GEW Baden-Württemberg
Sie sind hier:

LehrermangelFahrlehrer unterrichten jetzt auch an Schulen

In Baden-Württemberg unterrichten in diesem Schuljahr knapp 900 Personen ohne Lehrerausbildung auf Stellen, für die eigentlich ausgebildete Sonderpädagoginnen und -pädagogen und Grundschullehrkräfte vorgesehen sind.

11.10.2018 - GEW-Pressemitteilung

Die Bildungsgewerkschaft GEW erwartet, dass verlässliche Lehrerbedarfsprognosen eingeführt und die Studienplätze für Lehrerinnen und Lehrer ausgebaut werden.

„In Baden-Württemberg unterrichten in diesem Schuljahr Schreiner, Fahrlehrer, Frisörinnen und Fleischerfachverkäuferinnen auf Stellen, für die eigentlich ausgebildete Sonderpädagoginnen und Grundschullehrkräfte vergeblich gesucht wurden. Insgesamt wurden 871 Stellen so besetzt.

Es ist kein Wunder, dass so die Qualität an den Schulen nicht besser wird und die Eltern unzufrieden sind. Es gibt an unseren Schulen derzeit kaum vernünftige Bedingungen für Inklusion, Sprachförderung und viele andere pädagogische Herausforderungen“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Die GEW erinnert die Kultusministerkonferenz (KMK), die heute tagt, an ihre eigenen Beschlüsse. „Wir brauchen regelmäßige bundesweite Lehrerbedarfsprognosen und mutige Politiker, die nicht nur an die nächsten vier bis fünf Jahre denken, sondern rechtzeitig Studienplätze schaffen, damit auch in zehn Jahren genügend Lehrkräfte in unseren Klassenzimmern stehen.

Dabei geht es nicht nur um die Berechnung der Schülerzahlen der Zukunft, sondern auch um den zusätzlichen Bedarf, der beispielsweise für den Ganztagsausbau, für bessere Förderung, für Inklusion und für mehr Zeit für Schulleitungen benötigt wird“, so Moritz.

GEW fordert bessere Bezahlung für Grundschullehrkräfte

Die GEW-Chefin lobt, dass im Nachtragshaushalt 2018 weitere 200 Studienplätze für Grundschullehrkräfte geschaffen werden sollen. „Der Bedarf dafür wurde bereits durch die von der GEW im April 2017 vorgelegten Lehrerbedarfsprognose belegt. Die Berechnungen zeigen auch, dass wir auch mehr Studienplätze für Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen brauchen“, sagte Landesvorsitzende Moritz.

Die GEW setzt sich bundesweit für eine bessere Bezahlung von Grundschullehrkräften ein. „Der größte Mangel besteht an Grundschulen. Sie sind mit den Fachlehrkräften die am schlechtesten bezahlten Lehrkräfte. Immer mehr Bundesländer haben reagiert und die Besoldungsgruppe A 13 wie für die Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen eingeführt. Warum kann sich das unser wohlhabendes Bundesland nicht leisten, warum ist hier die Arbeit mit sechs- bis zehnjährigen Kindern weniger wert als die mit den älteren Schülern?“ so die GEW-Chefin.

Als kurzfristige Maßnahme gegen Unterrichtsausfall schlägt die GEW eine Erhöhung der Altersermäßigung vor. „Nur 26 Prozent der Lehrkräfte arbeiten derzeit bis zur gesetzlichen Altersgrenze. Mit einer besseren Altersermäßigung stünden Lehrerinnen und Lehrer länger zur Verfügung“, sagte Moritz.

Zurück