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„Grundschulen – weg vom Abstellgleis“GEW startet Kampagne für die 2.500 Grundschulen in Baden-Württemberg

Die GEW will für die Grundschulen bessere Lern- und Arbeitsbedingungen, mehr Zeit für Schulleitungen und die gleiche Studienzeit und Bezahlung wie für die Lehrkräfte ab Klasse 5 erreichen. Rektoren unterstützen die Ziele mit einem offenen Brief.

11.11.2019 - GEW-Pressemitteilung

Die Bildungsgewerkschaft GEW startet zusammen mit Schulleitungen von Grundschulen eine landesweite Kampagne „Grundschulen – weg vom Abstellgleis!“. Die Initiative will für die fast 2.500 Grundschulen im Land bessere Lern- und Arbeitsbedingungen, mehr Zeit für Schulleitungen und die gleiche Studienzeit und Bezahlung wie für die Lehrkräfte ab Klasse 5 erreichen.

„Grundschulrektorinnen und Grundschulrektoren haben in einem offenen Brief an die Kultusministerin (PDF) ihre Erwartungen klar formuliert: Sie wollen Vertrauen statt Verbote, Unterstützung statt Kontrolle und Wertschätzung statt Vorwürfe. Ständig neue Aufgaben, unzureichende Unterrichtsversorgung, schlechtere Bezahlung, zu hohe Deputate und kein Plan dafür, wie sich das verbessern kann, das haben die Grundschulen satt. Ich appelliere an die Kultusministerin, an das Land und die Kommunen, sich endlich gute Bildung in der Grundschule zu leisten“, sagte Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, in Stuttgart.

Studienplätze weiter ausbauen – mindestens 4.000 Lehrer/innen fehlen bis 2030

Zum Schuljahresbeginn blieben etwa 400 Stellen in den Grundschulen unbesetzt. Die GEW erwartet von der Landesregierung einen weiteren Ausbau der Studienplätze. „Wenn sich Kultusministerin Eisenmann und Wissenschaftsministerin Bauer auf den bisherigen Ausbauplan beschränken, werden bis 2030 4.000 Lehrerstellen nicht besetzt werden können. Das wären nur die Stellen, um den Status Quo zu erhalten. Wer Bildung besser machen will, muss mehr investieren und entsprechend ausbilden. Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie über ihre Amtszeit hinaus denkt und jetzt dafür sorgt, dass wir in Zukunft über gute Bildung in unseren Schulen und nicht über Lehrermangel sprechen können“, sagte Moritz.

Bis 2030/31 besteht nach der Lehrerbedarfsprognose des Bildungswissenschaftlers Prof. Klaus Klemm aus dem Jahr 2017 für die Grundschulen ein Einstellungsbedarf von 19.275 Lehrkräften. Tatsächlich werden mit den Studienplatzkapazitäten aus 2017 nur 10.500 an den Schulen ankommen. Die Differenz beträgt also rund 9.000 Lehrkräfte. Das Land hat inzwischen 600 zusätzliche Studienplätze pro Studienjahr (2017/18 bis 2019/20 jeweils 200) geschaffen. Das bedeutet etwa 5.000 zusätzliche Lehrkräfte, 4.000 fehlen weiterhin. Notwendig wären mindestens 570 weitere Studienplätze in den nächsten zehn Jahren. Wer kleinere Klassen, Inklusion, Förderangebote oder Ganztag gut umsetzen will, braucht noch mehr Studienplätze.

Grundschulen in Baden-Württemberg: Bundesweit auf Platz 16

Die Grundschulen in Baden-Württemberg liegen in der Lehrer/Schüler-Relation auf dem 16. Platz der 16 Bundesländer. In allen weiterführenden Schularten einschließlich der Gymnasien wurden in den vergangenen Jahren die Poolstunden für Stütz- und Fördermaßnahmen deutlich ausgebaut. Die baden-württembergische Grundschule hat keine einzige.

Studienzeit auf 10 Semester erhöhen – Leitungszeit für Schulleitungen – Poolstunden

Die Bildungsgewerkschaft GEW setzt sich dafür ein, dass die Grundschulen die gleichen zusätzlichen Poolstunden wie die weiterführenden Schulen erhalten und die Studienzeit wie in den anderen Lehramtsstudiengängen von acht auf zehn Semester erhöht wird. Die geplante bessere Bezahlung für Grundschulrektor/innen ab einer Schülerzahl von 40 begrüßt die GEW. Die GEW-Chefin versteht aber nicht, warum Kultusministerin Eisenmann ihr Versprechen, dass alle Schulleitungen besser bezahlt werden sollen, nicht einlösen konnte. Für genauso wichtig wie die Bezahlung hält die GEW mehr Leitungszeit für die Rektor/innen.

„Echte Unterstützung der überlasteten Lehrkräfte an den Grundschulen in Baden-Württemberg muss anders aussehen. Die Grundschulen sind trotz schöner Sonntagsreden immer noch abgehängt. Die Heterogenität in den Klassen 1 bis 4 ist am höchsten, trotzdem erhält die Grundschule als einzige Schulart in Baden-Württemberg keine einzige Poolstunde für Förderunterricht, müssen die Lehrkräfte nur acht statt zehn Semester studieren und für den im Bundesvergleich besonders hohen Anteil von fachfremdem Unterricht gibt es keine Fortbildungsangebote. Aktuell wird durch den Lehrermangel die Situation weiter verschärft und der Landesregierung fällt nichts anderes ein als eine Fortbildungsreihe. Sprachförderung fällt vielfach aus. Die Profis für Deutsch als Fremdsprache sind nur befristet beschäftigt und werden in den Sommerferien auf die Straße gesetzt. Warum erhalten sie keine dauerhafte Perspektive in den Grundschulen“, sagte Moritz

Fünf Bundesländer bezahlen bereits A 13 für Grundschullehrkräfte

Heute starten auch die bundesweiten Aktionswochen der GEW-Initiative „Bildung. Weiter denken!“ Ziel ist es, für deutlich höhere Investitionen in der Bildung zu werben. Die Aktionswochen stehen unter der Überschrift „JA 13“. Fünf Bundesländer haben A 13 bereits umgesetzt, in drei weiteren werden Gespräche geführt.

Kampagne „Grundschulen – weg vom Abstellgleis!“

In dieser Woche erhalten die 2.500 Schulleitungen der Grundschulen in Baden-Württemberg den offenen Brief an das Kultusministerium. Die Rektorinnen und Rektoren sowie alle Lehrkräfte an Grundschulen werden dazu aufgerufen, die Initiative zu unterstützen. Im Februar 2020 sollen die Unterschriften Kultusministerin Susanne Eisenmann übergeben werden. Am 17. Februar 2020 findet eine landesweite GEW-Tagung zur Situation der Grundschulen in Stuttgart statt.

An der Pressekonferenz nahmen teil:

  • Doro Moritz, GEW-Landesvorsitzende
  • Ricarda Kaiser, Vorsitzende der GEW-Landesfachgruppe Grundschulen
  • Sonja Fahlenbock, Rektorin der Grundschule Salem-Beuren
  • Dr. Gabriele Heidenreich, Rektorin der Grundschule Heiligenberg
  • Stefan Neher, Rektor der Fritz-Baur-Grundschule Salem-Mimmenhausen
  • Dorothea Vollmer, Rektorin der Hermann-Auer-Grundschule Salem-Neufrach
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