagte Moritz.

Rückmeldungen zur Öffnung der Schulen nach den Pfingstferien

„Erst- und Drittklässler waren für je zwei Schulstunden in der Schule. Sie haben sich sehr darüber gefreut, dass sie wieder in die Schule kommen durften. Auch die Lehrkräfte freuten sich über ein kleines Stück mehr Normalität und den direkten Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern. Die Atmosphäre war zunächst angespannt, da die Kinder sehr verunsichert darüber waren, wie sie sich am besten ‚korrekt‘ verhalten. Alle hatten einen Mundschutz dabei. Bald hatte sich die angespannte Situation gelockert und die Kinder kehrten nach und nach zu ihrem normalen Verhalten zurück – stets bemüht, sich an die Abstandsregel zu halten, was Grundschülern allerdings sehr schwer fällt, vor allem in den Pausen.

Unterrichtet wurde im Frontalunterricht mit dem Schwerpunkt in den Fächern Deutsch und Mathematik. Die Kinder kommen in dieser Woche jeden Tag für zwei Stunden und sollen so täglich beim Lernen aus der Nähe begleitet und für das Homeschooling möglichst gut vorbereitet werden. Von Eltern kam die klare und deutliche Rückmeldung, dass der Präsenzunterricht nach den Pfingstferien für sie keine Entlastung bringt, die Organisation des Alltags eher noch komplizierter macht.“

„Wir haben das Glück, dass fast alle Lehrkräfte arbeitsfähig sind, auch die Über-60-Jährigen wollen und dürfen arbeiten. Die Kinder setzen die Regeln super um, vor allem die Kleinen (besser als die Sekundarstufenschüler*innen!). Was nervt: Einige Eltern erklären mir, dass es keine Maskenpflicht geben darf (und sie haben leider recht). Wieso muss beim Einkaufen eine Maske getragen werden und in der Schule ist es nur ein Gebot? Es laufen also erste Kinder oben ohne rum, weil die Eltern sie entsprechend ‚informiert‘ haben, andere Kids sehen das, wollen auch ohne Maske sein und ich kann nicht wirklich etwas dagegen tun. Das ist ätzend. Hier wünsche ich mir eine klare Ansage ‚von oben‘!

Der Schirm als Antwort über allem: Wir sind froh, wieder alle Schüler*innen bei uns zu haben. Alle Kolleg*innen sehen sich wieder und empfinden die Arbeit endlich wieder gewinnbringend im Haus. Und überhaupt: Wir haben den besseren Kaffee hier in der Schule ... :-) Die Abstandsregeln haben alle sehr gut eingehalten! Hände haben alle vorbildlich und oft gewaschen.“

„Da wir ein kleines SBBZ Lernen sind, haben wir es natürlich auch mit sehr problematischen Eltern zu tun, die teilweise der deutschen Sprache weder im Mündlichen noch im Schriftlichen mächtig sind und auch sonst problembeladen und teilweise hilflos ihre Kinder erziehen. Und so war natürlich der erste Tag auch chaotisch. Die Eltern verstanden den Stundenplan nicht, verstanden nicht, warum es unterschiedliche Startzeiten gibt und so weiter. In der Schulschließung ging mit E-Mails oder digitalen Angeboten bei den Meisten eh nichts. Die Sekretärin musste Eltern anrufen und sie erinnern, dass die Sprösslinge Unterricht haben. Medien kennen viele nur als Spielekonsole. Mit den strengen Auflagen, was die Hygiene und den Abstand betrifft, können wir nur den Kopf schütteln. Was für Unterschiede doch privat und in Schulen gemacht werden! Die Inklusionsstunden fallen aus.

Zehn Personen dürfen sich privat wieder treffen, aber im Klassenzimmer dürfen sich nur ein paar Schüler aufhalten. Komisch. Vereine dürfen Sport betreiben, aber unsere Kinder nicht? Der Großteil unserer Schüler*innen kämpft schon immer mit Übergewicht und Bewegung. Viele Schüler kamen mit Materialien, die nur zum Bruchteil bearbeitet waren, da sie daheim keine Unterstützung bekamen. Und was die Familienhelfer und Beratungszentren die letzten Wochen gemacht haben, scheint mir sehr unklar. Im Grunde genommen hat uns das alles aber nicht weiter gewundert, da wir schon immer sehr eng an den Elternhäusern dran sind. Und dennoch: Wir alle sind froh, dass der Alltag wieder für alle spürbar ist, regelmäßig aufgestanden und gearbeitet wird. Und die Schüler*innen sind auch froh, ihre Freunde und Lieblingslehrer wieder zu sehen.“

„Wegen der Berufsschulabschlussprüfung in der nächsten Woche (27 Klassen in 53 Prüfungsgruppen) haben wir den ersten Schultag auf den 29. Juni verlegt. Wir haben ansonsten nur einen zweijährigen Ausbildungsgang, die Berufsoberschule. Da haben heute die beiden Klassen wieder begonnen. Wegen der Abstandregelungen haben wir vier Klassengruppen gebildet, die parallel von vier Lehrkräften unterrichtet werden, also zwei, die die Schüler*innen (SuS) bisher noch nicht hatten. Die SuS sind aber so froh, dass es wieder Unterricht gibt, dass es keine Kritik gab. Die zwei zusätzlichen Lehrkräfte haben den Unterricht übernommen, weil ihnen Prüfungsklassen jetzt wegfallen. Allerdings haben sie die Abikorrekturen und die mündlichen Prüfungen dann zusätzlich. Das sollte unsere Gewerkschaft betonen, dass die Lehrkräfte große Bereitschaft zeigen, zusätzliche Arbeiten auf sich zu nehmen!“

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